Bericht: Apple wird Umstellung von Macs auf ARM-Prozessoren zur WWDC 2020 bekanntgeben

09. Juni 2020 15:00 Uhr - Redaktion

Der Wechsel der Prozessor-Architektur beim Mac weg von Intel hin zu Apple-eigenen ARM-Hauptprozessoren ist offenbar beschlossene Sache: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll der Schritt in knapp zwei Wochen auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2020 bekanntgegeben werden. Die WWDC 2020 wird am 22. Juni mit einer Keynote eröffnet. Ab 2021 sollen Macs - erstmals in der über 35jährigen Geschichte des Computers - von Prozessoren angetrieben werden, die nicht von Drittherstellern stammen, sondern die Apple selbst entwickelt hat.

"Apples Chip-Entwicklungsgruppe unter der Leitung von Johny Srouji entschied sich für die Umstellung, nachdem sich die jährlichen Leistungssteigerungen der Chips von Intel verlangsamt hatten. Apple-Ingenieure befürchteten, dass das Festhalten an der Roadmap von Intel die Markteinführung zukünftiger Macs verzögern könnte oder sie sogar unmöglich machten, so die mit den Apple-Plänen vertrauten Personen.

Innerhalb von Apple haben Tests neuer Macs mit den ARM-basierten Prozessoren erhebliche Verbesserungen gegenüber den Intel-betriebenen Versionen gezeigt, insbesondere bei der Grafikleistung und bei Anwendungen, die künstliche Intelligenz nutzen, sagten die Personen. Die Prozessoren von Apple sind auch stromsparender als die von Intel, was in Zukunft zu dünneren und leichteren Mac-Laptops führen könnte", schreibt Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise.

 

 

Die Nachrichtenagentur vermeldete bereits im April, dass der Wechsel der CPU-Architektur beim Mac für die nähere Zukunft zu erwarten sei. Der kalifornische Computerpionier arbeite seit mehreren Jahren an dem Projekt mit dem Codenamen "Kalamata".

"Trotz eines einheitlichen Chip-Designs wird auf Macs weiterhin das Betriebssystem macOS laufen und nicht die iOS-Software von iPhone und iPad. Apple erforscht Tools, die sicherstellen sollen, dass Anwendungen, die für ältere Intel-basierte Macs entwickelt wurden, auch auf den neuen Geräten funktionieren", so Bloomberg. Apple hat in den letzten Jahren mehrfach erklärt, dass eine Verschmelzung von macOS und iOS nicht geplant ist.

Demnach arbeitet Apple derzeit an drei ARM-Hauptprozessoren für Macs, basierend auf dem A14-Design und gefertigt im fortschrittlichen 5-Nanometer-Verfahren. Der erste ARM-Prozessor für Macs soll über acht Hochleistungskerne (Codename "Firestorm") und mindestens vier energieeffiziente Kerne (Codename "Icestorm") verfügen und auf Notebooks zielen. Auch ein Grafikchip (GPU) und ein Neural-Engine-Chip (Maschinenlernen) sollen an Bord sein. CPUs mit mehr Kernen seien bereits in Arbeit. "In einigen Macs werden Apples CPU-Designs die Anzahl der Kerne, die Intel zur Verfügung stellt, verdoppeln oder vervierfachen", heißt es.

 
Intel-Prozessor
 
Intel-Prozessoren in Macs: 2006 - 2020.
Bild: Intel.

 

Die Umstellung soll ab 2021 schrittweise erfolgen, beginnend mit einem Mobilmac, bis schließlich hin zum Mac Pro. "Apple hat bereits mit dem Design einer zweiten Generation von Mac-Prozessoren begonnen, die der Architektur der Chips folgt, die für das iPhone 2021 geplant sind. Das deutet darauf hin, dass Apple seine Macs, iPhones und iPads auf den gleichen Prozessor-Entwicklungszyklus setzen will", so Bloomberg weiter. Die Mac-Ausführungen der Apple-CPUs sollen dabei auf die Plattform zugeschnitten sein und mehr Leistung bieten als die Pendants für iOS-Geräte.

Apple will sich laut Bloomberg mit dem Wechsel unabhängig von Intel machen. Der Halbleitergigant hatte in den letzten Jahren vermehrt mit Problemen zu kämpfen, beispielsweise bei der Umstellung vom 14- auf das 10-Nanometer-Verfahren, die sich um fünf Jahre verspätete und noch immer läuft (während bei ARM bereits das 3-Nanometer-Verfahren angepeilt wird). Sowohl die langsamen Entwicklungszyklen bei Intel als auch die Abhängigkeit von Intel mitsamt den hohen Intel-Preisen sind Apple einigen Insidern zufolge schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Apple könne durch die Umstellung mehr Kontrolle über die Entwicklung von Macs gewinnen und den Mac dadurch wieder stärker von der Windows-Konkurrenz abheben, heißt es. Bei dedizierten Grafikkarten in den Pro-Macs wird Apple höchstwahrscheinlich auch in Zukunft mit AMD zusammenarbeiten.

