Spiele für Apple-Silicon-Macs - still ruht die See

25. März 2022 11:30 Uhr - Redaktion

Die Umstellung von Intel- auf Apple-Prozessoren ist eine Erfolgsgeschichte. Die enorme Rechenpower der M1-Reihe, sowohl bei der Single-Core- und Multi-Core-CPU-Leistung als auch bei der GPU-Performance, gepaart mit der hohen Energieeffizienz für einen kühlen, leisen Betrieb mit langer Akkulaufzeit haben den Mac-Absatz erheblich angekurbelt. In einem Bereich macht sich der Wechsel der Architektur jedoch bislang kaum bemerkbar.

Es geht um Spiele. Zwar war der Mac nie als herausragende Spiele-Plattform bekannt, in einer Nische hat jedoch auch dieser Bereich seine Existenzberechtigung, wie etliche qualitativ hochwertige Veröffentlichungen in der letzten Dekade gezeigt haben. Eigentlich müsste - so jedenfalls die Theorie - die Umstellung auf Apple-Prozessoren diesem Segment einen Schub verleihen. Dieser ist zumindest bislang jedoch ausgeblieben.

In der Vergangenheit waren zwei Gründen maßgeblich dafür ausschlaggebend, weshalb viele Spiele-Publisher von einer Mac-Portierung abgesehen haben. Erstens die schwachen Intel-(Grafik)chips, die in den günstigsten (und damit meistverkauften) Mac-Modellen zum Einsatz kamen. Sie genügten leistungsmäßig einfach nicht, um modernere Titel für den Mac umzusetzen.

Leistungsfähigere Intel-Prozessoren mitsamt AMD- und (früher) Nvidia-GPUs gab es nur in den teureren Modellen, die entsprechend weniger verkauft wurden. Das führt direkt zum zweiten Grund: Der überschaubare potentielle Kundenkreis (von Besitzern von Macs mit leistungsstarker Hardware), der viele Portierungen wirtschaftlich nicht darstellbar machte. 

Durch die Umstellung auf Apple-Prozessoren sind diese beiden Punkte hinfällig. Die M1-Reihe bietet eine hohe CPU- und GPU-Leistung selbst in den Einsteiger-Modellen, während der Absatz sich auf einem Rekordniveau befindet. Und der M2, der Gerüchten zufolge bei der Grafikperformance durch mehr Kerne ordentlich zulegen soll, befindet sich bereits in den Startlöchern (voraussichtlich ab Herbst diesen Jahres).

Trotzdem sind Spiele mit nativer Apple-Silicon-Unterstützung Mangelware. Zu den wenigen Ausnahmen gehören World of Warcraft (läuft seit mehr als einem Jahr native auf Apple-Chips), das in der Entwicklung befindliche (und bereits spielbare) Baldur's Gate 3, Total War: Rome Remastered, Eve Online oder die Neuauflage des Adventure-Klassikers Myst.

 
World of Warcraft
 
World of Warcraft läuft seit Ende 2020 native auf Apple-Silicon-Macs.
Bild: Blizzard.

 

Natürlich: Viele bestehende bekannte Spiele, darunter Civilization VI, Cities: Skylines, ältere Total-War- oder Tomb-Raider-Spiele, die Football-Manager-Reihe, Strategie-Titel von Paradox Interactive, Die Sims 4 oder Tropico 6 laufen in den meisten Fällen problemlos via Rosetta 2. Dennoch ist es unübersehbar, dass es seit fast zwei Jahren kaum nennenswerte Spiele-Neuveröffentlichungen mit nativer Apple-Silicon-Unterstützung gibt.

Ein großer Hemmschuh: Valve hat es - aus welchen Gründen auch immer - bislang versäumt, die Steam-Plattform an die neue Rechner-Architektur von Apple anzupassen. Da die meisten Premium-Titel der sogenannten AAA-Kategorie (um die es hier geht) auf Steam erscheinen, ist dieser Punkt von erheblicher Bedeutung, der beispielsweise auch dazu führt, dass Paradox Interactive als einer der größten Entwickler und Publisher keine native Apple-Silicon-Unterstützung bietet.

Auch Feral Interactive - spezialisiert auf die Portierung von Windows-Spielen auf den Mac - leidet darunter, keine Apple-Silicon-nativen Ports auf Steam bereitstellen zu können. Steam äußert sich zur Apple-Silicon-Unterstützung nicht öffentlich, Anfragen blieben erfolglos.

