Datentransfer-Bug in macOS 10.15.4: SoftRAID-Hersteller veröffentlicht Workaround

21. Apr. 2020 17:00 Uhr - Redaktion

Die Debatte um die Softwarequalität bei Apple hat durch die Veröffentlichung von macOS 10.15.4 neue Nahrung erhalten. Das Betriebssystemupdate bietet zwar einerseits eine lange Liste an Verbesserungen, Sicherheitskorrekturen und Fehlerbehebungen, führt andererseits jedoch eine Reihe von neuen Problemen ein (MacGadget berichtete), die auch das kurz vor Ostern erschienene Ergänzungsupdate nicht vollständig ausgeräumt hat.

Dazu gehören Kernel-Panics nach Beenden des Ruhezustands (von diesem Problem sind allerdings nicht alle Macs betroffen) sowie Abstürze bei umfangreichen Dateitransfers im Finder (reproduzierbar auf allen Macs). Letzterer Problematik hat sich der Entwickler der RAID-Software SoftRAID angenommen und arbeitet zusammen mit Apple an der Behebung des Fehlers. Stand heute soll der Bug-Fix in das für Mai erwartete Betriebssystemupdate macOS 10.15.5 einfließen.

 
macOS Catalina
 
macOS 10.15.4: Diverse Probleme machen Nutzern das Leben aktuell schwer.
Bild: Apple.

 

In der Zwischenzeit können sich betroffene Nutzer mit einem Workaround behelfen, der auf der Web-Site des Unternehmens zu finden ist. Er erfordert die Abschaltung der Sicherheitsfunktion SIP (System Integrity Protection) sowie Änderungen am NVRAM. Die Problematik der Finder-Abstürze tritt nur bei der Übertragung enorm großen Datenmengen (hunderte GB aufwärts) auf/von RAID-Volumes, nicht jedoch bei kleineren und mittelgroßen Dateien auf (weswegen es auch keinen großen Aufschrei in Foren und sozialen Medien gab).

macOS 10.15.5 wird voraussichtlich in drei bis vier Wochen in finaler Form erscheinen. Ob Apple den Bug-Fix bereits vorher in Form eines weiteren Ergänzungsupdates für macOS 10.15.4 bereitstellen wird, bleibt abzuwarten. Anzumerken ist: Der Bug tritt unabhängig von SoftRAID auf. SoftRAID-User haben ihn lediglich entdeckt, wodurch der Bug vom SoftRAID-Hersteller in Zusammenarbeit mit Apple verifiziert werden konnte. Die Abstürze treten reproduzierbar auch ohne installiertes SoftRAID auf (mit macOS-eigenen RAID-Volumes):

"A day later, we were able to reproduce the problem 100% of the time by copying 300 GB of large (10 GB) files from one SoftRAID RAID volume to another. Using a kernel debugger, we determined that the hang was not caused by an error in the SoftRAID driver. We then were able to reproduce the hang on an AppleRAID volume, using the AJA System Test Lite test application. Once we proved the hang was not a problem with the SoftRAID driver, we alerted Apple engineers to the issue and collected further information to help them with their investigation."

Unsere Berichterstattung zu macOS 10.15.4 und 10.15.5 im Überblick:

• Apple veröffentlicht zweite Betaversion von macOS 10.15.5 mit neuer Akku-Ladefunktion (17. April)

• Apple: macOS 10.15.4 erweitert Unterstützung für RAW-Formate von Kameras (15. April)

• Apple veröffentlicht Ergänzungsupdate für macOS 10.15.4 mit diversen Bug-Fixes (09. April)

• macOS 10.15.4 macht vereinzelt Probleme bei Datentransfers und Ruhezustand (07. April)

• macOS 10.15.4: Vorgehensweise zum Zurücksetzen der Zugriffsrechte für Home-Ordner geändert (30. März)

• macOS Catalina auf nicht unterstützten Macs: Patcher jetzt mit Version 10.15.4 kompatibel (30. März)

• Weitere Details zu macOS 10.15.4: Datenverlust-Problem im Schlüsselbund behoben, EFI-Updates, viele Programme aktualisiert (27. März)

• Apple erklärt iCloud-Drive-Ordnerfreigabe Schritt für Schritt (26. März)

• macOS 10.15.4 ergänzt Unterstützung für HDR-Wiedergabe auf externen Monitoren, bietet Anpassungen an Pro Display XDR (26. März)

