Internetanschluss: DSL oder Kabel?

08. Sep 2021 20:09 Uhr - avalon

Hallo,

ein Umzug steht demnächst an. Das wirft die Frage nach dem Internetanschluss auf.

In meiner jetzigen Wohnung habe ich DSL und habe mich damals (ca. 6 Jahre) bewusst gegen Kabel entschieden wegen den damals üblichen Problemen (schlechte Performance speziell Abends und an Wochenenden) in einem Haus mit vielen Parteien.

Jetzt die Frage: Ist das heute auch noch so? Wie haben sich DSL und Kabel die letzten Jahre entwickelt und wofür würdet ihr euch heute entscheiden? Aktuell habe ich DSL 50 MBIT.

da es von vielen, nicht zuletzt lokalen Faktoren abhängig ist. Sprich einfach mal mit deinen zukünftigen Nachbarn darüber, bei wem die sind und wie ihre Erfahrungen ausfallen.

Falls ja, würde ich nochmal zu DSL tendieren. Denn die Kupferleitung gehört bis zum Verteilerknoten (ab da gehts mit Glasfaser weiter) ausschließlich dir, da gibt es keine gemeinsame Nutzung wie bei vielen Kabel-Installationen und daher kann die Performance auch nicht einbrechen.

Andererseits bewegt sich Kabel inzwischen im Gigabit-Bereich, d. h. deutlich höhere Bandbreiten als vor einigen Jahren. Der Tipp von Maculi ist gut, einfach mal die Nachbarn fragen (sofern die sich auskennen). Ansonsten gilt: Je kleiner das Haus, desto besser ist Kabel vom Potential her.

Trotzdem würde ich, wenn hohe Zuverlässigkeit und konstante Datenraten gefragt sind (z. B. auch für Home Office) nach wie vor zur Telekom/DSL tendieren. Das ist einfach ein ultra robustes Netzwerk und als direkter Telekom-Kunde hat man 1A-Support mit einem Techniker sehr fix zur Hand im Notfall.

Hier in Heidelberg (ca. 160.000 EW) sehe ich bei Telekom und Co. das Problem, dass große Bereiche der Innenstadt maximal 16 MBit bekommen, das ist unterirdisch und alles andere als eine Empfehlung. An meiner Adresse in einem Stadteil ist die Telekom bei 2-6 MBit, das Kabel bei 500. Das würde für 250 Parteien reichen bis wir auf DSL Niveau sind. Hängt also, wie oben gesagt, vom Standort ab. Und wenn in der Übersicht steht: 16 MBit verfügbar, dann auch mal nachfragen wie viel davon auch tatsächlich ankommt. 16 ist oft der kleinste Tarif.

aber der Rat von Maculi beantwortet schon alles: frag die Nachbarn im Haus. Trotzdem nochmal meine Erfahrung:

1.  Die Internetauskunft der Telekom über die verfügbare Geschwindigkeit ist nicht die endgültige Wahrheit. Internet sagte bei uns 16 MBit, in den Telekom-Shop gegangen, der freundliche Mitarbeiter sagte: „dem dürfen Sie nicht zu 100% vertrauen, nur im Shop können wir das wirklich prüfen… Sie können 50 MBit sofort haben." (Anmerkung: die Datenrate ließ sich auch wirklich nutzen). Ich schätze, umgekehrte Erfahrungen gibt es ebenso.

2) Mieter bei uns im Haus haben Internet über Vodafone/Kabel bestellt – vollmundige Versprechen im Shop. Nach Abschluss des Vertrags und erster Vor-Ort-Prüfung kam nicht genügend Leistung ims Haus an (für TV schon, aber den Rest nicht. Kabel lag seit Jahrzehnten nur im Keller an, wurde nie genutzt). Im Anschluss erschienen zig Sub-Unternehmen von Vodafone (jedes Unternehmen ist nur für einen einzigen Micro-Bereich zuständig…) und buddelten den Hausanschluss an der Straße/Bürgersteig und danach einen großen Abschnitt der Bürgersteigs auf, tauschten was auch immer an diversen Verteilern aus – und 3 Monate nach Vertragsabschluss war immer noch keine ausreichende Leistung bei uns im Haus messbar. Mieter hat dann gekündigt und ist zur Telekom… Auch hier: ist nur ein Einzelfall, wird irgendwo anders genau umgekehrt sein und der Name des Anbieters kann wohl auch gegen einen anderen ausgetauscht werden…

Das sind sehr hilfreiche Ratschläge. Es stimmt wohl, dass man auf die vollmundigen Versprechungen der Versorger erstmal nichts geben soll und lieber die Nachbarn fragt. Das werde ich dann mal machen. Die Telekom wirbt auch mit einem Hybrid Angebot (DSL und LTE), das wäre vielleicht auch eine Option. Eigentlich benötige ich nichts schneller als 50 Mbit - aber diese Leistung sollte mir dann vollständig zur Verfügung stehen und nicht nur die Hälfte oder weniger. Bei meiner alten Wohnung wirbt jetzt auch der örtliche Stromversorger mit schnellem Internet - aber da muss man sich an den teuren Stromtarif binden. Immerhin, es gibt Auswahl.

Meist gehört bei DSL die sog. "letzte Meile" (das letzte Stückchen vor'm Haus) der Telekom. Die vermietet an andere Anbieter unter. Ist das der Fall, zählt natürlich das, was die Telekom hier liefern kann. Die anderen liegen dann gleich oder drunter. Bei Kabel und Glasfaser ist das i.d.R. nicht der Fall.

Bei den Geschwindigkeiten wird viel geschummelt. Zwar schreibt das Gesetz vor, dass mind. 80% der vertraglich versprochenen Bandbreite geliefert werden müssen, aber die Anbieter wissen, dass man das nicht 24/7 kontrolliert. Wenn der Router die Geschwindigkeit anzeigt, heisst das auch nicht, dass wirklich so viel durchgeht. Es handelt sich da nur um die Durchsatzleistung der Leitung. Wirklich aussagefähig ist nur ein unabhängiger Speedtest zu unterschiedlichen Zeiten per Netzwerkkabel, möglichst allein im Netz. Die Speedtest-Seiten der Anbieter selbst können manipuliert sein.

Wenn Du die Nachbarn fragst, dann würde ich auch versuchen, schlechtes WLAN auszuschliessen. Es ist oft der Fall, dass das WLAN einfach grottig ist und die Leute dann denken, es wäre der Internetanschluss selbst. Ich empfehle eine Fritzbox zu nutzen, die sind einfach gut. Anbieter-Router sind Glückssache.

Was den Service angeht, kenne ich hier in Bayern fast alle Anbieter. Die Telekom ist da nur vereinzelt oder als Business-Kunde zu gebrauchen. Alles andere ist eine Katastrophe. Leider ist die Konkurrenz auch nicht besser. Man wird nur bis zum Vertragsabschluss hofiert. Ich gehe bei Hotlines manchmal "empirisch" vor und rufe mehrmals mit der selben Frage an. Der Antwort, die am häufigsten gegeben wird, glaube ich am ehesten.