Parallels Desktop 4.0 vs. VMware Fusion 2.0

In einem Mac schlummern Talente, die weit über die des Betriebssystems Mac OS X hinausgehen. Dank der Intel-Prozessoren, die Apple seit dem Jahr 2006 einsetzt, können Windows und Linux problemlos auf Macs genutzt werden. Die bequemste Lösung dafür sind so genannte Virtualisierungsprogramme wie Parallels Desktop 4.0 oder VMware Fusion 2.0.1. Sie ermöglichen die gleichzeitige Nutzung von Mac OS X und beliebigen x86-basierten Betriebssystemen. MacGadget hat sich die neuesten Versionen der Platzhirsche Parallels Desktop und VMware Fusion näher angesehen.

Unerklärliche Zwänge fordern von Menschen manchmal Dinge, die eigentlich nicht zu erklären sind: Kölner reisen aus freien Stücken in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf, Champagner-Trinker schlürfen hin und wieder ein Gläschen Sekt und der eine oder andere Mac-User frevelt bisweilen auch in der Windows-Welt.

Spaß beiseite: Mehrere Betriebssysteme auf einem Intel-Mac sind kein Problem. Mit der Apple-Software Boot Camp, die zu Mac OS X 10.5 "Leopard" gehört, lässt sich Windows XP oder Windows Vista auf einer separaten Festplattenpartition installieren. Nach dem Einschalten des Macs oder einem Neustart hat der Anwender die Möglichkeit, entweder in Mac OS X oder in Windows zu booten – eine konsequente (weil bestmögliche Performance), aber wenig komfortable Lösung. Linux via Boot Camp geht zwar auch, bedarf aber eines Hacks.

Parallels Desktop
Parallels Desktop 4.0: Windows XP in einem Fenster unter Mac OS X


Bequemer lässt sich das Vorhaben "ein Mac – viele Betriebssysteme" mit Virtualisierungsprogrammen realisieren. Parallels Desktop 4.0 und VMware Fusion 2.0.1 erlauben es, mehrere Gastbetriebssysteme bei laufendem Mac OS X zu betreiben – jedes Gastsystem in seinem eigenen Fenster. Obendrein bieten sie eine reichhaltige Auswahl: Beide sind nicht nur für Windows ab der Version 3.1 ausgelegt, sondern darüber hinaus auch für Solaris und verschiedene Unix- und Linux-Derivate. Dabei machen weder Parallels Desktop noch VMware Fusion vor 64-Bit-Versionen halt.

Installation & Inbetriebnahme

Als Testgerät setzen wir ein zwei Jahre altes MacBook Pro ein. Leistungsdaten: 2,16 GHz Intel Core Duo, zwei GB Arbeitsspeicher, 100 GB Festplatte. Die Installation der beiden Virtualisierer bereitet keinerlei Probleme. Intuitiv gestaltete Dialoge führen den Anwender durch eine erfreulich problemlose Prozedur.

In wenigen Minuten sind die Programme auf den Testrechner geschaufelt. Im nächsten Schritt geht es an die Installation eines neuen Betriebssystems. Und das gestalten wir bewusst etwas komplizierter: Auf der rechtlichen Basis einer Windows-2000-Vollversion wollen wir auf Windows XP aktualisieren und starten die Installation. Sie läuft in den jeweiligen Fenstern der Testkandidaten identisch ab: Nach der Verifikation verlangt das Update nach dem Datenträger von Windows 2000 und überprüft so, ob wir berechtigt sind, XP zu installieren. Ein Wechsel der Datenträger zu Win 2000 und anschließend zurück zur XP-DVD löst das Problem. Anschließend beginnt der intuitive und weitestgehend selbst ablaufende Installationsprozess, der analog zum bekannten Prozedere auf dem PC verläuft. Eine knappe halbe Stunde später ist Windows betriebsbereit. Wesentlich mehr Zeit nehmen die Aktualisierungen in Anspruch, die XP verlangt, um den aktuellen Stand zu erreichen. Praktisches Feature: Existierende Installationen von Parallels Desktop können in Fusion importiert werden – und umgekehrt. Gleiches gilt für Boot Camp-Installationen.

