VirtualBox - Tipps für Konfiguration und Nutzung

Das Softwareangebot für Mac OS X wächst dank steigendem Mac-Marktanteil beinahe täglich. Trotzdem gibt es viele Windows-Programme und -Spiele, die auf dem Mac fehlen. Wer aus diesem Grund das Microsoft-Betriebssystem auf seinem Mac nutzen möchte, sollte sich VirtualBox einmal näher ansehen. Die kostenlose Virtualisierungssoftware ermöglicht die gleichzeitige Nutzung von Mac OS X und Windows (oder Linux). Dieser Artikel gibt Tipps für Einrichtung und Nutzung von VirtualBox.

1. Installation von VirtualBox
VirtualBox steht unter einer Open-Source-Lizenz (Hintergründe zum Thema Open-Source finden Sie hier) und ist für den privaten und gewerblichen Einsatz kostenlos. Das Programm setzt einen Intel-Prozessor und Mac OS X 10.5 oder neuer voraus und liegt auf Deutsch, Englisch und weiteren Sprachen vor. VirtualBoxDie aktuelle VirtualBox-Version steht auf dieser Web-Seite zum Download bereit.

Nach dem Download und dem Öffnen des Disk-Images wird per Doppelklick auf "VirtualBox.mpkg" das Installationsprogramm gestartet. Zur Installation werden Administratorrechte benötigt. Da VirtualBox einige Kernel-Erweiterungen installiert, kann ein Neustart erforderlich sein.

Um VirtualBox vollständig (d. h. mit allen zugehörigen Dateien) zu deinstallieren, wird das Tool "VirtualBox_Uninstall.tool" aus dem Installationspaket bemüht. Es muss mit einem Administrator-Account ausgeführt werden. Wer das heruntergeladene VirtualBox-Disk-Image nicht aufbewahren möchte, sollte vorher das Deinstallationstool sowie das englische Benutzerhandbuch auf der Festplatte sichern.

Empfehlenswert ist, auch das VirtualBox Extension Pack herunterzuladen und per Doppelklick der VirtualBox-Installation hinzuzufügen. Es rüstet zum Beispiel die Unterstützung für USB 2.0 nach, die für höhere Geschwindigkeit etwa bei USB-Festplatten sorgt. Ohne das VirtualBox Extension Pack wird nur USB 1.1 unterstützt. Das VirtualBox Extension Pack ist für den Privatgebrauch und die Nutzung in Bildungseinrichtungen kostenlos. Kommerzielle Anwender müssen Lizenzen für das VirtualBox Extension Pack erwerben.

VirtualBox hat gegenüber Apples Boot-Camp-Software einen gewichtigen Vorteil: Mac OS X und Windows lassen sich gleichzeitig nutzen – ein Neustart ist nicht erforderlich. Zudem ermöglicht VirtualBox auch den Betrieb anderer Betriebssysteme, wie beispielsweise Linux und Solaris. Ein weiterer Vorteil von VirtualBox ist der einfache Datenaustausch zwischen Mac OS X und dem Gastsystem (Windows, Linux, Solaris...) per Zwischenablage oder gemeinsam genutzten Ordnern. Übrigens: Den Betrieb eines Gastsystems nennt man auch Virtualisierung.

VirtualBox

VirtualBox-Hauptfenster mit einem Gastsystem und dessen Einstellungen



2. Vorbereitungen zur Installation eines Gastsystems
VirtualBox bindet das DVD-Laufwerk des Macs automatisch ein und stellt eingelegte CDs und DVDs dem Gastsystem zur Verfügung. Fehlt wie beim MacBook Air oder dem aktuellen Mac mini ein optisches Laufwerk, hilft die Funktion "DVD- oder CD-Freigabe" von Mac OS X. Diese nutzt das freigegebene Laufwerk eines anderen Computers. Nähere Informationen hierzu hat Apple in einem Support-Dokument zusammengefasst.

Wer mag, überführt die Installations-DVD von Windows bzw. Linux für spätere Zwecke in ein so genanntes Disk-Image. Dabei hilft das Festplatten-Dienstprogramm von Apple. Im Programmfenster wird die zuvor eingelegte DVD ausgewählt und durch den Menüpunkt "Ablage" ? "Neu" ? "Image von ..." in eine Datei des Typs DVD/CD-Master überführt. Einbinden lässt sich die Datei dann in den Gastsystem-Einstellungen unter "Massenspeicher".

