Internet-Anschluss: Kabel oder doch besser VDSL?

13. Dez. 2018 17:43 Uhr - blurb

Huhu,

ich bräuchte mal kurz ein paar Erfahrungswerte. Umzug steht an und ich muss mich bei Internet und Telefon zwischen Kabel und VDSL entscheiden.

Kabel Deutschland lockt mit mehr Geschwindigkeit und niedrigen Preisen als die Telekom. Allerdings habe ich im Hinterkopf, dass es da zu Stoßzeiten Bandbreitenprobleme gibt. Stimmt bzw. gilt das heutzutage noch?

Telekom sehe ich halt immer noch als eine "Bank" an, was Zuverlässigkeit angeht. Bei  größeren Probleme war in der Vergangenheit zügig ein Techniker zur Stelle. Ist aber auch teurer und langsamer.

Freue mich über Wortmeldungen mit (kurzen, gerne auch längeren) Erfahrungen. Weil das Problem ist halt die Vertragsbindung hüben wie drüben. Man kann nicht einfach so wechseln...

Ich war fast 35 Jahre treuer Telekomkunde und bin vor 8 Jahren zu Kabel Deutschland gewechselt, als mein Vermieter das schnelle Kabel im Hause verlegt hat. 

Inzwischen habe ich eine 500.000er Leitung von Vodafone/Kabel Deutschland. Telekom krebst noch bei 200.000 herum.

Vom Service her tun sich beide nichts. Service per Telefon ist davon abhängig, wieviel Ahnung und "Lust zu arbeiten" der Callcentermitarbeiter (m/w) gerade hat. Zwei Anrufe zum selben Thema, ergibt in der Regel 3 verschiedene Antworten.

ist Kabel um Längen besser. Wir sind bei Unitymedia (ehemals Kabel BW) und haben eine Fritz.Box dabei (schon doie halbe Miete). Die Geschwindigkeit ist nicht immer gleich hoch, aber wenn sie mal schlecht ist, halt immer noch locker doppelt so schnell wie Telekom. Deren Router sind Mist, Huawei oder ähnliche Chinakracher als OEM, genau wie die Software drauf. Das meiste verdienen die mit Altverträgen, die kaum Bandbreite nutzen aber immer noch 60€/Monat wie im letzten Jahrtausend bezahlen.

umgestiegen. Hier in der Wohngegend, etwas außerhalb einer Kleinstadt, war bislang nur ADSL mit max. 5 MBit/s möglich. Zwar wurde letztes Jahr endlich ausgebaut, aber mehr als 20-25 MBit/s von max. 50 sind hier dann doch nicht möglich. Bin also vor 5 Jahren auf das Kabel von Unitymedia (erst 50 MBit/s, aktuell 120 MBit/S) umgestiegen und trotz kleinerer Anfangsschwierigkeiten immer noch zufrieden. Was die Reaktionszeit betrifft, so kann ich nur sagen, das UM sehr schnell reagiert. Das war schon bei der Beauftragung so, aber auch mit Pegel-Problemen / Kabelverstärker. Reaktionszeit in der Regel innerhalb 12-24 Stunden. Hier allerdings habe ich Unterschiede bei der Qualität der  Technikern feststellen müssen: es hat 3 Techniker-Besuche gebraucht, bis sauber eingepegelt war und problematische Koax-Dosen bzw, Kabel getauscht wurde.n OK, das Haus stammt aus den 60er Jahren, Teile der Verkabelung wurde Mitte der 80er erneuert oder erweitert, was die Sache nicht leichter macht. Und, die Techniker sind nicht von UM selbst, sondern beauftragte Netzwerk-Unternehmen. Aber das macht die Telekom auch nicht anders.

Ich danke euch dreien. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, so viel Zuspruch und gute Erfahrungen mit Kabel-Anschlüssen. Ich habe vor meinem Eröffnungs-Post leicht (aufgrund meiner guten Erfahrungen in der Vergangenheit) zur Telekom tendiert, aber natürlich auch die immer besseren Angebote der Kabel-Anbieter gesehen. Hmm, jetzt muss ich nochmal gründlich in mich gehen.