VMware Fusion
VMware Fusion 2.0: Windows-Virenscanner serienmäßig an Bord


Die Testkandidaten tragen der Tatsache Rechnung, dass man sich bei Nutzung von Windows auf ein gefährliches Terrain begibt und bieten einen kostenlosen, optional zu installierenden Virenscanner gleich mit an. VMware vertraut dabei auf McAffee VirusScanPlus. Parallels bringt das Programm Internet Security von Kaspersky mit. Natürlich können Windows-Viren nur dem Gastsystem, nicht aber der Mac OS X-Installation gefährlich werden. Wer sich sein Windows-Gastsystem mit Viren, Würmern, Trojanern und Spyware zerschossen hat, geht entweder per Snapshot-Funktion zu einem früheren Stand zurück (dazu später mehr) oder installiert per Knopfdruck einfach ein neues Windows.

Zur komfortablen Inbetriebnahme von Linux bieten beide Hersteller vorkonfigurierte virtuelle Maschinen zum Download an, die Installation und Konfiguration des Open-Source-Betriebssystems erleichtern.

Mac OS X und Windows Hand in Hand
Mac OS X und Windows Hand in Hand: Windows-Programme erscheinen im Dock


Ressourcen & Bedienung

Entscheidend für Virtualisierungsprogramme ist die Arbeitsgeschwindigkeit, die das Betriebssystem in der virtuellen Umgebung besitzt. Exakt hier haben die Entwickler gegenüber den Vorgängerversionen deutliche Fortschritte gemacht. Besonders Parallels Desktop weiß in dieser Disziplin zu glänzen. Die Arbeit in der virtuellen Windows-Welt ist kaum von der in einer realen Umgebung zu unterscheiden. Oder anders formuliert: Ganz gleich, ob man Windows unter Parallels Desktop oder auf einem PC einsetzt, ein Unterschied in der Performance ist im Prinzip nicht festzustellen. Auch bei der Rückkehr von der laufenden virtuellen Maschine zu Mac OS X sind keine Beeinträchtigungen zu bemerken. Und dank eines Features namens Adaptive Hypervisor kann die Leistung sogar automatisch nach Bedarf optimiert werden.

Etwas anders verhält es sich bei Fusion. Zwar fusioniert auch das VMware-Produkt die unterschiedlichen Welten miteinander. Doch der Ressourcenhunger ist bisweilen deutlich zu spüren. Die Einbrüche sind jedoch leichterer Natur und erlauben weiterhin flüssiges Arbeiten. Nimmt man den reinen Programmstart als Parameter so hat Fusion die Nase vorne. Nach 17 Sekunden ist das Programm bereit. Inklusive des Bootens von Windows XP vergehen lediglich 60 Sekunden. Parallels macht sich beschaulicher an den Arbeitsbeginn. Der Programmstart ist zwar schon nach 14 Sekunden erfolgt, doch Windows XP lässt auf sich warten. Satte 133 Sekunden benötigt der Testrechner bis Windows XP seine Bereitschaft signalisiert. Eindeutig zu lang fürs schnelle "Fensterln". Allerdings ist ein kompletter Boot eigentlich nicht erforderlich: Wird das Gastsystem nicht mehr benötigt, wird es einfach in den Standby-Modus geschickt und bei Bedarf wieder aufgeweckt.

Einstellungen in Fusion
Fusion 2.0: Wie viele CPU-Kerne pro Gastsystem sollen es denn sein?


Läuft Windows, dann lässt Parallels Desktop 4.0 den Mitbewerber Fusion 2.0.1 in puncto Performance hinter sich. Standardanwendungen wie der Internet Explorer oder Outlook genießen bei Parallels Desktop ebenso Performance-Vorteile wie Excel oder Firefox. Dass man diese Programme in einer virtuellen Umgebung betreibt, das merkt man weder bei Parallels Desktop noch bei VWware Fusion.

Der zum Teil deutliche Geschwindigkeitsvorteil von Parallels Desktop wird auf hochwertigeren Systemen sicher noch zunehmen, wenn dem Gastsystem zwei Prozessorkerne mit bis zu acht Gigabyte Arbeitsspeicher zugewiesen sind.

