Umfrage: Bundesbürger sagen 3D-Druck große Zukunft voraus

19. Jun 2017 15:00 Uhr - Redaktion

3D-Druck ist aus der modernen Industrie kaum noch wegzudenken, und auch der Gebrauch im heimischen Wohnzimmer ist im Kommen. Der großen Mehrheit der Bundesbürger ist die Technologie bekannt. Fast neun von zehn Befragten (87 Prozent) haben in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom angegeben, schon einmal von 3D-Druck gehört oder gelesen zu haben. Das sind etwa 61 Millionen Bundesbürger im Alter ab 14 Jahren. Verbraucher schätzen dabei vor allem die vielseitigen Möglichkeiten, die sich ihnen durch die Technologie eröffnen.

3D-Drucker sind in der Lage, beliebige Objekte aus unterschiedlichsten Materialien herzustellen. Verschleiß- und Ersatzteile wie etwa einen verlorenen Objektivdeckel für die Kamera oder ein kaputter Haken können so kostengünstig und einfach zu Hause hergestellt werden. Ebenso lassen sich Produkte aus dem 3D-Drucker leicht individualisieren, etwa Accessoires und Schmuck, Deko-Artikel oder Spielzeug. Die unter Verbrauchern bekanntesten Einsatzgebiete sind die Architektur (89 Prozent), die Medizin (85 Prozent), die Industrie (81 Prozent) und 3D-Selfie-Figuren (74 Prozent).

Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) hat sogar schon selbst einmal einen 3D-Druck angefertigt oder anfertigen lassen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) kann sich vorstellen, dies künftig zu tun. Allerdings hat auch ein Viertel an der Technologie grundsätzlich kein Interesse. Die meisten, die schon einmal einen 3D-Druck angefertigt haben, taten dies bei einem Dienstleister (neun Prozent). Fünf Prozent druckten auf einem eigenen 3D-Drucker, weitere drei Prozent fertigten den 3D-Druck an Ihrem Arbeitsplatz an.

Umfrage: Bundesbürger sagen 3D-Druck große Zukunft voraus

3D-Drucker haben das Potential, die Industrie nachhaltig zu verändern.
Bild: Bitkom.



Bereits heute wollen die Bundesbürger unterschiedlichste 3D-Drucke produzieren: Rund die Hälfte (53 Prozent) kann sich vorstellen, ein 3D-Selfie zu machen. 45 Prozent der Befragten würden mit einem 3D-Drucker Accessoires oder Schmuck herstellen, 44 Prozent Spielzeug. Auch Deko-Artikel (40 Prozent) und Ersatzteile (36 Prozent) stehen hoch im Kurs. Lebensmittel mit dem 3D-Drucker herzustellen, wie etwa Figuren aus Zuckerguss oder Kuchenteig, können sich dagegen nur wenige vorstellen (14 Prozent) – Pulver, Paste, Gel, Teig oder Flüssigkeit einfüllen und ein Schokoladen-Selfie oder den Namen aus Leberwurstpastete drucken, klingt offenbar für die Mehrheit nicht appetitlich.

3D-Drucker für den Verbraucher arbeiten heute größtenteils mit thermoplastischen Kunststoffen. Die Verbraucher hätten aber gerne auch andere Materialien zur Verfügung. Stabilere Metalle wünschen sich 86 Prozent. 78 Prozent würden außerdem gerne Gegenstände aus Keramik drucken. Auch Silikon (65 Prozent) und Gips (48 Prozent) sind häufig gewünschte Einsatzmaterialien. Bei den tatsächlich genutzten Stoffen ist die Vielfalt dagegen nicht so groß: Die Hälfte der Verbraucher (50 Prozent) nutzten bisher Kunststoff, etwa 16 Prozent druckten mit Silikon und 14 Prozent verwendeten Gips.

Wo man als Verbraucher schon heute die Möglichkeit hat einen 3D-Druck – auch ohne eigenes Gerät – anzufertigen, ist vielen laut Umfrage gar nicht bewusst. Fablabs, also offene Werkstätten, in denen entsprechende innovative Geräte zur Verfügung stehen, und 3D-Labore an Universitäten kennt nur rund jeder vierte Befragte (28 Prozent). 22 Prozent ist keine einzige Möglichkeit bekannt, einen 3D-Druck anzufertigen, also weder entsprechende allgemein zugängliche Einrichtungen, spezielle Dienstleister oder für den Hausgebrauch erhältliche Geräte.

