Microsoft Office 2008 vs. OpenOffice 3.0

Office-Pakete sind das Herzstück jedes Rechners und haben maßgeblich dazu beigetragen, die Arbeitsumgebung moderner Büros zu revolutionieren. Nicht zuletzt durch die weite Verbreitung zählt die Office-Suite von Microsoft auf beruflich und privat genutzten Macs zur Standard-Ausrüstung. Seit dem Jahr 2002 schickt sich das Programmpaket der freien Entwicklergemeinde unter dem Namen OpenOffice.org an, dem Quasi-Monopolisten aus Redmond einzuheizen. Mit der soeben erschienenen dritten Evolutionsstufe von OpenOffice.org könnte sich diese Entwicklung abermals verschärfen. MacGadget hat Microsofts Office 2008 (Version 12.1.3) und das brandaktuelle OpenOffice.org 3.0 auf Herz und Nieren geprüft.

Das Office-Paket aus dem Hause Microsoft (MS) galt viele Jahre als echte Gelddruckmaschine für den Softwarehersteller. Und das nicht unbedingt, weil das Programmpaket konkurrenzlose Funktionen und Features in sich vereinte, sondern weil die Verbreitung in einem Quasi-Monopol mündete. Auch Mac-User kamen praktisch nicht an Word, Excel und Co. vorbei. Konnte man Office 1 beim Erscheinen im Jahr 1990 noch als Innovation bezeichnen, so sind echte Weiterentwicklungen im Laufe der Zeit zur Rarität geworden. Heute basieren softwareseitige Evolutionen aus Redmond oft auf einem gezückten Scheckbuch als auf der Innovationskraft der Entwickler. Und wenn alles das nicht hilft, dann wird flugs ein neues Format (nicht selten unter Missachtung allgemeiner Standards) eingeführt, das es zum Standard schaffen soll. Der Konkurrenz bleibt dann nichts anderes übrig als mit Aktualisierungen nachzuziehen, um die Kompatibilität zu gewährleisten.

Word 2008
Aufgeräumt & schick: Die Oberfläche von Word.


An dieser Situation hat sich mit dem Erscheinen des freien OpenOffice-Pakets im Jahre 2002 grundsätzlich nichts geändert. Es wurde eher müde belächelt. Skepsis war angesagt. Im Verlaufe der Programmversionen stellte sich allerdings heraus, dass die freien Entwickler von OpenOffice.org (OOo) schnell und flexibel auf Schwachstellen reagieren. Einziger Haken bislang: Das Programm lief nicht unter der Aqua-Oberfläche von Mac OS X. Mit dem Erscheinen der aktuellen Version ist dieses Manko ausgemerzt. Und so könnte OOo die nächste Stufe auf dem Weg in den Office-Olymp nehmen und zum führenden Office-Paket für alle wichtigen Betriebssysteme aufsteigen. Auch wenn der anvisierte Marktanteil von 40 Prozent noch in weiter Ferne liegt: Über drei Millionen User haben OOo in der ersten Woche kostenlos geladen – darunter etwa 320.000 Mac-Versionen.

Umfang & Erscheinungsbild

Beide Kontrahenten gehen mit nahezu identischen Basisprogrammen an den Start. Word, Excel, PowerPoint stehen auf der OOo-Seite die Applikationen Writer, Calc und Impress gegenüber. MS Office 2008 bringt mit Entourage darüber hinaus eine umfangreiche E-Mail- und Kalendersoftware und in der (teureren) Special Media Edition noch eine Medienverwaltung für Fotos, Videos, Schriften und andere Dateitypen mit. OOo bietet zusätzlich eine Vektorzeichensoftware (Draw), einen Formeleditor (Math) und eine Datenbankanwendung (Base). Auf Microsoft Access müssen Mac-User verzichten.

Beide Pakete halten mehr Funktionen bereit, als private Anwender benötigen und sind für den heimischen Rechner beinahe überdimensioniert. Selbst im professionellen Umfeld wird eine Vielzahl der Talente selten bis nie abgefragt – dennoch sind beide Büro-Pakete ideal für den unternehmerischen und universitären Einsatz geeignet.

