Apple legt bei Gewinn und Umsatz zu

21. Jul 2009 22:30 Uhr - sw

Mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn hat Apple heute die Finanzwelt positiv überrascht. Der Computerpionier legte kurz nach Börsenschluss in New York die Zahlen für das am 27. Juni abgeschlossene dritte Quartal des Geschäftsjahres 2009 vor. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent von 7,46 auf 8,34 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um 15 Prozent von 1,07 Milliarden Dollar (1,19 Dollar je Aktie) auf 1,23 Milliarden Dollar (1,35 Dollar je Aktie). Die Prognosen der Analysten, die im Durchschnitt mit 8,2 Milliarden Dollar beim Umsatz und 1,17 Dollar je Aktie beim Gewinn rechneten, übertraf Apple klar.

Obwohl sich das Wachstum Apples in den vergangenen Quartalen wegen der Weltwirtschaftskrise abschwächte, hat das Unternehmen erneut bewiesen, auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten auf Expansionskurs bleiben zu können. Der gute Eindruck, den Apple hinterlässt, wird durch den traditionell verhaltenen Ausblick nicht geschmälert.

Der Mac- und iPhone-Hersteller ist bekannt dafür, für das jeweils aktuelle Quartal eine zurückhaltende Prognose auszugeben, um diese drei Monate später um Längen zu übertrumpfen. So auch bei den aktuellen Quartalszahlen: Der Apple-Zielvorgabe von 7,7 bis 7,9 Milliarden Dollar beim Umsatz und 0,95 bis 1,00 Dollar/Aktie beim Gewinn steht ein tatsächliches Ergebnis von 8,34 Milliarden Dollar (Umsatz) und 1,35 Dollar/Aktie (Gewinn) entgegen.

Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2009 rechnet Apple mit einem Umsatz zwischen 8,7 und 8,9 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,18 bis 1,23 Dollar je Aktie, während die Finanzexperten im Mittel von 9,05 Milliarden Dollar (Umsatz) bzw. 1,30 Dollar/Aktie (Gewinn) ausgehen. Anleger wie Analysten dürften sich an der Apple-Prognose aus den geschilderten Gründen nicht stören, wie ein Blick an die Technologiebörse Nasdaq Composite zeigt: Im nachbörslichen Handel stieg die Apple-Aktie um 4,5 Prozent auf knapp 158,50 Dollar.

iPhone 3G S

iPhone-Absatz um 626 Prozent gewachsen


Mac-Absatz steigt wieder, iPhone boomt

Im zweiten Quartal musste Apple eine Hiobsbotschaft hinnehmen: Der Mac-Absatz fiel erstmals seit drei Jahren, wenn auch nur leicht um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im dritten Quartal ist die Mac-Sparte wieder in die Wachstumsspur zurückgekehrt. Apple verkaufte 2,603 Millionen Macs, das sind vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 1,754 Millionen Stück entfielen auf Notebooks.

Der iPod-Absatz schrumpfte um sieben Prozent auf 10,215 Millionen Stück. Aufgrund der enormen Marktsättigung, die sich in den letzten Jahren bei Mediaplayern aufgebaut hat, und des Trends hin zu Multifunktionsgeräten/Smartphones überrascht dieser Umstand aber nicht. In Sachen Handhelds ist ohnehin das iPhone seit einiger Zeit Apples unangefochtener Wachstumsrenner, wie das letzte Quartal zeigt. Apple verkaufte 5,208 Millionen iPhones, das sind 626 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Apple verdient gut an Produkten

Dass Apple hochprofitabel ist, dokumentiert auch die von 34,8 auf 36,3 Prozent gestiegene Bruttogewinnspanne. "Wir sind extrem erfreut den besten Umsatz und Gewinn in einem Nicht-Weihnachtsquartal berichten zu können sowie einen Cash-Flow aus operativem Geschäft von 2,3 Milliarden US-Dollar im Quartal erzielt zu haben", so Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer.

Weitere Kennziffern des dritten Quartals: Das Geschäft außerhalb der USA machte 44 Prozent des Apple-Gesamtumsatzes aus. In Forschung und Entwicklung hat Apple 341 Millionen Dollar investiert – 49 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.

Apple hat erneut Umsatz- und Gewinnzahlen veröffentlicht, die nicht den offiziellen US-Bilanzierungsrichtlinien entsprechen. Hintergrund: Apple verbucht die Erlöse aus iPhone und Apple TV nicht sofort in voller Höhe, sondern verteilt diese auf einen längeren Zeitraum. Wären die Erlöse aller im dritten Quartal 2009 verkauften iPhones und Apple TVs voll mit eingerechnet worden, hätte Apple einen Umsatz von 9,74 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,94 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Erster Apple Store in Frankreich zum Jahresende

In einer Bilanzpressekonferenz (Aufzeichnung hier) machten Finanzchef Peter Oppenheimer und COO Tim Cook einige zusätzliche Angaben zum Geschäftsverlauf im abgelaufenen Quartal. Demnach soll der erste Apple Retail Store in Frankreich im Jahresendquartal eröffnet werden – vermutlich in Paris. Apple ist nicht nur eine erfolgreiche, sondern auch eine zunehmend reiche Firma. Das Unternehmen verfügt nach Worten von Oppenheimer über 31,1 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen.

Das iPhone 3GS sei sehr gefragt, deswegen gebe es derzeit noch vereinzelt Lieferprobleme, so Cook. Schritt für Schritt soll der Vertrieb des iPhone 3GS, das es derzeit in 18 Ländern gibt, auf über 80 Länder ausgeweitet werden. Laut Cook habe sich die Preissenkung beim iPhone 3G positiv auf die Nachfrage ausgewirkt.

Auch das Thema Netbooks wurde, wie bereits auf früheren Bilanzpressekonferenzen, thematisiert. Cook ließ sich diesbezüglich keine neuen Aussagen entlocken, er wiederholte Apples Standpunkt. Man wolle nicht die meisten, sondern die besten Computer bauen. Viele Anwender wollen laut Cook ein voll ausgestattetes Notebook, und hier sei man mit den MacBooks hervorragend aufgestellt. Die Netbooks, die meistens langsam und mit alter Technologie ausgerüstet seien, würden jedoch viele Leute nicht glücklich machen. Apple wolle ausschließlich großartige Produkte bauen, auf die man stolz sein könne. Gegenwärtig sehe man keine Möglichkeit, einen 399- oder 499-Dollar-Computer zu bauen, der diese Prädikate verdiene, so Cook weiter.

Das neue Betriebssystem Mac OS X 10.6 "Snow Leopard" befindet sich nach Angaben Apples im Zeitplan und soll, wie auf der WWDC 2009 in San Francisco angekündigt, im September auf den Markt kommen.