"Arbeiten mit Hochdruck an einer Universal Binary-Version"

12. Jul 2007 00:01 Uhr - sw

Interview mit

Helmut Tschemernjak, Geschäftsführer der RagTime.de Development GmbH

RagTime zählt zu den Urgesteinen im Mac-Markt. Im Jahr 1986 erschien die erste Version der Business-Software, die sich heute als ausgereifte und stabile Produktivumgebung für Mac OS X und Windows in vielen Unternehmen im Einsatz befindet. Mit einer Umstrukturierung rüstet sich der Hersteller derzeit für die Zukunft und will Vermarktung und Entwicklung der Anwendung, die Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Diagramme in einer Layoutumgebung vereint, verstärkt vorantreiben. Im Gespräch mit MacGadget erläutert Helmut Tschemernjak, Geschäftsführer der neu gegründeten RagTime.de Development GmbH, das neue Firmenkonzept und kündigte neue Versionen der Software an.



MacGadget: Herr Tschemernjak, die RagTime GmbH musste kürzlich Insolvenz anmelden. Wie kam es dazu und wie geht es mit RagTime weiter?

Helmut Tschemernjak: Die Entwicklung von RagTime 6 hat viel Zeit und Geld gekostet. Leider haben wir nicht genug ins Marketing investiert, so dass es trotz der sehr guten Verkäufe von RagTime 6 am Ende nicht gereicht hat. Wir haben dann aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Daraus ergab sich aber auch die Chance mit neuen Partnern die Entwicklung und den Verkauf der Software fortzusetzen. Ich denke, wir haben nun die Voraussetzungen geschaffen, die uns die Möglichkeit geben, Entwicklung und Vertrieb als gleichberechtigte Unternehmensziele mit ganzer Kraft und persönlicher Motivation zu verfolgen.

MacGadget: Welche Effekte erhoffen Sie sich durch die neue Firmenstruktur?

Helmut Tschemernjak: Vertrieb und Entwicklung sind einfach zwei komplett getrennte Bereiche. Die RagTime GmbH war in der Vergangenheit zu sehr auf die langfristige Weiterentwicklung der Software fokussiert. Der Vertrieb ist dabei nicht intensiv genug wahrgenommen worden.

Helmut TschemernjakDurch die neue Aufteilung in zwei auch räumlich getrennte Unternehmen sind die Aufgaben klar geteilt. Wir werden unsere Produkte erheblich intensiver vermarkten, mit mehr Veranstaltungen und größerer Kundennähe. Zusätzlich werden wir Allianzen mit strategischen Partnern aufbauen.

Die Entwicklung findet ab jetzt in der RagTime Development GmbH statt. Die Entwickler haben hier die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Weiterentwicklung zu konzentrieren und werden nicht durch das Tagesgeschäft im Vertrieb gestört.

Die getrennte Zuständigkeit von Vertrieb und Entwicklung hat sich bei vielen Firmen bewährt. Ich bin überzeugt, dass dieses auch für RagTime spürbare Vorteile bringen wird.

MacGadget: Inwieweit beeinträchtigt der von Ihnen durchgeführte Management Buy-Out die momentane Erreichbarkeit des RagTime-Supports? Bleiben Support-Rufnummern bzw. -Mailadressen unverändert erhalten?

Helmut Tschemernjak: Der Support wird gerade innerhalb der RagTime Sales GmbH neu organisiert. Es gibt seit kurzem neue Telefonnummern, die auf der RagTime Web-Site zu finden sind. Alle Mailadressen sind weiterhin gültig. RagTime 6 ist ja bereits seit knapp einen Jahr verfügbar und sehr ausgereift. Insofern sind die Anfragen moderat und die Supportfälle überschaubar.

Als wesentliche Verbesserung planen wir mit Schulungspartnern zusammenzuarbeiten, um mehr RagTime Know-How Transfer beim Kunden vor Ort zu realisieren.

MacGadget: Wie geht es mit der Entwicklung von RagTime konkret weiter? Wie sieht der nächste Schritt aus?

Helmut Tschemernjak: Es wird kurzfristig die Version 6.0.2 geben, welche kleinere Korrekturen enthält und unter Leopard (Mac OS X 10.5 Beta) läuft. Dann haben wir eine neue Version von FileTime – unserer FileMaker-Anbindung – in Vorbereitung, welche RagTimezu aktuellen FileMaker-Versionen kompatibel ist. Damit kann der Anwender ohne Vorkenntnisse Datenbankabfragen anlegen und Datenbankinhalte direkt in einem Text oder einer Tabelle einfließen lassen. Wir werden die neue FileTime-Version kurzfristig zunächst als Beta veröffentlichen.