Festplatten-Dienstprogramm

Festplatten-Dienstprogramm: Eine Installations-DVD als Disk-Image sichern



2.1. Ein neues Gastsystem erstellen und ein Betriebssystem installieren
Zu Beginn muss der Anwender eine neue virtuelle Maschine (sprich: ein neues Gastsystem) erstellen. Die Dialog-geführte Einrichtung ist innerhalb weniger Minuten erledigt: VirtualBox fragt zunächst nach einem Namen und dem Typ des Gastsystems, in unserem Beispiel Windows XP. Anschließend schlägt VirtualBox dafür eine Hauptspeichergröße (RAM) von 192 MB vor. Wenn der Mac über vier GB RAM verfügt, sollten Windows XP 1024 MB RAM zugewiesen werden. Ist mehr RAM vorhanden, sind 2048 MB sinnvoll. Aber Achtung: Der Speicher wird fest reserviert und steht Mac OS X nicht mehr zur Verfügung, solange VirtualBox läuft.

Danach geht es daran, eine virtuelle Festplatte einzurichten. Der Vorschlag von zehn GB ist in Ordnung, ebenso der Typ "VDI" sowie das dynamische Allozieren, bei dem die Größe der Festplattendatei mit dem Füllgrad wächst. Später kann jederzeit eine weitere Festplatte hinzugefügt werden. Wie, steht unter Punkt 3.1 beschrieben.

Nachdem VirtualBox das Gastsystem erstellt hat, sollte der Benutzer die Einstellungen feinjustieren. Dazu wird im VirtualBox-Fenster das soeben erzeugte Gastsystem ausgewählt und auf "Ändern" geklickt. Unter "Anzeige" sollte der Grafikspeicher auf 32 MB angehoben werden. Bei Bedarf lässt sich hier sofort die 3D-Beschleunigung für 3D-Spiele aktivieren, für die unter Windows eine Erweiterung installiert werden muss (dazu später mehr). Auch die 2D-Video-Beschleunigung sollte aktiviert werden.

VirtualBox

Die RAM-Zuweisung für ein Gastsystem lässt sich jederzeit ändern



Die Zuweisung von mehr als einer CPU bzw. mehr als einem Prozessorkern unter "System" ? "Prozessor" mag zwar für die Performance verlockend klingen, macht aber in Standardsituationen wenig Sinn: Aufwändige Arbeiten sollten nicht auf einem virtualisierten System durchgeführt werden, da die Virtualisierung grundsätzlich langsamer arbeitet als ein richtiger Computer. Hier ist Boot-Camp die bessere Alternative. Außerdem ist die Zuweisung von zusätzlichen Prozessorkernen für ein Gastsystem nur auf solchen Macs sinnvoll, die über mindestens vier echte Prozessorkerne verfügen. Wer beispielsweise einen iMac oder ein MacBook Pro mit vier Prozessorkernen besitzt, kann einem Gastsystem bedenkenlos zwei Kerne zuweisen - mehr jedoch nicht, da sonst die Leistung von Mac OS X darunter leiden könnte.

Unter "Gemeinsame Ordner" lassen sich Verzeichnisse einstellen, die sowohl von Mac OS X als auch vom Gastsystem genutzt werden – dies erleichtert den Dateiaustausch. Durch Klick auf das Ordnersymbol mit einem grünen Plus lassen sich gemeinsam genutzte Ordner hinzufügen. Die Einstellungen hier sind selbsterklärend, sinnvoll ist ein Häkchen bei "Automatisch einbinden". So werden die Ordner beim Windows-Start eingebunden. Kleiner Tipp: Leerzeichen im Namen vermeiden.

VirtualBox

Gemeinsam genutzte Ordner festlegen.



2.2. Beste Wahl: Windows XP
Empfehlenswert für die Installation unter VirtualBox ist vor allem Windows XP. Wer Mac OS X 10.6 oder neuer auf einem Mac mit mindestens vier GB RAM einsetzt, kann zwar auch Windows Vista oder Windows 7 nutzen, Windows XP bietet jedoch eine höhere Geschwindigkeit und läuft mit beinahe jeder Windows-Software reibungslos. Zudem dürften viele Umsteiger noch eine Windows-XP-Lizenz eines alten Rechners im Schrank liegen haben. Alternativ lässt sich eine Vollversion im Internet erwerben.

