Mozilla entlässt 25 Prozent der Belegschaft - Werbevertrag mit Google läuft aus

13. Aug. 2020 11:30 Uhr - Redaktion

Für Mozilla brechen offenbar schwere Zeiten an: Der Firefox-Hersteller gab in dieser Woche bekannt, 25 Prozent der Belegschaft - das sind rund 250 Personen - zu entlassen. Bereits zu Jahresbeginn musste sich Mozilla von etwa 70 Mitarbeitern trennen. Außerdem läuft der Werbevertrag mit Google gegen Jahresende aus.

Bislang zahlte Google eine erhebliche Summe an Mozilla, um als Standardsuchmaschine in Firefox voreingestellt zu sein. Aufgrund der Popularität und klaren Marktführerschaft des hauseigenen Browsers Chrome sieht Google offenbar keine Veranlassung mehr, den Vertrag mit Mozilla zu verlängern - jedenfalls ist bislang keine Verlängerung erfolgt. In diese Thematik spielt auch der rückläufige Firefox-Marktanteil mit hinein.

Die Entlassungen betreffen auch die Weiterentwicklung des Firefox-Browsers: "Um die Firefox-Organisation wieder auf das Wachstum des Kernbrowsers durch differenzierte Benutzererfahrungen auszurichten, reduzieren wir die Investitionen in einigen Bereichen wie Entwicklerwerkzeuge, interne Werkzeuge und die Entwicklung von Plattformfunktionen und überführen benachbarte Sicherheits-/Privatsphäreprodukte in unser Team für neue Produkte und Betrieb", so Mozilla-Chefin Mitchell Baker in einem Memo an Mitarbeiter.

 
Firefox
 
Firefox: Muttergesellschaft Mozilla entlässt 25 Prozent der Angestellten.
Bild: Mozilla.

 

Mozilla möchte in Zukunft neue Einnahmequellen schaffen, darunter der im Aufbau befindliche VPN-Dienst, kommende Features im Bereich der Sicherheit und Privatsphäre sowie Partnerschaften. In der sich abzeichnenden Unabhängigkeit von der dominanten Suchmaschine Google könnte aber auch eine Chance liegen - sowohl für Firefox selbst als für einen künftigen Suchmaschinen-Partner, der gestärkt würde. Es gibt neben Google etliche interessante Suchmaschinen, darunter DuckDuckGo, Qwant oder den "Bäume pflanzenden" Anbieter Ecosia (der erst vor kurzem den Meilenstein von 100 Millionen gepflanzten Bäumen erreichte).

Zudem sei daran erinnert, dass Firefox-Nutzer dem Open-Source-Projekt eine Spende zur Unterstützung zukommen lassen können. Wer Firefox schon seit vielen Jahren zur Zufriedenheit nutzt und auch künftig einen komplett unabhängigen, quelloffenen Browser einsetzen möchte, sollte sich überlegen, ob er dieses Vorhaben nicht mit einem kleinen oder mittleren Betrag unterstützen möchte.

Zum Thema: Zum Tag der Umwelt: Mit Ecosia im Web suchen und dadurch Bäume pflanzen.

Nachtrag: Google bleibt Standard-Suchmaschine in Firefox.

Kommentare

Wenn Safari 14 da ist, kann die Konkurrenz einpacken - ok etwas übertrieben, aber andere Browser werden es schwerer haben. Ich teste Safari 14 seit ein paar Tagen in macOS Big Sur und das Teil rennt wie sonstwas, wesentlich schneller als Safari 13. Dazu etliche sinnvolle Neuerungen - und Webextensions können endlich genutzt werden. Da hat Apple viel Arbeit reingesteckt.

Ich bin sehr pro Open Source und auch Firefox, aber Firefox hat sich meiner Meinung nach zuletzt in zu vielen Nebenkriegsschauplätzen verheddert. Mozilla sollte lieber wieder back to the roots gehen und die Kernkompetenz stärken: Ein möglichst kompatibler, möglichst schneller Browser mit tiefer Unterstützung der jeweiligen Plattformen. Hier war Firefox mal stark, über Jahre der beste Browser. Das hat leider stark nachgelassen.