OpenOffice.org 3.0
OpenOffice 3.0: Riesiger Funktionsumfang, wirkt aber etwas altbacken.
Unschlagbarer Vorteil: OOo ist für privaten wie gewerblichen Einsatz kostenlos.


Beim optischen Erscheinungsbild gehen beide Hersteller unterschiedliche Wege. Microsoft hat Office 2008 an den Apple-Style angepasst. Ein Vorhaben, das durchaus als gelungen bezeichnet werden kann und eine neue Microsoft-Liebe zu Icons und grafischen Details erkennen lässt. Offenbar ist Microsoft endlich in der Mac-Welt angekommen und widmet sich auch der Aufgabe, Herzen zu erobern. Nur wenig Umgewöhnung ist für langjährige Nutzer vonnöten – nach einem Arbeitstag fühlt man sich in der farbenfrohen Optik zu Hause.

OOo kommt traditionell daher – oder anders formuliert: Von einer neuen Version hätte man sich in puncto Auftritt mehr gewünscht. Nahezu altbacken wirkt das Erscheinungsbild, oder eben klassisch. Im Lastenheft der Entwickler stehen andere Aufgaben als bei Microsoft. So schielen die OOo-Experten natürlich darauf, möglichst viele Umsteiger aus dem Hause Microsoft zu gewinnen. Da macht es durchaus Sinn mit einem Erscheinungsbild aufzutreten, das die Neulinge dort abholt, wo sie sind. Dieses Vorhaben ist gelungen. Wer mit Word, Excel, oder PowerPoint arbeitet, kommt mit Writer, Calc oder Impress schnell klar. Herzklopfen kommt dabei nicht auf – auch wenn zusätzliche Icon-Sets Möglichkeiten zur Individualisierung bieten.

Die Kategorien "Erscheinungsbild" und "Anpassung an Mac OS X" gehen unter dem Strich klar an Microsoft. Zwar läuft OOo nun endlich native auf dem Mac, doch vieles ist nicht Mac-like, wie etwa Einstellungen oder die Toolbar. Die Button-Anordnungen in vielen OOo-Dialogfenstern entsprechen nicht den Apple-Richtlinien und verwirren den Anwender. Office 2008 glänzt hingegen mit einer strikten Befolgung von Apple-Standards und einer schicken Oberfläche. Zudem lassen sich Präsentationen in PowerPoint mit der Fernbedienung Apple Remote steuern, Impress in OOo bietet diese Funktion nicht.

Bedienung & Produktivität

Grundsätzlich verfolgen OOo und MS Office unterschiedliche Ansätze bei der Bedienung. Ein integrierter Ansatz ermöglicht es den Usern von OOo, alle Anwendungen über das Menü zu öffnen – mit der Konsequenz, dass die gesamte Suite mit nur einem Icon im Dock auskommt. Im Gegensatz dazu verfolgt Microsoft das Prinzip der Einzelprogramme, die aus jedem Programm über den Projektkatalog angesteuert werden können. Ressourcen schont das nicht gerade, weil im Zweifelsfall immer gleich mehrere Programme geöffnet sind.

Ob die User bei Microsoft auf die praktische Formatierungspalette vertrauen oder die klassische Toolbar-Ansicht bevorzugen, das bleibt jedem selbst überlassen. Eingefleischte MS-Office-Nutzer nehmen dem neuen Paket freilich die fehlende VBA-Unterstützung übel. Auf die in der Windows-Welt heftig umstrittenen Ribbons hat Microsoft bei der Mac-Version vorsichtshalber verzichtet und bedient sich klassischer Menüs.

Entourage
Vereint E-Mail, Kalender und Aufgaben: Entourage


So wie OOo auch. Deswegen ist die wichtigste Neuerung in OOo neben einer neuen Ansicht in Writer, die Dokumente auch als Doppelseiten anzeigt, oder einer überarbeiteten Notizzettelfunktion eher praktischer Natur: Über einen Schieberegler in der Statusleiste lässt sich der Zoomfaktor von Dokumenten stufenlos einstellen. In Calc-Arbeitsmappen funktioniert das auch in unterschiedlicher Größe für einzelne Tabellenblätter. In der Praxis erweist sich das vermeintlich banale Feature durchaus innovativer als die Tatsache, dass Tabellenblätter in Calc jetzt 1024 statt 256 Spalten enthalten können – hier scheint Excel mit 16.000 Spalten sowieso schier unerreichbar.

