"Im kreativen Bereich setzen wir noch immer überwiegend auf Macs"

Interview mit:

Steffen Hellmuth, Buchautor und Administrator beim Verlagshaus Gruner + Jahr AG & Co KG.

Unser Interview-Partner lebt in zwei Welten. Als Supporter in einem großen Verlagshaus in Hamburg (Gruner + Jahr AG & Co KG) hält er mit seinen Kollegen nicht nur weltweit die "Strippen" im Netzwerk zwischen Windows und Mac zusammen. Da vor Ort etliche Redaktionen den Mac einsetzen (teilweise schon seit Generationen), kann er natürlich endlos Geschichten erzählen, wie sich "Windows & Mac" über die verschiedenen Versionen vertragen. Steffen Hellmuth hat dazu ein Buch verfasst, "Mac im Unternehmen", das eben von jenen Vorzügen und auch Klippen berichtet, die umschifft werden müssen, um die Welten nahtlos miteinander zu vereinigen.

MacGadget: Herr Hellmuth, welcher Computernutzer auf der Arbeit ist Ihnen lieber: Ein kreativer und herausfordernder Mac-User oder ein (vielleicht auch mit weniger Ansprüchen) noch weit verbreiteter Windows-Nutzer?

Steffen Hellmuth: Da sich die Anforderungen der Anwender beider Plattformen immer mehr annähern, so wie es auch bei den Funktionen der Systeme selbst geschieht, so reizt mich eher die Mischung aus beidem. Allerdings: So abwechslungsreich der Einsatzzweck der Client-Systeme in unserem Verlag auch immer sein mag - mein Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung technischer Lösungen im redaktionellen Umfeld.

MacGadget: Erzählen Sie doch einmal mehr aus Ihrem Job: Was macht so ein Administrator bzw. für was sind Sie genau verantwortlich?

Steffen Hellmuth: Um es an dieser Stelle nicht zu sehr auszubreiten, erstreckt sich unser Aufgabenfeld hauptsächlich vom Beheben technischer Störungen in der Clientlandschaft über die Entwicklung und Administration unserer Infrastruktur-Systeme bis hin zur technischen Beratung aller Verlagsbereiche - plattformübergreifend. Langeweile kommt da jedenfalls nicht auf, da wir ständig mit neuen Steffen HellmuthHerausforderungen konfrontiert werden, um die notwendigen Lösungen für das Haus zu erarbeiten. Dabei hat jeder von uns spezielle Qualifikationen und Aufgabengebiete.

Meine Schwerpunktthemen im Support sind derzeit unter anderem die Bild- und sonstigen redaktionellen Tools (spezielle Arten von Software, die für Recherche, Layout und Schlussproduktion der Zeitschriften notwendig sind), Asset Management (Inventarisierung und Bestandsverwaltung) und Softwareverteilung, um diese hohe Anzahl an Clients auch managen zu können.


MacGadget: Gibt es da in der Führungsriege Diskussionen, welcher Rechner angeschafft werden soll oder ist die Glaubensfrage schon längst beantwortet?

Steffen Hellmuth: Da es auch für die Client-Computer in unserem Verlag explizite Anforderungsprofile gibt, verlässt sich die Führungsriege natürlich auch auf uns. Und da entscheiden heutzutage nicht Glaubensfragen, sondern technische und kaufmännische Kriterien. Dabei spielen unter anderem Funktionseinsatz, "End of Life"-Cycle, Anwender-Effizienz, Support-Aufwand und natürlich die Kosten eine wichtige Rolle. Bei den Anwendern gibt es nach wie vor individuelle Neigungen zu einer Plattform, die aber oft nur emotional begründet sind. Im Vergleich zu vergangenen Jahren stehen jedem für die meisten Anforderungen mittlerweile beide Welten offen.

MacGadget: Läuft demnach in Ihrem Verlagshaus alles eher in Richtung Macintosh?

