"Wir benötigen ein Sprachrohr für professionelle iPhone-Entwickler"

Interview mit:

Hanno Welsch, Mitbegründer des iPhone-Entwicklerverbands vieda.

Im Herbst 2009 haben iPhone-Entwickler die Initiative vieda ins Leben gerufen. vieda steht für "Verband der iPhone-Entwickler deutschsprachiger Apps". Enge Zusammenarbeit untereinander, einheitliches Auftreten gegenüber Apple und gemeinsame Marketingaktionen – das haben sich die vieda-Mitglieder zum Ziel gesetzt. MacGadget sprach mit Hanno Welsch, einer der Initiatoren von vieda, über Hintergründe, Zielsetzungen und Aktionen des Verbunds. Welsch verriet gegenüber MacGadget, dass vieda einen eigenen App-Store plant und an einem Zertifikat für Apps der vieda-Mitglieder arbeitet.

MacGadget: Herr Welsch, Sie haben maßgeblich an der Gründung von vieda, ein Verband für iPhone-Entwickler aus dem deutschsprachigen Raum, mitgewirkt. Wie kam es zu der Gründung des Verbands?

Hanno Welsch: Der Verband wurde von Holger Frank und mir im Sommer dieses Jahres initiiert. Ich habe mich damals an Holger gewandt, weil er durch die beiden appsforsale-Aktionen im Frühjahr (Apps zu Sonderpreisen) schon ein paar gute Kontakte zu anderen Entwicklern hatte. Wir sind uns recht schnell einig gewesen, dass wir als professionelle Entwickler hochwertiger Apps ein gemeinsames Sprachrohr und eine gemeinsame Plattform benötigen, um uns gegen die Vielzahl der Hobbyentwickler mit einfältigen und schlechten Apps abgrenzen zu können.

MacGadget: Welche Ziele verfolgen Sie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie Ihre Ziele erreichen?

Hanno Welsch: Der Verband hat zum Einen das Ziel, die Kommunikation der Mitglieder untereinander als auch gegenüber Apple zu verbessern, zum Anderen wollen wir im Bereich Marketing Kräfte bündeln und mit gemeinsamen Marketingaktionen Synergien nutzen.

Ein weiteres für uns sehr wichtiges Thema ist die Schaffung eines vieda-Zertifikats, das dem User garantieren soll, eine Hanno Welschhochwertige App zu erwerben, die die vieda-Standards für professionelles Development erfüllt. An der Formulierung dieser Standards arbeiten wir gerade.

Parallel dazu arbeiten unsere Experten an einer eigenen Plattform zur Präsentation unserer Apps (eine Art vieda-App-Store), der aber weit über die Funktionalität eines reinen Stores hinausgehen wird. Hier sollen den Interessenten ausschließlich professionelle Apps präsentiert werden, so dass im Gegensatz zum App-Store von Apple schlecht programmierte und einfältige Apps keine Chance haben werden.

Wir sind sowohl für die Marketingaktionen und dem eigenen vieda-App-Store als auch für das Zertifikat mit externen Profis im Gespräch, die uns bei der Realisierung dieser Maßnahmen unterstützen werden. Ansonsten sind natürlich der geballte Sachverstand und die Verbindungen unserer Mitglieder auch nicht zu verachten.

MacGadget: Welche Organisationsform hat vieda? Wie finanzieren sich Ihre Aktivitäten?

Hanno Welsch: vieda ist sehr bewusst als lockere Interessengemeinschaft ohne Vereinsstruktur oder finanzielle Bindungen gegründet worden. Wir wollen uns nicht mit typisch deutscher Vereinsmeierei belasten. Zudem arbeiten wir in einem globalen Markt und werden mittelfristig auch unsere Marketingaktivitäten über den deutschsprachigen Bereich hinaus ausdehnen. Als Verband professioneller Entwickler deutschsprachiger Apps sind wir zwar im wesentlichen auf den deutschsprachigen Markt ausgerichtet und wollen auch hier geballt auftreten, unsägliche nationale Deutschtümelei lehnen wir aber selbstverständlich ab.

Finanziert werden unsere Aktionen durch fallbezogene Kostenübernahme durch die Mitglieder, monatlich fixe Beiträge soll es bei vieda nicht geben.

MacGadget: Welche Aktivitäten sind für das Jahr 2010 geplant bzw. wie soll vieda weiterentwickelt werden?

Hanno Welsch: Nach Abschluss der diesjährigen vieda-Adventsaktion, die schon jetzt als die erfolgreichste Marketingaktion, die es je in den deutschsprachigen App-Stores gegeben hat, bezeichnet werden kann, werden wir uns sehr kurzfristig um die Definition der Standards für das vieda-Zertifikat kümmern. Dieses Zertifikat soll Anfang nächsten Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das vieda-Zertifikat wird von einem unabhängigen Gremium von iPhone-Experten und -Nutzern vergeben werden, wenn gewisse Qualitätsstandards von App und Support erfüllt werden, die weit über das hinausgehen werden, was Apple im viedaReview-Prozess für seinen App-Store prüft. So wird gewährleistet sein, dass eine zertifizierte App in Sachen Sicherheit, Usability, Funktionalität, Wertigkeit und Supportmöglichkeiten die strengen Ansprüche erfüllt, die ein User haben darf.