Eine FRITZ!Box ist für mich ohnehin obligatorisch - egal ob Telekom oder Kabel.

Reichen denn in der heutigen Zeit 100 MBIT überhaupt noch oder braucht es inzwischen mehr? Die Telekom will für 100 MBIT pro Monat 44,95€, Kabel Deutschland ist bei gleicher Geschwindigkeit einen Zehner günstiger und bei 200 MBit noch einen Fünfer günstiger.

Verkabelung: Das Haus ist ebenfalls schon älter und ich habe aktuell keine Ahnung, wieviel Jahre die TV-Kabel schon auf dem Buckel haben. Aber gut, dass wäre ja nicht mein Problem, darum müsste sich dann der Anbieter kümmern...

Eine letzte Frage hätte ich noch: Wie sieht es mit Latenzen bei VDSL vs. Kabel aus? Da ich ab und an Online-Spiele zocke, ist das nicht ganz unwichtig für mich.

Das ist genau der Punkt! Hohe MB/s Werte garantieren nicht automatisch kurze Latenzzeiten.

Bei den Kabelnetzen müssen die Daten an diversen Verteilstellen durchgeleitet werden. Das führt oft zu ungleichmäßigen Latenzzeiten. Gift für Gaming-Anwendungen. Man sollte also bewerten: 50 MBit-Kabel vs 6MBit-Telekom, da wäre der Kabelfritze vielleicht besser bei den Latenzzeiten. Ansonsten Vorsicht!

Die Kabelfirmen sehen es auch garnicht gerne, wenn man mit eigener Router-HW rangeht (auch wenn sie es akzeptieren müssen/müssten).

vor 5 Jahren wiedergeben (schließlich, wer hat schon 2 Internetzugänge gleichzeitig?!):

DSL (Telekom im Mai 2013): 5,4 MBit/s down, 0,7 Mbit/s up, Ping: 32-34 ms

Kabel (Unitymedia im Juni 2013): 54 Mbit/s down, 2,4 Mbit/s up, Ping: 10-12 ms

Also, auch hier ist das Kabel klarer Sieger.

Das was Winfried schreibt, ist Unsinn, denn ob das Glasfaserkabel im grauen VDSL-Kasten (DSLAM) am Straßenrand endet, oder in dem ebenfalls grauen Kasten (Kopfstation) zur Umsetzung auf ein geschirmtes Koax-Kabel, macht keinen Unterschied. Während ein Koaxial-Kabel gut geschirmt für Frequenzen bis 1 GHz ausgelegt ist, ist das ein dünnes ungeschirmtes 2-adriges Telefonkabel ursprünglich mal nur Sprache bis 8 kHz ausgelegt. Hinzukommen, dass bis zu 60 Anschlüsse in einem Kabel geführt werden, die sich gegenseitig durch Übersprechen beeinflussen, weshalb man bei VDSL mit mehr als 50 Mbit/s Klimmzüge machen muss, um das zu erreichen, und das auch nur innerhalb von 250 m vom DSLAM-Schaltkasten.

Ich verstehe halt nicht, wieso man an so alter Technik festhalten will. Ohne Frage, Glasfaser bis ins Haus ist langfristig die einzige Lösung für alle Dienste inkl. Fernsehen.

Nur wie lange wird es dauern, bis die Zukunft überall da ist? Bei dem gigantischen Bestand an Altbauten ist Kupferkabel meist die Realität. Und durch die Umstellung auf All-IP entfällt der "Sprachkanal" und man kann mehr aus dem Kupferkabel herausholen. Die Telekom installiert ständig neue DSLAMs, insofern wird auch da noch investiert, weil man eben die Realitäten der letzten Meile sieht und das Netz verdichtet und mehr Haushalten schnelles DSL zugänglich macht.

Kabel: In Mehrfamilienhäusern wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Hier kann dir die Bandbreite Abends, wenn viele Leute gleichzeitig das Kabel beanspruchen, schnell in den Keller gehen. Nicht so bei DSL. Sind die 100 Mbit "stabil", so "gehören" sie dir allein.

