Intel gibt grünes Licht für 10-nm-Prozessoren - und was macht Apple?

02. Aug. 2019 14:30 Uhr - Redaktion

Nach einer mehrjährigen Verzögerung hat Intel die Umstellung auf die 10-Nanometer-Fertigungstechnologie (ermöglicht leistungsstärkere, effizientere Prozessoren) gemeistert: Seit dem zweiten Quartal läuft die Serienproduktion im 10-nm-Verfahren, nun werden die ersten elf Prozessoren der neuen Generation (Codename "Ice Lake") an die Computerhersteller ausgeliefert. Die große Frage ist nun: Setzt Apple beim Mac auf "Ice Lake" (und darauf aufbauende 10-nm-Generationen von Intel) oder kommt die Umstellung auf hauseigene ARM-Prozessoren?

Zuletzt war es um dieses Thema sehr ruhig - seit einem halben Jahr gab es keine neuen Gerüchte, nachdem über einen Wechsel von Intel- zu ARM-Prozessoren in den Jahren zuvor regelmäßig spekuliert wurde. Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz WWDC 2019 verlor Apple kein Wort darüber. Gut möglich, dass das Unternehmen frühere Pläne modifiziert oder sogar über den Haufen geworfen hat.

MacGadget bleibt dabei: Eine Abkehr von Intel-CPUs unter Verzicht auf x86-Kompatibilität wäre Stand heute äußerst kontraproduktiv für die Plattform. Vor allem unter Profi-Nutzern und im Unternehmensumfeld ist es wichtig, Windows unter macOS als Gastsystem einzurichten (via Parallels Desktop, VMware Fusion oder VirtualBox), um nicht für den Mac verfügbare Software nutzen zu können.

 
Intel-Prozessor
 
Intel-Prozessoren in Macs - wie lange noch?
Foto: Intel.

 

Apple hat sich im Jahr 2018 auf die Fahnen geschrieben, auf die Bedürfnisse der Profi-User verstärkt eingehen zu wollen. Und ein gewichtiges Bedürfnis ist unbestritten die x86-Kompatibilität. Diese ist auch für die Portierung von Windows-Software auf macOS wichtig - eine Umsetzung geht bei gleicher CPU-Plattform deutlich leichter vonstatten als beispielsweise von x86 auf ARM.

Natürlich könnte sich Apple auch dazu entscheiden, zweigleisig zu fahren: ARM-Prozessoren für Consumer-orientierte Mac-Modelle und Intel-Prozessoren für Pro-Hardware. Allerdings würde dies die Plattform unnötig fragmentieren und Entwicklern die Arbeit erschweren (x86- und ARM-Codebasis müssten gleichzeitig gepflegt werden).

Für einen Wechsel der CPU-Architektur beim Mac von Intel auf ARM gibt es natürlich weiterhin gute Argumente. Erstens: Apple beweist Jahr für Jahr herausragende Qualitäten bei der Weiterentwicklung der hauseigenen Ax-Prozessoren für Smartphones und Tablets - es ist gut möglich, dass in Apples Entwicklungslaboren bereits hochgezüchtete, extrem leistungsstarke und zugleich sehr energieeffiziente Versionen für Macs (Desktops wie Notebooks) existieren.

Zweitens: Apples Marktmacht ist heute schlichtweg gewaltig, ganz anders war es im Jahr 2005 beim Wechsel von PowerPC zu Intel, da gab es wegen der PowerPC-Perspektivlosigkeit nur eine Alternative für Apple, nämlich Intel. Mit einer installierten Basis von über 1,4 Milliarden aktiv genutzten Apple-Geräten (darunter mehr als 100 Millionen Macs) kann Apple selbst die Richtung vorgeben - die allermeisten Entwickler würden wohl folgen, wenn sie sich die Umsatzmöglichkeiten nicht entgehen lassen wollen.

 
MacBook Pro

 

MacBook Pro: Sind ARM-basierte Prozessoren mit x86-Erweiterung vielleicht die Zukunft?
Bild: Apple.