Wichtigste Impress-Neuerung sind Animationen auf OpenGL-Basis, die Seitenwechsel in Präsentationen animieren und neue Eindrücke entstehen lassen. Microsoft hat offensichtlich die Grammatikprüfung deutlich verbessert. Die reine Rechtschreibfunktion ist dagegen immer noch verbesserungswürdig. Zu viele Fehler bleiben unerkannt. Besser aufgestellt ist da OOo – vertrauen sollten die Anwender allerdings in dieser Hinsicht beiden Programmen nicht.

Grundsätzlich begegnen sich die Protagonisten um die softwareseitige Vorherrschaft in Büros auf Augenhöhe. Ein zehn Millionen Zeichen umfassendes Word- bzw. Writer-Dokument öffneten die Programme auf einem Intel-Mac jüngerer Baureihe in weniger als zehn Sekunden. Auch bei der Navigation innerhalb des Mammut-Dokuments gab es keine nennenswerten Verzögerungen. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen die Tests der anderen Office-Programme.

Für nicht so versierte Anwender halten beide Programm-Suiten zahlreiche Vorlagen bereit. MS bindet diese in einer Funktionsgalerie oberhalb der Schreibfläche gefällig ein und gestaltet den Zugriff einfach. Echte Neuerungen unter der Programmoberfläche halten sich aber in Grenzen. Offensichtlich sind die existierenden Büropakete in Sachen Innovation weitestgehend ausgereizt.

OpenOffice.org
Demonstriert die Vielseitigkeit der Software: Startbildschirm von OOo


Anwendungen & Kompatibilität

Mit Office 2008 hat Microsoft das Dateisystem verändert. In der Standardeinstellung werden Dokumente in den folgenden Formaten abgespeichert: docx (Word), xlsx (Excel) und pptx (PowerPoint). Dahinter verbirgt sich die Umstellung auf ein XML-Dateiformat, das den Austausch von Bürodokumenten zwischen verschiedenen Anwendungspaketen ermöglichen soll. Unter Missachtung von Standards hat Microsoft eine eigene Variante entwickelt – wohl eher um zu verdeutlichen, wer den Ton angibt.

OOo kann die neuen Microsoft-Dateiformate öffnen, aber nicht speichern. Volle Kompatibilität mit dem Konkurrenzpaket ist trotzdem über die alten MS-Office-Formate gegeben, d. h. OOo kann Dateien problemlos im .doc- oder .xls-Format sichern, die wiederum von Office 2008 gelesen werden können. Prinzipiell verfolgt das freie Entwicklerprojekt aber das ebenfalls auf XML basierende OpenDocumentFormat (ODF), das die Standards einhält, aber wiederum von MS abgelehnt wird. RTF beherrschen sowohl MS Office als auch OOo.

Beide Programmpakete laufen stabil und sind für den harten Büroalltag gewappnet. Um die Unzulänglichkeiten nach dem Erscheinen abzustellen hat Microsoft einige Monate, diverse Updates und einige Patches benötigt. Nach insgesamt vier Release-Candidates-Runden hat OOo mit der Programmversion 3.0 ein vom Start weg stabiles Werkzeug vorgestellt, das ebenso wie Office 2008 flüssiges Arbeiten ermöglicht.

Fazit

Microsoft bietet mit Office 2008 ein auch optisch ansehnliches Produkt an, das funktionelles und produktives Arbeiten ermöglicht. Für Unternehmen ein wichtiges Argument ist die Exchange-Unterstützung in der E-Mail- und Kalender-Software Entourage. Die Produkt- und Preispolitik macht das MS-Produkt aber zu einem teuren Vergnügen: Die Standardausführung kostet rund 370 Euro. Immerhin kommen Privatanwender sowie Schüler und Studenten mit ca. 100 Euro deutlich günstiger weg. Bei den Kosten spielt OOo seinen größten Trumpf aus: Das Softwarepaket ist völlig kostenlos.

