QuarkXPress 8.0 vs. InDesign CS3

15. Aug 2008 03:00 Uhr - Gast (nicht überprüft)

Als die Quark Inc. im Jahr 1987 das erste Layout-Programm für den Mac veröffentlichte, reichten zwei 400-KB Disketten als Speichermedium aus. Während das Programm auf einer Diskette Platz fand, war die zweite für Wörterbuch und Rechtschreibprüfung reserviert. Doch das rahmenorientierte Layout-Programm hatte Potenzial: Es sollte maßgeblich dazu beitragen, den gesamten Prozess von Print-Produktionen zu revolutionieren. Über 20 Jahre später ist das längst zur Randnotiz der Geschichte mutiert. Heute steht der Platzhirsch von einst mächtig unter Druck.

Die Ausgangslage

Im Jahr 1999 schickte Adobe mit InDesign (ID) gewissermaßen den Widerpart zu QuarkXPress (QXP) an den Start. Das Ziel: den Quasi-Monopolisten vom Sockel zu stürzen. Das Auftreten des Konkurrenten wurde seinerzeit noch von einem mitleidigen Lächeln goutiert. Aus dem Kampf zweier ungleicher Partner – QXP 4.1 gegen ID 1.0 – wurde im Laufe der Jahre aber zunehmend ein Wettbewerb auf Augenhöhe, bei dem ID mehr und mehr Sympathien auf der Anwenderseite einheimsen konnte. Besondere Argumente pro ID waren von Beginn an die enge Anbindung an Photoshop und Illustrator. QuarkXPress 8.0In der aktuellen Version ID CS3 glänzt das Adobe-Produkt seit dem Erscheinen im Frühjahr 2007 durch eine Funktionsvielfalt und einer intuitiven Bedienung, von der eingefleischte QXP-Anwender bislang nur träumen konnten. QXP 8.0 tritt jetzt an, um verlorenes Terrain gut zu machen.

Optik und Benutzerfreundlichkeit

QXP 8.0 kommt in einem generalüberholten Design daher, bei dem sich die Anwender sofort wohl fühlen. Die Paletten erscheinen in sattem Grau, Montageflächen in einer dezenten Abstufung. Auffällig: Hinter den bunten Farbtupfern in den Paletten verbergen sich neue bedienerfreundliche Funktionen, die lästig-lange Wege über das Menü überflüssig machen. Beispiel: Stilvorlagen können jetzt auch über Paletten angelegt oder modifiziert werden. Die Werkzeugpalette ist geschrumpft, weil Funktionen zusammengelegt wurden. Das Textwerkzeug beinhaltet jetzt auch das Werkzeug zum Verketten.

Ähnlich wie ID CS3 folgt die neue Version von QXP einem intuitiven Modell: In der Maßpalette erscheinen nur noch die InDesign CS3Schaltflächen und Maße, die aktivierte Werkzeuge auch bedienen können. Im Vergleich dazu wirkt der Adobe-Konkurrent trotz eines ebenso aufgeräumten Layouts und einer Bedienerfreundlichkeit auf Augenhöhe etwas angestaubt. Die optische Nähe zu den Schwesterprogrammen Photoshop und Illustrator wird allgemein als Vorteil für ID CS3 gewertet. Umfangreiche Paletten ermöglichen den schnellen Zugriff zu den Programmfunktionen. Im Vergleich der beiden Platzhirsche für die Erstellung professioneller Layouts ist der Anwender mit QXP 8.0 durchschnittlich immer ein paar Klicks früher am Ziel.

Crossmediales Design

QXP 8.0 ermöglicht gleichzeitiges und aufeinander abgestimmtes Arbeiten an Print- und Web-Projekten. Ein integriertes Flash-Autorenwerkzeug bietet die Möglichkeit, Im- und Exporte vorzunehmen. QXP versteht sich auf die Dateiformate HTML, XHTML und SWF und arbeitet so problemlos mit anderen Anwendungen zusammen. ID CS3 unterstützt die Ausgabe von strukturiertem XHTML, eingebetteten Videos und Schaltflächen in PDF-Dateien. Innerhalb des Programms sucht man eine Schnittstelle zu Flash allerdings vergebens. Funktionen zur Gestaltung interaktiver Inhalte sind allenfalls rudimentär ausgeprägt und verlangen nach zusätzlicher Software. Ein typisches Adobe-Problem, denn jede Ausweitung der Funktionsvielfalt in diesem Bereich verschärft die Konkurrenz im eigenen Hause. Mit dem neuen Zeichenwerkzeug in der Werkzeugpalette von QXP 8.0 lassen sich Vektorzeichnungen in Layouts erstellen. Zusätzlich ermöglichen Funktionen für Bildeffekte die Bearbeitung von Fotos – direkt im Layout. Im Gegensatz dazu muss für die Modifikation von Bildern aus Layouts, die in ID CS3 erstellt werden, der Weg zum Photoshop angetreten werden.