Steffen Hellmuth: Nicht immer ist ein Mac die beste Wahl. Wir haben verlagsweit deutlich mehr Windows- als Macintosh-Computer im Einsatz. Auch in einigen Redaktionen setzen wir auf Windows-Systeme. Bei reinen Office- oder SAP-Anforderungen, Arbeitsplätzen mit funktionierenden Windows-basierten Workflows - oder sonstige Arbeitsplätze, die nicht direkt an einer von Macintosh beherrschten Umgebung beteiligt sind - gibt es derzeit keinen Grund, den Status Quo zu ändern. Im kreativen Bereich setzen wir derzeit aber noch immer überwiegend auf Macs.

Viel wichtiger ist jedoch, dass die aus der Vergangenheit bekannten Schwierigkeiten in Sachen Kompatibilität geringer werden und somit beide Plattformen immer besser auch in ein und derselben Netzwerkumgebung betreut werden können. Zwei Plattformen parallel zu betreuen, bedeutet zwar auch stets einen höheren Kostenaufwand auf allen administrativen Ebenen. Jedoch bin ich überzeugt, dass es auch zukünftig Argumente für die jeweilige Systemumgebung geben wird - auch wenn sich somit ein heterogenes Clientumfeld bildet.


MacGadget: Wenn ich, wie in Ihrem Buch "Mac für Unternehmen" geschildert, als Geschäftsführer oder Institutsleiter überlege, in einem bestehenden Windows-Netzwerk Macs zu integrieren, welche Hürden habe ich da zu meistern?

Steffen Hellmuth: Gut geplant, ist zwar halb gewonnen: Dennoch sollten eben etwaige Anpassungen an der Infrastruktur, Softwarelizenzen, Know-How der Administratoren und Supporter sowie das notwendige Anwender-Know-How durchaus wichtige Kriterien darstellen. Wie gesagt, das ist alles machbar.

Das Schöne daran: Da sich ein Mac kompatibel in eine vorhandene Windows-Infrastruktur einbinden lässt und die meisten Softwareprodukte vom selben Hersteller verfügbar sind, stellen selbst Exchange oder Active Directory keine wirklichen Hürden mehr dar. Die Hürden in manchen Köpfen sind da oft schon schwieriger zu meistern.

MacGadget: Aber bin ich als ein Interessent, der in einer Klein- oder Mittelstadt wohne, nicht eher im Nachteil, da ich keinen Support vor Ort habe?

Steffen Hellmuth: Die Entfernung zu einer Metropole muss heute nicht mehr primär beachtet werden, da das Internet die Möglichkeit des Remote-Supports bietet. Hier entscheidet der Umfang des gewünschten Vor-Ort-Supports.

Wir selbst betreuen hier bildlich gesprochen "mit Blick auf den Hamburger Hafen" aus Macs auf fast allen Kontinenten. Auch die Anstellung oder Schulung eigener Supporter sind weitere Alternativen, die es durchaus zu überlegen gilt: Apple bietet hierfür verschiedene Ebenen der Weiterbildung an. Ansonsten ist das Netz der Mac-Systemhäuser bereits gut ausgebaut - und das oft auch in Kleinstädten.


MacGadget: Verraten Sie uns doch einmal zwei, drei typische Probleme, die bei einer solchen Integration auftreten können?

Steffen Hellmuth: Nun, ein Klassiker unter den Schwierigkeiten sind die Schriften, die trotz "Open Type" nicht vernachlässigt werden dürfen. Es kommt nicht selten vor, dass mit Dokumenten gearbeitet wird, die zuletzt in den 90ern verändert wurden. Diese Fonts Der Mac im Unternehmenmüssen natürlich ersetzt werden, was aber selbst nach einem System- oder Softwareupgrade als Aufgabe anstehen kann.

