"Wer viel und lange am Bildschirm liest, der schätzt ein gutes Buch umso mehr"

29. Mai 2007 00:02 Uhr - sw

Interview mit

Daniel Mandl, Verfasser mehrerer Mac-Bücher, seit Sommer 2006 als selbstständiger Verleger tätig (01.03.2007).

Von "Macintosh für Kinder" bis hin zum ganzen Betriebssystem rund um Apple - über die letzten Jahre hat sich Daniel Mandl als Fachautor seine Reputation buchweise erschrieben. Im Sommer 2006 wagte er zusammen mit Michael Schwarz den Sprung in die Selbstständigkeit. Was früher noch bei einem Verlag aus der Schweiz erschienen ist, kommt nun unter dem Label der Edition Digital Lifestyle im Mandl & Schwarz-Verlag direkt vom Autor. In einem von Großverlagen dominierten Markt ist dies ein durchaus bemerkenswerter Schritt. MacGadget sprach mit Daniel Mandl, was ihn zu der Verlagsgründung bewegt hat und wie der Autor und Unternehmer sich in dem Markt behaupten will.



MacGadget: Sie haben im Sommer 2006 den Verlag "Mandl & Schwarz" gegründet. Zuvor schrieben Sie für SmartBooks zahlreiche Mac-Bücher. Was bewegte Sie dazu, selbst im Verlagsgeschäft aktiv zu werden?

Daniel Mandl: Wenn man über viele Jahre als Autor einem Verlag zuarbeitet, dann kommt - so glaube ich zumindest - irgendwann die Zeit, die eine Änderung fordert. Man möchte nicht stillstehen, sondern Entwicklung - eben ein erweitertes Aufgabengebiet. Da Herr Schwarz und ich zusätzlich als Lektoren, Layouter und Koordinatoren bei SmartBooks tätig waren, haben wir ein gutes Portfolio an Verlagstätigkeiten abgedeckt, die uns nun zugute kommen. Der Schritt hin zum eigenen Verlag war daher eine vorhersehbare Entscheidung.

MacGadget: Wie wollen Sie sich im Mac-Markt, in dem bereits zahlreiche Verlage tätig sind, etablieren? Welches Konzept verfolgen Sie?

Daniel Mandl: In der Tat buhlen mittlerweile eine Menge Verlage um die Gunst der Leser. Wir möchten in diesem Sinne keine "einfachen" (und meist trockenen) Lehrbücher machen, sondern Bücher, die Spaß beim Lesen bereiten. "Wissen, kompetent und unterhaltsam aufbereitet" ist unsere Vorgabe.

Wir wollen kein "1. Tun Sie das, 2. Dann drücken Sie da und 3. Schließen Sie das Fenster". Der Leser soll auch einmal schmunzeln, dann wieder Fachmaterie aufsaugen, um sich danach wieder an einer kleinen Aufgabe zu erfreuen. Auch die bewusst eingesetzte Farbe in unseren Büchern spielt eine große Rolle, denn schließlich "genießtDaniel Mandl das Auge mit".

MacGadget: Hat man als Kleinverlag nicht strukturelle Nachteile gegenüber der größeren Konkurrenz, etwa beim Marketing und Vertrieb?

Daniel Mandl: In der Tat, da liegt eine unserer größeren Herausforderungen. Vor allem die Buchhandlungen zögern bei einem Kleinverlag erst einmal - egal, wie gut ein Buch auch sein mag. Wohlgemerkt: Unsere Bücher sind überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich. Doch bei allen Konzentrationsbewegungen, die den Markt derzeit beherrschen, ist vielleicht auch diese Entwicklung nicht untypisch: Mittlerweile sind wir Teil eines engagierten Netzwerks aus kleinen Verlagen und Partnern auch im Ausland, die sich helfen und gegenseitig fördern. Zudem war es im Sinne des "Guerilla-Marketings" für uns sehr hilfreich, dass die gewonnenen Leser konkret bei ihrer Fachbuchhandlung nach "Mandl & Schwarz" gefragt hatten.

MacGadget: Suchmaschinen, spezialisierte Foren, Newsgroups... - wer heute eine Frage hat, findet im Internet in der Regel schnell eine Antwort. Wer liest vor diesem Hintergrund eigentlich noch Computer-Sachbücher? Oder anders gefragt: Für wen schreiben Sie?

Daniel Mandl: Die Internet-Generation sucht halt zuerst einmal im Netz - das ist unbestritten. Aber wird sie dort auch bei normalem Zeitaufwand fündig? Ein Griff zum Buch ist dann immer noch bequemer als das Klicken durch digitale Textbaustellen - so hat es jüngst eine überregionale Tageszeitung wieder bestätigt.