Typografie

In einem zentralen Bereich moderner Gestaltungsaufgaben punkten beide Programme. QXP bietet leistungsstarke Textfunktionen wie individuell einstellbaren Randausgleich oder erweiterte Designraster (Grundlinienraster), die Gestaltern mehr Spielräume lassen. Bei Schriftarten mit ausgerückten Zeichen ist flexibel festzulegen, welche Zeichen wie weit ausgerückt werden. Im Gegensatz zu diesen variablen Möglichkeiten vertraut ID CS3 auf automatisierte Funktionen zur Formatierung, die schnelles Arbeiten ermöglichen. Projektbezogene Anpassungen an individuelle Erfordernisse sind jedoch nur sehr eingeschränkt möglich.

QuarkXPress 8.0
Die neue Benutzeroberfläche von QuarkXPress 8.0


Weltweites Publizieren

QXP verabschiedet sich von den Passport-Versionen. Ein internationales Dateiformat unterstützt östliche und westliche Schriften in mehr als 38 Sprachen. Kunden aus Amerika und Europa können die Benutzeroberfläche nach individuellen Bedürfnissen einstellen, öffnen und drucken, ohne den Text neu umbrechen zu müssen. Ähnliche Funktionen für asiatische Schriften sind als gesondertes Modul erhältlich. QXP 8.0 ist wie seine Vorgängerversionen abwärtskompatibel. Ein Abspeichern in älteren Programmversionen funktioniert aber nur als QXP-7-Projekt. Marginal sind die Unterschiede zu ID CS3. Das Dateiformat ist ähnlich. Unterstützt werden 32 Sprachen. Beim Öffnen müssen sich Designer in der Regel aber mit neuen Textumbrüchen herumplagen. Allenfalls eine Randnotiz, weil in der Praxis eher unbedeutend: Die Sprache lässt sich bei ID CS3 nicht im laufenden Betrieb ändern. Funktionen für ostasiatische Schriften sind nur beim Kauf von Programmpaketen aus Asien erhältlich.

Integration mit der Creative Suite von Adobe

Deutliche Verbesserungen kann QXP in der Zusammenarbeit mit der Creative Suite verbuchen. Die Version 8.0 unterstützt den Import nativer Illustrator- und Photoshop-Dateien und versteht sich auf die Steuerung kreativer Ebenen in Photoshop. Drag & Drop von Elementen – eine der großen Stärken von ID CS3 – wurde in QXP 8.0 nicht nur für grafische und typografische Elemente implementiert, sondern auch an Adobe Bridge angebunden. Fotos können jetzt auch durch Ziehen und Ablegen in Projekte eingebunden werden. Erfreulich: QXP nutzt die gleichen Tastatur-Kurzbefehle wie Illustrator und Photoshop. ID CS3 kann ebenfalls Dateien aus Photoshop und Illustrator importieren. Gleiches gilt für Vektorgrafiken. Über eine Verlaufskontrolle und eine Transparenzfunktion für Ebenen verfügt InDesign im Gegensatz zu QXP nicht.

Ähnlich verhält es sich beim wichtigen PDF-Export. QXP 8.0 exportiert PDF/X- und native JDF-Dateien und verfügt über zahlreiche Regeln und Einstellungsmöglichkeiten, die den PDF-Workflow angenehm machen. ID CS3 exportiert PDF/X ebenfalls, benötigt im Gegensatz zu QXP jedoch ein externes JDF-Ticket. Die Druckvorstufenkontrolle ist zuverlässig und bewährt, Funktionen, die für einen zuverlässigen Workflow sorgen, wären wünschenswert.

