Details zum neuen Mac Pro: Gesockelter Prozessor, austauschbare SSDs, SATA-Anschlüsse

11. Juni 2019 11:30 Uhr - Redaktion

Vor einer Woche hat Apple auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2019 in San Jose den lange erwarteten neuen Mac Pro vorgestellt. Das neue Flaggschiff aus Cupertino lässt hinsichtlich Leistung und Erweiterbarkeit kaum Wünsche offen und demonstriert eindrucksvoll Apples Comeback im absoluten High-End-Segment. Inzwischen liegen weitere Einzelheiten zum neuen Mac Pro vor, MacGadget hat sie nachfolgend zusammengefasst.

• Es gibt nach wie vor keinen genauen Termin für die Markteinführung. Auf der Apple-Webseite war zwischenzeitlich von "Kommt im September" die Rede, doch diese Angabe wurde wieder zurückgezogen. Es bleibt bei Herbst, d. h. September, Oktober oder November.

• Der Xeon-W-Prozessor des neuen Mac Pro ist nicht direkt auf der Hauptplatine verlötet, sondern gesockelt (wie bereits beim 2013er Modell und den vorherigen Baureihen). Dadurch kann die CPU bei einem Defekt ausgetauscht werden, auch ein nachträgliches Upgrade durch den Anwender ist - zumindest theoretisch - möglich, beispielsweise ein Wechsel von der Achtkern- auf die 16-Kern-Variante.

 
Mac Pro
 
Neuer Mac Pro: Der Prozessor ist gesockelt.
Bild: Apple.

 

• Die beiden SSD-Module sind ebenfalls nicht fest integriert, sondern über einen (proprietären) Stecker mit der Hauptplatine verbunden. Bei einem Defekt kann das Laufwerk also gewechselt werden. Ob Apple durch separat angebotene SSD-Module eine nachträgliche Erhöhung der Speicherkapazität ermöglicht, ist noch nicht bekannt.

• Der Mac Pro verfügt über zwei interne SATA-Schnittstellen zum Anschluss von Speicherlösungen. Der Hersteller Promise Technology hat bereits zwei Produkte angekündigt: Pegasus R4i mit vier 3,5-Zoll-Slots für Festplatten und Hardware-RAID (als MPX-Modul mit PCIe-Karte) und Pegasus J2i mit Platz für zwei Festplatten. Separate Laufwerksschächte gibt es nicht, die Hersteller müssen für ihre Speicherlösungen auf die Mac-Pro-spezifischen Befestigungsmöglichkeiten zurückgreifen.

• Es gibt einen internen USB-Port zum Anschluss von USB-Dongles für die Aktivierung und Autorisierung von High-End-Software.

 
Mac Pro
 
Neuer Mac Pro: Die SSD-Laufwerke lassen sich austauschen.
Bild: Apple.

 

• Es können handelsübliche DDR4-ECC-DIMM-Speichermodule (2,66 GHz beim Mac Pro mit acht Kernen, 2,93 GHz bei den anderen Varianten) verwendet werden.

• Die Erweiterungssteckplätze sind auf dem Stand von PCIe 3.0. Das schnellere PCIe 4.0 wird von Intels Xeon-Prozessoren noch nicht unterstützt.

• Es lassen sich handelsübliche PCIe-Karten beliebiger Hersteller verwenden – Mac-Treiber vorausgesetzt.

• Es werden nur AMD-Grafikkarten unterstützt. Apple lässt keine Nvidia-Treiber mehr auf macOS durch, die Hintergründe sind unklar. Spekuliert wird über ein Zerwürfnis zwischen beiden Unternehmen, aber auch ein (geheimer) Exklusivdeal zwischen Apple und AMD ist denkbar (was aufgrund der engen Kooperation beider Firmen durchaus plausibel ist).

• Die von Apple entwickelten MPX-Module sind eine spezielle Box für PCIe-Karten mit höchsten Ansprüchen: Zusätzliche, per Thunderbolt 3 integrierte PCIe-Lanes sorgen für höhere Übertragungsraten, für die Stromversorgung werden bis zu 500 Watt bereitgestellt und durch einen großen Kühlkörper ist ein kühler Betrieb ohne zusätzlichen Lüfter möglich. MPX-Module sind ideal für High-End-Grafikkarten geeignet, aber beispielsweise auch für RAID-Systeme.

