Unter dem Namen Asahi befindet sich seit einigen Jahren eine native Linux-Umsetzung für Macs mit Apple-Prozessor in der Entwicklung. Linux wird dabei nicht als Gastsystem innerhalb von macOS ausgeführt, sondern nach dem Einschalten des Rechners direkt geladen. Nun hat das Projekt wieder über die zuletzt erreichten Entwicklungsfortschritte informiert. Die Bedeutung des Projekts für Apple-Rechner sollte nicht unterschätzt werden.
Hintergrund: In den kommenden Jahren wird Apple mit einer neuen macOS-Hauptversion die Unterstützung für M1-Prozessoren einstellen - ob dies bereits nächstes Jahr mit macOS 28 oder erst übernächstes Jahr mit macOS 29 der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Für M1-basierte Rechner gibt es dann nur noch zwei Jahre lang Sicherheitsaktualisierungen, anschließend endet die Unterstützung (gemäß Apples seit mehr als einem Jahrzehnt bestehender Support-Praxis).
Um in der Zukunft - nach dem Ende des Apple-Supports - auf älteren Apple-Silicon-Rechnern noch ein aktuelles Betriebssystem zu nutzen, ist Stand heute Linux die einzige Möglichkeit. Das Fedora-basierte Asahi Linux ist hierbei Vorreiter, es widmet sich speziell der Anpassung von Linux an Apple-Silicon-Macs - aufgrund der proprietären Apple-Architektur und der mangelnden Dokumentation ein mühevolles Vorhaben, das jedoch inzwischen gute Früchte trägt.
In einem ausführlichen Blog-Eintrag informieren die Entwickler nun wieder über die Entwicklungsfortschritte. Demnach wurde die Hardware-Unterstützung in mehreren Bereichen, darunter M3-Prozessoren, Bildschirmfunktionen, Audio, Bluetooth und Stromverbrauch im Leerlauf, verbessert. Die Entwicklung basiert inzwischen auf dem Linux-Kernel 7.x.
Die Arbeiten von Asahi Linux kommen auch anderen Distributionen zugute, beispielsweise bietet seit kurzem auch elementary OS Unterstützung für Apple-Silicon-Macs, ebenso das Projekt Ubuntu Asahi. Offiziell werden derzeit M1- und M2-basierte Macs unterstützt, wobei die M3-Unterstützung wie erwähnt gute Fortschritte macht.

Bild: asahilinux.org.
Die Selbstbeschreibung des Projekts: "Asahi Linux ist ein Projekt und eine Community mit dem Ziel, Linux auf Apple Silicon Macs zu portieren, beginnend mit dem 2020 M1 Mac Mini, MacBook Air und MacBook Pro. Unser Ziel ist es nicht nur, Linux auf diesen Rechnern zum Laufen zu bringen, sondern es so weit zu optimieren, dass es als alltägliches Betriebssystem genutzt werden kann. Dies erfordert einen enormen Arbeitsaufwand, da Apple Silicon eine völlig undokumentierte Plattform ist. Asahi Linux wird von einer florierenden Community von Entwicklern freier und quelloffener Software entwickelt."
Häufig gestellte Fragen zu Fedora Asahi Linux werden auf dieser Web-Seite beantwortet, die Dokumentation ist hier zu finden. Das Projekt schreibt:
"Erlaubt Apple dies? Brauchen Sie keinen Jailbreak? Apple erlaubt das Booten von unsignierten/angepassten Kerneln auf Apple Silicon Macs ohne Jailbreak! Dabei handelt es sich nicht um einen Hack oder eine Auslassung, sondern um eine tatsächliche Funktion, die Apple in diese Geräte eingebaut hat. Das bedeutet, dass Apple im Gegensatz zu iOS-Geräten nicht beabsichtigt, das Betriebssystem, das Sie auf Macs verwenden können, zu sperren (obwohl sie wahrscheinlich nicht bei der Entwicklung helfen werden)."
