Ein paar grundlegende Fragen an Photoprofis

28. Nov. 2020 18:50 Uhr - Horst

gibt es Photographen unter uns?

Ich habe da mal ein paar grundlegende Fragen an Photoraphen:

Mir ist klar, dass Bilder auf kleinen Sensoren und/oder mit wenigen Pixeln aufgenommen im Druck dann keine großen Ausdrucke in guter Qualität bringen können.

Dennoch meine Frage: Wie gestalten Profis ihre Werke, dass Ausdrucke in ansprechender Qualität zu Papier kommen?

Nutzen diese Programme, die die kleinen Bilder verlustfrei hochrechnen?
Nutzen sie von vornherein Mittelformatausrüstungen?
Gibt es Faustregeln, wie soundso viel Pixel, aufgenommen auf soundso großem Sensor ermöglicht dies und das Maximum an Ausdruck

Wo kann man sich da mal umfassend schlau machen?
Google, jaja, klar, aber vielleicht hat hier jemand dennoch einen Mehrwert für mich parat.

Lieben Dank und einen feinen ersten Advent Euch morgen

  • Die Profis, die ich kenne nutzen Vollformatkameras.
  • Als primitivste Faustregel gilt: 300 DPI - es gibt da genaue Formen, mit der die erforderliche Pixeldichte anhand der Ziel-Rasterweite im Druck bestimmt werden kann. Die stammen noch aus der Zeit, als man 40MB Festpatten hatte und seine Drucldaten per ISDN übermitteln musste
  • Eine Software, mit der man zu kleine Fotos rattenscharf hochrechnen kann ist Benvista Photozoom https://www.benvista.com/photozoompro . Hobbyanwender nehmen z.B. den Smilla Enlarger (den Download für die letzte Mac-Version finde ich gerade nicht)

Hallo Horst.

Die erste digitale Spiegelreflexkamera die 2003 in meinem Studio eingesetzt wurde, war eine Olympus E-1 mit gerade 5 Megapixeln. Damit wurden Drucke bis ins Format Din A3 gemacht, aber auch Bilder für Kataloge und Broschüren fotografiert. Was war das Geheimnis ? Genau das, was auch heute noch mit den hochauflösenden Sensoren gilt: Punkt 1: Das Objektiv macht das Bild. Punkt 2: Ein richtig gutes Stativ oder eine Stativsäule. Punkt 3: Gutes Licht ermöglicht niedrige ISO, kurze Verschlusszeiten, kleine Blendenöffnungen.  Punkt 4: Blitzlicht sorgt für gute  Schärfe.  Ein weiters Geheimnis ist das FocusStacking wo mehrere Bilder mit unterschiedlichen Schärfenebenen zu einem Bild übereinander gelegt werden. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist auch die zum RAW Format passende Konvertersoftware. z.B. CaptureOnePro

Heute fotografiere zwar ich im Studio mit 50-100 MP PhaseOne, aber auch sehr gerne mit einer FujiFilm X100 oder X-T3 (APS-C). Warum? Weil diese FUJINON Objektive hervorragend sind und so diese kleinen, leichten Kameras im Vergleich zum Voll oder Mittelformat hervorragende Bilder liefern.

Einst war der Fotograf Helmut Newton in einem feinen Restaurant zum Essen. Da fragte der Koch. Sie haben für ihre tollen Fotos sicher eine sehr gute Kamera ? Helmut Newton antwortete: Das Essen war wirklich vorzüglich, dafür haben sie bestimmt die besten Pfannen & Töpfe.

