Special Report zur Eröffnung der Macworld Expo 2007 in San Francisco (09. Januar 2007)

MacWorld Expo 2007: Apple definiert das Handy neu. Ungewöhnlich wenig Ankündigungen gab es von Apple auf der diesjährigen MacWorld Expo in San Francisco - doch vor allem eine hat es in sich: Apple präsentierte mit dem iPhone das seit langem erwartete Multifunktionsgerät mit Handy-, iPod- und Business-Features. Es basiert auf Mac OS X und soll ab Juni in den USA und gegen Jahresende in Europa zu haben sein. Apple sieht im iPhone die "Neuerfindung des Handys" und verweist auf ein neuartiges Bedienungskonzept. Das iPhone kommt ohne Handy-Tastatur aus, gesteuert wird es über einen berührungsempfindlichen Bildschirm mit den Fingern. Zudem sei es dünner als die Konkurrenz und bringe viele, nahtlos integrierte moderne Technologien mit, so Apple. In unserem nachfolgenden Special Report erfahren Sie alle Einzelheiten über das iPhone und die weiteren Ankündigungen Apples.

iPhone - der Mac OS X-Minicomputer. "Heute werden wir Geschichte schreiben" sagte Apple-CEO Steve Jobs in seiner fast zweistündigen Macworld-Keynote (Aufzeichnung hier) im Moscone Center in San Francisco. Er verwies auf die Jahre 1984 und 2001, als Macintosh bzw. iPod eingeführt wurden und die Welt veränderten. Heute solle nun wieder so ein Tag sein, erklärte der Mitbegründer und CEO des 1976 gegründeten Computerpioniers. Mit dem iPhone will Apple das Handy revolutionieren. Das iPhone ist nicht nur ein Mobiltelefon, es ist ein Minicomputer, basierend auf dem Betriebssystem Mac OS X. Es vereint obligatorische Handy-Features wie Telefon, SMS und Digitalkamera mit den Fähigkeiten des iPod (Musik-, Foto- und Videowiedergabe) und diversen Anwendungen, darunter ein an Apple Mail angelehnter E-Mail-Client für POP3- und IMAP-Accounts, der Web-Browser Safari, Kalender, Fotoverwaltungssoftware, Google Maps-Anbindung und Dashboard-Widgets für unterschiedliche Zwecke.

"iPhone ist ein wegweisendes und magisches Produkt, das jedem anderen Mobiltelefon um buchstäblich fünf Jahre voraus ist. Wir sind alle mit dem ultimativen Zeigegerät geboren worden - unseren Fingern - und iPhone nutzt sie, um die revolutionärste Benutzeroberfläche seit der Maus zu schaffen", so Apple-CEO Steve Jobs. Muss man tippen, blendet das iPhone entweder eine Ziffern- oder eine vollwertige Tastatur ein: "iPhone verfügt über eine SMS Anwendung mit einer kompletten QWERT Software-Tastatur, mit der sich unkompliziert SMS Nachrichten senden und empfangen lassen. Wenn man tippen muss, zeigt iPhone ein elegantes Touch-Keyboard an, das in der Lage ist, Fehler zu verhindern bzw. zu korrigieren und es dadurch viel einfacher und effizienter macht als die kleinen Plastik-Tasten auf vielen Smartphones."

In puncto Technologien ist das iPhone bis auf einen Punkt auf der Höhe der Zeit: GSM/EDGE-Quadband-Unterstützung, 3,5 Zoll-Breitformat-Display mit hoher Auflösung (320x480 Pixel bei 160 ppi), Zwei-Megapixel-Kamera sowie WLAN (IEEE 802.11b/g) und Bluetooth 2.0. UMTS fehlt - eine Begründung dafür lieferte Apple nicht. Es ist nur 11,6 Millimeter dick (Gewicht: 135 Gramm) und laut Apple dünner als alle anderen auf dem Markt befindlichen Handys. Ein Sensor regelt die Displaybeleuchtung abhängig vom Umgebungslicht, ein weiterer Sensor erkennt, in welcher Position das Gerät gehalten wird und schaltet automatisch vom Hoch- auf Querformat bzw. umgekehrt um. Der Akku soll für fünf Stunden Gesprächsdauer bzw. 16 Stunden Musikhören ausgelegt sein. Zum Standby-Betrieb machte Apple keine Angaben.

Wer sich ein iPhone zulegen möchte, muss sich noch einige Zeit gedulden. In den USA soll es im Juni in den Handel kommen und - inklusive eines zweijährigen Vertrags beim Mobilfunkanbieter Cingular, den Apple zum Exklusivpartner gekürt hat - 499 Dollar für das Modell mit vier GB Flash-Speicher und 599 Dollar für das Modell mit acht GB Flash-Speicher kosten. In Europa soll das Gerät gegen Jahresende, in Asien erst im kommenden Jahr ausgeliefert werden. Kostenloses Extra: Jeder iPhone-Käufer erhält einen kostenlosen E-Mail-Account (IMAP) von Yahoo.

Bis dahin hat Apple noch ein rechtliches Detail zu klären. Denn nicht Apple, sondern Cisco besitzt in den USA die Markenrechte am iPhone. Allerdings gab es zuletzt intensive Gespräche zwischen beiden Unternehmen bezüglicher dieser Frage, die Verträge sind offenbar unterschriftsreif, so dass Apple wahrscheinlich künftig den Markennamen iPhone nutzen darf.

