Mellel 2.5 vs. Nisus Writer Pro 1.1

Im Windschatten der mächtigen Office-Pakete wie Microsoft Office 2008 oder OpenOffice gewinnen kleine und schlanke Textverarbeitungsprogramme immer mehr Freunde. MacGadget hat die Programme Mellel 2.5 und Nisus Writer Pro 1.1 ausführlich getestet und kommt zu einem erstaunlichen Fazit.

Zugegeben, es bereitet großen Spaß mit einer Mercedes S-Klasse zu fahren. In der Stadt machen andere Fahrzeuge aber mehr Sinn und sind praktischer. Man gelangt schneller ans Ziel und findet Parkplätze. Ähnlich verhält es sich mit Programmen für die Textverarbeitung. Sicherlich ist man mit Microsoft Office oder OpenOffice bestens bedient – schleppt aber mit Zusatzprogrammen und vielen überflüssigen Funktionen einiges an Ballast mit sich herum. Die Arbeit in umfangreichen Dokumenten kann so zum Geduldsspiel werden. Für die meisten Anwender sind die klassischen Office-Pakete deutlich überdimensioniert und im Fall von Office 2008 auch viel zu teuer. Wer auf Tabellenkalkulation und Präsentationswerkzeuge verzichten kann, der findet in Mellel oder Nisus Writer Pro ideale Tools für die tägliche Arbeit. Soviel sei vorweggenommen: Die Funktionsfülle beider Programme beeindruckt. Während Mellel als eigenständiges Programm besteht, ist der Nisus Writer Pro der große Bruder des Nisus Writer Express.

Mellel
Die Benutzeroberfläche von Mellel 2.5


Look & Feel

Ähnlichkeiten zu Microsoft Word oder der Textverarbeitung Writer aus der OpenOffice-Suite wären rein zufällig und sind auch nicht beabsichtigt. Beide Programme erinnern nicht an die beiden Platzhirsche. Im Gegenteil: Der Nisus Writer Pro kann und will seine Ähnlichkeit zum Apple-Produkt Pages gar nicht verleugnen. Den Schaltflächen zur Formatierung Palette in Mellelhaben die Entwickler einen festen Platz verordnet. Sie befinden sich in einem seitlich angebrachten und ausklappbaren Fächer. Wer Pages oder Keynote kennt, der findet sich im auch Nisus Writer Pro schnell zurecht. Entsprechend kurz ist die Einarbeitungszeit.

Der Widerpart Mellel 2.5 kommt mit einer eigenständigeren Programmoberfläche daher. Optische Zumutungen müssen die User aber nicht über sich ergehen lassen. Das Programm ist schick, ein wenig Eingewöhnungszeit sollte man sich aber gönnen. Die vielfältigen Formatierungsmöglichkeiten haben die Entwickler von Mellel in einer multifunktionalen Schwebepalette untergebracht, die es in sich hat und ihren praktischen Nutzen erst bei der täglichen Arbeit entfaltet.

Layout & Formatierung

Im Bereich Layout und Formatierung wird deutlich, wo die Zielgruppe der beiden Programme liegt. Wissenschaftler, Studenten und Vielschreiber wie Autoren schätzen die Möglichkeiten beider Programme. Nisus – unter Mac OS 9 noch vielbeachtet und eine echte Alternative zu Word – hat diese Position unter Mac OS X kampflos an Mellel abgetreten, weil Nisus lange keine entsprechende Version anbot.

Anmerkungen, Bearbeitungsfunktionen, Gliederungen, Finden/Ersetzen oder Listen, Nummerierungen – die Testkandidaten beherrschen die Grundaufgaben der Textverarbeitung perfekt und auf Augenhöhe. Während der Nisus Writer Pro die Nase in der Kategorie Bild-Einstellungen mit Umflüssen vorne hat, weiß Mellel bei Rahmen und Farben mit einem größeren Gestaltungsspielraum zu gefallen. Auch in der Disziplin Suchen-Ersetzen bietet Mellel vorbildliche Funktionen. Ein Beispiel: Die komfortable Suchfunktion nur in Literaturstellen ist ein wertvolles Feature für alle, die wissenschaftlich arbeiten. Gleiches gilt für die separate Suche in Kopf- und Fußzeilen.

Mit der Zeilennummerierung verfügt die Nisus Pro ebenfalls über ein interessantes Merkmal. Bei allen anderen Nummerierungsmöglichkeiten bietet Mellel wiederum mehr und weiß auch in puncto Statistik zu gefallen. Bei der Behandlung von Tabellen liegen die Kontrahenten gleich auf. Strichstärken, Rahmen, Farben, Ausrichtung der Zellen oder die Konvertierung von Text in Tabellen – alles kein Problem. Auf die Sortierung von Tabelleninhalten verstehen sich dagegen beide Programme nicht.