Spannend sind in diesem Kontext natürlich mehrere Fragen: In welchem Rahmen kann Apple Leistungszuwächse gegenüber den Intel-Prozessoren erzielen - sowohl jetzt als auch in Zukunft? Gibt es dank des effizienten 5-Nanometer-Fertigungsverfahrens und der Stromsparkerne längere Akkulaufzeiten - und wenn ja, wie stark fallen diese aus? Werden sich andere Betriebssysteme auf ARM-Macs virtualisieren lassen, speziell Windows? Wie aufwendig wird die Portierung bestehender Mac-Software auf die ARM-Architektur sein? Wie lange haben die Entwickler Zeit für diese Anpassungen? Wie sieht die von Bloomberg erwähnte "Kompatibilitätsumgebung" aus?

Antworten auf all diese und weitere Fragen wird es hoffentlich in zwei Wochen zur WWDC 2020 geben. Schon jetzt lässt sich sagen, dass die Mac-Zukunft - wieder einmal - sehr spannend werden dürfte.

Kommentare

Intel bekommt es nicht mehr auf die Kette - "Innovation" ist dort inzwischen ein Fremdwort. Noch immer kann Intel nicht alle von Apple benötigten Chips in 10nm liefern. Das ist doch lächerlich. Apple ab dieses Jahr mit 5nm und 3nm in einigen Jahren. 5nm verglichen zu 10nm sind Welten im Chip-Design.

Klar, es wird wieder eine Zeit des Übergangs, aber Entwickler, deren Software modern auf neuestem Stand ist, werden wohl die geringste Arbeit mit der Umstellung haben. Wenn wir in 3 Jahren unterm Strich ein MacBook Air/Pro haben, das erheblich schneller ist, länger mit einer Akkuladung läuft und vielleicht sogar etwas günstiger ist als die Intel-Vorläufer, werden alle zufrieden sein und niemand wird Intel auch nur eine Träne nachweinen.

Wichtig ist IMHO, dass Apple die Intel-Macs noch viele Jahre lang mit Sicherheits- und Bug-Fix-Aktualisierungen versorgen wird. Es darf nicht so schnell Schluss sein wie damals bei PPC. Windows ist mir persönlich egal, aber ich verstehe natürlich diejenigen User, die das virtualisieren müssen - ich bin mir sicher, dass Apple auch dafür eine Lösung anbieten wird, vllt. zusammen mit VMware und Parallels.

finde ich das auch einen guten Schritt. Wenn ich mir die Leistungsfähigkeit der iPads anschaue, dann ist es interessant zu sehen was Apple im Stande ist zu zaubern, wenn es um vollwertige Notebooks geht.

ABER:

Sorgen macht mir eher der Umstellungsprozess bei der Software. Ich bin kein Entwickler und habe keine Ahnung, wie kompliziert und schwierig es ist, die Software umzustellen. Für manche scheint es aber schon eine Herausforderung zu sein reine 64 Bit Applikationen anzubieten (siehe die Probleme mit Catalina, die noch immer nicht überall gelöst wurden), was soll dann erst werden, wenn sich die ganze Prozessorarchitektur ändert ? Ist das wirklich nur eine Frage der Kompilierung oder muss da mehr beachtet werden ?

Letztlich steht und fällt alles mit der Software. Wenn Apple da die Entwickler frühzeitig einbindet, könnte es was werden.

Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Ich warte erst einmal ab. Ein ARM iMac mit der aktuellen Leistung der Intel Chips ist auch im nächsten Jahr nicht zu erwarten. Wenn überhaupt, dann wird es erst einmal ein kleines Mobilgerät, wie den Macbook oder Macbook Air, als ARM Variante geben. Für den Einsatz in iMacs und Mac Pros zählen neben Rechenleistung auch der Speicherdurchsatz. Die andere Sache ist Multicore: ARM-CPU's skalieren die Leistung meist durch viele CPU Kerne. Die Frage ist jetzt: Wie einfach wird es für den Programmierer dies gewinnbringend zu nutzen. Bisher war die Entwicklung von Programmen, die mehr als vier Kerne richtig nutzen nicht gerade ein Kinderspiel.