Wer Geld sparen möchte, der kommt also an OOo nicht vorbei. Einschränkungen im Hinblick auf Funktionsvielfalt sind ebenso wenig zu befürchten wie beim plattformübergreifenden Austausch von Dateien. In dieser für Bürosoftware so wichtigen Disziplin bezieht OOo im Gegensatz zu Microsoft neben der Windows- und Mac-Welt sogar Linux mit ein. Anwender, die auf die schmucke Oberfläche von Office 2008 verzichten können und bereit sind, einige Inkonsistenzen in der Bedienung in Kauf zu nehmen, sei zugerufen: Die Zeit ist reif für OpenOffice.org 3.0. Der Umstieg ist kein Abenteuer und schon gar kein Risiko. Sondern nur vernünftig.

Links & Spezifikationen

Microsoft Office 2008
Hersteller: Microsoft
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4.9 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und weitere Sprachen
Preis: Home & Student Edition (für privaten Gebrauch sowie Schüler und Studenten; ohne Exchange-Anbindung) ca. 100 Euro; Standardausführung ca. 370 Euro; Special Media Edition (inklusive Medienverwaltung) ca. 420 Euro

OpenOffice.org 3.0
Hersteller: OOo ist Open-Source-Software
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und weitere Sprachen
Preis: kostenlos – Download hier

Kommentare

Formatierung von PPT unzureichend & Problem mit Referent Notizen

Hallo,

ich habe OOo getestet und muss sagen für den Hausgebrauch nützlich,
für den beruflichen Einsatz jedoch nur bedingt.

Speziell das öffnen von Powerpoint Dokumenten bereitet mir Kopfschmerzen, denn entweder wird die Formatierung von einzelnen Slides nicht korrekt angezeigt, Bilder werden verzerrt, Hyperlinks nicht markiert und auch Animationen werden nicht abgespielt.

Zum anderen kann ich Referent Notizen nicht einsehen oder verändern,
zumindest habe ich noch keinen Menüpunkt dafür entdeckt. In 2.x war dies auch nicht vorhanden.

Auch das Ausdrucken der Notizen separat oder in Verbindung mit dem jeweiligen Slide für Handouts ist nicht möglich.

Somit kann ich den Einsatz nur bedingt empfehlen.

Beste Grüße aus London
Max Mertens

OOo3 ist ganz nett, aber...

Leider ist der Mac-Port hinsichtlich der Nutzbaren Schriftschnitte fehlerhaft.

Bei Fonts, die abseits von normal, bold und italic noch andere Schnitte anbieten (z.B. Myriad Pro, oder Frutiger Next LT), kommt OOo3 tüchtig durcheinander (auf dem Mac), in der Linuxversion werden alle Schnitte im Schriftenmenü angezeigt. Schlimmer noch, wenn man ein korrekt formatiertes Dokument von einem Windows- oder Linuxbenutzer bekommt (mit besagten Schriften), sieht das Ergebnis total zerstört aus: Aus "light" wird schonmal "heavy italic".

Dieser Fehler taucht dort auch schon im Bug-Tracking System auf, er ist seit RC1 bekannt, aber da es wohl zuwenig Nutzer gibt, die nicht Arial oder Times benutzen, wird das wohl erst mein nächsten größeren Update gefixt.

Was lustig ist: bei NeoOffice taucht dieses Problem nicht auf. Schade, eigentlich sah OOo ganz vielversprechend aus, mal sehen was NeoOffice 3 bringen wird.

Access DB's gehen leider nicht damit auf

Meine große Hoffnung war OOo3, weil ich ab und zu an Access Datenbanken ran muss, M$ aber leider keine Mac Version anbietet.
Schade, OOo3 scheint nur SQL und Oracle drauf zu haben . . .

OOo3 zu umständlich

Habe OOo3 wieder deinstalliert und durch NeoOffice ersetzt.
Es sind oftmals Kleinigkeiten, wie z.B. die Seiteneinstellung oder andere sofort sichtbare Einstellungen, die ein Programm sympathisch machen.