Neue iMacs: Festplatten-Flaschenhals kostengünstig umschiffen

Die neue iMac-Generation bietet eigentlich alles, was das Herz begehrt: hochwertige Bildschirme, aktuelle Prozessor- und Grafikkartentechnologie, eine breite Schnittstellenausstattung inklusive Thunderbolt 3, ein elegantes Design, drahtlose Maus und Tastatur – zudem beginnen die Preise im Handel bereits zu fallen. Einen in der Vergangenheit häufig geäußerten Kritikpunkt an den iMacs konnte Apple jedoch auch mit der neuen Modellreihe nicht vollends aus der Welt schaffen.

Zwar bietet der Hersteller für die Desktop-Rechner extrem schnelle SSD-Laufwerke an, die Tests zufolge Lesegeschwindigkeiten von bis zu 2800 MB pro Sekunde und Schreibgeschwindigkeiten von bis zu 2100 MB pro Sekunde erreichen, doch diese sind weiterhin nur gegen Aufpreis zu haben. Standardmäßig werden die neuen iMacs entweder mit Festplatten oder Fusion-Drive-Laufwerken geliefert.

Natürlich: im Gegensatz zur Vorgängerserie sind jetzt immerhin alle 27-Zoll-Konfigurationen und das High-End-21,5-Zoll-Modell mit Fusion-Drives anstatt Festplatten ausgestattet. Dennoch ist und bleibt das Thema Laufwerk weiter der Flaschenhals der Standardkonfigurationen, der das Arbeiten ausbremst. Die 5400-rpm-Festplatte schafft gerade einmal rund 100 MB pro Sekunde, während das 1000-GB-Fusion-Drive lediglich 32 GB Flash-Speicher enthält.

Neue iMac-Modellreihe

Neue iMacs: moderne Technik, aber die Festplatte ist der Flaschenhals.
Foto: Apple.



Die optionalen SSDs lässt sich Apple fürstlich bezahlen. Beim 21,5-Zoll-4K-Modell und den 27-Zoll-Varianten werden bis zu 480 Euro Aufpreis für eine 512-GB-SSD und 840 Euro für eine 1000-GB-SSD Aufpreis fällig. Es gibt jedoch einen anderen, preislich deutlich attraktiveren Weg, um den iMac zu beschleunigen: der externe Betrieb einer SSD als Startlaufwerk, entweder per USB oder via Thunderbolt. Diese Lösung hat zudem den Vorteil, dass die interne Festplatte bzw. das interne Fusion-Drive für Time-Machine-Backups und/oder andere Zwecke genutzt werden kann.

Uneingeschränkt zu empfehlen sind SSDs der Reihe 850 Evo von Samsung (Amazon-Partnerlink). Sie sind bewährt, bieten fünf Jahre Garantie und erreichen Schreib- und Lesegeschwindigkeiten von über 500 MB pro Sekunde. Die 250-GB-Variante kostet knapp 85 Euro, das 500-GB-Modell rund 150 Euro und die 1000-GB-Ausführung etwa 300 Euro.

Zum Gehäuse: am günstigsten sind USB-3-Gehäuse, beispielsweise von Inateck oder von CSL-Computer (Amazon-Partnerlinks; Preis: je 11,99 Euro), in die eine SSD mit SATA-Anschluss einfach eingesetzt wird. USB-3-Anschlusskabel werden mitgeliefert, eine separate Stromversorgung ist nicht erforderlich (Bus-Power). Einen Nachteil gibt es jedoch: der TRIM-Befehl wird unter macOS via USB nicht unterstützt. TRIM sorgt dafür, dass die Schreibgeschwindigkeit beim Langzeiteinsatz konstant hoch bleibt.

Samsung 850 Evo

850 Evo: Kostengünstige SSD mit fünf Jahren Garantie.
Bild: Samsung.



Wer auf TRIM Wert legt, fährt mit einem Thunderbolt-Gehäuse von Delock (Amazon-Partnerlink) besser. Allerdings kostet es knapp 110 Euro, zudem müssen ein Thunderbolt-Kabel (Preis: knapp 35 Euro; Amazon-Partnerlink) sowie ein Thunderbolt-3-auf-Thunderbolt-2-Adapter (Preis: knapp 60 Euro; Amazon-Partnerlink) separat erworben werden. Die TRIM-Funktion lässt sich unter macOS mit einem Terminal-Befehl für Thunderbolt-SSDs aktivieren. Thunderbolt-3-Leergehäuse gibt es bislang nicht.