Ich schaue mir das Ganze erst einmal aus der Ferne an und man wird sehen, ob man an die Leistung der aktuellen Intel und AMD CPU's herankommt oder diese übertrumpft. Die oft in Berichten vermutete Möglichkeit den Intel Chip mit Parallels zu virtualisieren halte ich für eine Utopie (zumindest um es brauchbar nutzen zu können). Dies hat mit PPC nicht richtig funktioniert und so einen großen Leistungsvorsprung hat die ARM Architektur auch nicht um so komplexe CPU Befehle mal eben von Intel auf ARM umzusetzen.

Ich sehe den Sinn aus Apples Sicht, aber am Ende muss der Käufer einen wirklichen Vorteil bekommen, sprich mindestens 20-25% mehr Leistung. Man darf ja nicht vergessen, dass ältere Mac Software dann obsolete ist. Man hat das Ganze schon über Jahre beim macOS mit 64bit erlebt.

Ich frage mich, wenn man das jetzt ankündigt - wird dann doch sicher ein Teil der Käufer abwarten, was sich entwickelt?

@claudiusw

Sie sind nicht am aktuellen Stand. Gerade Single Core ist das iPhone SE (2020) schon schneller als das MacBook Pro 16".
Ich rechne eher mit 100% mehr Leistung als 20-25%.

Geekbench 5 (Überschrift ist verschoben)

CHIP SINGLE MULTI COMPUTE
2020 iPhone SE A13 1,330 3,325 6,370
iPhone 11 Pro A13 1,330 3,340 6,350
iPhone XR A12 1,090 2,425 4,490
iPhone 8 A11 910 2,170 3,420
         
2020 iPad Pro A12Z 1,125 4,690 10,050
2019 16″ MBP i9 1,265 7,275 25,350

 

Nachtrag: A13 is 97% of the performance of the 9900K in SPECint2006 while running at half the clockspeed (2.5 GHz vs 5.0 GHz).

Wir haben bisher nur die Apple-CPUs für mobile Endgeräte gesehen.

Man darf zu 100% sicher sein, dass in den Labors die für Macs hochskalierten Varianten (mit entsprechenden Chipsätzen) gezüchtet werden und dann wohl bald angekündigt werden. Was Gurman für Bloomberg so schreibt (er ist ein sehr zuverlässiger Journalist mit sehr guten Apple Connections), liest sich vielversprechend.

Apple wird den Switch nicht wegen 10% mehr Leistung machen. Die wollen das ganz große Ding und denken es die nächsten 10-15 Jahre. Ich rechne mit erheblichen Zuwächsen bei der Performance sowohl bei Desktops als auch Notebooks gegenüber den Intel-Stromfressern, die heftig gekühlt werden müssen und bei denen enorme Hindernisse bei der Weiterentwicklung bestehen (noch immer besteht der überwiegende Teil der Intel-CPUs aus 14nm Modellen).

Mehr Leistung sowohl bei CPU als auch GPU, geringerer Stromverbrauch (=längere Laufzeiten beim Akku, geringere Energiekosten bei Desktops), Integration von Apples Spezial-Chips für KI usw., keine Abhängigkeit mehr von Intels lahmer Roadmap, noch engere Verzahnung mit anderen Apple-Geräten, exklusive Funktionen als Wettbewerbsvorteil... Es gibt unterm Strich schon genügend Punkte, die für den Schritt sprechen.

Apple hat das jahrelang vorbereitet und geplant. Die Sache wird Hand und Fuß haben, da bin ich mir sehr sicher.

Sorgen macht mir eher der Umstellungsprozess bei der Software. Ich bin kein Entwickler und habe keine Ahnung, wie kompliziert und schwierig es ist, die Software umzustellen. Für manche scheint es aber schon eine Herausforderung zu sein reine 64 Bit Applikationen anzubieten (siehe die Probleme mit Catalina, die noch immer nicht überall gelöst wurden), was soll dann erst werden, wenn sich die ganze Prozessorarchitektur ändert ? Ist das wirklich nur eine Frage der Kompilierung oder muss da mehr beachtet werden ?

Es sind - vereinfacht gesagt - ein paar Klicks zum Neu-Compilieren in Xcode, WENN die Software bereits alle aktuellen Apple-Standards/Technologien/APIs unterstützt. Es ist nicht so, dass direkt auf der CPU programmiert wird. So dürft ihr euch das nicht vorstellen. Es wird vereinfacht gesagt für macOS programmiert, nicht für eine spezielle CPU. Es wird in Xcode einfach eine neue Option geben, auch für ARM zu kompilieren - und fertig. Moderne, beständig gepflegte Software wird leicht umzustellen sein. Programme von Herstellern, die jahrelang gepennt haben, hats schwerer (wie üblich).

Aber da können Euch die Programmierer mehr dazu erzählen.

Ich warte erst einmal ab. Ein ARM iMac mit der aktuellen Leistung der Intel Chips ist auch im nächsten Jahr nicht zu erwarten.