MacGadget: Seit eineinhalb Jahren gibt es Macs mit Intel-Prozessoren, doch auf eine Universal Binary-Version warten RagTime-User noch immer. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten?

Helmut Tschemernjak: Bereits zur Fertigstellung von RagTime 6 im letzten Jahr haben wir viele Anpassungen vorgenommen, um die Kompatibilität zu den Intel-Macs zu gewährleisten. Eine zukünftige Version, welche als Universal Binary vorliegt, befindet sich unter Hochdruck in der Entwicklung und soll noch vor Ende dieses Jahres fertig werden. Wie bereits bei RagTime 6 planen wir auch für die kommende Version die Veröffentlichung einer Beta, um das Feedback unserer Kunden in die finale Version einfließen zu lassen.

MacGadget: Wie sehen Ihre mittel- und langfristigen Pläne aus? Was können die Anwender vom nächsten großen RagTime-Release erwarten?

Helmut Tschemernjak: Eines der wesentlichen Ziele bei der Gestaltung der neuen Firmenstruktur war die Gewährleistung der langfristigen Weiterentwicklung von RagTime. Für eine künftige Version haben wir bereits einige interessante Funktionen implementiert. Wir werden die Oberfläche weiter optimieren und eine erweiterte Integration mit neuen Funktionen von Windows Vista und Mac OS X 10.5 schaffen. Aber es ist noch zu früh, um dies im Detail zu diskutieren. Auch längerfristig haben wir noch einige Überraschungen in Petto.

MacGadget: RagTime erhält zunehmend Konkurrenz aus dem Open Source-Bereich auf der einen sowie von Software aus dem unteren und mittleren Preissegment auf der anderen Seite. Werden Sie sich angesichts dieser Entwicklung neu im Markt positionieren?

Helmut Tschemernjak: Es ist richtig, dass günstige Produkte wie iWork, Office 2007 Home Edition oder auch kostenlose Lösungen wie OpenOffice auf den ersten Blick im Wettbewerb mit RagTime stehen. Wir nehmen das auch sehr ernst. RagTime bietet allerdings einige Funktionen, die bei anderen Produkten einfach nicht vorhanden sind und auch nicht kommen werden. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen:

  • Die Gestaltung von Dokumenten über frei positionierbare Rahmen, die Textverarbeitung, Rechenblätter und Graphik in einem einzigen Dokument und Programm vereinen.
  • Eine echte Mac und Windows Cross-Plattform Lösung (eine RagTime-Lizenz lässt sich sowohl unter Mac OS X als auch unter Windows nutzen), die frei austauschbare Dokumente mit identischen Eigenschaften in beiden Welten ermöglicht und über stets zeitgleiche Produktfreigaben weiter aktiv gepflegt wird.
  • PDF-Import/Export, die HTML-Ausgabe sowie eine hochwertige und stabile Druckausgabe sind weitere Eigenschaften, die RagTime positiv vom Wettbewerb abgrenzen.

RagTime bietet in der Summe eine unschlagbare Lösung, zu der es meiner Meinung nach keinen wirklichen Wettbewerb gibt.

Schauen wir uns doch einmal das untere Produktsegment an: OpenOffice liegt noch immer nicht als native Mac-Version vor. Bei Microsoft hinkt die Entwicklung einer zeitgemäßen Mac-Version Jahre hinterher. Und iWork richtet sich in erster Linie an Privatanwender, für die die einfachen Funktionen ausreichend sind.

Wir bei RagTime sind schon etwas stolz darauf, in der Kombination von anspruchsvollem Layout mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Grafikeditor etwas Einzigartiges geschaffen zu haben. Wir müssen uns hier nicht verstecken.

MacGadget: Die viel beworbene Initiative "RagTime Privat" wurde mit Erscheinen der Version 6.0 eingestellt. Ist für die Zukunft mit einer Neuauflage von RagTime Privat bzw. einer günstigen Privatlizenz zu rechnen?

Helmut Tschemernjak: Es wird keine Neuauflage von RagTime Privat geben. Den registrierten RagTime Privat-Anwendern haben wir ein günstiges Upgrade-Angebot zum Umstieg gemacht. Wir richten uns mit RagTime in erster Linie an Geschäftskunden, hier sehen wir uns in puncto Preis gut aufgestellt. Ansonsten gibt es für Schüler und Studenten besondere Angebote. Das Preissegment der Privatanwender können wir mit aktuellen RagTime-Preisen leider nicht adressieren. Wir haben diesen potentiellen Markt aber weiterhin im Blick und suchen nach passenden Lösungen.