Musik-Streaming wächst in Deutschland seit fünf Jahren: Spotify weiter klar vor Apple

09. März 2017 14:30 Uhr - Redaktion

44 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren nutzen Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Soundcloud und Co. Rund ein Viertel (27 Prozent) der Streamer bezahlt für diese Musik-Angebote, um alle Funktionen ohne Werbung zu nutzen. Das hat eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverband Bitkom ergeben. Somit wächst der Nutzeranteil von Musik-Streaming-Diensten in Deutschland im fünften Jahr in Folge (2013: neun Prozent, 2014: 32 Prozent, 2015: 37 Prozent, 2016: 39 Prozent).

"Neben den riesigen Musik-Bibliotheken bieten Musik-Streaming-Dienste inzwischen auch kuratierte Playlists etwa von Künstlern, Konzerttickets und die Möglichkeit, Musik mit Freunden zu teilen", sagt Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media. "Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass Nutzer die umfassenden Musik-Angebote annehmen." Vor allem bei den Jüngeren ist Online-Musik-Streaming beliebt. So nutzen 61 Prozent der 14- bis 29-Jährigen einen Musik-Streaming-Dienst. Unter den 30- bis 49-Jährigen und den 50-bis 64-Jährigen sind es je 40 Prozent. Bei den Über-65-Jährigen streamt rund jeder Vierte (24 Prozent) Audio-Dateien im Internet.



Apple mischt seit zwei Jahren in dem wachsenden Marktsegment mit und kann wachsende Nutzerzahlen verbuchen. Die Zahl der Apple-Music-Abonnenten hat Ende 2016 die 20-Millionen-Marke geknackt. Allerdings bleibt Spotify der unangefochtene Marktführer. Vor kurzem gab Spotify bekannt, dass der Dienst mittlerweile 50 Millionen zahlende Mitglieder hat. Insgesamt wird Spotify von mehr als 100 Millionen Menschen gehört.

Der Durchbruch für Musik-Streaming-Dienste in Deutschland gelang im Jahr 2012 mit dem Start großer Anbieter. Zuvor kam es im Dezember 2011 zur richtungsweisenden und wegbereitenden Vereinbarung zwischen dem Digitalverband Bitkom und der Verwertungsgesellschaft GEMA. Darin wurden erstmals Urhebervergütungen für Musik-Streaming-Angebote geregelt. "Der Vertrag gab den Musik-Streaming-Anbietern erstmals Rechtssicherheit und somit Planungssicherheit", so Lutter. Seitdem kommt die Attraktivität der Musik-Streaming-Dienste auch der Musikindustrie zugute. Dank der hohen Einnahmen aus dem digitalen Geschäft stieg auch der weltweite Umsatz mit Musik wieder. "Mindestens 70 Prozent der Einnahmen kostenpflichtiger Streaming-Dienste werden an die Rechteinhaber ausgeschüttet, etwa Labels, Verlage oder Verwertungsgesellschaften", sagt Lutter.



Gegenüber einem klassischen Download hat Streaming den Vorteil, dass die Inhalte nicht erst langwierig auf die Endgeräte heruntergeladen werden müssen, sondern nur vorübergehend zwischengespeichert werden. Dies ermöglicht, Audio-Dateien direkt und ohne Wartezeit wiederzugeben. Musik-Streaming-Dienste bieten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Streaming-Angebote. Die kostenlose beziehungsweise werbefinanzierte Variante begrenzt oft die Funktionen oder spielt zwischen einzelnen Titeln Werbespots ab.

Kostenpflichtige Premiumaccounts geben dem Nutzer werbefreien und unbegrenzten Zugang zu den Musik-Archiven, oft in besserer Abspielqualität. Um mobiles Datenvolumen zu sparen, ermöglichen einige Anbieter auch eine Download-Option. Zudem gibt es Anbieter, die wie ein personalisiertes Radio funktionieren und Titel je nach ausgewählten Musikgenres abspielen. Einige Streaming-Dienste bieten Musikern auch die Möglichkeit, eigene Stücke hochzuladen und zu teilen.

Der Nachteil von Streaming-Diensten: die Musik gehört dem Nutzer nicht. Wird das Abo beendet oder stellt ein Dienst seinen Betrieb ein, geht der Zugriff auf die Musikbibliothek verloren. Zudem gibt es nicht überall schnelles Internet, was die Nutzung von Streaming-Angeboten erschwert. Vor diesem Hintergrund wird das klassische Vertriebsmodell – das Kaufen einzelner Songs oder kompletter Alben – weiterhin eine hohe Bedeutung haben.