Im Mac-App-Store - wo man die meisten nativen Apple-Silicon-Spiele vermuten würde - sieht es bezogen auf Premium-Titel nicht viel besser aus. Apple Arcade ist die Ausnahme, allerdings ist der Abo-Dienst auf das Segment der Gelegenheitsspiele fokussiert und spielt in dieser Betrachtung nur eine untergeordnete Rolle. Immerhin: Etliche iPad-Spiele lassen sich auch auf Apple-Silicon-Macs nutzen (sofern vom Hersteller freigegeben).

Fazit: Es steht und fällt alles mit Steam. Falls Steam auch in Zukunft keine native Unterstützung für Apple-Silicon-Macs anbietet, sieht es düster für die Apfelrechner in puncto hochwertige Spiele aus. Entwickler und Publisher können aktuell keine nativen Apple-Silicon-Spiele auf Steam veröffentlichen (nur Intel-Builds), da weder der Steam-Client noch die Steam-Infastruktur dies unterstützen. Da dort (und nicht etwa im Mac-App-Store) der meiste Umsatz mit Spielen generiert wird, fällt Steam die Schlüsselrolle zu. Warum Valve auf Steam immer noch keine native Apple-Silicon-Unterstützung bietet, darüber kann nur spekuliert werden.

Ein Sonderfall ist Epic Games. Die Epic-Plattform ist in den letzten Jahren zu einem veritablen Konkurrenten zu Steam geworden, aufgrund des andauernden Rechtsstreits zwischen Apple und Epic gibt es allerdings nur rudimentären Mac-Support und daran dürfte sich solange nichts ändern, bis sich beide Unternehmen finanziell geeinigt haben.

Kommentare

Das ist wirklich sehr bedauerlich und ich hoffe, dass es sich hier lediglich um ein temporäres Abwarten seitens der Entwickler/Publisher handelt. Bereits beim "no more 32 bit" seitens Apple sind sehr viele Spiele auf der Strecke geblieben. Auch wenn ich nur selten spiele, besitze ich somit eine Reihe nicht mehr nutzbarer Spieletitel.
Blizzard ist wohl der einzige Anbieter, der seine Spiele seit der Ära der 68000-Prozessoren für den Mac pflegt. Ich hoffe mit dem letzten Eigentümerwechsel ändert sich daran nichts. 

ERNIE

Ehrlich, Apple hat den Wechsel (zumindest gefühlt) 10 Jahre zuvor angekündigt. Und als es dann endlich soweit war, haben alle großen Softwarefirmen (nicht nur die Spielenetwickler) so getan, als hätten sie eben erst davon erfahren. Das fand ich echt erbärmlich. Abgesehen davon, Windows ist doch mittlerweile auch 64 Bit, warum sollten wir immer die alten Zöpfe bis zum Sanktnimmerleinstag mitnehmen?

Bei den Spielen ist das allerdings echt ärgerlich. Auch wenn mich das nicht betrifft, so finde ich doch, dass ein offenbar großer Konzern wie Steam zumindest kommunizieren können müsste.

Nach dem was ich in der Vergangenheit gelesen habe, sind nicht wenige Spiele am Mac die Windows Version + Wrapper Software a la WINE. Die Linux-Versionen werden meines Wissens auch alle so produziert. Das würde für mich auch  erklären warum Valve nichts anderes als x86 unterstützt. Das Thema Mac und Spiele ist vermutlich eher vorbei. Auch Blizzard bringt keine neuen Spiele mehr  für Mac (Overwatch, Diabolo 4)

@ollo: Da stimme ich Dir zu. Insbesondere der große "Mit Abos stellen wir die kontinuierliche Weiterentwicklung sicher"-Verfechter Adobe hat doch eher langsam auf den 64-Bit-Wechsel reagiert. 
Im Ergebnis bleibt es bei meiner Aussage, dass viele von mir erworbene Spiele nach dem 32-Bit-Cut nicht mehr auf aktuellen Systemen funktionieren. 
 

im Gegenzug: Mit Wine-Wrappern funktionieren zumindest viele ältere 32-Bit-Windows-Spiele auch auf dem M1.

ERNIE

Die Apple-Prozessoren sind eine super Sache und der M1, obwohl erst der Anfang, macht schon richtig Spaß.
Dies ist jedoch "Hardware". Da hat Apple richtig gute Arbeit gemacht.
Doch bei der "Software", um dieses System mit den Apple-Prozessoren zu nutzen, etc. etc., müsste Apple für die Softwareunternehmen und Entwickler erheblich mehr tun, denn es fehlen ja nicht nur Spiele auf macOS unter Apple Silicon.
Wenn Apple in Sachen "Software" nur in Ansätzen die gleiche Performance und Innovation wie bei Apple Silicon zeigen würde, dann ...