Die Installation von Windows XP ist selbsterklärend: Zuerst muss die Windows-XP-DVD eingelegt bzw. das Disk-Image ins Laufwerk eingebunden werden. Das geschieht über den Dialog "Massenspeicher" (siehe auch Punkt 3.1). Nach dem Starten des Gastsystems wird die Installation von Windows initiiert. In den folgenden Dialogen sollte die virtuelle Festplatte mit NTFS partitioniert werden. Danach heißt es abwarten: Windows XP fragt einige Daten wie Computername, automatische Updates und Ähnliches ab. Bei der Einrichtung der Benutzer sollte ein Administrator mit dem Namen "Admin" eingerichtet werden. Für die tägliche Arbeit gibt es dann einen zweiten Benutzer.

Zuletzt werden die Gasterweiterungen installiert, weiteres dazu unter Punkt 3.

Übrigens: Um Sonderzeichen wie das @-Zeichen unter Windows einzugeben, hilft die Bildschirmtastatur aus dem Zubehör von Windows XP. Auf einer Windows-Tastatur befindet sich das @ nämlich auf ALT-GR und Q, was unter Mac OS X zum Beenden des aktuellen Programms führen würde – die ALT-GR-Taste liegt an der gleichen Stelle wie die rechte CMD-Taste. Weiterer Tipp: Auch für das Gastsystem ist ein Virenscanner Pflicht. Empfehlenswert sind die kostenlosen Programme Avira Free Antivirus oder Microsoft Security Essentials.

Ein Vorteil der Virtualisierung macht sich bei Vieltestern schnell bemerkbar: Geht mal etwas schief, lässt sich ein so genannter Sicherungspunkt durch einen Klick in der VirtualBox-Oberfläche unter "Sicherungspunkte" auf "Sicherungspunkt wiederherstellen" zurückspielen. Das Gastsystem wird nun auf den Stand des letzten Sicherungspunktes zurückgesetzt. Unter "Sicherungspunkte" lassen sich übrigens auch 1:1-Kopien von Gastsystemen anlegen.

2.3. Linux: Probieren kostet nichts
Auch Linux unterstützt alle simulierten Bestandteile des VirtualBox-Systems. So laufen zum Beispiel die Ubuntu-Versionen 10.04 LTS und 11.10 stabil und schnell – egal ob als 32-Bit- oder 64-Bit-Version. Installation und Einrichtung laufen prinzipiell ähnlich wie unter Windows XP ab. Größter Unterschied: Linux kann als Live-CD auch ohne Installation ausgeführt werden, um das System kennen zu lernen. Die Gasterweiterungen müssen unter Linux für das System neu kompiliert werden. Weiteres dazu unter Punkt 3.

2.4. Haken und Ösen von Mac OS X als Gastsystem
Auch Mac OS X kann mit VirtualBox als Gastsystem genutzt werden. Apple erlaubt die Virtualisierung von Mac OS X Server 10.5, Mac OS X Server 10.6, Mac OS X Server 10.7 und Mac OS X 10.7. Wann ist die Virtualisierung von Mac OS X sinnvoll? Beispielsweise zum Testen von bestimmten Konfigurationen für Administrations- oder Entwicklungszwecke oder zum gefahrlosen Testen von Betaversionen. Anderes Beispiel: Durch die Virtualisierung von Mac OS X Server 10.5 oder 10.6 lässt sich PowerPC-Software unter Mac OS X 10.7.x nutzen.

VirtualBox

VirtualBox unterstützt die Virtualisierung von Mac OS X Server



Die Virtualisierung von Mac OS X wird von den VirtualBox-Entwicklern allerdings noch als experimentell eingestuft. In der Praxis erweist sich die Virtualisierung von Mac OS X als noch nicht sonderlich stabil. Die besten Resultate lassen sich mit Mac OS X Server 10.6 erzielen, bei dem alle Serverdienste deaktiviert sind. Zudem sollten maximal 32 MB Grafikkarten-Speicher zugewiesen werden, da VirtualBox sonst nicht stabil läuft. Die Bildschirmauflösung bleibt standardmäßig bei 1024 mal 768 Pixeln. In der Dokumentation von VirtualBox wird beschrieben, wie sich die Bildschirmauflösung des virtualisierten Mac OS X beeinflussen lässt. Im Terminal müssen beispielsweise für eine Auflösung von 1440 mal 900 Pixel diese beiden Befehle eingegeben werden:

VBoxManage setextradata "VM name" VBoxInternal2/UgaHorizontalResolution 1440
VBoxManage setextradata "VM name" VBoxInternal2/UgaVerticalResolution 900

"VM name" ist der Name des Mac-OS-X-Server-Gastsystems.