Bestehende Mac OS X-Software lässt sich offenbar (zumindest ohne Anpassungen) nicht installieren, da das iPhone aber Dashboard-Widgets unterstützt, ist anzunehmen, dass sich bestehende Widgets auf dem iPhone nutzen lassen. Apple hat ehrgeizige Ziele - bereits im Jahr 2008 will Apple einen Marktanteil von einem Prozent am weltweiten Handy-Markt erreichen, was etwa zehn Millionen verkaufter Geräte entspricht. Auf Apples Messestand auf der Macworld Expo wird das iPhone ausgestellt - anfassen und ausprobieren darf man es allerdings nicht. Fotos finden sich hier, hier und hier.

Apple TV: Die Brücke zwischen Mac und Wohnzimmer. Wie im Vorfeld erwartet, hat Apple weitere Details zu iTV bekannt gegeben. Das Produkt soll demnach im Februar zum Preis von 299 Euro unter dem Namen Apple TV in den Handel kommen. Apple TV schließt die Lücke zwischen Mac und Wohnzimmer. Das in puncto Design dem Mac mini nachempfundene Gerät wird mit dem Fernseher verbunden (per HDMI, DVI oder Component Video/Audio), empfängt per Funk (IEEE 802.1n) oder per Ethernet (10/100 Mbit) vom Mac übertragene Filme, Musik oder Foto-Slideshows und spielt diese auf dem TV-Gerät ab. Apple TV wird über eine Front Row-ähnliche Benutzeroberfläche mit der mitgelieferten Fernbedienung Apple Remote bedient. Das Herz des Geräts ist ein Intel-Chip, auf einer 40 GB-Festplatte können beliebige (häufig genutzte) Inhalte lokal untergebracht werden, alternativ lassen sich Inhalte auch streamen - wahlweise auch aus dem Internet. Wer auf einen integrierten TV-Tuner mit Aufnahmefunktion hoffte, wird enttäuscht - diese Feature ist (noch) nicht in Apple TV enthalten. Dafür ist Apple TV serienmäßig für HD-TV nach dem 720p-Standard ausgelegt. Apple TV benötigt das iTunes 7.1, das vermutlich zeitgleich mit der Auslieferung des Geräts erscheint.

Apple unterstützt neuen WLAN-Standard. Zum Preis von 179 Euro kommt im Februar eine verbesserte AirPort Extreme-Basisstation in den Handel. Sie basiert auf dem neuen WLAN-Standard IEEE 802.11n, der gegenüber IEEE 802.11g einen fünf Mal höheren Datendurchsatz bei gleichzeitig doppelt so hoher Reichweite ermöglicht. Gleichzeitig führt Apple ein neues Design für die Basisstation ein. Den auf IEEE 802.11b/g ausgelegten Vorgänger musste der Hersteller Ende Juni 2006 in Europa aus dem Handel nehmen, weil er nicht der so genannten RoHS-Richtlinie der Europäischen Union entsprach, die die Verwendung bestimmter Substanzen bei der Herstellung und Verarbeitung elektronischer Geräte und Bauteile verbietet.

Apples neuer WLAN-Funkrouter ist abwärtskompatibel zu IEEE 802.11a/b/g und verfügt über einen 10/100 Mbit-WAN-Port (zum Anschluss von DSL- oder Kabelmodems) und drei 10/100 Mbit-Ethernet-Schnittstellen zum Anschluss kabelgebundener Netzwerkgeräte. Ebenfalls an Bord: Eine integrierte Firewall, WPA/WPA-2- und WEP-Unterstützung und ein USB-Anschluss für Drucker und Festplatten, die im Netzwerk gemeinsam genutzt werden sollen. Alle aktuellen, mit Core 2 Duo- oder Xeon-Chip ausgerüsteten Macs - mit Ausnahme des 17 Zoll-iMac mit 1,83 GHz - unterstützen hardwareseitig bereits den neuen IEEE 802.11n-Standard. Die AirPort Extreme-Basisstation wird mit einem Software-Update ausgeliefert, das IEEE 802.11n auf aktuellen Macs freischaltet.

Aus Apple Computer, Inc. wird Apple Inc. Die Macworld Expo brachte einige weitere Ankündigungen Apples mit sich. So firmiert der Mac- und iPod-Hersteller künftig unter der Bezeichnung Apple Inc. - anstelle von Apple Computer, Inc. Das Unternehmen macht damit deutlich, dass sein Geschäft nicht mehr ausschließlich auf dem Computerbereich beruht. Wobei die Übergänge künftig wohl fließend sein werden - basiert doch das iPhone auf einer abgespeckten Version von Mac OS X.

Weitere Ankündigungen: Der iTunes Store ist weiter auf Erfolgskurs. Apple hat inzwischen mehr als zwei Milliarden Songs, 50 Millionen Folgen von TV-Shows und 1,3 Millionen Spielfilme verkauft. Die Zahl der im US-iTunes Store verfügbaren Filme ist heute auf über 250 geklettert. Grund: Neben Walt Disney ist nun auch Paramount im iTunes Store vertreten. Wann Filme und TV-Shows auch in Europa im iTunes Store zu haben sein werden, ist allerdings weiter unklar. Apple zeigte heute außerdem einen neuen "Get a Mac"-Werbespot und einen neuen "iPod/iTunes"-Werbespot. (sw)