InDesign CS3
Die Benutzeroberfläche von InDesign CS3


Transparenzen und Schlagschatten

Lange ein Makel der Quark-Produkte. Bis zur Version 6 waren Transparenzen und Schlagschatten gar nicht implementiert. In der Programmversion 7 wurde die Funktion eingeführt. Möglich sind jetzt präzise Transparenzeinstellungen, die bis zu einzelnen Zeichen reichen können. Neu bei der Funktion Schlagschatten: Steuerungsfunktionen, die im Vorschaufenster der Maßpalette beinahe in Echtzeit angezeigt werden. Die Transparenz- und Schlagschattenfunktion in InDesign hat die Möglichkeiten der Gestalter bereichert, fällt aber in der Version CS3 hinter QXP 8.0 zurück. Transparenzen können nicht kleinformatig zugewiesen werden. Die Anwendung von Schlagschatten wird nur über numerische Werte gesteuert.

Fazit

QXP 8.0 ist das stärkere und leistungsfähigere Tool zur Herstellung professioneller Layouts, weil es Wünsche und Anforderungen der Designer konsequenter erfüllt als ID CS3. Die Programmversion QXP 8.0 hat deutlich an Bedienerfreundlichkeit zugelegt, überzeugt durch eine übersichtliche Anordnung auf dem Desktop und kommt im Vergleich zu ID CS3 mit einer deutlich einfacheren Menüstruktur aus. Anwender benötigen bei der Arbeit weniger Klicks, um an das gleiche Ziel zu gelangen.

Bei der Bewertung der beiden Programme darf man aber eines nicht außer Acht lassen: ID CS3 hat bereits eineinhalb Jahre mehr auf dem Buckel. Dafür steht das Programm immer noch prächtig im Saft. Und: Ausschlaggebend für den Einsatz eines der beiden Programme könnten ganz andere Überlegungen sein. Der Anschaffungspreis für QXP ist traditionell hoch. Und weil die Branche auf Photoshop, Illustrator und Co. nicht verzichten kann, setzen viele Anwender auf die komplette Creative Suite inklusive InDesign – und entscheiden sich somit gegen QuarkXPress.

Dennoch: Es ist erstaunlich, wie gut QXP 8.0 mit der Creative Suite von Adobe zusammenarbeitet. Dass es gelungen ist, QXP besser in den Workflow der Creative Suite zu integrieren als dies bei InDesign der Fall ist, ist beachtlich und ein starkes Argument für QXP. Anwender, die Wert auf einen schnellen und reibungslosen Arbeitsfluss, intuitive Bedienung, einen übersichtlichen Desktop und eine gute Anbindung an CS3 legen, kommen an QXP 8.0 nicht vorbei.

Links

InDesign CS3: Produktseite --- Demoversion

QuarkXPress 8.0: Produktseite --- Demoversion

Kommentare

Kein Zweifel, QuarkXPress 8 hat mächtig aufgeholt, ist gegenüber InDesign wieder mindestens ebenbürtig, in etlichen Bereichen sogar voraus.

Bleibt der Preis: Die englische Creative Suite 3 Design Standard gibt es mitunter fast zum gleichen Preis wie QuarkXPress 8.

Und da fällt mir die Entscheidung nicht schwer: Wenn ich für ein paar Euronen mehr zusätzlich Photoshop, Acrobat Pro und Illustrator mit im Paket habe (plus eben InDesign), hat Quark leider das Nachsehen.

Quark für einen Kampfpreis von 999€! Das würde Bewegung reinbringen.

Ansonsten heißt es: Warten auf Anfang 2009, dann soll Creative Suite 4 kommen...

hallo liebe redaktion
also ich weiss nicht recht, solche aussagen, dass xp8 stärker und leistungsfähiger ist als indesign cs3 entbehren jeglicher grundlage.

gut, die 8.0-version ist evtl. nicht aussagekräftig, die weiteren nachbesserungs-fixes werden wohl wieder für performance sorgen.

die bekannten probleme unter:
http://8.quark.com/de/known_issues.html
sollte man ansprechen und darüber nachdenken, ob die jetzige version schon voll produktionstauglich ist.

der preis ist eine andere sache, sämtliche extensions müssen neu gekauft werden, ausser man erwirbt eine bis letzten 1. august für xp7.

damit wird xpress wieder massiv teurer als die gesamte creative-suite.
und genau da liegt der hacken, wenn sie dies nicht ändern, verlieren sie nicht kunden wegen irgendwelchen funktionalitäten, sondern wegen den kosten.

man kann beide produkte sehr gut und effizient einsetzen, aber die wirtschaftlichkeit in der anschaffung spricht für die adobe-produkte.

und mit cs4 werden die vergleiche sicher nochmals anders aussehen.
daniel