Woher willst du das wissen? Du darfst davon ausgehen, dass Apple eine klare Roadmap hat. Gut möglich, dass die A14-Abkömmlinge erstmal in mobile Macs wandern, und die A15-Abkömmlinge dann ab zweiter Hälfte 2021 schon in die Desktops.

Du hast das Thema Speicherdurchsatz angesprochen, das ist natürlich wichtig, ebenso wie Controller für Thunderbolt, eGPU-Unterstützung, mehrere Monitore usw. Aber: Glaubt jemand ernsthaft, dass Apple diese Dinge nicht im Blick hat?

Man darf ja nicht vergessen, dass ältere Mac Software dann obsolete ist. Man hat das Ganze schon über Jahre beim macOS mit 64bit erlebt.

64-Bit-Software, die Metal und aktuelle Frameworks, Bibliotheken und Sicherheitstechniken unterstützt, wird mit wenigen Handgriffen für ARM neu kompiliert werden können. Wenns die Software auf Catalina geschafft hat, ist die Vorarbeit im Prinzip schon geleistet. Nochmal: Es wird nicht für eine bestimmte CPU programmiert, es wird immer für das Betriebssystem programmiert. Wer hier up-to-date ist als Entwickler mit seiner Software, wird am Tag 1 beim Marktstart dabei sein.

Ich bin aber in erster Linie Admin und kein Entwickler - da mögen mich die Experten gerne korrigieren.

Vielleicht wird in diesem Zusammenhang die Bitcode-Technologie von Apple eine Rolle spielen: Damit sollen sich Binaries einfach und schnell für verschiedene CPU-Architekturen "übersetzen" bzw. bereitstellen lassen. Im App Store ist das schon aktiv, soweit ich weiß. Aber auch dazu können die Devs bestimmt mehr sagen.

Vielleicht ist am Ende auch alles viel einfacher als damals bei PPC=>Intel. Apple war 2005 eine kleine Klitsche (überspitzt formuliert) und war auf Kompromisse und fremde Hilfe angewiesen. Heute hat Apple doch viel mehr, ja schlichtweg gigantische Möglichkeiten, so einen CPU-Wechsel über die Bühne zu bringen.

Und wir Nerds machen uns eh viel mehr (zu viel) Gedanken als der Otto-Normal-User (sorry für den Begriff), der einfach nur seinen Mac nutzen will und den es nicht interessiert, was genau für Technik drinsteckt, Hauptsache alles funktioniert schnell und zuverlässig. 😃

Eine Todo-Listen-App kann man wahrscheinlich wirklich einfach neu kompilieren. Viele Anwendungen, fummeln trotzdem auf Bit-Ebene rum, ob es nun sinnvoll ist (z.B. Video/Audio encoding/decoding, Kompression, Verschlüsselung) oder nicht (vermeintliche "Optimierungen")...

Zwar hab ich nichts gegen ARM und halte INTEL für einen eingerosteten Koloss. Aber warum muss Apple dieses Faß mit Prozessorumstellung jetzt aufmachen, statt erst mal die vielen, momentan bestehenden Software-Defizite auszumerzen?! Der enorme Qualitätsverfall wird durch ARM auch nicht weggezaubert.

Auf youtube gibt es Video-Producer, die iPad und das Macbook Pro 13" 2020 mit 10th-Gen i5 im direkten Vergleich beim professionellen Videoschnitt getestet haben. Das iPad Pro 12,9" konnte wohl leistungsmäßig absolut problemlos mit dem potenten Macbook Pro mithalten.

Ich werde voraussichtlich sofort auf ein ARM-Macbook umsteigen, sofern

a) die von mir benötigte Software (Luminar) nativ auf ARM läuft

b) das Macbook das bietet, was ich mir erwarte bzw. bislang schon gerüchtet wird: 14" TFT mit schmalen Rändern in 13"-MB-Größe, längere Akkulaufzeit, geringeres Gewicht, verlgleichbare oder bessere Leistung, nicht teurer als aktuelle MBs.

Ich war noch nie so unzufrieden mit Apple wie derzeit. macOS und iOS sind zu Dauerbaustellen geworden, vieles funktioniert nicht mehr zufriedenstellend. Eine Qualitätsoffensive wäre dringend nötig!

Bei mir (Mojave) chrasht das System immer noch verursacht durch Bridge OS. Alle paar Tage, obwohl ich kein Safari mehr benutze. Mit Safari nach 2 Stunden . . . 

Die guten Softwareentwickler haben Apple wohl verlassen.

Wenn das einzige Werkzeug das man kennt ein Hammer ist, dann sieht alles wie ein Nagel aus.