Die Schattenseiten der sog. "KI" werden noch immer viel zu wenig thematisiert. Sie schadet der menschlichen Kreativitität (Bilder und Musik auf Knopfdruck erzeugen, gänzlich ohne künstlerischen Wert; was ist heutzutage noch echt, was Fake?) und schadet dem selbstständigen und kritischen Denken (Chatbot-Antworten, die nach wie vor häufig unvollständig-unpräzise-irreführend bis hin zu komplett falsch sind, wird zu oft ohne Hinterfragen vertraut) - von Dauerbrenner-Fragen hinsichtlich Urheberrecht (durften die LLMs die Daten, die fürs Training genutzt wurden, überhaupt verwenden?), Ethik (soll "KI" über Menschen bestimmen?), Umweltschutz (irrsinniger Aufwuchs von Rechenzentren mitsamt Energiebedarf und Kühlung), Datenschutz (alle eigenen Daten einfach der "KI" zur Verfügung stellen?) usw. ganz abgesehen. Nun kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu.
Auf die Softwareentwicklung spezialisierte LLMs können inzwischen die mühsame Handarbeit beim Programmieren über große Strecken übernehmen, d. h. die Eingabe von Code. Entwickler haben dadurch mehr Zeit für Konzeption, Qualitätssicherung, Support, Vertrieb und die vielen anderen Aspekte, die mit der Softwareentwicklung zusammenhängen (mit dem Coden allein ist es ja nicht getan). Auch können LLMs inzwischen recht gut Sicherheitslücken aufspüren - doch genau hier lauert eine neue Gefahr.
Derartige LLMs können (und werden) inzwischen auch zur Entwicklung einer nächsten Generation an Schadsoftware eingesetzt. Für die Großen der Branche wie Apple, Microsoft und Google ist dies ein zweischneidiges Schwert. LLMs vereinfachen zwar die Suche nach Schwachstellen und haben in den letzten Monaten dabei mitgeholfen, eine riesige Zahl (vierstellig; vielleicht schon fünstellig?) an Lücken abzudichten. Auf der anderen Seite sehen sich die Hersteller neuartigen Bedrohungen durch KI-gestützte Malware ausgesetzt.

Bild: Apple.
So gab Apple nun bekannt, dass die zu Wochenbeginn veröffentlichten Sicherheitsaktualisierungen eine Reaktion auf Bedrohungen durch mögliche KI-Hacks sind. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters teilte das Unternehmen mit, "dass es sich an die Tatsache anpasse, dass es angesichts der Fähigkeit künstlicher Intelligenz, die Entwicklung bösartiger Hacking-Tools zu beschleunigen, die Zeitspanne zwischen der ersten Veröffentlichung von Updates und deren Bereitstellung für die Kunden verkürzen müsse."
Demnach seien die Sicherheitskorrekturen von Version 26.5.2 eigentlich für die Version 26.6 geplant gewesen. macOS/iOS/iPadOS 26.6 liegt jedoch nur als Betaversion vor und erreicht bislang nur einen sehr kleinen Nutzerkreis. Mit der Version 26.5.2 werden diese wichtigen Sicherheitskorrekturen nun mehrere Wochen vor der Veröffentlichung von Version 26.6 für alle Anwender ausgerollt, wobei Apple betont, dass die Lücken (zumindest bislang) nicht aktiv ausgenutzt werden.
Zurück zu "KI": Sollte man die neuen Werkzeuge und Möglichkeiten gänzlich in Grund und Boden verdammen? Nein, natürlich nicht! Zu einer ausgewogenen Betrachtungsweise gehört eben, dass diese neuen Werkzeuge (der Begriff "Künstliche Intelligenz" ist, wie schon mehrfach ausgeführt, unzutreffend und irreführend) in nicht wenigen Bereichen eine große Hilfe sind und sogar für Durchbrüche sorgen können:
Die modernen Werkzeuge können beispielsweise in der Medikamentenforschung neue Ansätze aufzeigen, indem sie durch die Analyse riesiger Datenmengen bislang nicht bekannte Wirkstoffkombinationen entdecken und die Entwicklung neuer Wirkstoffe beschleunigen. Die Qualität von Übersetzungen (auch in Echtzeit via Spracherkennung) wurde duch LLMs auf eine neue Stufe gehoben. Informationen können aus umfangreichen Dokumentensammlungen effizient extrahiert und zusammengefasst werden. Aber auch Bereiche wie Materialforschung, Wettervorhersage oder Verkehrsplanung und Routenoptimierung profitieren - alles unter der Prämisse, dass diese modernen Werkzeuge nicht unfehlbar sind. Sie können wichtige Assistenten für den Menschen sein (und bedürfen Verifikation und Überwachung durch den Menschen), aber eben nicht mehr.
