Apple zahlt Dividende, Aktie wieder im Tiefflug

12. Mai 2016 11:00 Uhr - sw

Einmal pro Quartal schüttet Apple eine Dividende an seine Aktionäre aus – heute ist es wieder soweit. Sie wird an jene Anteilseigner gezahlt, die am Ende des Geschäftstages des 09. Mai Apple-Stammaktien besaßen. Im April hatte der Aufsichtsrat des Unternehmens eine Erhöhung der Dividende von 0,52 auf 0,57 Dollar je Anteilsschein beschlossen. Derzeit sind knapp 5,5 Milliarden Apple-Aktien im Umlauf, insgesamt zahlt der Mac- und iPhone-Hersteller also rund 3,1 Milliarden Dollar an die Teilhaber.

Die höhere Dividende und das erneut aufgestockte Aktienrückkaufprogramm scheinen die Anleger jedoch nicht zu befriedigen. Für Apple-Aktie ging es nach einem kurzen Höhenflug im März und April, der den Kurs zwischenzeitlich wieder über 110 Dollar katapultierte, zuletzt deutlich bergab. Der Kurs von AAPL kam in dieser Woche der 90-Dollar-Marke immer näher.

Kursentwicklung AAPL

Die Kursentwicklung der Apple-Aktie in den letzten zwölf Monaten.
Bild: apple.com.



Die Ursache dafür ist schnell ausgemacht: Apple erwartet auch für das laufende Quartal einen Umsatzrückgang. Im letzten Quartal fuhr der Konzern das erste Umsatzminus seit 13 Jahren ein und verzeichnete rückläufige Verkaufszahlen bei iPhone, iPad und Mac. Apples Prognose für das aktuelle Quartal lässt auf erneute Rückgänge beim Absatz der drei wichtigsten Produktkategorien schließen.

Zwar verweist Apple-Chef Tim Cook auf einen "gesamtwirtschaftlichen Gegenwind" (unter anderem die Wirtschaftskrise in China sowie die Schwäche vieler internationaler Währungen), doch Apples Probleme sind zum Teil hausgemacht. Beispiel Mac – wer kauft schon gerne einen Computer mit veralteter Technik?

Das Flaggschiff Mac Pro wird mit Komponenten ausgeliefert, die vor drei Jahren (!) aktuell waren – in der IT-Branche ist das eine halbe Ewigkeit. Während andere Hersteller die aktuelle Intel-Plattform Skylake großflächig implementiert haben, werkeln in den meisten Macs veraltete Prozessoren: der Skylake-Vorvorgänger Haswell beim Mac mini und 15-Zoll-MacBook-Pro, Broadwell beim MacBook Air, 13-Zoll-MacBook-Pro und 21,5-Zoll-iMac. Lediglich das 2016er MacBook und der 27-Zoll-iMac sind mit Skylake-CPUs ausgerüstet.

Moderne Schnittstellenstandards wie Thunderbolt 3 oder 802.11ac Wave 2 sucht man weiter vergebens beim Mac. Kundenwünsche, vor allem aus dem Unternehmensumfeld, wie die erneute Einführung eines erweiterbaren Desktop-Macs oder eines Servermodells, blieben bislang unberücksichtigt. Dazu kommen (berechtigte) Kritikpunkte wie die Verwendung langsamer 5400rpm-Festplatten in etlichen Desktop-Macs, die hohen Aufpreise für SSD-Laufwerke und Arbeitsspeicher sowie der Mangel an AMD- und Nvidia-Grafikkartenoptionen bei vielen Modellen. Apples Entwicklerkonferenz WWDC 2016 wird in puncto Macs hoffentlich neue Erkenntnisse (und Produktankündigungen) bringen.

Kommentare

[quote]doch Apples Probleme sind zum Teil hausgemacht. Beispiel Mac – wer kauft schon gerne einen Computer mit veralteter Technik?[/quote]

Ich finde es gut, dass hier die Versäumnisse Apples offen und regelmäßig angesprochen werden. Apple vernachlässigt den Mac - anders kann man die Situation nicht beschreiben. Es stellt sich immer mehr die Frage, ob Tim Cook noch ein geeigneter CEO für Apple ist.

Apple muss jetzt endlich den Hintern hochbekommen. Wenn es nicht zur WWDC signifikante Ankündigungen im Mac Hardwarebereich gibt, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr weiter.

Steve Jobs war ganz klar ein Macher und Tim Cook ist Verwalter! Er verwaltet also das Erbe von Jobs – deshalb würde ich mir auch nicht zu viel von der WWDC erwarten. Es plätschert halt so dahin…

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Go Mac – the computer with a smile!

Ich kann mich noch gut an die Lion Keynote "Back to the Mac" erinnern. Schön, dachte ich, da kommen die mit einer eher schwachen Hardware gemachten Erfahrungen zum Desktop zurück. Die Programme werden effizienter, schneller, kleiner ... Aber was kam, war das automatische Sichern, das automatische Öffnen von Programmen nach Restart, später das Kastrieren von Quicklook ...
Bei der Vorstellung des iPads sprach Steve Jobs von der sich ankündigenden "Post PC Ära".