Grundsätzlich gilt bei Virtualisierungssoftware die Faustregel: Je mehr Gastsysteme zum Einsatz kommen sollen, desto höher sollte die Zahl der verfügbaren Prozessorkerne sein. Im Idealfall stehen jedem Gastsystem ein oder gar zwei eigene CPU-Kerne zur Verfügung – mit möglichst viel Arbeitsspeicher.

Einstellungen Parallels Desktop
Performance-Einstellungen in Parallels Desktop 4.0


Features & Workflow

Um es vorwegzunehmen: Sowohl Parallels Desktop 4.0 als auch Fusion 2.0.1 integrieren Gastbetriebssysteme gekonnt auf dem Mac. Das Arbeiten in und mit den virtuellen Maschinen macht Spaß. Auf der Seite der Funktionalität bieten die beiden Kontrahenten in den wesentlichen Punkten ähnliche Lösungen. Beeindruckend ist die Art und Weise wie der Unity-Modus (Fusion) oder Coherence (Parallels Desktop) die virtuelle Welt in die Umgebung von Mac OS X integrieren. Ob man gerade in Mac OS X arbeitet oder in Windows – es verliert an Bedeutung. Auf das Ergebnis kommt es an. Und da verschmelzen beide die vermeintlich konträren Welten. Mac-Ordner werden in den virtuellen Maschinen gespiegelt, so dass deren Inhalt immer aktuell dargestellt wird. Dateien können per Drag & Drop zwischen den Betriebssystemen ausgetauscht werden. Mit so genannten Schnappschüssen (Snapshots) wird der Zustand der Gastbetriebssysteme gesichert, um problemlos zu einem früheren Stand zurückkehren zu können, etwa wenn hartnäckige Probleme nach einer Softwareinstallation auftreten oder sich Viren eingeschlichen haben.

Funktionsvergleich
Funktionsvergleich


Externe Laufwerke wurden im Test ebenfalls von beiden Programmen fehlerlos erkannt – sowohl als Host- als auch als Gastsystem. Weiter: Nutzung vorhandener Drucker und Netzwerke? Überhaupt kein Thema. Öffnen von Dokumenten im Finder mit einer Windows-Anwendung? Sowohl mit Fusion als auch mit Parallels Desktop möglich.

Bei den Feinheiten – traditionell eine Lieblingsdisziplin von Mac-Usern – hat Parallels aber mehr investiert. Der Fernsteuerung mittels iPhone und iPod touch hat Fusion ebenso wenig entgegenzusetzen wie die Möglichkeit einer Sprachsteuerung. Die Virtualisierung von Mac OS X Server beherrschen dagegen beide Programme. Gleiches gilt für DirectX 9.0 oder OpenGL. Die Spielergemeinde wird es freuen.

Fazit

Wer Windows auf dem Mac haben möchte, der ist mit Fusion 2.0.1 gut bedient und kann obendrein auf ein Unternehmen setzen, das seine Bestandskunden auch schon mal mit einem kostenlosen Upgrade belohnt (so geschehen von Version 1.x auf 2.0). Wer mehr Windows auf dem Mac erwartet, kommt an Parallels Desktop 4.0 nicht vorbei – ein echtes Killerfeature sucht man in Parallels Desktop allerdings vergebens.

Bei der Kaufentscheidung erhalten andere Parameter Gewicht. Wer Windows, Linux oder Co. den ganzen Tag einsetzt, der wird Parallels Desktop favorisieren. Das Programm geht spürbar schonender mit den kostbaren Ressourcen um. Nicht nur Spieler wissen das zu schätzen. Fusion weiß dafür mit seiner schnellen Boot-Geschwindigkeit zu überzeugen und ist in der Anschaffung etwas günstiger. Zwei nicht unwichtige Punkte für alle, die schnell bei Bill Gates anklopfen und anschließend wieder in den Heimathafen von Steve Jobs einlaufen wollen.

Links & Spezifikationen

Parallels Desktop 4.0
Hersteller: Parallels Inc.
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4.11 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Empfohlener Verkaufspreis: 79,99 Euro (Upgrade von Version 3.0: 39,99 Euro bis 31. Dezember 2008, danach 49,99 Euro)
Demoversion: verfügbar (170 MB)

Fusion 2.0.1
Hersteller: VMware Inc.
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4.11 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere
Empfohlener Verkaufspreis: 64,90 Euro (kostenloses Upgrade von Version 1.x)
Demoversion: verfügbar (248 MB)

Kommentare

Kann ich bestätigen

Parallels Desktop 4 ist tatsächlich flotter als VMware Fusion 2. Für gelegentliche Nutzung ist Fusion 2 aber völlig okay. Zumal es Fusion mancherorts schon für knapp über 50€ gibt, fast ein Schnäppchen.