Die Nutzung von Mac OS X als Gastsystem ist kein Genuss: Das System ist langsam und friert zuweilen ein. Mutige, die PowerPC-Programme auf einem Mac-OS-X-10.7-System nutzen wollen, sollten VirtualBox mit Mac OS X Server 10.6 aber durchaus in Betracht ziehen.

3. Netzwerk, Drucker und gemeinsam genutzte Ordner
Durch die Installation der Gasterweiterungen bei laufendem Gastsystem über "Geräte" ? "Gasterweiterungen installieren" konfiguriert VirtualBox die Zwischenablage, Netzwerk, USB- sowie Grafikkartentreiber. Anschließend ist der Inhalt der Mac-OS-X-Zwischenablage auch unter Windows bzw. Linux und umgekehrt verfügbar.

Das Netzwerk wird von VirtualBox automatisch voreingestellt: So können neben dem Internet zum Beispiel Netzwerkdrucker mit dem entsprechenden Treiber des Herstellers unter Windows oder Linux genutzt werden. Aber auch USB-Drucker stehen nach der Treiberinstallation im Gastsystem zur Verfügung. Einzig der Druck aus ganz alten DOS-Programmen auf den Parallelport LPT1: ist nicht möglich. VirtualBox virtualisiert diesen derzeit nur unter Linux.

Wer bereits vor der Installation einen gemeinsam genutzten Ordner eingerichtet hat, wird diesen nun unter Windows in der Netzwerkumgebung finden. Vorsicht ist jedoch geboten: Wird eine Datei vom Gastsystem geändert, könnte ein Mac-OS-X-Programm diese Änderungen überschreiben und im schlimmsten Fall einen Datenverlust provozieren.

Unter Linux werden nur die Quellcodes der Gasterweiterungen mitgeliefert, so dass der Nutzer den korrekten Prozessor (zum Beispiel AMD oder Intel in 32-Bit oder 64-Bit) auswählen und das entsprechende Skript in der Shell (entsprechend dem Mac-OS-X-Terminal) starten muss. Die Erstellung der gemeinsam genutzten Ordner ist identisch zur Verfahrensweise für einen Windows-Gast – für das unter Linux notwendige Einbinden des Ordners ist jedoch ein Shell-Befehl notwendig, der zum Beispiel den gemeinsamen Ordner "Downloads" im Linux-System unter /mnt/downloads einbindet:

mount -t vboxfs Downloads /mnt/downloads

3.1 Eine zweite Festplatte einrichten
Geht der Platz auf der Festplatte des Gastsystems zur Neige (sofern "dynamische Allozieren" nicht gewählt wurde), lässt sich über "Ändern" -> "Massenspeicher" eine zweite virtuelle Festplatte hinzufügen. Neben dem Controller gibt es ein Symbol, um eine neue Platte zu erzeugen. Die Dialogabfolge ist identisch mit der der Ersteinrichtung. Nach der Einrichtung muss die neue Festplatte schließlich noch unter Windows formatiert werden. Dabei hilft die Systemsteuerung im gestarteten Windows: Unter "Verwaltung" ? "Computerverwaltung" taucht die neue Festplatte unter "Datenträgerverwaltung" auf. Durch einen Rechtsklick auf den Datenträger kann dieser initialisiert werden. Anschließend ist die neue Festplatte partitionierbar und formatierbar.

VirtualBox

Unter "Massenspeicher" kann eine neue virtuelle Festplatte hinzugefügt
oder ein Disk-Image eingebunden werden



4. VirtualBox benutzen
Läuft VirtualBox im Fenstermodus, befinden sich unten rechts einige Statussymbole für Aktivität von Festplatte und optischem Laufwerk sowie für USB-Geräte, Netzwerkadapter und gemeinsam genutzte Ordner. Alle Symbole – bis auf das Symbol der Festplatte - führen per Rechtsklick auch in die Einstellungen. Zuletzt finden sich hier drei weitere Symbole, die die Virtualisierung beschreiben, die Art des Mauszeigers – ob exklusiv im Gastsystem verwendet oder zwischen Mac OS X und Windows geteilt (Mauszeiger–Integration) - sowie die Taste, durch die ein gefangener Mauszeiger wieder freigegeben werden kann. Dies ist standardmäßig die linke CMD-Taste. Empfehlenswert ist zudem die Mauszeiger-Integration, die durch die Gasterweiterung möglich wird.