Doch fällt es uns schon z.B. über die Direktbesteller auf unserer Website auf: Beim Alter der Leser sind die Grenzen nach oben hin offen. Wir sind selbst immer wieder überrascht, wenn uns auch "Best Agers" schreiben, wie sie ihre ersten Versuche mit einem Mac starten und sich über gute Literatur freuen. Das baut auf - und zwar nicht nur das Lob über unsere Verlagstätigkeit, sondern auch die Tatsache, dass sich auch ältere Menschen mit der Computer-Materie befassen und daran Freude haben. Gerade Digitalfotografie, Video und auch das Internet sind Themen, die die ältere Generation mit fast kindlicher Neugierde angeht. Wir zollen dem einen großen Respekt.

Als Garanten für unseren Erfolg haben sich dabei ein klares Layout, nachvollziehbare Erklärungen und vor allem die Blicke über den Tellerrand des jeweiligen Programmteils hinweg erwiesen, mit denen wir die Verzahnung auch zu anderer Software verdeutlichen. Auch das ist noch lange nicht Standard im Apple-Buchmarkt.

MacGadget: Ihr Angebot umfasst derzeit drei Bücher zu iLife bzw. iTunes/iPod. Welche weiteren Titel wollen Sie in näherer Zukunft herausbringen?

Daniel Mandl: Die iLife-Bücher wollen natürlich zu jeder Version aktualisiert werden. Hinzu kommen Bücher zum Betriebssystem Mac OS X Leopard, welches derzeit in Vorbereitung ist. Interessant sind natürlich auch die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an den Mac. Und wer weiß, was uns Apple sonst noch so Verlag Mandl & Schwarzalles in diesem Jahr präsentiert. Jedenfalls ermutigt uns das bisherige positive Feedback, die junge Edition Digital Lifestyle noch weiter auszubauen.

MacGadget: Mobilität wird immer wichtiger. Weshalb gibt es die Bücher des Mandl & Schwarz-Verlags nicht in elektronischer Form, als eBook?

Daniel Mandl: Unsere Zielgruppe verlangt nach Papier, sie will eine gute Haptik. Wer viel und lange am Bildschirm liest, der schätzt ein gutes Buch umso mehr. Uns geht es ebenso: Das Blättern in einem Buch ist durch nichts zu ersetzen. Das soll nun aber nicht heißen, dass wir in naher Zukunft keinen Probelauf starten.

Hinweisen möchten wir gerne auf die Online-Leseproben auf unserer Webseite www.mandl-schwarz.de, die wir zu jedem Buch zum Download abgelegt haben. Dort kann man sich einen ersten Überblick über unsere Arbeit verschaffen.

MacGadget: Der Mac wird weltweit immer populärer, dank iPod-Hype und Intel- Chips. Doch Experten kritisieren, dass Apple in manchen europäischen Regionen, darunter auch Deutschland, zu wenig tut. Teilen Sie diese Einschätzung?

Daniel Mandl: Das glauben wir nicht. Egal, mit wem wir reden: Wir sprechen die Leute immer daraufhin an, ob ihnen der Begriff "Macintosh" etwas sagt. Die Altersgruppen unter 8 und über 80 Jahre einmal ausgenommen: Die Antwort lautet fast immer "Na klar". Wie überall haben wir es mit einer überwältigenden Masse zu tun, die auf Windows schwört. Aber wir sind uns ganz sicher, dass sowohl das Apple-Marketing als auch Trend-Scouts den Mac in die Wohnzimmer (und ins Büro) tragen werden. Früher oder später schnuppert jeder einmal - und wir freuen uns, dann anregender Begleiter in diese neue Welt sein zu dürfen.

MacGadget: Vielleicht noch eine private Frage zum Schluss: Wie kommt man auf Husum als Verlagsstandort? Im Vorgespräch erzählten Sie, dass es sie "dorthin fast schon gezogen" hat.

Daniel Mandl: Ja, das stimmt. Mein Name lässt auf meine bayrische Wurzeln schließen. Seit frühester Jugend bin ich aber ein ausgesprochener Fan der rauen Nordseeküste. Mit Nordfriesland steht z. B. Sylt oder Dänemark direkt vor der Tür – wir arbeiten also von dort, wo andere Urlaub machen; zugegeben, das ist ein Privileg.

Und im Zeitalter von DSL und UMTS kann man seinen digitalen Ideen ja überall freien Lauf lassen. Hauptsache, mein Mac-Equipment findet seinen Platz - und sei es in der kleinsten Friesenkate. Da fehlt eigentlich nur noch das iPhone. :-)