"Things are so broken here at Apple."

17. Okt. 2019 00:02 Uhr - Jim

Da schreibt sich offenbar ein Mitarbeiter mal seinen Frust von der Seele: 

Things are so broken here at Apple. I joined about 4 years ago.

I am awed by the fact that we manage to release any software at all, let alone functional software.

The biggest problem is communication. No one fucking communicates.

- No communication between orgs. Tons of bureaucratic tape to cut through just to get a hand on someone working on a different product

- Barely any communication between teams. Literally every group of 4 people is in a little silo with no incentive to go outside it

Längerer Post...

Gibt noch interessante Folge-Posts, anscheinend auch von Mitarbeitern oder Ehemaligen: https://news.ycombinator.com/item?id=21217426 

Muss man nicht glauben (da nicht verifizierbar), klingt aber streckenweise schon plausibel und teils auch erschreckend und passt irgendwie gut zur aktuellen Qualitäts-Debatte.

"Wir übten mit aller Macht – aber immer, wenn wir begannen zusammengeschweißt zu werden, wurden wir umorganisiert.
Ich habe später im Leben gelernt, dass wir oft versuchen, neuen Verhältnissen durch Umorganisation zu begegnen. Es ist eine phantastische Methode!
Sie erzeugt die Illusion des Fortschritts, wobei sie gleichzeitig Verwirrung schafft, die Effektivität vermindert und demoralisierend wirkt."

Das Zitat ist fast 2000 Jahre alt und stammt von Gaius Petronius, römischer Feldherr.

Dieses Nichtkommunizieren hab ich schon seit Jahr(zehnt)en von anderen Unternehmen mitbekommen.

Es soll verhindert haben, dass Sony anstelle von Apple ein führender Online-Anbieter von Musik und Movies wurde.

Es soll seit Jahren bei Microsoft die Weiterentwicklung von Windows erschweren.

Und bei Audi wundert sich ein mir bekannter Mitarbeiter, dass die überhaupt noch fahrende Fahrzeuge auf die Straße bringen.

Hab den Anfangs-Post komplett gelesen. Den Eindruck hatte ich teilweise auch. Vor allem die Kommunikation von negativem (aber konstruktivem!) Feedback, obwohl man an Hundertausend Stellen ständig aufgefordert wird, doch ja Feedback zu geben. Allerdings sehe ich es genauso, dass es ein Problem der Unternehmensgröße ist, wenn der oberste Kopf nicht die nötige Praxiserfahrung hat, um zu wissen, was ganz unten abläuft und es sich auch nicht mal anhören mag. Und genau das ist es, was ich Tim Cook vorwerfe. Er hat nie programmiert oder einen Lötkolben in die Hand genommen, da wette ich was. Er ist einer von den Studierten, die die Theorie perfekt beherrschen, aber die Praxis sich nur zurecht denken. Hauptsache der Aktienkurs stimmt. Das größte Kapital, seine eigenen Mitarbeiter und Kunden, lässt er aber versauern. Schade. Der "Spirit" war mal wirklich amazing. 

"Things are so broken here at Apple."

Love, change or leave it ... or stay unhappy.

Liest sich für mich als hätte sich wieder einmal ein Industriebeamter ausgekotzt.

Als ob das nur bei Apple so wäre. Faustregel: Je größer die Firma, desto verschwiegener und angepasster geht es zu. Keiner will anecken, keiner die Gegenstimme sein, keiner einen Fehler machen, politisch korrekt durch und durch bis ins i-tüpfelchen. Querdenker sucht man meist vergebens. Uniformität ist Standard.

Ich hatte das schon mal mitgemacht und brauche es nicht wieder.

Wie es inside Apple aussieht, weiß ich nicht. Aber letztlich arbeiten dort auch nur Menschen, die gelegentlich ein Frustventil brauchen, und dass bei Apple eine Art Geheimhaltungswahn herrscht - der eigentlich für die Katz ist, weil vieles sowieso vorher durchsickert - ist nun wirklich kein Geheimnis.

Ich bin mir sicher: Hätten es allein die Entwicklungsabteilungen bei Apple zu entscheiden gehabt, wären iOS 13 und macOS 10.15 nicht in der Form rausgekommen, in der sie rausgekommen sind, sondern um 1-2 Monate verschoben worden.

Noch eine Anmerkung dazu: Manchmal liegen die Probleme in Konzernen eher in den mittleren und unteren Managementebenen statt ganz oben oder ganz unten. Unerfahrene Leute frisch von der Uni, überfordert, von nix ne Ahnung dürfen schöne Pöstchen bekleiden und andere Leute herumscheuchen.

"Ich bin mir sicher: Hätten es allein die Entwicklungsabteilungen bei Apple zu entscheiden gehabt, wären iOS 13 und macOS 10.15 nicht in der Form rausgekommen, in der sie rausgekommen sind, sondern um 1-2 Monate verschoben worden."

Ich bin selber in so einer Entwicklungsabteilung. Die Erfahrung lehrt, dass das Management stets den (Termin-) Druck aufbaut und die Entwicklung immer hinterher hinkt. Hätte die Entwicklung in diesem Falle 1-2 Monate mehr Zeit gehabt, wäre sicher manches besser aber auf keinen Fall alles besser geworden. Die (externen Beta-) User werden unausgesprochen dazu genutzt, die letzten Probleme sichtbar zu machen, die man als Entwickler nur mit großem Aufwand gefunden hätte. Ergo ist es besser (also günstiger), das Produkt in einem fast fertigen Zustand auf den Markt zu werfen, um dann in den ersten Wochen das Produkt stabil werden zu lassen. Ist eben so, muss man halt nur verstehen.

Die Produkte sind halt sehr komplex geworden.

Danke!

Aber Frage: Wäre es denn nicht besser, die Release Zyklen wieder zu verlängern, wenn die Produkte und Betriebssysteme so komplex geworden sind?

Von einem ehemaligen Apple Entwickler David Shayer (verifiziert)

https://tidbits.com/2019/10/21/six-reasons-why-ios-13-and-catalina-are-…

Six Reasons Why iOS 13 and Catalina Are So Buggy

 

Overloaded Feature Lists Lead to Schedule Chicken

Crash Reports Don’t Identify Non-Crashing Bugs

Less-Important Bugs Are Triaged

Regressions Get Fixed. Old Bugs Get Ignored.

Automated Tests Are Used Sparingly

Complexity Has Ballooned

Allerdings muss man das inzwischen etwas relativieren: Apple bemüht sich seit September sehr stark ums Big-Fixing, in einer Intensität, die man so noch nicht gesehen hat. Ich denke schon, dass sich Apple der Situation bewusst ist und zur nächsten WWDC Anpassungen vornehmen wird. Das sieht auch Shayer so

In the short term, you can expect more bug fix updates on a more frequent schedule than in past years. Longer-term, I’m sure that the higher-ups at Apple are fully aware of the problem and are pondering how best to address it. Besides the fact that bugs are expensive, both in support costs and engineer time, they’re starting to become a public relations concern. Apple charges premium prices for premium products, and lapses in software quality stand to hurt the company’s reputation.