Für welche Lösung – USB oder Thunderbolt – man sich auch entscheidet, die Nutzung eines externen SSD-Startlaufwerks funktioniert problemlos, selbst beim Langzeitbetrieb über mehrere Jahre sind keine Schwierigkeiten zu erwarten. Auf die externe SSD installiert man entweder das Betriebssystem frisch oder nimmt ein 1:1-Cloning des internen Laufwerks vor – beides wird über den Wiederherstellungsmodus mit dem Festplattendienstprogramm erledigt (dazu den iMac mit den Tasten Befehl und R booten).

Fazit: den aktuellen iMacs (und natürlich auch allen anderen Macs, die serienmäßig mit langsamer Festplatte geliefert werden) lassen sich mit einer externen SSD im Zusammenspiel mit einem USB-3-Gehäuse kostengünstig Beine machen. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob das Bootvolume (mit Betriebssystem und allen Programmen) lediglich 100 MB/Sekunde schafft oder mehr als fünfmal so schnell ist.

Für einen Gesamtpreis von weniger als 100 Euro (250-GB-SSD plus USB-3-Gehäuse) lässt sich der Flaschenhals beim iMac kostengünstig beheben, während die langsame interne Festplatte einfach für Time-Machine-Backups genutzt wird. Nur wer auf sehr hohe Schreib- und Lesegeschwindigkeiten angewiesen ist, wie etwa bei der professionellen Video- oder Musikproduktion, kommt um Apples teure (aber dafür sehr schnelle) SSDs nicht herum. Für alle anderen Einsatzzwecke sind USB-3-basierte SSD-Startlaufwerke mehr als ausreichend (und TRIM zu vernachlässigen).

Kommentare

Und wer auf den TRIM-Befehl

Und wer auf den TRIM-Befehl wert legt, nimmt eine SSD von Angelbird. Die haben TRIM nativ an Bord.
https://www.steller-online.de/Videotechnik/Solid-State-Disks/Angelbird/Angelbird-SSD-wrk-XT-for-Mac-512GB.html

SSD im iMac

Es stimmt schon, zumindest bei den 27" iMacs sollte bei den aufgerufenen Preisen eine SSD serienmäßig drin sein.

Zur Ehrenrettung Apples sei aber gesagt, dass 1) die aktuellen iMacs ansonsten technisch wirklich sehr attraktiv sind und 2) Apple keine 08/15 SSDs verbaut sondern hochwertige SSDs, deren Performance momentan industrieführend ist.

Ansonsten gilt einfach die Faustregel: auf iMac Rabattaktionen im Handel achten, den gewünschten iMac dort mit Nachlass mitnehmen, eine externe SSD zum Booten dranklemmen und gut ist. Nicht aufregen, sondern mit der Kiste entspannt die nächsten 4-5 Jahre arbeiten.

Wollte nicht ....

Da habe ich auch kein Verständnis für, einerseits bei den Schnittstellen immer ganz vorn sein wollen (soweit, dass die Dritthersteller jahrelang hinterherhinken), aber im Jahr 2017 überhaupt noch mechanische Festplatten in hochpreisige Edelrechner einbauen.
Bei Obelix heißt es "die spinnen doch...".

Gruß Uli

iMac und SSD

Ich nutzte USB 3 SSDs am Mac mini seit vielen Jahren (als Startlaufwerk). Bin also Langzeituser dieser Konstellation - und sehr zufrieden. Keine Probleme, nur ein Tipp von mir: Manche USB 3 Kabel sind schlecht abgeschirmt und können das WLAN-Signal stören. Wenn das auftritt entweder umstöpseln (USB Port von ganz rechts nach ganz links kann Wunder bewirken) oder anderes Kabel nehmen.

Ansonsten kann ich mich diesem sehr informativen Artikel voll und ganz anschließen: mit einer USB 3 SSD kann man so ziemlich jedem Festplatten basiertem Mac ordentlich beschleunigen - zum schmalen Taler. TRIM brauche ich persönlich nicht, die Schreibraten sind auch nach Jahren noch gut (ich mache regelmäßig Tests).