"Chats oder Foren ersetzen keine persönlichen Kontakte"

22. Sep 2008 15:00 Uhr - sw

Interview mit

Thomas Biedorf und Chris Hauser, Veranstalter der Entwicklerkonferenz Macoun.

Ende Oktober findet in Frankfurt am Main zum ersten Mal die Entwicklerkonferenz Macoun statt. Mit einem Mac- und iPhone-zentrierten Tagungsprogramm, einer niedrigen Teilnahmegebühr und nicht zuletzt auch wegen der zentralen Lage sollen Mac-Entwickler aus dem deutschsprachigen Raum für das Event am 25. Oktober gewonnen werden. Die Veranstalter haben aber auch die Zukunft im Blick: Macoun soll jährlich ausgerichtet werden und sich als wichtige Entwickler-Plattform für Weiterbildung und persönliche Kontakte etablieren. MacGadget befragte die Macoun-Initiatoren Thomas Biedorf und Chris Hauser zu Hintergründen, Philosophie und Zukunftsplänen.



MacGadget: Wie und wann entstand die Idee zu Macoun?

Chris Hauser: Die konkrete Idee zur Macoun entstand irgendwann im Dezember letzten Jahres, nachdem ich Berichte von einer Google- oder Wikipedia-Konferenz gelesen hatte. Den Wunsch nach einer Veranstaltung wie Macoun hegte ich bestimmt seit einem Jahrzehnt, aber anscheinend wollte niemand so etwas machen. Daher setzte ich mich mit der Realisierbarkeit und der Finanzierung auseinander und skizzierte ein Konzept.

Thomas Biedorf: Chris kam dann zu mir und hat mir die Idee nähergebracht. Wir beide kennen uns seit vielen Jahren und stemmen ab und an Projekte, die uns interessieren. Als Betreiber der Director_List (www.startmovie.net, Director-Mailingliste), die auch schon das ein oder andere Treffen in den letzten Jahren hatte, können wir auf ein wenig Erfahrung im Konferenzbereich zurückschauen. Da wir sehr viel Spaß daran haben, Aktionen durchzuführen, wurde die MacounMacoun letztendlich aus der Taufe gehoben. Das Feedback in den einschlägigen Foren hat uns sehr bestärkt, dass das Ganze auch wirklich Sinn macht.


MacGadget: Welche Philosophie verfolgen Sie mit der Entwicklerkonferenz?

Chris Hauser: Ich bin da relativ unphilosophisch. Ich denke einfach, dass bei der realen Begegnung zwischen Menschen eine viel bessere Kommunikation und ein freierer Gedankenaustausch möglich ist. Jedenfalls habe ich das immer wieder so erlebt. Zudem sind persönliche Kontakte meiner Meinung nach sehr wichtig und lassen sich nicht durch die Teilnahme an Chats oder Foren ersetzen. Daher sollte die Macoun diese Dinge erfüllen:

1. Es jedem Entwickler ermöglichen, sich mit Kollegen und Gleichgesinnten zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

2. Die Möglichkeit bieten, Vorträgen zu lauschen, die Interesse an einem neuen Thema wecken, Anreiz für Diskussionen bieten, zu weiteren Experimenten einladen und in der Praxis nützlich sind.

3. Das Ganze soll die Teilnehmer nicht gleich das letzte Hemd kosten und man soll dafür nicht um den halben Erdball reisen müssen.

Thomas Biedorf: Ich schließe mich Chris an. Hervorzuheben ist sicherlich, dass wir versuchen, die Konferenz für den kleinen Geldbeutel erschwinglich zu machen. Mich persönlich stört es sehr, dass jede Einladung zu einer x-beliebigen Konferenz gleich mehrere hundert, wenn nicht gar tausende Euro an Gebühren aufruft.


MacGadget: Die Teilnahme schlägt pro Person lediglich mit 40 Euro zu Buche. Kann Macoun trotz dieser niedrigen Gebühr kostendeckend ausgerichtet werden?

Chris Hauser: Ja, sie schafft es, ihre Kosten zu decken. Allerdings liegt das u. a. daran, dass die Macoun keine Thomas Biedorfkommerzielle Veranstaltung ist, und wir, die Helfer, Referenten und Organisatoren insgesamt, bereit sind, dafür von unserer Freizeit viele Stunden zu opfern. Nicht immer zur Freude unserer Ehepartner oder Lebensgefährtinnen.

Thomas Biedorf: Wir sehen Macoun nicht als Möglichkeit, davon zu leben. Dank unserer Sponsoren OSXpert.net, Big Nerd Ranch und Parallels können wir Dinge wie Getränke und Verpflegung und die Drucksachen abdecken. Die Macoun arbeitet zur Zeit kostendeckend - dank Chris' guter Vorkalkulation.