Ich kann nur von meinem Standort (Wohnstraße mit Ein- und Zweifamilienhäuser): Ich habe stets volle Geschwindigkeit, egal zu welcher Tageszeit. Und zwar immer genau das, was ich bestellt habe. Bei DSL heisst es ja immer "bis zu".

OK, wie das in Stadtzentren oder anderen Ballungsräumen, kann man nicht sagen, wie sich die Datenrate zu unterschiedlichen Tageszeiten entwickelt, außer man befragt die Nachbarn. Dann aber hängen zuviel Kunden am gleichen Node. UM sagt, wenn die Datenraten regelmäßig im Tagesverlauf unter 75% der zugesicherten Datenrate fällt, liegt ein Mangel vor und soll gemeldet werden. Dann muss die Leitung in 2 Abschnitt mit je einer eigenen Kopfstationen ausgestattet werden.

Nur, bei einem zweiadriges Telefonkabel muss man viel Tricks anwenden, um bis 100 Mbit/s zu kommen. Und wie gesagt, je länger das Kabel ist, desto weniger kommen an, deshalb immer nur "bis zu". Das ist beim Kabel nicht so. Und mit weiter steigenden Frequenzen, sprich Datenraten, wird dann  die Strecke immer kürzer. Und, was ich auch gelesen habe: wenn auf einem DSLAM einer der 60 Kunden kein Telekom-Kunde ist, sondern ein von einem anderen Provider gemietete Leitung ist, kann kein Kunde mehr als 50 MBit/s bekommen. Nur wenn alle 60 Kunden von der Telekom sind, und damit die Telekom volle Kontrolle über alle Anschlüsse hat, kann die maximale Datenrate von bis zu 100 MBit/s geschaltet werden. Der Grund liegt im Übersprechen von Leitung zu Leitung und anderen Störungen auf den Leitungen, die durch "Gegen-Störungen" bekämpft werden, ähnlich den Noise-Canceling-Kopfhörern, bei denen Umweltgeräusche durch gegenphasige Störungen eliminiert werden. Diese Technik kann aber nur auf einen ganzen Kabelstrang mit 60 Teilnehmern angewandt werden. Da aber die Telekom verpflichtet ist, einzelne Leitungen an andere Provider zu vermieten, ist das ein Lotterie, ob man die hohe Datenrate bekommt, oder nicht. Kann sogar sein, dass, wenn ein Kunde den Provider wechselt, alle anderen 59 Kunden dann nachtäglich keine 100 MBit/s bekommen.

Wenn du DSL 100 kriegen kannst und die 100 Mbit auch vollständig anliegen, nimm es!

Bei Kabel bisher nur schlechte Erfahrungen im Bekanntenkreis mit heftigen Bandbreiten-Einbrüchen und miesen Pings, wenn viele Nutzer gleichzeitig Kabel nutzen. Das ist Infrastruktur-bedingt bei Kabel so und lässt sich nicht ändern. Wer dauerhaft stabil die gleiche Bandbreite braucht/will, fährt mit DSL nach wie vor besser.

Immer mehr lokale Stadtwerke bzw. Versorger verlegen eigene Glasfaserleitungen und bieten schnelles Internet zu oftmals günstigen Preisen. Wenn verfügbar, das nehmen! Das ist das modernste und schnellste, was zu haben ist.

Vielleicht noch als Erläuterung:

Kabelnetze sind aus historischen Gründen (eine Antenne zu vielen Nutzern) in Verbrauchernähe (Häuser, Straßenzüge) eher ein Bus-Netz. D.h. eine bestimmte Anzahl von Nutzern hängen an einem Kabel. Wenn also mehrere Leute einen größeren Download starten oder digitales Fernsehen über Internet schauen, kann das zu Einbrüchen insbesondere bei der Latenzzeit führen. Die DSL-Topologie ist da eher Sternförmig.

Das soll kein Statement pro/kontra Kabel sein. Es ist nur prinzipbedingt etwas unterschiedlich. Das beste wäre, wenn man jemanden aus der Nähe kennt und dort nachfragt oder Messungen über ein oder mehrere Abende machen könnte. Ein einfaches ja/nein gibts da nicht. 

