Bundesweiter Warntag: Erster Testlauf für Cell-Broadcast-Mitteilungen - iPhones sind bereit (2. Update)

08. Dez. 2022 11:30 Uhr - Redaktion

Am morgigen Mittwoch (8. Dezember) findet der Bundesweite Warntag 2022 statt. An diesem Aktionstag erproben Bund, Länder sowie die teilnehmenden Kreise, kreisfreien Städte und Gemeinden in einer gemeinsamen Übung ihre verschiedenen Warnmittel, darunter Sirenen, Hinweise in Radio und Fernsehen und Mitteilungen in Warn-Apps. Erstmals kommt die Cell-Broadcast-Technik (die sogenannte "Warn-SMS") zum Einsatz. Apple hat die softwareseitige Unterstützung dafür im Herbst implementiert.

Mit Hilfe der Cell-Broadcast-Technologie können alle Mobilfunktelefone, die in einer Mobilfunkzelle eingebucht sind, im Notfall eine Warnung per Textnachricht erhalten. Die Warnung wird dann nicht wie eine persönliche SMS, sondern einem Radiosignal vergleichbar übermittelt. Weder eine App noch eine Internetverbindung sind dazu erforderlich. Die Mitteilungen werden dabei parallel in alle deutschen Netzen gesendet.

iPhones mit iOS 15.x und iOS 16.x erhalten am morgigen Mittwoch die Test-Warnung automatisch und unabhängig von den gewählten Einstellungen (kann nicht deaktiviert werden) - dabei wird auch ein Alarmton ausgegeben, der ausgeschaltet werden kann. Voraussetzung ist, dass die jeweils aktuellen Version installiert ist und die aktuellen Netzbetreibereinstellungen eingespielt wurden (was automatisch geschieht).

 
Bundesweiter Warntag
 
Bundesweiter Warntag am 8. Dezember.
Bild: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

 

Das Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe teilt mit: "Ab 11:00 Uhr aktivieren die beteiligten Behörden und Einsatzkräfte unterschiedliche Warnmittel wie z. B. Radio und Fernsehen, digitale Stadtanzeigetafeln oder Warn-Apps. Beim Warntag wird zudem Cell Broadcast zum ersten Mal getestet. Cell Broadcast ist eine Warnnachricht, die direkt aufs Handy geschickt wird. Mit keinem anderen Warnmittel können wir mehr Menschen erreichen. Damit möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die Nachricht erhalten, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Hier finden Sie dazu mehr Informationen."

In den USA sind Cell-Broadcast-Mitteilungen seit langem unverzichtbarer Bestandteil zur Alarmierung der Bevölkerung bei Unwettern und anderen Gefahren. In Deutschland hat man die Einführung nach dem Warn-Debakel bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Jahr 2021 beschlossen. Parallel dazu soll die in den letzten Jahrzehnten vernachlässigte Sirenen-Infrastruktur aufgebaut werden.

Bei Android-Smartphones wird mindestens die Systemversion 11 benötigt. Sofern der Warntag ein Erfolg ist und keine größeren technischen Schwierigkeiten auftreten, wird die Cell-Broadcast-Technik voraussichtlich Anfang 2023 in Betrieb gehen. Häufig gestellte Fragen zu Cell Broadcast beantwortet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf dieser Web-Seite.

Nachtrag (8. Dezember) zum Artikel (7. Dezember): Der Cell-Broadcast-Testlauf war offenbar nur teilweise erfolgreich. Speziell aus dem Telekom-Netz gibt es eine Vielzahl an Rückmeldungen, wonach die Warnung nicht ausgelöst wurde (unabhängig vom Betriebssystem und den gewählten Einstellungen). Die Warnungen über die Apps NINA und KATWARN wurden hingegen problemlos ausgespielt (mitsamt der Entwarnung ca. 45 Minuten danach). Stellungnahmen der Netzbetreiber und des BBK liegen bislang nicht vor.

2. Nachtrag: Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): "Nach vorläufigen Erkenntnissen war der bundesweite Warntag 2022 ein Erfolg! Das Zusammenspiel der einzelnen Systeme hat funktioniert und die Menschen sind auf das wichtige Thema Warnung aufmerksam geworden. Für abschließende Ergebnisse ist es noch zu früh. Die Rückmeldungen werden wir nun auswerten und damit das System weiter optimieren können."

Das BBK ruft die Bürger auf, Feedback zum bundesweiten Warntag zu geben.

Reaktionen der Netzbetreiber: Vodafone spricht von einem Erfolg, Telekom und O2 äußern sich zurückhaltend. Fakt ist, dass bundesweit viele Smartphones - obwohl softwareseitig auf neuestem Stand - stumm blieben. Wie hoch das Verhältnis ist zwischen Smartphones, bei denen die Call-Broadcast-Warnung ankam und bei welchen nicht, lässt sich offenbar schwer herausfinden. Die Telekom erklärt "Die Aussendung von Cell Broadcast Meldungen ist dem Versenden von Radiosignalen vergleichbar – man bekommt keine unmittelbare Rückmeldung darüber, wie viele Geräte die Nachricht empfangen haben" und betont, dass Cell Broadcast planmäßig erst im Februar 2023 starten soll.