• Nahendes Aus für Kernel-Extensions stellt Little-Snitch-Hersteller vor Herausforderungen (26. März)

• Apple: macOS 10.15.4 informiert über nahendes Aus für Kernel-Extensions (25. März)

• App-Stores: Apple gestattet ab sofort Bundles aus macOS- und iOS-Version einer App (25. März)

• Apple: Viertes großes Update für macOS Catalina ist fertig (24. März)

Kommentare

Ich kann diese Festplatten-Kopier-Probleme nicht bestätigen, benutze allerdings weder SoftRAID noch OWC Hardware. Auf der internen SSD und meinen externen Promise RAIDs (sowohl Thunderbolt 2 als auch Thunderbolt 3) treten solche Probleme bei mir hier nicht auf. Ich muss auch jeden Tag mehrere hundert GB auf meinen Server kopieren. Es wäre mal interessant zu wissen, ob Jemand auch ohne SoftRAID und ohne OWC Hardware diese Probleme auftreten. Ich hatte mal ein externes OWC Thunderbolt RAID und damit sehr viele Probleme beim Datentransfer, zu High Sierra Zeiten. Ich habs dann irgendwann gegen ein Promise RAID ausgetauscht und seitdem weder mit High Sierra, noch mit Mojave noch mit Catalina Probleme.

Apple hat mal wieder geschlampt. Wie leider zuletzt häufiger bei Catalina. Vielleicht mal weniger Werbevideos für den Tablettspielzeugkram drehen und mehr Leute für Software-Qualitätssicherung für die echten Arbeitsgeräte abstellen!

Stand jetzt ist 10.15.4 nicht der erwartete klare Schritt nach vorn.

... sind das Problem.

Was in den letzten jahren alles mit heißer Nadel gestrickt wurde und dann rausgehauen wurde ist enorm.

Den Treppenwitz, Windows User seien nur die Beta Tester von Bill Gates, nähern wir Mac User uns doch schon seit Jahren an.

Ich bin kein unterwürfiger Knierutscher wenn er den Namen Steve Jobs hört. Der Mann war stehts zu hinterfragen. Aber eines glaube ich doch zu wissen. Steve Jobs hätte eher gegen den Wind gepisst als eine wackelige SW / Update heraus zu bringen !

Ja, ich weiß, der Druck der Öffentlichkeit. Aber auch da lande ich wieder bei meiner Wind Analyse...

Ich wollte in dieser Deutlichkeit eigentlich nicht schreiben. Aber wir sind doch alle Erwachsen hier.

 

-------------------------------------------------------- Das schönste Kleid der Feigheit ist die Klugheit. ----------------- Johannes Gross -------------------

Auch unter Steve Jobs gab‘s Soft- und Hardwareprobleme, aber nicht in dem Ausmaß der letzten Jahre. Apple hat in den letzten Jahren an etlichen Stellen rumgewerkelt und leider dabei oft auch gepfuscht. Am USB-Stack, an der PDF-Engine, am Filesystem (APFS), an der Tastatur (Butterfly) um nur einige zu nennen. Und immer gab es Probleme: Bugs, unzureichende Dokumentation und/oder Designfehler. Sicherlich, das Betriebssystem und die Hardware müssen weiterentwickelt werden, aber mit der Entscheidung, Major-Releases des OS jährlich zu veröffentlichen, hat sich Apple selbst unnötig unter Druck gesetzt. Für eine ausreichende Qualitätssicherung und eine vernünftige Dokumentation reicht es nicht mehr, wie die Realität zeigt. Zudem scheint man bei Apple nicht mehr richtig miteinander zu reden. Die Strukturen haben sich gewandelt, und darin liegt m. E. das Problem. Es liegt nicht nur am fehlenden Visionär Jobs.

Ich sags ja immer: Die Apple-Vergangenheit unter Jobs wird stets positiv verklärt. Als ob Apple früher keine Böcke geschossen hat. Wer erinnert sich noch an die ganzen Probleme? Laute Power Mac G4, Wasserauslaufende Power Mac G5, Scharnierprobleme iBook, und auch die Powerbooks regelmäßig Macken. OS X Lion hatte Jobs zu verantworten - das war eine Katastrophe, 10.8 war nicht viel besser.

Bei der Hardware gefällt mir Apples Richtung beim Mac inzwischen wieder ganz gut, nur bitte wieder mehr Qualität in macOS! Mojave war so ein tolles Release und läuft astrein, Catalina fühlt sich wie ein kleiner Schritt zurück an.