 

Habe viele Jahre als Grafiker gearbeitet und auch selbst fotografiert. Wenn es nur um die Auflösung geht, dann hat ein guter Druck 300 dpi. Dank Retina-Displays lässt sich das inzwischen meist halbwegs real darauf abbilden. (Früher gab's nur Display mit 72 dpi, was ungefähr ein Viertel von 300 ist. Man musste also die Bildschirmdarstellung auf 25% setzen, um in etwa die Druckgröße vor sich zu haben.) Es kommt allerdings zusätzlich noch auf die Drucktechnik an. Laser- und Offsetdrucker müssen jeweils Cyan, Magenta, Geld und Schwarz rastern und gegeneinander verdrehen, so dass winzige Details im Raster verschwimmen können. Aus diesem Grund konnte ich kleine Bilder noch per Photoshop max. auf die doppelte Größe hochziehen. Tintenstrahler erzeugen eher ein Sprühmuster, was deutlich feiner wirkt und dementsprechend sensibler auf berechnete Vergrößerungen reagiert.

DPI = Punkte pro Zoll. Teile Deine Bildpixelmaße (Pixel hoch x Pixel breit) durch 300, dann hast Du die Druckgröße in Zoll, mit 2,51 multipliziert dann in Zentimeter.

Bildschirme zeigen in der Regel ihre Farben in RGB, während Druckmaschinen den CMYK Farbraum darstellen müssen. Werden Bildschirmfarben vor dem Drucken nicht in CMYK gewandelt kommt es zu erheblichen Qualitätseinbussen. Ein RGB Bild ist in einem Kunstdruck, Hochglanzmagazin usw. ein NoGo und wird von den Kunden nicht akzeptiert. Meine Druckereikunden akzeptieren zudem nur das TIFF-Format zur Qualitätssicherung.  (RAW > export in TIFF) Als einziger Nachteil gilt hier nur das extrem hohe Dateivolumen, aber die Qualität hat Vorrang. Zu beachten ist in jedem Fall auch das ICC Farbmangement z.b. in Lightroom: Relativ > Perzeptiv. Passende ICC-Profile werden von den Papier / Druckerherstellern, zb. Canon, Epson, Hahnemühle usw. zur verfügung gestellt oder man erstellt sich diese für die eigene Papier-Drucker Kombination selber. (Bildschirm Kalibrieren > Drucker Kalibrieren mit Spyder 4). In einer Druckvorstufe  oder PrePress kann der Kunde in einer Simulation sehen wie das in CMYK gewandelt Bild farblich auf dem Papier erscheint. Stimmt diese ganze Foto-Druckkette, so lassen sich auch mit kleinen Sensoren / Auflösungen sehr ansprechende Drucke machen.

 

Mit einem Stativ und möglichst viel Licht holst Du das Maximum aus jeder Ausrüstung. Wenn es nicht gerade "Action" Fotografie ist, würde ich unbedingt dazu raten. Das Stativ zwingt zur Ruhe und Überlegung, das Licht ermöglicht es abzublenden und kleine ISO zu benutzen. Ich kenne keine Kamera, die dadurch schlechtere Qualität liefert. Was der Bildinhalt taugt, bestimmt nur der Fotograf.

Ich verstehe nicht ganz, was deine Anfangsbemerkung mit deiner Frage zu tun hat. Es ist korrekt, dass Bilder, die mit "wenigen Pixeln" bzw. geringer Auflösung aufgenommen wurden, keine großen Ausdrucke in guter Qualität ermöglichen. Mit der Sensorgröße hat das nichts zu tun. Es gibt sowohl winzige Sensoren mit hoher Auflösung (Smartphones mit 40 oder gar 60 Megapixeln) als auch große Sensoren mit (relativ) geringer Auflösung, wie zum Beispiel Kleinbild-DSLR mit nur 11 Megapixeln. Die Regel sind heute jedoch durchweg Kameras mit hohen Auflösungen, die recht gut mit der Sensorgröße harmonieren, also auch Bilder/Drucke größerer Formate in sehr guter Qualität ermöglichen. Bei Smartphones sind das oft 12 MP, wie bei den aktuellen iPhones, bei MFT-Kameras von Olympus und Panasonic zwischen 16 und 20 MP und bei Kameras mit APS-C oder KB-Sensoren 24-36 MP, manchmal aber auch höhere Auflösungen.

