Breite Mehrheit möchte überall elektronisch bezahlen

30. Juli 2019 11:00 Uhr - Redaktion

Die Verbundenheit der Deutschen zum Bargeld schwindet. Zwei Drittel der Bundesbürger (66 Prozent) ärgern sich häufig, weil sie nicht überall bargeldlos mit Karte, Smartphone oder Smartwatch bezahlen können. Vor einem Jahr lag der Anteil mit 53 Prozent noch deutlich darunter. Und sechs von zehn Bundesbürgern (62 Prozent) sind der Meinung, dass alle Geschäfte gesetzlich dazu verpflichtet sein sollten, mindestens eine elektronische Bezahlmöglichkeit anzubieten.

Der Wunsch nach einem Eingreifen des Gesetzgebers ist damit innerhalb eines Jahres deutlich gewachsen, damals hatte erst jeder Zweite (50 Prozent) der Forderung zugestimmt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

"Bargeld hat seine Berechtigung und wird auch noch lange Zeit seine Berechtigung haben. Aber immer mehr Bundesbürger erkennen, wie bequem und sicher das elektronische Bezahlen mit Karte und seit kurzem auch mit dem Smartphone sein kann", sagt Julian Grigo, Bereichsleiter Digital Banking & Financial Services beim Bitkom. "Es passt nicht in die digitale Zeit, dass Kunden zur Bargeld-Zahlung gezwungen werden. Bitkom setzt sich deshalb für eine Wahlfreiheit beim Bezahlen ein, die an jedem Point of Sale mindestens eine elektronische Bezahlart verpflichtend vorsieht." 

 
Breite Mehrheit möchte überall elektronisch bezahlen
 
Einkaufen via Apple Pay & Co. wird immer beliebter.
Bild: Bitkom.

 

Auch die Generation 65+ wünscht sich bargeldlose Bezahl-Möglichkeiten

Vor allem Jüngere zwischen 16 und 29 Jahre würden gerne noch öfter elektronisch bezahlen. So sagen in dieser Altersgruppe sogar 71 Prozent, dass sie sich häufig über den Zwang zu Bargeld ärgern und fast genauso viele (70 Prozent) fordern eine gesetzliche Wahlfreiheit mit mindestens einer elektronischen Bezahlart in jedem Geschäft oder Restaurant. Aber selbst bei den Älteren ab 65 Jahren ärgert sich inzwischen eine breite Mehrheit von 62 Prozent über Händler und Gastronomen, die Karte oder Smartphone ablehnen, und 58 Prozent wünschen sich eine verpflichtende bargeldlose Bezahlmöglichkeit.

"Wir sollten uns davor hüten, einen ideologischen Kampf Für und Wider das Bargeld zu führen. Wahlfreiheit bedeutet nicht die Abschaffung des Bargelds, sondern ein Mehr an Freiheit für alle Kunden. Von einer flächendeckenden Möglichkeit, elektronisch zu bezahlen, würden Kunden, Händler und der Staat profitieren. Elektronisches Bezahlen spart Zeit und Kosten und führt zu mehr Steuerehrlichkeit", so Grigo weiter.

Zum Thema: Bezahldienst Apple Pay in über 50 Märkten verfügbar – in Deutschland demnächst mit Sparkassen und Volksbanken.

Kommentare

Und was würden diese 58% sagen, wenn sie selbst und nicht die Händler und Gastronomen die Kosten für die bargeldlose Bezahlmöglichkeit tragen müssten? ... :-) ... hmmm ... ja ja ... hat halt alles zwei Seiten.

In den NL sind die Transaktionskosten so niedrig, dass die Kartenzahlung der Normalfall ist. An jedem Kiosk und in jedem Laden werden selbst Minimalkäufe per Maestro abgewickelt. Ein Brötchen und eine Tageszeitung, zusammen knapp 1,2€ wird kontaktlos bezahlt. Die Holländer auf Urlaubsreise in DE verstehen nicht, dass sie Bargeld für die täglichen Kleinigkeiten benötigen.

... muss ich mich dem Kunden anpassen. Ich meide alles was kein Apple Pay kann, ausser vielleicht der Hofladen um die Ecke. 

In Oberstdorf (hochpreisiges Touridorf im Allgäu) habe ich dieses Jahr was interessantes erlebt: im Cafe hatten sie gar keine Kartenzahlung. Ich habe den Wirt dann in eine freundliche Diskussion verwickelt. Dabei hat er mir erzählt, dass die Banken bis zu 5 Euro für eine Barabhebung nehmen würden. Als ich ihm dann sagte, dass er mit seiner Kartenabstinenz genau solches Verhalten fördern würde, hatte er keine Antwort mehr.

Wir sind halt das Schlusslicht bei so vielem in Europa...