VirtualBox

Windows XP in einem Fenster, rechts unten die Statussymbole von VirtualBox



VirtualBox lässt sich in mehreren Modi benutzen: Vollbild, skaliert und nahtlos. Der Vollbildmodus lohnt sich, wenn Windows exklusiv genutzt werden soll. Skaliert ist nur sinnvoll, um den Bildschirm des Gastsystems immer im Blick zu haben. Der nahtlose Modus empfiehlt sich, wenn oft zwischen Mac- und Windows-Programmen hin und hergewechselt wird: Es bleibt nur die Windows-Startleiste sichtbar, vergleichbar mit dem Dock. Zusätzlich werden alle Programme in eigenen Fenstern auf dem Mac-OS-X-Schreibtisch dargestellt. Im nahtlosen Modus verschwinden übrigens auch die Statusicons. Die Einstellungen lassen sich über das Geräte-Menü öffnen.

5. Spielen mit VirtualBox
Auf einem MacBook Pro mit Core-2-Duo-Prozessor (2,26 GHz), vier GB RAM und Windows XP als Gast mit 1024 MB RAM und aktiviertem 3D-Beschleuniger ist es beispielsweise möglich, das ältere Spiel "Medal of Honor 2" mit vollen Details zu spielen. Obwohl die Lüfter des Geräts laut drehen, läuft das Spiel flüssig und stabil. Für weniger anspruchsvolle oder ältere Spiele reicht also die Performance der Virtualisierung aus.

Für die für Spiele sinnvolle 3D-Beschleunigung ist eine Gasterweiterung notwendig, die sich nur im Windows-Safe-Mode installieren lässt. Wer in den Einstellungen zum Gastsystem unter "Anzeige" bereits den 3D-Beschleuniger aktiviert hat, startet Windows neu und schaltet beim Booten mittels der F8-Taste in den Safe-Mode. Nach erfolgreichem Start kann das Installationsprogramm der Gasterweiterungen aus dem Menü "Geräte" nun die erforderlichen Bibliotheken des Windows-System gegen die von VirtualBox tauschen. Dabei wird sich Windows mehrfach über nicht zertifizierte Treiber beschweren – hier einfach die Installation fortsetzen.

6. Fernsteuerung des Gastsystems
Für jedes Gastsystem kann eine Fernsteuerung unter dem gleichnamigen Menüpunkt unter "Anzeige" aktiviert werden. Diese Fernsteuerung bietet sich vor allem an, wenn ein Gastsystem ununterbrochen laufen soll und ohne Bildschirmdarstellung gestartet wird. Dazu ist das Tool "VBoxHeadless" notwendig, das sich über das Terminal aufrufen lässt: Der Befehl

VBoxHeadless -s "Windows XP"

startet zum Beispiel die Virtualisierung des Windows-XP-Gastsystems, ohne das Bild anzuzeigen. Mit dem Microsoft Remote Desktop Client ist das System nun fernsteuerbar.

Läuft VirtualBox auf dem gleichen System, auf dem auch der Anwender arbeitet, ist die Adresse des Computers in der Remotedeskopverbindung meist "localhost".

Der Befehl "VBoxHeadless" blockiert übrigens das Terminalfenster. Drückt der Benutzer im Terminal dann CTRL-C, beendet "VBoxHeadless" das Gastsystem sofort. Dieses Verhalten lässt sich beeinflussen: Durch ein an den Befehl angehängtes &

VBoxHeadless -s "Windows XP" &

wird "VBoxHeadless" im Hintergrund gestartet. Einmaliges Drücken der Enter-Taste kehrt zum Terminal-Prompt zurück. Wird das Gastsystem normal beendet, wird auch "VBoxHeadless" gestoppt.