Bemerkenswert: Sein ganzes Potenzial schöpft Mellel 2.5 aus, wenn mehrere Sprachen ins Spiel kommen – besonders mit nichtlateinischen Alphabeten. Verschiedene Alphabete mit unterschiedlichen Schreibrichtungen sind nicht nur innerhalb des gleichen Dokuments kein Problem, sondern sogar im gleichen Absatz möglich.

Auch wenn der Nisus Writer Pro mit einer cleveren Kontrollfunktion über Schusterjungen und Hurenkinder aufwartet: Die typografischen Möglichkeiten von Mellel reichen nahe an die von professionellen Layoutprogrammen wie InDesign oder QuarkXPress heran und setzen im Bereich der Textverarbeitung neue Standards.

Nisus Writer Pro
Die Benutzeroberfläche von NisusWriter Pro 1.1


Dateiformate & Zusatzfunktionen

Standardmäßig speichert der Nisus Writer Pro Dokumente als RTF-Datei – wahlweise auch im weit verbreiteten Microsoft-Palette in Nisus WriterFormat DOC. Mellel bevorzugt ein eigenes, gleichnamiges Dateiformat. Ein Export in die Formate DOC, RTF oder OPML ist möglich. Rudimentär ausgeprägt ist der Export in die Formate PDF oder HTML. Hier hat Nisus ebenso mehr zu bieten wie bei der Behandlung und Erstellung von Makros. Mellel punktet dafür bei der Bibliografie-Anbindung und der Silbentrennung, die bis hin zu Weißraum-Einstellungen fein zu justieren ist. Auch das Setzen von Tabulatoren gelingt bei Mellel einfacher. Bei der wichtigen Rechtschreibprüfung sind Mellel und der Nisus Writer dagegen gleichauf. Wenig verwunderlich, denn: Beide vertrauen auf die systemweite Rechtschreibprüfung.

Fazit

Auch wenn es sich anders klingt: Die Unterschiede zwischen Mellel 2.5 und Nisus Writer Pro 1.1 sind nur gering. Beide Programme erledigen die an sie gestellten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit und beherrschen viele Disziplinen sogar besser als die entsprechenden Pendants der großen Office-Pakete. Der Nisus Writer Pro bindet in der aktuellen Version gut die vorhandenen Programme wie zum Beispiel das Apple-Adressbuch in den Workflow ein und beweist somit hohe Alltagstauglichkeit und großen praktischen Nutzen. Überall dort wo die plattformübergreifende Zusammenarbeit wichtig ist, kann der Nisus Writer Pro überzeugen.

Natürlich können auch Dissertationen oder wissenschaftliche Arbeiten hervorragend auf dem Nisus Writer Pro angefertigt werden – allerdings sind sie das bevorzugte Spielfeld von Mellel 2.5. Überzeugend sind vor allem die typografischen Möglichkeiten, die an Layoutprogramme wie InDesign oder QuarkXPress heranreichen. Im Falle eines Falles ist Hilfe gefragt – das 359 Seiten umfassende deutschsprachige Handbuch von Mellel liefert Antworten auf nahezu alle Fragen. Microsoft Word oder OpenOffice Writer? Nicht zuletzt aufgrund der Geschwindigkeit sollte die Frage lauten: Mellel 2.5 oder Nisus Writer 1.1? Mit beiden Programmen ist man bestens bedient.

Links & Spezifikationen

Mellel 2.5
Hersteller: RedleX
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.3 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere
Preis: 49 Dollar
Demoversion: verfügbar (30 MB)

Nisus Writer Pro 1.1
Hersteller: Nisus Software
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere
Preis: 79 Dollar
Demoversion: verfügbar (50 MB)

Kommentare

tja,

und beide können keinen Formelsatz.

Formelsatz hin oder her

nimmt man dafür nicht eher ein TeX System?

Nisus hat unter OS9 ziemlich gerockt. Leider hat der Hersteller den Wechsel auf OSX etwas verschlafen. Ist aber ein nettes Programm, dank Wechselkurs sogar recht preiswert. Und mit super Support. Es muss nicht immer M$ sein. Schön, dass MacGadget den Alternativprogrammen Aufmerksamkeit schenkt!

Nisus & Mellel

Schade, dass in diesem Vergleichstest nicht das deutsche Produkt Papyus http://www.papyrus.de/mac.htm berücksichtigt wurde.

Nisus und Mellel

Und wie sieht die Kompatibilität mit MS-Word aus? Ich lebe (leider) in einer Word-Welt und muss in Word liefern, würde aber gern in einem anderen Programm schreiben (Texte 40- 60 Seiten). Wie hoch ist der Transferaufwand? Hierzu wäre eine Info im Vergleich hilfreich gewesen.

Steht im Text

Sowohl Nisus als auch Mellel unterstützten .doc, einfach unter "Sichern als" auswählen.

Wie gut das in der Praxis klappt, kannst du mit den Testversionen ausprobieren.