D.h. eine bestimmte Anzahl von Nutzern hängen an einem Kabel. Wenn also mehrere Leute einen größeren Download starten oder digitales Fernsehen über Internet schauen, kann das zu Einbrüchen insbesondere bei der Latenzzeit führen. Die DSL-Topologie ist da eher Sternförmig.

Da sieht man mal, da spricht jemand, der offensichtlich sein Wissen nur vom Hörensagen bezieht. Internet über Kabel nutzt ganz andere Kanäle bzw. Frequenzen als das digitale Fernsehen. Die kommen sich gar nicht in die Quere. Also ist der Einwand völliger Unsinn.

Ja, das Kabel wird gemeinsam von einer gewissen Anzahl von Nutzern genutzt. Aber das machen wir alle beim WLAN auch nicht anderes. Auch das ist ein "Shared Medium". Auch hier wird auf einer Frequenz alle Clients abwechselnd bedient, wie auch beim Kabel. Beim Kabel werden aktuell jedem Kunden bis zu 24 Kanäle im Download mit einer Kapazität von 50 Mbit/s zugeteilt. Viel Reserve für die reservierte Datenraten von 100 bis 400 (UM)/ 500 Mbit/s (KD). Und im Frequenzband des Kabels zwischen run 34 MHz und knapp 1 GHz stehen nicht nur die 24 Kanäle zur Verfügung, sondern deutlich mehr. Wenn man den Router neu startet, werden nämlich nicht immer die gleichen 24 Kanäle zugewiesen. Es stehen im Bereich zwischen 450 und 700 MHz im Raster von 8 MHz eine Vielzahl vom Übertragungskanälen zu je 50 MBit/s zur Verfügung. Da müssen schon tausenden Nutzer an der gleichen Kopfstation hängen. Und dann dann hat man klare Entscheidungshilfe: sinkt im Tagesverlauf die Datenrate unter 75%, ist das ein klarer Grund zur Reklamation.

Ich jedenfalls freue mich über jedes macOS-Update von 5,6 GB, denn das liegt bei mir nach knapp 5 Minuten auf der Platte. Und wenn es länger dauert, dann nur, weil die Server von Apple überlastet sind.

Normalerweise kommentiere ich das ja nicht.

Ich möchte den letzten Kommentator nur darauf hinweisen, an seiner Lese-Verständnisschwäche zu arbeiten (vielleicht auch am Temperament). Es war von Internet-Fernsehen die Rede (dazu gehören auch Streaming-Dienste wie Netflix etc.) und nicht das normale Kabelfernsehen.

Wenn es IP-TV geht, dann belastet der Datenverkehr jeden Internetzugang, egal ob Kabel oder DSL. Wo soll dann der Vorteil bei DSL sein? Bei Kabel ist die bezahlbare, als auch buchbare Datenrate durch die Bank höher. 400 bis 500 Mbit/s sind Standard, in einigen Städten sind schon 1 GBit/s buchbar.

Mein 120 MBit/s-Anschluss ist bei HD-Fernsehen kaum ausgelastet. Und das rund um die Uhr!

http://www.appenzeller-online.de/kabel/kabel-internet-oder-dsl.htm

Unter Nachteile Kabel steht dort u. a.

Bei DSL über die Telefonleitung hat jeder Nutzer eine "eigene" Leitung
von Zuhause bis zum sogenannten DSLAM (DSL Access Multiplexer, quasi
die DSL-Zugangstechnik des Providers). Bei Kabel Internet hingegen hängen
alle Nutzer eines sogenannten Netzclusters / Netzsegmentes (z.B. kann das
oft ein ganzes Stadtviertel sein) an einem gemeinsamen "Kabelstrang" und
teilen sich daher die hier verfügbare Kapazität von meist mehreren hundert
MBit/s. 

Ich sage immer: Einzelfall prüfen. Bei Altbau mit mehreren Parteien und Uraltverkabelung würde ich z. B. lieber DSL nehmen, wenn dort mindestens 50 MBIT anliegen. Preislich gibts bei beiden Systemen inzwischen günstige Angebote.

Glasfaser ist die Zukunft, das stimmt schon. Aber dauert noch laaange, bis alles erschlossen ist.