 

Drittens: Apple entwirft bereits heute Prozessoren, die vom Auftragsfertiger TSMC im 7-nm-Verfahren gefertigt werden. Schon nächstes Jahr sollen CPUs mit 5-nm-Strukturen hergestellt werden, die Implementierung 3-nm-Technologie ist für 2022 geplant. Hier sind Apple und TSMC dem schwerfälligen Giganten Intel weit voraus. Geringere Strukturbreiten ermöglichen eine höhere Energieeffizienz, zudem finden mehr Transistoren auf der gleichen Grundfläche Platz. Der Unterschied zwischen 10 nm und 3 nm ist gewaltig.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass Apple künftige Macs durch einzigartige, selbst entwickelte CPU-Features wieder stärker von der Konkurrenz abheben könnte - in begrenztem Rahmen zeigt Apple dies bereits heute durch den ARM-basierten T2-Coprozessor, der SSD-Verschlüsselung in Echtzeit, Sicherheitsfunktionen und Hardware-Encoding für HEVC bietet.

Jetzt mal sehr spekulativ: Der X-Faktor in diesen Überlegungen könnte AMD sein. Apple und AMD arbeiten immer enger zusammen. AMD beliefert Apple exklusiv mit Grafikchips, Nvidia ist schon längere Zeit raus. Nun ist es für Außenstehende äußerst schwierig, das x86-Lizenzdickicht zwischen Intel und AMD gänzlich zu durchschauen, aber AMD hat erstens die ursprüngliche 64-Bit-Implementierung für x86 entworfen (AMD64), zweitens kann AMD offenbar inzwischen selbst x86-Sublizenzen vergeben und bietet seinen Kunden spezielle Semi-Custom-Lösungen an.

Zitat: "Wir von AMD kennen keine Grenzen und geben uns deshalb auch nicht mit Einheitslösungen zufrieden. Basierend auf unseren umfangreichen Technologielösungen entwickeln wir maßgeschneiderte SoCs und setzen dabei auf die branchenführenden x86- und ARM-Multi-Core-CPUs, unsere erstklassigen AMD Radeon Grafikkarten sowie Multimedia-Beschleuniger."

Könnte der goldene Weg für den Mac vielleicht ein von Apple entworfener ARM-Prozessor mit hardwarebasierter x86-Erweiterung (in welcher Form auch immer; native Befehlsausführung, Befehlsübersetzung...) mit dem Segen von AMD sein?

Kommentare

Die nächsten Jahre könnten wirklich sehr interessant werden beim Mac. Apple scheint den Mac in mehreren Bereichen gleichzeitig wirklich stark zu pushen. Und ja, x86-Support ist wichtig beim Mac, das sehe ich als Admin Tag für Tag. Hoffentlich trifft Apple die richtigen Entscheidungen. Der Verlust von x86-Kompatibilität würde den Mac im Business Segment erstmal stark zurückwerfen.

Könnte der goldene Weg für den Mac vielleicht ein von Apple entworfener ARM-Prozessor mit hardwarebasierter x86-Erweiterung (in welcher Form auch immer; native Befehlsausführung, Befehlsübersetzung...) mit dem Segen von AMD sein?

Ja, bitte! Gerne schon nächstes Jahr. Intel kriegt doch kaum mehr was auf die Kette. 10 nm sollte schon vor 3 oder 4 Jahren da sein. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Apple die CPU-Entwicklung auch beim Mac unter Kontrolle haben möchte. AMD wäre da ein zuverlässiger Partner für x86-Support. 👍

Ich glaube nicht daß Apple mit dem Mac irgendwann zu ARM wechseln wird, auf keinen Fall jetzt, nachdem sie den neuen Pro mit Xeon vorgestellt haben. Was ich mir aber sehr gut vorstellen könnte, ist ein Surface-artiges iPad mit richtiger (Klapp-) Tastatur, als weitere Gerätekategorie.

Apple lebt rein von Hardwarevekäufen. Wenn sie die Macs mit den iPads zu einer Plattform verschmelzen würden, riskieren sie aus meiner Sicht auch einen Umsatzrückgang. Ich denke, dessen sind sie sich auch bewusst.

Was man auch bedenken muß, Apple bringt pro Jahr nur etwa einen neuen Armprozessor heraus, der für Mobilgeräte entwickelt wird. Intel (& AMD) entwickeln bei jeder neuen Generation X Prozessoren die mit  ... , 15, 30, 45, bis weit über 100 Watt TDP auskommen. Apple könnte niemals für den  kleinen Mac-Markt so viele unterschiedliche Prozessoren entwickeln, wie sie aktuell verbauen.

So viele Prozessoren entwickelt Intel jetzt nicht komplett neu. Die basieren natürlich auf einigen wenigen Chips, bei denen einige Funktionionen abgeschaltet werden.