Zu deiner Frage: "Profis" (was ist ein Profi?) oder sagen wir Fotografen mit hohen Ansprüchen an die Bildqualität fotografieren grundsätzlich nicht mit schlechten Kameras bzw. ungeeigneten Auflösungen, haben also auch keine Probleme damit. Allerdings gibt es seit 4-6 Jahren auch keine schlechten Kameras mit obendrein geringen Auflösungen mehr. Jede heutige Kamera mit wenigstens 12MP ist in der Lage, gute Ausdrucke auch in größeren Formaten zu ermöglichen. Für viele Einsatzzwecke würden sogar 6MP reichen. Voraussetzung ist allerdings, dass du "vernünftig fotografierst". D.h. ein interessantes Motiv wählst, einen geeigneten Bildausschnitt, passendes Licht, dass du eine passende Blende, ISO-Zahl und Belichtungszeit wählst, korrekt scharf stellst und verwackelungsfrei belichtest. Daran scheitern mehr Fotografen als an einer zu niedrigen Auflösung.

Die Auflösung ist - eine einigermaßen aktuelle Kamera vorausgesetzt - heute sogar absolut nebensächlich. Denn in der Regel wächst mit dem Bildformat, das du wählst, auch der Betrachtungsabstand. Während bei Fotoabzügen schon 240 dpi und oft sogar nur 150 dpi Auflösung ausreichen, brauchst du zum Beispiel für einen exzellenten großformatigen Leinwanddruck nur noch 75 dpi. Und wenn du auf der Straße auf einem 3,5x2,5 Meter großen Ganzstellenplakat Werbung machen willst, reichen sogar 40 dpi für einwandfreie Qualität. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, bei denen die Auflösung gar nicht hoch genug sein kann: 1. Bei Fineart-Prints, also größeren Ausdrucken für (Ausstellungs)Wände, vor denen die Betrachter dann in 5cm Nasen-Abstand stehen und jedes Detail bewundern. 2. Wenn du aus einem einmal gemachten Bild extreme Ausschnittvergrößerungen machen möchtest.

Bei der Wahl der richtigen Kamera gilt es also nicht, je größer/höher, desto besser, sondern das richtige Maß für deinen Anwendungszweck zu finden. Je höher deine Fotos auflösen, desto größere Dateien musst du speichern und verarbeiten. D.h. du brauchst größere Speicherkarten und Festplatten und einen leistungsfähigeren PC, um die Bilder überhaupt bearbeiten zu können.

... danke, du hast es auf den Punkt gebracht. Seit meinen analogen Zeiten, so ca. 1958, habe ich immer ein "Stativ" in der Hosentasche. Ganz einfach: Für das Stativgewinde eine Schraube mit Ring. Daran verknotet ist eine solide Schnur mit einer grossen Schlaufe am unteren Ende. Mit dem Schuh halte ich diese Schlaufe und ziehe die Kamera nach oben um die Schnur zu spannen. So lassen sich auch längere Brennweiten u.o. Verschlusszeiten ruhig halten. Funktioniert auch in der digitalen Welt bestens. Zu 90% fotografiere ich ohne jegliche Automatik im Modus M um das Gefühl für Blende, Zeit, ASA/ISO zu behalten. Für Portraits ist gerne auch immer ein Belichtungsmesser und eine Farbreferenz Karte dabei. Das auf das Objekt auffallende Licht ist mir wichtiger als das von der Kamera gemessene, reflektierte Licht.

... der Trick ist von meinem Opa (Fotograf und Kameramann). Alternativ hätte ich für dich noch ein ARRI Holzstativ. 100% Stabil und Vibrationsfrei. Aber herumtragen .. ?

Lass dir zu Weihnachten ein hochwertiges Manfrotto Carbon Stativ mit ArcaSwiss Schnellwechselplatte  schenken. Alles andere kann man lernen, verstehe aber auch dass  die heute präsentierten fertigen Fotos selten oder nie so aus der Kamera gekommen sind. Schon mein Opa trickste und retuschierte stundenlang in seiner Dunkelkammer.