Trotz starker Quartalszahlen: Anleger strafen Apple-Aktie ab

22. Juli 2015 16:15 Uhr - sw

Sehr gut, aber offenbar trotzdem nicht gut genug – so lassen sich die Quartalszahlen zusammenfassen, die Apple gestern vorgelegt hat. Das Unternehmen legte im abgelaufenen Quartal ein starkes Wachstum hin. Der Gewinn stieg um 39 Prozent, der iPhone-Absatz um 35 Prozent und der Umsatz um 32,5 Prozent. Dennoch notiert die Apple-Aktie im frühen Handel an den US-Börsen um über fünf Prozent im Minus. Die Anleger stören sich an Details.

Beispielsweise rechnet Apple für das laufende Quartal mit einem Umsatz zwischen 49 bis 51 Milliarden Dollar – die Analystenerwartung lag jedoch im Durchschnitt bei 51,1 Milliarden Dollar. Dem Umstand, dass Apples Umsatzprognosen traditionell eher konservativ ausfallen, schenken die Investoren offenbar keine Bedeutung. Die Zahl der verkauften iPhones kletterte gegenüber dem Vorjahresquartal von 35,2 auf 47,5 Millionen Stück, allerdings gingen etliche Finanzexperten von einem höheren Absatz aus.

Apple Watch

Apple Watch: Apple nennt keine genauen Absatzzahlen.
Foto: Apple.



Zuletzt die Apple Watch. Apples Weigerung, Verkaufszahlen der Smartwatch zu nennen, sorgt für Unsicherheit. Einige Analysten monieren außerdem, dass die Umsatzsteigerung der Kategorie "Andere Produkte", zu der auch die Apple Watch gehört, niedriger als erwartet ausgefallen ist. Apple erklärte lediglich, dass die Apple Watch besser gestartet sei als das erste iPad im Jahr 2010. Die Zahl der verkauften Apple Watches in den ersten neun Wochen sei höher als die Absatzzahl des ersten iPad-Modells im gleichen Zeitraum, so Finanzchef Luca Maestri. Das erste iPad ging innerhalb von 80 Tagen nach der Markteinführung drei Millionen Mal über den Ladentisch.

Apple-CEO Cook betonte, das Interesse an der Smartwatch habe entgegen einer Studie der Firma Slice Intelligence nicht nachgelassen. Die Juni-Verkäufe seien höher als im April oder Mai gewesen, so Cook.

Kommentare

im Aktiengeschäft: Verkaufe bei *guten* Nachrichten.

Was sinnvoll ist: Wenn eine Sache gut läuft, bekommt man einfach mehr dafür. Andererseits: Wenn viele verkaufen, steigt das Angebot, der Preis sinkt also - trotzdem scheint die Regel (noch?) befolgt zu werden, da *immer* dieser Effekt auftritt.

und das schon seit vielen Jahren. Nicht mehr nachvollziehbar, komplett irrsinning, was da zum Teil abgeht. Bloß keine Aktien mehr kaufen heutzutage, da kann man gleich Roulette spielen. Nachhaltigkeit interessiert keinen mehr. Nur noch Analystenerwartungen und Gerüchtegeblubber via (a)sozialer Netzwerke.

AAPL müsste eigentlich mehrere Punkte zulegen. Welche andere Firma kann in der Branche schon solche Zuwächse und solch fette Margen verzeichnen? Aber nein, runter gehts, weil die Prognosen zum Teil hauchdünn verfehlt wurden. Prognosen, die sich irgendwelche Anal ysten irgendwie dubios zusammengestrickt haben. Vor 10 Jahren wäre jede Firma, die solche Zahlen wie Apple hingelegt hätte, noch abgefeiert worden.

Aktien? Nein danke.

Apples Weigerung, keine Verkaufszahlen der Smartwatch zu nennen, sorgt für Unsicherheit.

Genau das Gegenteil ist der Fall - Apple hat sich geweigert, die Verkaufszahlen zu nennen. ;-)

[Hinweis der Redaktion: Korrigiert, danke.]

... die verdienen bei steigenden UND fallenden Aktienkursen. Nebenbei: Analysten sind in etwa so seriös und hilfreich wie Rating-Agenturen, komisch nur, dass die meisten davon in den USA angesiedelt sind... Nachtigall, ick hör dir trapsen

Und da wird das Problem bei Apple augenscheinlich: den Investoren geht es nicht um den ursprünglichen Kern der Marke, Rechner und deren Betriebssystem, weswegen die Sparte vernachlässigt wird, zu Gunsten der Lifestyle-Produkte, die eine exorbitante Marge versprechen (und bisher eingelöst haben), und die in immer kürzeren Zyklen (auch durch geringere Lebenserwartung wie nicht eigen wechselbare Akkus) deren Nachfolger beim Absatz befeuern sollen. Geradezu lächerlich, dass (nur) eine Milliarde zusätzlicher Umsatz in der Sparte „Andere Produkte“ einen Kurseinbruch verursachen soll, angesichts der anderen Zahlen, die das Unternehmen detaillierter ausgewiesen hat.

Ich wage noch nicht einmal davon zu träumen, dass das gigantische Aktienrückkauf-Programm von Apple (welches sie in meinen Augen verwerflich mit Krediten bestreiten, aber das ist ein anderes Thema), eventuell darauf abzielt, sich von den Großanlegern unabhängiger zu machen und nicht permanent einen Rekord nach dem anderen erzielen (und verkünden) zu müssen. Vielleicht könnte dann der oben genannte Kern gestärkt werden. Sollten sich die Ankündigungen um El Capitan bestätigen, wäre das ein erster Schritt ZURÜCK zu den Wurzeln und ein Zugeständnis an die professionellen User, deren Unmut in den letzten Jahren stetig angestiegen ist, allerdings angesichts der zunehmend vernachlässigbaren Zahlen kaum oder kein Gehör mehr fand.

Zur Gute-Nacht-Lektüre empfehle ich noch die Wiki-Seite der Forbes Global 2000 für 2015... in dem Sinne: Gute Nacht!

Das Problem ist, dass die Analysten selbst dafür sorgen, dass es bei Apple keine Überraschungen mehr gibt. Schon Monate vor der Präsentation präsentieren die Analysten Leaks zu neuen Apple Produkten. "The next big thing" ist somit keine große Sache mehr und so sieht auch der Markt aus. Das sah mal ganz anders aus. Früher konnte Steve Jobs überraschen und der Markt hat dann auch entsprechend reagiert. Weder die Verkaufszahlen noch die Produkte, die dieses Jahr noch auf den Markt kommen werden, sind hingegen eine Überraschung für die Anleger. Man weiß jetzt schon, wie das iPhone 6s aussehen wird, was es voraussichtlich kann, welche Rechner in diesem Jahr noch zu erwarten sind. Man denke nur an das 12" Macbook. Bis ins kleinste Detail wusste man, was Apple da bringen wird. Wenn die Analysten dann die zu erwartenden Quartalszahlen vorher schon vorhersagen und in Fernost Spionage betreiben, um jedem zu erzählen, was noch kommt, hat der Aktienhandel jede Spannung verloren. Doch gerade bei den Technologieunternehmen war das doch gerade der Reiz.