Auch das Arbeiten mit Datei- und Ordnernamen, speziell auf Servervolumen, sorgt da manchmal für Schwierigkeiten, da Sonderzeichen für unterschiedliche Effekte sorgen. Einige Tipps & Tricks dazu zeigen wir ja auch im Buch, wenn hier etwas Werbung gestattet ist.

Aber auch Gewohnheiten einiger Anwender behindern manchmal einen reibungslosen Übergang, da sie typische Kurzbefehle oder Funktionen vermissen und sich dann schwer mit Kompromissen abfinden. Doch die Rückkehr zur Routine braucht ja bei jedem Plattformwechsel Zeit, die sich bestenfalls amortisiert.

MacGadget: Haben Sie einige Tipps für unsere Leserinnen und Leser?

Steffen Hellmuth: Ein Beispiel sind die Standardfragen wie "Was ist denn der Finder?", den wir dann mit dem Windows-Desktop vergleichen.

Auch das schon lange in Windows-Umgebungen bekannte Single-Sign-On wird meist unter Mac OS X anders umgesetzt - sofern nicht komplett ins Active Directory integriert -, da hier der lokale Schlüsselbund eine größere Rolle spielt.

Ein typischer Troubleshooting-Klassiker ist aber dieser: Derzeit steht von Microsoft noch ein Outlook-Client für den Mac aus – so stolpert man gern auch über lokale Outlook-Archive, die von den Usern im Laufe der Zeit gesichert wurden. Diese lassen sich zum Beispiel mit "O2E" von ConvertMyEmail oder "MessageSave" von TechHit nach Entourage oder Apple Mail konvertieren.


MacGadget: In welchen Bereichen hat Mac OS X nach Ihrer Meinung Nachholbedarf, wenn es um die Einbindung in gemischte Netzwerke geht? Was würden Sie sich als Supporter von künftigen Apple-Betriebssystemen wünschen?

Steffen Hellmuth: Prinzipiell sind wir zufrieden; doch gibt es auch kleinere Knackpunkte: So merkt man Apple oftmals an, dass die Betreuung aus der Consumer-Schiene entwachsen ist - gerade bei der Implementierung von Businesslösungen ist das nicht immer förderlich, wenngleich bei den Mac-Händlern nun auch mehr und mehr "Business Partner" auf die entsprechenden Bedürfnisse eingerichtet sind.

Auch eine transparentere Preispolitik, die nicht nur auf den vorher miteinander vereinbarten Abnahmemengen basiert, wäre wohl für Unternehmen wünschenswert; das regelt in der Zukunft sicherlich der Markt. Jedoch liegt der positive Nebeneffekt natürlich bei einer einheitlichen Betriebssystemversion, was bei Nachbestellungen - bedingt durch Modellwechsel - sonst nicht immer gewährleistet werden kann.

MacGadget: Sie haben seit langer Zeit professionell mit Macs zu tun. Wie beurteilen Sie die Qualität von Apple-Produkten (Hard- und Software) in den letzten Jahren?

Steffen Hellmuth: In unserer Umgebung halten wir uns an Standards und setzen nicht jeden Gerätetyp ein. Dennoch verstärkt sich der Eindruck, dass Apples Qualitätsmanagement bei Hard- und Software aus der Vergangenheit gelernt hat. Akku- und Gehäuseprobleme wurden anscheinend überwunden. Dies spiegelt sich auch in den Studien wieder: So belegt Apple beim Vergleich mit anderen Computer-Herstellern im amerikanischen Index zur Kundenzufriedenheit (ACSI) oder auch im "Fortune's survey" seit Jahren einen der vorderen Plätze. Ähnliches stellen wir in der Praxis fest: Apple-Geräte setzen wir problemlos bis zum fünften Lebensjahr ein und haben glücklicherweise nicht annähernd so viele technische Ausfälle, wie dies vorher einmal der Fall gewesen ist.