6.1. Mit phpVirtualBox über das Internet
Das ebenfalls kostenlose phpVirtualBox muss auf einem Webserver installiert werden, da es auf PHP und mySQL basiert. Es konfiguriert und steuert VirtualBox per Browser, auch über das Internet. Auf Wunsch zeigt ein Flash-Applet das Bild des virtualisierten Windows und lässt Interaktionen zu. Sollte phpVirtualBox bzw. die Fernsteuerung nicht funktionieren, helfen die folgenden Terminal-Befehle:

VBoxManage setproperty websrvauthlibrary null
cd /Applications/VirtualBox.app/Contents/MacOS
./vboxwebsrv >/dev/null


VirtualBox

VirtualBox per Web-Browser fernsteuern


7. VirtualBox auf dem neuesten Stand halten
Oracle entwickelt VirtualBox kontinuierlich weiter. Regelmäßig erscheinen Updates mit Fehlerkorrekturen und Verbesserungen. Ob eine neue VirtualBox-Version verfügbar ist, können Sie über den Menüpunkt "Überprüfung auf Update..." im Menü "VirtualBox" in Erfahrung bringen. Natürlich informiert auch MacGadget im Nachrichtenteil über neue VirtualBox-Updates.

Kommentare

Für Fortgeschrittene: Festplatte physisch einbinden

Wer kein Risiko scheut und eine echte Festplatte statt der Festplatten-Abbilder nutzen möchte, kann mit folgendem Terminal-Befehl eine Art "Link" auf den Device-Eintrag der Festplatte im System erzeugen und diesen Link dann dem Gastsystem zuweisen:

VBoxManage internalcommands createrawvmdk -filename /PfadZumOrdner/Festplatte.vdmk -rawdisk /dev/disk1

Bei "/PfadZumOrdner/Festplatte.vdmk" gibt man an, wo der Link abgelegt werden soll und "/dev/disk1" ist die Festplatte, auf die man physisch zugreifen will. Im Festplattendienstprogramm lässt sich leicht herausfinden, welche "disk" es ist, indem man die Festplatte dort in der linken Spalte anwählt und CMD-i drückt. "Festplatte.vdmk" weist man dann in der Konfigurationsoberfläche von VirtualBox als Festplatte dem Gast-System zu (siehe 3.1). Sollte diese VDMK-Datei nicht erkannt werden, kann man es auch per Terminal erzwingen, wie z.B. ("GastSystem" ist hierbei durch den Namen des Gast-Systems zu ersetzen):

VBoxManage storageattach GastSystem --storagectl "SATA-Controller" --port 0 --device 0 --type hdd --medium /PfadZumOrdner/Festplatte.vdmk

Da hier wirklich direkter Zugriff auf die Platte stattfindet sollte man diese Methode nur anwenden, wenn die Gefahr des Datenverlusts nicht gegeben ist!

VirtualBox ist eine feine Sache

Ich nutze VirtualBox mit Windows XP auf einem Mac mini (Core 2 Duo) und bin mit der Geschwindigkeit ganz zufrieden. Zwar bietet VirtualBox nicht den Komfort oder die Performance von Parallels Desktop oder VMware Fusion, doch dafür hat VirtualBox eben einen unschlagbaren Vorteil: Es ist kostenlos. Ich kann VirtualBox jedem empfehlen, der auf bestimmte Windows-Software angewiesen ist oder ältere Windows-Spiele spielen will. Ich nutze unter Windows XP unter anderem ElsterFormular und spiele Stronghold und andere ältere Spiele.

Den Artikel finde ich prima - ist eine gute Einführung in VirtualBox. Habe etliche Tipps und Infos gefunden, die ich noch nicht kannte.

Alte Platte weiterverwenden

awado schrieb:
Da hier wirklich direkter Zugriff auf die Platte stattfindet sollte man diese Methode nur anwenden, wenn die Gefahr des Datenverlusts nicht gegeben ist!

Das ist besonders nützlich, wenn eine alte Platte aus einem defekten Windows- oder Linux-Notebook weiterverwendet werden soll. Es müsste auch per USB-Gehäuse funktionieren, da diese Platte etwa als /dev/disk1 im System angemeldet wird.

Awado, gibt es da einen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der Virtuellen Festplatte?

Vorteil

Angenommen die Image-Datei liegt auf einer Platte mit identischen Parametern (also Geschwindigkeit etc.) dürfte der Vorteil nicht allzu gross sein. Man sollte sich somit keine Illusionen machen. Ich hab's öfters dazu verwendet, per XP oder Linux ein NAS-Laufwerk zu partitionieren.

gesicherte WinXP-Installation auf einem anderen Mac nutzen

Hallo,

kann man problemlos eine auf einem MacBook Pro (2010) angelegte Installation auf einem Mac mini (Ende 2011) nutzen?