MacGadget: Wie ist die erste Resonanz der Entwickler auf Macoun ausgefallen?

Chris Hauser: Überwiegend positiv. Sehr positiv sogar.

Thomas Biedorf: Ja, wir waren wirklich überrascht. In Foren und Blogs wurde die Idee sofort aufgegriffen. Seit dem Announcement sind kontinuierlich Anmeldungen eingegangen, was toll ist, da wir de facto kaum Werbung für die Macoun gemacht haben.


MacGadget: Macoun ist - naturgemäß - stark auf Xcode und iPhone fokussiert, einer Session ist RealBasic gewidmet. Ist für die Zukunft eine Themenausweitung geplant, etwa auf FileMaker und 4D? Oder eine stärkere Berücksichtigung des beliebten RealBasic?

Chris Hauser: Ausschließen würde ich das nicht, aber das Interesse der Teilnehmer muss natürlich groß genug sein. Eine stärkere Berücksichtigung von RealBasic war von Anfang an geplant und ursprünglich sollten auch mehr Chris HauserSessions dazu stattfinden. Diese mussten wir aber später mangels genügenden Interesses verwerfen. Mich hat das als früheren RealBasic-User schwer überrascht.

Thomas Biedorf: Die geringe Resonanz auf die RealBasic-Sessions war für uns eine große Enttäuschung, wirklich. Abgesehen davon glaube ich, dass wir mit eng fokussierten Themen langfristig erfolgreicher sein werden. Eine Erweiterung zu FileMaker, 4D oder was auch immer halte ich eher für kontraproduktiv. Es hinterlässt einen schalen Geschmack, wenn man an einem Tag vielleicht nur zwei Sessions sehen konnte, da die restlichen Themen einem so gar nichts sagen - das allerdings hängt auch mit der Größe der Veranstaltung zusammen. Wenn man zu jedem Thema den ganzen Tag Sessions anbieten kann, dann würde ich mich dem auch nicht verschließen.


MacGadget: Sind neben den Vorträgen weitere Aktivitäten vorgesehen, beispielsweise gemeinsame Programmieraktivitäten oder eine Ausstellung?

Chris Hauser: Nicht in diesem Jahr. Allerdings bietet die direkte Umgebung mit Museumsufer und Apfelwein-/Kneipenviertel den Teilnehmern genügend Möglichkeiten für weitere unorganisierte Aktivitäten.

Thomas Biedorf: Nein, vorerst nicht, jedoch werden wir versuchen, die Sessions auf Video aufzuzeichnen und diese über die Webseite oder im iTunes Store als Podcast verfügbar zu machen. Das ist zur Zeit aber noch nicht ganz sicher. Nächstes Jahr ist eine Aufzeichnung aber definitiv geplant.


MacGadget: Das erste Event ist bereits fast ausgebucht. Inwiefern ziehen Sie daraus Konsequenzen? Sind für nächstes Jahr zwei Termine geplant? Oder werden Sie an einen größeren Veranstaltungsort umziehen?

Thomas Biedorf: Noch gibt es Karten, wenn auch nur sehr wenige. Ursprünglich hatten wir mit 80 und im besten Fall mit 120 Teilnehmern gerechnet, sind aber vom Interesse völlig überrascht worden. Glücklicherweise haben wir jetzt die Chance bekommen, die Räumlichkeiten noch zu erweitern.

Zwei Termine werden wir uns sehr wahrscheinlich nicht antun, da die Konferenzorganisation doch sehr viel Energie bindet. Wir haben jedoch für nächstes Jahr schon größere Räumlichkeiten vorgebucht und könnten uns vorstellen, die Macoun zum Beispiel über zwei Tage laufen zu lassen.


MacGadget: Wäre eine zeitliche Nähe zur WWDC nicht besser, um Apples neueste Entwickler-relevante Ankündigungen nachzubearbeiten?

Chris Hauser: Natürlich, aber da gibt es wenigstens zwei Probleme. Direkt nach der WWDC verbringen einige Entwickler dort noch einen kleinen Aufenthalt und dazu gehören überwiegend auch die Referenten. Außerdem muss man die Sommerferien berücksichtigen, die einen Zeitraum von beinahe drei Monaten einnehmen. Der Termin in diesem Jahr war sicher nicht unser Wunschtermin, aber nächstes Jahr findet die Macoun etwas früher statt.


Weitere Informationen zu Macoun finden sich unter www.macoun.de.