Marketingaktionen wie die vieda-Adventskalenderaktion wird es künftig regelmäßig geben.

MacGadget: Was bieten Sie im Rahmen Ihrer Adventsaktion an?

Hanno Welsch: Bei der vieda-Adventsaktion handelt es sich um einen Adventskalender. Täglich werden bis zu drei Apps unserer Mitglieder zu vergünstigten Preisen angeboten. Die Rabatte am jeweiligen Aktionstag betragen teilweise mehr als 50 Prozent. Auf den Adventskalender kann über appsforsale.de und über eine eigens für diese Aktion entwickelte Advenskalender-App zugegriffen werden.

MacGadget: vieda nimmt nach eigenen Angaben ausschließlich "professionell arbeitende Entwickler" auf. Bedeutet dies, dass Entwickler, die lediglich in ihrer Freizeit für das iPhone OS programmieren, aber dennoch hochwertige Software produzieren, bei Ihnen nicht willkommen sind?

Hanno Welsch: Auch wenn die Mehrzahl unserer Mitglieder die iPhone-Entwicklung hauptberuflich betreibt, ist die nebenberufliche Tätigkeit nicht zwingend ein Ablehnungsgrund für eine Mitgliedschaft bei vieda. Wir lassen potentielle Bewerber eine kurze Vorstellung in unserem Forum schreiben und entscheiden dann individuell, ob dieser Bewerber unseren Ansprüchen auf Professionalität genügt. Wir haben durchaus auch Mitglieder, die nebenberuflich eine sehr professionelle Arbeit leisten.

MacGadget: Wie viele Mitglieder hat vieda inzwischen? Was müssen Entwickler tun, um bei vieda Mitglied zu werden?

Hanno Welsch: Zur Zeit - Mitte Dezember 2009 - haben wir 60 Mitglieder, Tendenz steigend. Potentielle Bewerber melden sich bitte bei info at vieda.de und erhalten dann weitere Informationen.

MacGadget: Wie hat Apple auf die Gründung von vieda reagiert bzw. gibt es eine Zusammenarbeit mit Apple?

Hanno Welsch: Apple Deutschland hat uns zur Verbandsgründung gratuliert und die Hoffnung auf kreative Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht. Wir sind auch mit dem für den deutschsprachigen Bereich zuständigen Manager bei Apple in gutem Kontakt und führen durchaus fruchtbare Gespräche. Wie in allen global agierenden Großunternehmen sind die Kommunikationswege jedoch bisweilen lang und mühsam.

MacGadget: Es gibt inzwischen über 100.000 Apps für das iPhone OS. Entsprechend unübersichtlich geht es im App Store zu. Was sollte Apple vor diesem Hintergrund Ihrer Ansicht nach tun, um den App Store zu verbessern?

Hanno Welsch: Schwierige Frage. Wir glauben, für Apple sind die Möglichkeiten der besseren Darstellung sehr begrenzt, auch wenn sie aktuell mit der Gruppierung bestimmter Apps (Apps für Kids, Weihnachtsapps) neue Wege testen. Daher glauben wir, dass künftig spezialisierte Portale, die für eine bestimmte Zielgruppe ausgesuchte Apps präsentieren, eine stärkere Verbreitung finden und den Usern zu mehr Übersicht verhelfen werden. Und da Apple keinerlei qualitative Wertung der Apps vornimmt (mit Ausnahme der Feature-Listen auf der iTunes-Startseite), ist auch für dieses Thema eigene Initiative gefragt, welche wir mit unserem vieda-Zertifikat zeigen werden.

MacGadget: Immer wieder wird seitens der Entwickler Kritik geäußert, dass es mitunter recht lange dauert, bis Apple ein Programm in den App Store aufgenommen hat bzw. ein Update freigibt. Können Sie das bestätigen?

Hanno Welsch: Leider ja, der Review-Prozess dauert aktuell zwischen zwei und drei Wochen, was für einen dynamischen Markt eindeutig zu lange ist. Wir hoffen sehr, dass Apple durch eine Aufstockung der Personaldecke hier kurzfristig wieder Verbesserungen erreichen kann. Bis zum Erscheinen des iPhone OS 3.0 waren Review-Zeiten von drei bis vier Tagen durchaus die Regel. Da würden wir gerne wieder hin.

MacGadget: Wenn Sie bei Apple drei Wünsche frei hätten, welche wären dies?

Hanno Welsch: Das wären

1. kürzere Reviewzeiten
2. flexiblere Preismodelle (also eine App in verschiedenen Märkten auch mit verschieden Preisen anbieten zu können)
3. ein Mac-Tablet zu Weihnachten :)

MacGadget: Herr Welsch, vielen Dank für das Gespräch.

Links:
vieda
vieda-Adventsaktion
Adventskalender-App



Kommentare

Ich habe sehr gute Erfahrung gemacht

Mein iPhone Entwickler http://itunes.apple.com/de/artist/osxwerk-de/id286537725 ist auch im Verband und hat die VTW App sehr gut umgesetzt. Der Support untereinander und vor allem miteinander klappt einwandfrei. Auch die Käufer haben mehrere Ansprechpartner bei meiner App und erreichen die passenden Leute direkt ohne durch eine lange Warteschleife zu wandern. Ich bin auf jeden Fall gerne mit dabei!