3D-Drucker zum Kauf sind zwei Dritteln der Verbraucher (64 Prozent) noch zu teuer. Jeder Dritte (34 Prozent) würde dafür nicht mehr als 500 Euro bezahlen, ebenso viele sogar nur bis zu 100 Euro (30 Prozent). Nur ein schwindend geringer Anteil von zwei Prozent würde 1000 Euro oder mehr in die Hand nehmen. Allerdings ist das Interesse an der Nutzung der Technologie auch ohne eigenes Gerät bei den Endverbrauchern groß: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagt, dass sie gerne einen 3D-Copyshop nach dem Vorbild klassischer Copyshops nutzen würden.

Geht es um die Zukunftsfähigkeit der Technologie, ist die überwältigende Mehrheit der Verbraucher äußerst positiv gestimmt: 90 Prozent sind der Meinung, dass sich 3D-Druck auf lange Sicht in privaten Haushalten durchsetzen wird. Ein Drittel (36 Prozent) meint, dass dies bereits in fünf Jahren der Fall sein wird. Was die Industrie angeht, sind die Verbraucher noch optimistischer. Hier sagen bereits neun von zehn Befragten (92 Prozent), dass sich 3D-Druck bis 2022 durchgesetzt haben wird.

Kommentare

"3D-Drucker sind in der Lage, beliebige Objekte aus unterschiedlichsten Materialien herzustellen. Verschleiß- und Ersatzteile wie etwa einen verlorenen Objektivdeckel für die Kamera oder ein kaputter Haken können so kostengünstig und einfach zu Hause hergestellt werden. "

Wenn ich für die ein bis zwei Haken oder ähnliches, was im Jahr im Haushalt kaputt geht und nicht so konstruiert sind, dass es auch MIT 3D-Drucker nicht zu reparieren ist, extra einen teuren 3D-Drucker kaufen und mich dann noch mit 3D-Kontruktion beschäftigen muss, ist es unkomplizierter und billiger den Haken fertig im Laden/Onlineshop zu kaufen.

Und welches Smartphone hat denn noch einen Kameradeckel.

In der Industrie lohnen sich die Geräte schon heute, für zu Hause fehlt technologisch noch das ein oder andere oder ist noch nicht bezahlbar – ganz abgesehen davon, dass ich in meiner Wohnung keinen Platz hätte, wo ich so ein Teil hinstellen könnte.

Momentan sinds vor allem die Hersteller solcher Geräte, die uns erzählen, das wir alle so ein Teil brauchen und ohne ein Gesetz, dass Hersteller verpflichtet, die 3D-Modelle typischer Verschleißteile im Netz anzubieten, werden die auf den 3D-Modellen auch hocken oder sie so teuer verkaufen, wie bisher das Ersatzteil und es wird wieder einen Kampf geben, dann gegen die 3D-Modell-Piraten ...

Der Kapitalismus mit der geplanten Obsoleszenz wird Wege finden, den 3D-Druck von Ersatzteilen zu behindern wo es geht. Da werden dann Teile mit Chips ausgestattet, damit sie nicht nachgemacht werden können, oder es werden Verbundwerkstoffe konstruiert, die mit einem 3D-Drucker nicht nachmachbar sind oder gleich alles verklebt, dass mans nur noch weg schmeißen kann, wenn 1 kleines Teil davon kaputt geht - siehe aktuelles Microsoft Surface Teil für 2000 EUR wo man exakt nix reparieren kann. Außerdem werden die Materialien für den Druck so teuer sein, dass es sich bei Kleinteilen nicht so ohne weiteres lohnt.

"Rund die Hälfte (53 Prozent) kann sich vorstellen, ein 3D-Selfie zu machen."

Spätestens wenn man das ganze Regal vollstehen hat mit 3D-Modellen von Kumpels, die nur sinnlose Staubfänger sind, verliert sich das Interesse auch wieder.

Ich sag ja nicht, dass es nicht kommt, aber wie bei dem meisten anderen 3D-Zeugs auch, erzählen sie schon länger, dass das die Zukunft ist. Jedenfalls ists eine Zukunft, die noch warten lässt.