 
Mac Pro
 
Neuer Mac Pro: Zwei SATA-Ports für Speicherlösungen.
Bild: Apple.

 

• Mit dem neuen Mac Pro zielt Apple auf den absoluten High-End-Bereich. Apple betont jedoch, dass die Erfahrungen aus der Entwicklung der neuen Workstation künftig auch den anderen für den professionellen Einsatz konzipierten Mac-Baureihen zugute kommen werden.

• Der Preis mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, doch dies relativiert sich beim Blick auf vergleichbare Workstations (Xeon-Klasse, ECC-RAM…) anderer Hersteller (Dell, HP, Lenovo), bei denen man in höher ausgerüsteten Varianten ebenfalls schnell in den fünfstelligen Euro-Bereich kommt. Beim Thema Kosten sind aber auch Apple-eigene Entwicklungen wie der Afterburner-Hardwarebeschleuniger, die MPX-Modul-Technik, der T2-Chip (native SSD-Verschlüsselung, Hardware-Encoder für HEVC, zusätzliche Sicherheit) und das intelligente Gehäusedesign mitsamt den acht PCIe-Slots und thermalem System zu berücksichtigen.

 
Pegasus J2i
 
Pegasus J2i für den neuen Mac Pro ermöglicht Einbau von zwei 3,5-Zoll-Festplatten.
Bild: Promise Technlogy.

 

• Der neue Mac Pro soll etwas leiser sein als der ohnehin schon geräuscharme iMac Pro.

• Preis und Einzelheiten der Rack-Version zum Einbau in Serverschränke sind noch nicht bekannt.

• Apple will für den neuen Mac Pro ein Thunderbolt-3-Kabel mit drei Metern Länge anbieten, was zumindest derzeit nicht durch die offiziellen Thunderbolt-Spezifikationen abgedeckt ist.

Kommentare

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich musste beruflich als Admin in meiner Firma (Mittelständler) schon so manche Windows-Workstation dieser Kategorie konfigurieren und bestellen. Da bist du ganz fix bei weit über 10000 €, so schnell kannst du gar nicht schauen. Insofern ist der Einstiegspreispunkt beim Mac Pro meiner Meinung nach absolut nicht überzogen.

Der neue Mac Pro hat eine klar definierte Zielgruppe im Unternehmensumfeld, die derartige Systeme mit höchster Rechenleistung und guter Erweiterbarkeit für unterschiedliche Projekte benötigen und sich auch leisten können. Das sind Betriebskosten als Leasing oder Abschreibung.

Das ist absolutes HighEnd, für Anforderungen unterhalb dieser Klasse ist der neue Mac Pro natürlich überdimensioniert.

Aber man muss eben auch berücksichtigen, dass sich die Leistungsklassen innerhalb der letzten Jahre verschoben haben. Um das mal in Relation zu setzen: Der neue Mac mini (2018) mit 6 Kernen ist schneller (reine CPU-Leistung) als der alte Mac Pro (2013) mit acht Kernen, und das zu einem deutlich niedrigeren Preis. Wer das Ganze pragmatisch sieht und sich nicht an 1-2 Zusatzgeräten am/unter/hinterm Schreibtisch stört (RAID, eGPU), hat im Prinzip im aktuellen Mac mini auch ein Pro-System. Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass beim Mac mini bald eine 8-Kerne-Option dazu kommt.

Selten war Apple so gut aufgestellt wie heute im Desktop-Bereich, wenn man den iMac Pro mit berücksichtigt. Wer das nicht glaubt, blickt einfach mal 3-4 Jahre zurück und schaut sich an, wie es damals um die Mac-Sparte bestellt war (zum Teil krass vernachlässigt). Man merkt inzwischen, dass Apple die Plattformen wieder gleich gewichtet und keine Plattform mehr bevorzugt oder benachteiligt. Beim Mac gab es binnen der letzten eineinhalb Jahre so viele neue Hardware Releases bzw. Speed Bumps wie lange nicht mehr. Catalina wird ein Durchbruch sein, da die Basis für viel mehr Apps geschaffen wird. Und der Mac Pro beweist eindrucksvoll, dass Apple eben doch noch Pro kann.