Mac im Unternehmen: Neue Lösung will macOS Server beerben

28. Mai 2019 14:30 Uhr - Redaktion

Als Apple im vergangenen Herbst den Großteil der Funktionen aus macOS Server entfernte, ließ dies viele Nutzer ratlos und wütend zurück. Nicht nur das abrupte Aus ohne Begründung seitens Apple sorgte für Verärgerung, sondern auch der Umstand, dass es an vergleichbaren Lösungen von Drittanbietern mangelte. Doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer für Admins, Büros, Agenturen sowie kleine und mittlere Firmen: Die Zentyal-Serversoftware wird auf den Mac portiert, eine All-in-One-Lösung mit Mail-, Datei-, Kalender-, Adressbuch- und Verzeichnisdiensten, Benutzerverwaltung sowie weiteren Server-Funktionen (DNS, DHCP...).

Das neue Produkt hört auf den Namen Zentyal macServer und kann im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne ab sofort zu Preisen ab 199 US-Dollar vorbestellt werden. Die Markteinführung ist der aktuellen Roadmap zufolge für Dezember 2019 geplant, erste Vorabfassungen sollen ab September erscheinen. Im Zuge der Crowdfunding-Kampagne soll ein Auftragsvolumen von mindestens 120.000 US-Dollar zusammenkommen.

"Ziel dieser Crowdfunding-Kampagne ist es, einen neuen Kern von Zentyal für macOS zu entwickeln und die wichtigsten Module zu portieren, nämlich Directory- und File-Sharing (Samba), Mail (Postfix und Dovecot), Webmail & CalDAV / CardDAV sowie die Basisinfrastruktur für DNS, DHCP und NTP. Wenn dies gelingt, können wir in den nächsten Schritten die Portierung der Module fortsetzen, um den All-in-One-MacServer weiter zu verbessern", erläutert der in Spanien ansässige Hersteller.

 

 

Derzeit läuft Zentyal nur unter Ubuntu Linux. Die Serverlösung gibt es bereits seit dem Jahr 2004. Für die Mac-Umsetzung zeichnet maßgeblich der Schweizer Mac-Admin-Experte Sam W. Klambour verantwortlich. Er hat über zwei Jahrzehnte Erfahrung mit Macs und arbeitet bereits seit einigen Jahren an dem Projekt.

"Zentyal ist in vielerlei Hinsicht eine perfekte Lösung für Mac-Administratoren: Es handelt sich um eine All-in-One-Lösung mit einer intuitiven, benutzerfreundlichen grafischen Benutzeroberfläche, die mit der Idee erstellt wurde, dass der Systemadministrator fast alles einfach verwalten kann mit der GUI", so Klambour.

Voraussetzung für eine tatsächliche Realisierung der neuen Mac-Serversoftware ist eine erfolgreiche Finanzierung der Crowdfunding-Kampagne. Technische Hürden sieht das Unternehmen nicht: "Die Hauptkomponenten (Samba, Apache, Dovecot, Postfix usw.) sind bereits für macOS freigegeben. Das größte Arbeitspaket besteht darin, Zentyal Core neu zu codieren und an die macOS-Architektur anzupassen."

Nähere Informationen über den Funktionsumfang der Lösung sind auf dieser Web-Seite zu finden. Häufig gestellte Fragen zur Mac-Version werden hier beantwortet.

Kommentare

WOW - das kam jetzt wie aus dem Nichts. Ich hatte Hoffnungen auf einen adäquaten Ersatz für den kastrierten Apple Server schon fast aufgegeben. Zentyal macServer könnte durchaus der Ausweg für viele Admins sein. Es ist sehr zu wünschen, dass das Crowdfunding Erfolg hat. Ich hatte Zentyal bislang überhaupt nicht auf dem Radar. Kann jemand Näheres dazu schreiben?

Es würde mich sehr freuen, wenn dieses Projekt zustande käme. Es wäre für die Plattform wichtig und es passt in mein Admin-Budget, über das ich selbst entscheiden kann. 8-)

Nichts wie hin auf die Website und das Projekt mit Geld unterstützen! Bisher sind es erst 2 Unterstützer und noch 40 Tage. Und Crowdfunding lebt vom Mitmachen ;-)

Ich bezweifle, dass dieser Ansatz den gewünschten Erfolg bringen wird. Crowdfunding läuft bei Consumer Produkten gut. Wir reden hier aber von einer B2B Software. Welcher Entscheider gibt denn Geld aus für ein Produkt (oder bekommt es bewilligt), das es frühestens zum Jahresende gibt oder das es evtl. gar nicht auf den Markt schafft?

Es fehlen zudem wichtige Informationen, u. a. Migration von macOS Server, Service-Plans, Support etc. Ich sehe da einige Fragezeichen und würde Stand heute auch kein Geld vorschießen.

Auf der Projektseite bei Indigogo geht es bereits ab 49$ los. Ich bin mir aber nicht sicher, was man dafür erhält, denn es steht zwar "Estimated Shipping June 2019" darunter, aber erst bei der 199$-Version steht etwas von einer "License".

ERNIE

Mir fehlt ein Blick auf einen funktionsfähigen Prototypen. So habe ich aktuell null Vorstellung von dem Server und der geplanten Integration mit macOS, der Adaption der Netzwerk-Features von macOS, der geplanten Umsetzung (Cocoa? Swift?) und dem Zusammenspiel in heterogenen Netzwerken. Verstehe ich das richtig, dass die Entwicklung noch nicht einmal richtig begonnen hat? Vielleicht geht man hier den zweiten Schritt vor dem ersten. Dabei wäre ein anständiger Server für die Plattform ein Segen.

Ich denke, bei der Anpassung geht es nicht um ein gesondertes Programm a la "Apple Server", dass auf dem Mac dann läuft, sondern um die speziellen Anforderungen an die Strukturen, wie z.B. OD/AD, Benutzerverwaltung usw. bzw. die Eigenheiten einiger Apple-Dienste, deren Spuren in den Clients überlebt haben. Die werden halt die vorhandene Linux-Version auf das BSD-System von MacOS umschreiben und die GUI per Web-Oberfläche zur Verfügung stellen. Insofern kann man sich ja schon mal mit der Linux-Version ein erster Bild verschaffen, wie es dort umgesetzt wird. 

Wir brauchen momentan dringend mehr Publizität. (Zu) Viele Mac Admins und MacMSPs wissen noch gar nicht, dass es das Projekt gibt. Jede Form von Mund zu Mund Propaganda (heute natürlich vorwiegend in elektronischer Form) hilft.

Alle Zweifel betreffend B2B sind berechtigt.

Aber es ist das, was momentan machbar war. Es liegt jetzt an uns Mac Admins, überall aktiv zu werden. Zentyal konnte und kann gut ohne eine Mac Version ihres Servers leben. Für uns Mac Admins aber würde es bedeuten, dass wir keinen einzigen all-in-one Server mehr auf unserer macOS Plattform native zur Verfügung haben.

So wie Linux und Windows Spezialisten ihr KnowHow und ihre grosse Erfahrung auf ihrer Plattform haben, so ist es auch bei Mac Admins mit macOS. Wenn wir auf Linux oder Windows basierte Server wechseln müssen, dann spielen wir quasi nur noch in der "Zweitliga", weil wir auf einer Plattform arbeiten müssen, die wir nicht in der Tiefe kennen wie macOS. Das schwächt unsere KnowHow und Business Position.