MacGadget: Open-Source ist auf dem Vormarsch. Wie ist es um die Akzeptanz von Open-Source-Software in Ihrem Verlagshaus bestellt? Oder anders ausgedrückt: Halten Sie Open-Source-Software für ausgereift genug, um im kritischen Medien-Produktionsprozess eine Rolle zu spielen?

Steffen Hellmuth: Als Administrator und Systembetreuer interessieren wir uns natürlich immer für neue Lösungen auch aus dem Open-Source-Bereich. Im Job selbst denken wir da auch aus Gründen der Stabilität eines Systems zu Recht konservativer: So setzen wir vorwiegend die marktüblichen Produkte der großen Software-Anbieter ein, die sich eben auch bewährt haben. Gleichwohl kommt Open-Source in nützlichen Teilanwendungen wie zum FTP-Datentransfer zum Zuge. Auch werden einige Multimedia- und Office-Anwendungen auf Open-Source-Basis eingesetzt. Wichtig ist dabei immer, dass wir im Netzwerk einen Software-Standard etablieren können, der sich über alle Rechner hinweg schnell und problemlos pflegen und aktualisieren lässt.

MacGadget: Wo sehen Sie die Zukunft, wie beobachten Sie die Entwicklung, was gerade für größere Netzwerke (Windows und/oder Mac) sich tut?

Steffen Hellmuth: Um es mal neutral zu sehen: Sicher werden beide Systeme weiterhin ihre Berechtigung haben. Aber sowohl Microsoft als auch Apple müssen dabei noch diverse Hausaufgaben erledigen: Wenn sich bei ersterem Hersteller einige Leute noch mehr Benutzerfreundlichkeit wünschen, ist es bei letzterem wohl eher ein in allen Computerklassen niedrigerer Preis - wohl wissend, dass bereits heute etliche Mac minis als Alternative im Office eingesetzt werden.

Ich sehe es so, dass auch in Unternehmen die Entwicklung von proprietären zu freien Formaten geht. Ob dann schließlich unten drunter ein Mac oder ein Windows-Computer dreht, wird mehr und mehr eine untergeordnete Rolle spielen.

Als eindeutiger Trend zeichnet sich auf jeden Fall das iPhone bei Selbständigen und Geschäftsführern ab, da sie sich der Marke oft erst durch Apples Mobiltelefon bewusst werden.

Solange aber sachlich abgewogen wird, Anforderungen und Kosten gleichwertig Beachtung finden, mache ich mir für die Zukunft beider Welten keine Sorgen. Der Wechsel zwischen beiden ist jedenfalls mittlerweile "keine Hexerei" mehr - und das ist vielleicht die beste Nachricht.

MacGadget: Herr Hellmuth, vielen Dank für das Gespräch.


Links:
Buch: "Der Mac im Unternehmen: Netzwerk, Backup, Sicherheit"

Kommentare

Die Überschrift ...

... suggeriert etwas Anderes als das gesamte Interview aussagt. Die Gesamtbilanz ist doch, daß überwiegend mit PC's gearbeitet wird, außer im kreativen Bereich. Dieser ist aber ein verschwindend kleiner Teil im gesamtem Betrieb.
Interessant, daß auf die 5-Jahresfrist als Nutzungsdauer für MAC's hingewiesen wird.
Was Vielen gar nicht bewußt ist: Apple stellt als einziger Computerhersteller die Unterstützung von Geräten, die älter als 5 Jahre sind, ein. Die Liste der betroffenen Geräte kann man auf der Apple Homepage einsehen. Damit wird das Gerät im Reparaturfall wertlos, weil man dafür keine Original Ersatzteile mehr bekommt, auf die man bei Apple noch viel mehr angewiesen ist als bei anderen Herstellern.
Zum Vergleich - ich habe bis vor kurzem einen Fujitsu-Siemens Scenic L aus dem Jahr 2001 benutzt, der heute noch läuft und den ich jederzeit auf- oder nachrüsten kann, und das mit Standardbauteilen !