Steve Jobs fing also damit an, den Desktop zu vernachlässigen, nicht Tim Cook, der das ganze nur fortgesetzt hat, ja teilweise versucht hat, es abzumildern.
Das dies nicht schneller in sinkenden Absatzzahlen der Desktops sichtbar wurde, liegt wohl am Halo-Effekt und an der Trägheit der Entwicklung.

Jeder weiß inzwischen, dass die sog. "Post PC Era" letztlich nur Gesabbel aus der Apple Marketingabteilung war. Ein Tablet ist kein Ersatz für einen Desktop oder ein Laptop - und wird es auch nicht sein. Bei den Tablets kam die Ernüchterung schnell. iPad Verkaufszahlen gehen seit 2,5 Jahren zurück, auch der gesamte Tablet Markt schrumpft. War zu erwarten. Viel Hype, wenig Substanz.

bmonno hat recht - ein Herr Jobs hat damals den Mac sträflich vernachlässigt. Unter Cook ist es nicht besser geworden. Offenbar sind einem Herrn Cook selbstfahrende Autos, sozialpolitische Themen und der Aktienkurs wichtiger als Produkte, mit denen man REAL WORK erledigen kann und die von Personen gekauft werden, die Apple zum Teil 20-30 Jahre die Treue halten und dem Konzern Ende der 90er Jahre den Arsch gerettet haben, als niemand mehr einen Pfifferling auf Apple gegeben hat.

My 2 Cents.

Ich kann nicht verstehen, wie man ständig immer die neueste Technologie haben muss? Regelmässig gibt es neue Intel-Architekturen, die auch Apple verwendet (früher Haswell, jetzt SkyLake). Wenn ich heute einen Mac mit Skilake-Technolgie kaufe, ist der spätestens in einem bis zwei Jahren genau so veraltet.

… es unklug ist, einen neuen hochpreisigen Rechner zu kaufen, der beim Erwerb schon nicht mehr aktuell ist. Es geht ja nicht darum , alle zwei Jahre "das beste schönste schnellste" zu haben, sondern ein Produkt mit Zukunft zu kaufen, das nach drei Jahren noch gut brauchbar ist.

Wenn ein MacPro heute teschnisch zwei Jahre alt ist wenn ich ihn neu kaufe, dann ist das kein besonders guter Kauf. Besser kaufe ich den Rechner dann gebraucht, dann ist er wenigstens billiger, aber technisch genau so neu oder alt.

Mit der alten Pro-Linie hat Appple vieles richtig gemacht, die Optik beibehalten aber innen immer modernisiert. Bei vollverklebten Hightech-Spielzeugen ist das natürlich schwieriger. Wenn ich keine Komponenten austauschen kann kann auch der Hersteller nicht so ohne weiteres große Veränderungen vornehmen.

[quote=DualCore]Jeder weiß inzwischen, dass die sog. "Post PC Era" letztlich nur Gesabbel aus der Apple Marketingabteilung war. Ein Tablet ist kein Ersatz für einen Desktop oder ein Laptop - und wird es auch nicht sein. Bei den Tablets kam die Ernüchterung schnell. iPad Verkaufszahlen gehen seit 2,5 Jahren zurück, auch der gesamte Tablet Markt schrumpft. War zu erwarten. Viel Hype, wenig Substanz.

bmonno hat recht - ein Herr Jobs hat damals den Mac sträflich vernachlässigt. Unter Cook ist es nicht besser geworden. Offenbar sind einem Herrn Cook selbstfahrende Autos, sozialpolitische Themen und der Aktienkurs wichtiger als Produkte, mit denen man REAL WORK erledigen kann und die von Personen gekauft werden, die Apple zum Teil 20-30 Jahre die Treue halten und dem Konzern Ende der 90er Jahre den Arsch gerettet haben, als niemand mehr einen Pfifferling auf Apple gegeben hat.

My 2 Cents.[/quote]

Daumen hoch für deinen Post! So sehe ich das auch. Von mir aus soll Apple in selbstfahrende Autos, Computeruhren etc. investieren, aber dann bitteschön nicht die anderen Sparten vernachlässigen.

Schon so manchner Weltkonzern ist in riesengroße Schwierigkeiten geraten, weil bestehende Produktsegmente zugunsten irgendeines Trends krass vernachlässigt wurden. Ich hoffe inständig, dass sich Apple eines besseren besinnt und erkennt, wie wichtig der Mac auch heute noch ist und vor allem welch enorme Wachstumschancen er hat.

Ich bin nach wie vor der meinung, das apple sein OS freigeben sollte für den pc-markt. inkl. einem software paket zum preis von 120-160 €. dann könnten power-user sich die aktuelle hardware selber zusammen stellen / upgraden und wer gerne ein apple-made system hat, kann es nach wie vor kaufen. da apple die ideen schon lange ausgegangen sind wäre dies eventl. eine gute einnahme quelle.
ich gehe davon aus das der markt anteil von apple OS so sehr schnell steigen wird.