Update-Pflicht für digitale Geräte wie Smart-TV

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10. Febr. 2021 22:57 Uhr - TheDoc

Als ich das gerade in den News gelesen habe

https://www.macgadget.de/News/2021/02/10/Ticker-Update-fuer-Pine-Player…
https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaft-handel-und-finanzen-kabinet…

war mein erster Gedanke "Was - noch mehr Bürokratie"??

Ich finde, es reicht langsam mit der (Über) Regulierung! Wie soll das denn alles in der Praxis kontrolliert und sanktioniert werden? Schafft dann die EU oder die einzelnen Mitgliederländer jeweils spezielle "Update-Task-Forces", die penibel darauf achten, ob dein Uralt-Android von 2015 noch ein Update bekommt?

Meine Güte, lasst das doch die Hersteller und damit den Markt selbst regeln.

Ein Hersteller, der nur 1 Jahr Updates liefert, wird beim nächsten Mal nicht gekauft. Und fertig.

Es geht ja nicht darum, Hersteller zu zwingen, Produkte nach dem Verkauf nachträglich zu verbessern oder aufzuwerten, sondern allein darum, deren Funktionalität über einen angemessenen Zeitraum zu erhalten. In unserer Wegwerfgesellschaft sind wir mittlerweile den blanken Irrsinn gewohnt, extrem umweltfeindlich, ressourcenhungrig und energieintensiv hergestellte Produkte nach wenigen Monaten zu entsorgen.

Das muss endlich aufhören! Vor 30, 40 oder 50 Jahren war man es gewohnt, Fernseher wenigstens 10-15 Jahre, Stereoanlagen 20 Jahre, Fotoapparate und Waschmaschinen 30 Jahre etc. zu nutzen. Die ließen sich sogar reparieren. Heute nutzen wir nicht mehr nur 5-10 solcher Produkte pro Person, sondern 30-50. Und wir nutzen sie nicht mehr 10-15 Jahre, sondern nur noch 8 Monate (Smartphones) bis etwa 3, maximal 5 Jahre. Wir diskutieren aktuell die Abbremsung von Umweltzerstörung und Klimawandel, dabei sind wir in Wahrheit dabei, in beiden Punkten das Gaspedal bis zum Boden durchzutreten. Macgadget hat neulich geschrieben, es seien 1,65 Millarden Apple Geräte im aktiven Einsatz. Ich kriege Alpträume, wenn ich das auf alle anderen Hersteller hochrechne, mir überlege, welche Mengen an Energie und Rohstoffen hierfür verbraucht wurden und wieviel Gift diese Geräte auf den Deponien dieser Welt absondern (werden).

Siehe: https://www.quarks.de/umwelt/muell/so-wenig-von-deinem-elektroschrott-w…

Davon abgesehen: Apple kann seine Hardware regelmäßig aktualisieren. AVM kann seine FritzBoxen regelmäßig aktualisieren. Die ganzen Kamerahersteller (Canon, Nikon, Panasonic und allen voran Olympus) aktualisieren ihre Software nicht nur, sondern bringen über Firmware-Updates sogar Funktionserweiterungen und bildqualitätverbessernde Abstimmungen in die Geräte. Es gibt also keinen Grund, Herstellern zu erlauben, ihre Geräte in 1, 2 Jahren veralten zu lassen.

Ich sehe das wie der Thread-Starter. Ein weiteres Bürokratiemonster würde entstehen - und davon haben wir in Deutschland und der EU bekanntermaßen viel zu wenige... Und die Hersteller müssen dann ihre Pflichtberichte per Fax an die Ämter übermitteln??? (den konnte ich mir jetzt leider nicht verkneifen)

Außerdem schreibst du es ja selbst, Oliver: Es gibt vorbildliche Hersteller. Und zwar recht viele. Die stehen zu recht in der Gunst oben.

Ich will den Billigheimer aus China sehen, der sich durch sowas beeindrucken lässt. Der wirft 2 Jahre lang seinen Krempel auf den Markt und falls es Mecker gibt, meldet er eine neue Firma mit anderem Namen an und das Spiel geht von vorne los.

