"Die Mitarbeit von Freiwilligen ist unverzichtbar"

Interview mit

Eric Bachard, Leiter des Entwicklungsteams von OpenOffice.org Aqua.

OpenOffice.org wird immer beliebter – aus gutem Grund. Die aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank sowie Präsentations- und Zeichenprogramm bestehende Open Source-Bürosoftware ist kostenfrei und bietet einen großen Funktionsumfang. Das Thema Mac-Unterstützung ist allerdings noch eine Schwachstelle. OpenOffice.org setzt auf dem Mac die X11-Fensterumgebung voraus – echtes Look & Feel einer Mac OS X-Anwendung und Anbindung an Betriebssystemtechnologien fehlen. Abhilfe ist in Sicht – unter der Leitung von Eric Bachard wird seit geraumer Zeit an der Anpassung von OpenOffice.org an Mac OS X gearbeitet. MacGadget sprach mit dem Professor der Technischen Universität von Belfort Montbeliard über das Projekt.

MacGadget: Mac-User erwarten mit Spannung die native Mac OS X-Version der Bürosoftware OpenOffice.org. Was können Sie uns zum aktuellen Stand der Entwicklung sagen?

Eric Bachard: Es gibt einige Fortschritte. Die Software lässt sich per Drag & Drop installieren, benötigt kein X11 und verwendet den Aqua-Look von Mac OS X. Außerdem sind bereits die nativen Öffnen/Sichern-Dialoge implementiert, das Drucken funktioniert und es werden die Mac OS X-Systemfonts benutzt.

Wir haben bereits zwei Preview-Versionen veröffentlicht, eine weitere wird Anfang oder Mitte Oktober folgen. Sie wird noch besser an das Apple-Betriebssystem angepasst sein. Als Beispiele sind das Öffnen von Dokumenten per Drag & Drop auf das Programmicon, Berücksichtigung individueller Erscheinungsbild-Einstellungen des Users und Verwendung weiterer nativer Mac OS X-Oberflächenelemente zu nennen. Darüber hinaus gab es viele Bug-Fixes.

Eric BachardFür die Zukunft arbeiten wir an verbessertem Drag & Drop, Anbindung an Mac OS X-Adressbuch und –Rechtschreibprüfung, QuickTime-Unterstützung, einem nativen Druck-Dialogfenster und an einem Plug-in für Spotlight.

OpenOffice.org Aqua ist derzeit noch eine Carbon-Anwendung, die Migration auf die Cocoa-Umgebung hat kürzlich begonnen. Wir kommen damit gut voran. Auf der Konferenz OOoCon 2007 in Barcelona konnten wir Entwickler uns diesbezüglich austauschen und Lösungswege besprechen.

MacGadget: Sun hat im Mai angekündigt, die Entwicklung des nativen OpenOffice.org für Mac OS X mit zwei Entwicklern zu unterstützen. Hat dies die Entwicklung beschleunigt? Werden wir eine Betaversion vielleicht früher als erwartet sehen?

Eric Bachard: Herbert Duer und Philipp Lohmann, beide bei Sun Microsystems beschäftigt, arbeiten in der Tat Vollzeit an der Mac-Version mit. Seitdem sie zum Team gestoßen sind, haben sie unglaubliche Arbeit geleistet. Sie sind absolute Profis, schreiben qualitativ hochwertigen Code – und das in kurzer Zeit. Zweifellos, sie beschleunigen die Arbeit am Mac OS X-Port von OpenOffice.org enorm.

Herbert und Philipp sind außerdem sehr wertvoll für das Team. Sie begutachten den Quellcode, geben den anderen Programmierern Anleitungen und Tipps. Sie haben sich auch mit Teilen des Codes befasst, der bislang von uns nicht angerührt wurde. Aber zwei Entwickler können sich nicht um alles kümmern, wir sind ein Team, jeder, der mitmacht, ist wichtig.

Den Fortschritt dokumentieren wir durch Preview-Versionen. Keine Frage, dass die Qualität dieser Builds durch die Arbeit von Herbert und Phillip besser ist als ohne deren Hilfe.

MacGadget: Wie lange werden die beiden Sun-Entwickler am nativen Mac-Port von OpenOffice.org mitarbeiten? Wird die Unterstützung durch Sun enden, sobald die erste Finalversion fertig gestellt ist?

Eric Bachard: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Sun dazu entschlossen hat, die Mac OS X-Version langfristig zu unterstützen. Daher glaube ich nicht, dass die Unterstützung durch Sun mit der ersten Finalversion enden wird. OpenOffice.org ist ein sich ständig weiterentwickelndes Projekt, in dessen Rahmen der Mac OS X-Port sehr viel versprechend ist.

OpenOffice.orgMacGadget: Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Eric Bachard: Beginnend mit OpenOffice.org 2.4 wollen wir in regelmäßigen Abständen Preview-Versionen des Aqua-Ports herausbringen – stabiler, tiefer in Mac OS X integriert und mit weniger Bugs. Allerdings können wir nicht versprechen, dass sich diese bereits für den täglichen Einsatz eignen.

Grundsätzlich ist festzuhalten: Je stärker die Unterstützung seitens der Mac-User, desto schneller können wir ein qualitativ hochwertiges Produkt liefern. Jeder Programmierer, der sich dem Projekt anschließt, jede Spende oder jede andere Form der Unterstützung ist willkommen. Die Unterstützung durch die Community ist der Motor aller Open Source-Projekte.

MacGadget: Gibt es einen Zeitplan für die erste Finalversion?

Eric Bachard: Tatsache ist, wir konzentrieren uns lieber auf die Qualität anstatt auf fixe Erscheinungstermine. Unser Ziel ist es, das finale OpenOffice.org Aqua auf Basis der Codebasis 3.0 auszuliefern. OpenOffice.org 3.0 wird 2008 erscheinen, eine Betaversion Anfang des Jahres. Für die Mac-Version können wir aufgrund des noch frühen Entwicklungsstadiums keine Termine nennen.

MacGadget: Wie wichtig ist die Arbeit von Freiwilligen? Wie können sich interessierte Anwender einbringen?

Eric Bachard: Die Mitarbeit von Freiwilligen ist unverzichtbar für das Projekt. Es gibt viele Aufgaben, die bewältigt werden müssen.

Am dringendsten benötigen wir weitere Programmierer mit Cocoa-Kenntnissen, aber wir brauchen auch Leute, die sich um die Qualitätssicherung kümmern. Die Integration von neuem Code ist ein komplizierter Vorgang, der große Sorgfalt erfordert, denn dabei darf natürlich keine bestehende Funktionalität eingeschränkt werden.

Darüber hinaus brauchen wir Freiwillige, die sich um Dinge wie Übersetzungen, Dokumentation, Wiki-Seiten und Support kümmern, aber auch User, die prüfen, ob eingepflegte Bug-Fixes den gewünschten Effekt haben. Spenden sind immer willkommen, denn ein Open Source-Projekt finanziert sich nicht von selbst.

MacGadget: Apple will Mac OS X 10.5 im Oktober ausliefern. Wird OpenOffice.org Aqua einige der neuen Features von "Leopard" unterstützen, wie zum Beispiel Quick Look?

Eric Bachard: OpenOffice.org Aqua läuft bereits unter Mac OS X 10.5. Einige kleinere Probleme bestehen noch, doch alle Features lassen sich unter "Leopard" genauso benutzen wie unter "Tiger". Die Unterstützung von Quick Look ist fest eingeplant, an einem Plug-in wird derzeit gearbeitet. Gleiches gilt für ein Spotlight-Plug-in.