Achja noch ein Tipp von mir: Wer sich für den Virtualisierer Windows zulegen will, sollte unbedingt die sogenannten System Builder Versionen nehmen. Das sind vollwertige Win-Versionen halt nur ohne Verpackung und Support (wer braucht den schon?), aber _deutlich_ günstiger als die Retail Versionen. Ein Win XP SP3 Home Edition kriegt man z. B. für unter 80€ hinterhergeschmissen. Vista ist unnötig - braucht einfach zu viel Ressourcen.

Zuverlässigkeit

Ich benutze Parallels schon seit über 2 Jahren auf täglicher Basis zum entwickeln mit Visual Studio. Parallels hat leider ca. 10 mal meine Windows Partition zerschossen ist dieser Zeit. Das ist kein Einzelfall, einige Benutzer klagen über dieses Problem - seit langem. Man kann zwar die Partition noch mounten, allerdings startet Windows nicht mehr. Desweiteren verliert Parallels nach ca. 2-3 Stunden intensiver Arbeit die Fähigkeit Dateien zu draggen/droppen und Sachen über die Zwischebablage zu copy/pasten. Bezüglich Netzwerk ist ein VPN-Verbindung einmal die Woche zerschossen. Das lässt sich nur durch löschen der Netzwerkverbindung fixen. Keine Riesensache, nervt aber. Insgesamt kann man sagen, dass parallels das Wirt-System (MacOS) unstabil werden lässt. Mit Parallels hatte ich ca. alle 1-2 Tage einen Crash von OSX (Kaltstart nötig).

Seit ca. 2 Monaten (seit 2.0) probiere ich daher VMWare 2.0. Keines der oben genannten Problem tritt hier auf, ich kann den Mac locker 2-3 Wochen durchlaufen lassen (auch mit Ruhezustand). Die Performance ist allerdings tatsächlich schlechter. Auf einem Macbook Pro 2.2 GHz mit Core2Duo und 4 GB Speicher ist es okay, aber auf einem mac mini Core Duo mit 2 GB kann es schon nerven.
VMWare hat auch im Gegensatz zu Parallels einen hervorragenden Support. Parallels Support ist leider mittlerweile quasi nicht existent.

Das im Artikel angesprochene Problem, dass VMWare sowohl nach dem Booten, als auch nach dem Wiedereinspielen eines Speicherzustands etwa 2 Minten braucht, um sich von diesem Schock zu erholen ist tatsächlich unschön. Dafür läuft es danach megastabil.

Ein Kumpel von mir lämpft seit Tagen mit der Installation, die trotz Support nicht klappen will.
Untern Strich kann ich nur VMWare für tägliche, professionelle Arbeit empfehlen, weil Parallels einfach zu viele Bugs hat (bin mir jedenfalls), und oft neugestartet werden muss.

Viele Grüße

Ray

Virtualisierung

Nicht nur für gelegentliches Arbeiten mit Windows/Linux könnte die kostenlose Virtualisierungs-Software "VirtualBox" von SUN genügen.
Ich habe z.Bsp. diese Software zum aktualisieren von meinem TomTom im Einsatz (USB-Anbindung). Auch lassen sich damit Filme von meinem SAT-Empfänger problemlos über eine Ethernet-Verbindung auf meinen Rechner (unter Windows XP) überspielen. Selbstverständlich läßt sich auch ein Share-Ordner anlegen, damit ist der Datenaustausch mit dem Mac OS gewährleistet.
Gruss E.G.

Vmware vs Parallels

Hallo hab einen Mac pro early 2008 mit einen 2.8 GHz Cpu und 6 GB Ram, vmare ist DOPPELT so schnell für meine Boot camp Partion zu LAden 1.5 Min zu 3 Min bei Parallels (V3 und 4 Getestet) Trotz Passwort eingabe ist vmware besser !

Grüsse
Jarre