Abgesehen davon, mal ein ganz praktischer Einwand: Welche Behörde will den ernsthaft prüfen, ob ein Update wirklich die "Funktionsweise" dauerhaft sichert? Es könnten auch nur Placebo-Updates sein. Will die EU ernsthaft jährlich zigtausende Geräte im Testlabor prüfen, zum Beispiel ob bei Gerät Nr. 52515/4b das Firmware-Update 135.64x auch wirklich Dienst tut? 😂

Tut mir leid, ich halte dieses Vorhaben für schlichtweg absurd, praxisfern und daher unrealistisch - wie leider so vieles, was heutzutage über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.

Hersteller, die keinen oder miesen Support bieten - sei es bei Updates, bei Reparaturen oder bei Hilfestellung - haben einen sehr schweren Stand, weil sich das eben im Web schnell herumspricht. Ergo werden diese Hersteller kaum gekauft.

Im Umkehrschluss heißt das, dass jeder Hersteller schon aus ureigenstem Interesse sehr daran interessiert ist, seine Hardware und Kunden lange zu unterstützen.

Kaufe ich einen Router, für den es nach 2 Jahren keinerlei Sicherheitsupdates mehr gibt? Nein.

Kaufe ich ein Billig-Smartphone, das der Hersteller wenige Monate nach Marktstart nicht mehr versorgt? Nein.

Die "Update-Pflicht" ist meines Erachtens unnötig. Aber natürlich wird sie kommen, es ist nur eine weitere Wegmarke im Zuge der immer stärkeren staatlichen Eingriffe in viele Bereiche.

Das Boykottieren kurzlebiger Produkte wäre ein wirksames Mittel, wenn es denn wirklich von vielen genutzt würde. Leider ist das nur bei wenigen Produkten die Regel. Die Mehrheit kauft, ohne sich darüber Gedanken zu machen und erlebt erst hinterher frustriert, dass ein Produkt nicht mehr (zuverlässig) funktioniert. Oft ist das auch gar nicht möglich, sich vorher Klarheit zu verschaffen.

Als ich mir für viel Geld eine tolle Yamaha MusicCast Anlage gekauft habe, konnte ich nicht ahnen, dass Yamaha den mit allen Yamaha-Geräten gekoppelten Musik-Streamingdienst v-Tuner kurz darauf nicht mehr unterstützen würde und ich auf eine viel umständlichere Lösung würde wechseln müssen.

Als ich mein erstes Android-Handy kaufte, konnte ich nicht ahnen, dass ich das Gerät wegen eines Software-Bugs und lange erwarteten Updates 3 Monate nicht würde nutzen können. Dem Otto-Normal-Android-Käufer ist ja nichtmal bewusst, dass er bei Neukauf eine bereits seit 1-2 Generationen veraltete Android-Version mitverkauft bekommt.

Als ich Luminar 4 kaufte, konnte ich nicht ahnen, dass Skylum die Software nicht wie versprochen weiterentwickeln und mit den angekündigten Features ausstatten, sondern komplett einstellen und stattdessen Luminar AI als neues voll kostenpflichtes Programm vorstellen würde.

Als die ganzen schönen neuen Smart-TVs mit dem Label "DVB-T2" verkauft wurden, wurde nicht deutlich gemacht, dass diese Geräte für den neuen Standard "DVB-T2 HD" überhaupt nicht geeignet sind. Obwohl die Hersteller von der Umstellung in D längst wussten.

Zugegeben: Nicht alles hier passt zum Thema Update-Pflicht. Aber es zeigt doch eine gewisse Tendenz, auf Kosten der Kunden kurzfristig Gewinne einzufahren und teure Produkte in kürzester Zeit veralten, wenn nicht gar unbrauchbar werden zu lassen.

Was den "Regulierungswahn" angeht, ist der sicherlich das Resultat des Liberalismus-Wahns, der u.a. das Bankensystem und damit die globale Wirtschaft 2008 an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Die Regulierung des Bankensystems funktioniert übrigens bis heute nicht.