Entsperrung von iPhones: Apple stellt sich gegen FBI und US-Gericht

17. Febr. 2016 12:30 Uhr - sw

Alle Daten auf iPhones werden standardmäßig verschlüsselt, um Privatsphäre und Datenschutz zu gewährleisten. Hintertüren existieren laut Apple nicht, der Hersteller hat nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, an die Daten der Nutzer zu kommen. Den Strafverfolgungsbehörden ist dieser Umstand ein Dorn im Auge. Sie argumentieren, dass es im Notfall möglich sein müsse, Smartphones auszulesen, um beispielsweise terroristische Gefahren abzuwehren oder im Vorfeld zu unterbinden. Nun kommt es in den USA zum Showdown zwischen Apple und der Regierung.

Ein US-Gericht hat Apple auf Antrag des FBI aufgefordert, beim Entsperren eines iPhones eines mutmaßlichen Terroristen zu helfen. Konkret geht es dabei um den Anschlag in San Bernardino, Kalifornien, im Dezember 2015. Laut dem Gerichtsbeschluss soll Apple die US-Bundespolizei dabei unterstützen, einen sogenannten Brute-Force-Angriff auf das betreffende iPhone durchzuführen.

Öffentlicher Brief von Tim Cook

Entsperrung von iPhones: Apple stellt sich gegen FBI und US-Gericht.
Bild: apple.com.



Dazu soll Apple eine Software programmieren, die unter anderem die automatische Löschfunktion (nach zehn falschen PIN-Eingabeversuchen wird der Speicher eines iPhones automatisch gelöscht) deaktiviert oder umgeht und PIN-Zahlencodes in digitaler Form auf das iPhone überträgt. Mittels Brute-Force-Angriffen können Geräte entsperrt werden, indem einfach alle möglichen Zahlenkombinationen ausprobiert werden. Die automatische Löschfunktion im iOS beugt dem vor.

Apple widersetzt sich dieser Forderung. In einem öffentlichen Brief erläutert Firmenchef Tim Cook den Standpunkt des Unternehmens. Man werde für das FBI keine wie auch immer geartete Backdoor für das iOS entwickeln, mit der Geräte entsperrt werden können. Würde man der Forderung nachkommen, seien im Grunde die iPhones aller Nutzer und ihre Daten in Gefahr. "In den falschen Händen kann eine solche Software – die heute nicht existiert – potenziell jedes iPhone entsperren", warnt Cook. Letztlich sei dies ein Angriff auf die Freiheit, die zu schützen sich die US-Regierung verpflichtet hätte, so Cook.

Apple dürfte nun alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um sich gegen die Forderung des US-Gerichts und des FBI zu wehren.

Kommentare

Es ist zu begrüßen, dass sich Apple so offen und klar gegen die Forderung der US-Regierung stellt. Ich hoffe, dass sich Apple durchsetzen kann. Falls nicht, würde das einen ziemlich miesen Präzedenzfall schaffen. Das wird wohl der Auftakt zu einem mehrjährigen Rechtsstreit sein und dürfte auch Thema bei den Präsidentschaftswahlen werden.

Hoffe Apple bleibt auf Kurs!

Und hoffe dass Microsoft sich auch dazu äußert und mitmacht.

PD

Es hat sicherlich Symbolwirkung das Apple mit dieser Haltung sich öffentlich mehr und mehr in Stellung bringt.
Doch es gibt auch eine Botschaft an die Kunden/Bürger: „Wir (Apple) halten eure Datensicherheit und Privatsphäre hoch, doch auch ihr Kunden/Bürger müsst euch endlich für dieses Thema interessieren/stark machen.“

So interpretiere ich das jedenfalls. Denn gerade die Massen sind selber zu diesem Thema im allgemeinen sehr unbedacht und verhalten sich hier eher wie die Lemminge. Getreu dem Motto: „Ich habe ja nichts zu verbergen.“; „Da kann ich alleine nichts machen…“ oder „Goglehat eh schon alle Daten…“
Auch schön, wie die Masse der Eltern völlig unbesonnen ihren Kinder auch einen WhatsApp Account erlauben, trotz AGB. Oder das Beispiel mit der elektronische Gesundheitskarte. Die wenigsten verweigern sich, etc.

Es kann einen schon verbittern, wenn man sich diese schizophrene Situation an der Stelle mal ein wenig auf der Zunge zergehen lässt.
Wenn Apple hier also wirklich Rückgrat behält, dann ist es eine wichtige Chance, dass sich hier auch der gemeine Bürger vehementer in dieses Thema einbringt und sich mehr um seine Datensicherheit kümmern sollte. Da kann sich Apple so lange stark machen wie sie wollen, wenn sich der Einzelne seiner Verantwortung und seinen Rechten nicht bewusst wird. Letztendlich ist dieses hemmungslose Datensammeln, sowohl durch Google als auch durch offizielle Stellen erst möglich geworden, weil sich die Mehrheit der Nutzer hier gar keine Gedanken zu gemacht hat und sich auch die Bildungseinrichtungen wie Grund- und weiterführende Schulen kaum thematisch damit auseinandersetzen.
Genau diese geringe Gegenwehr suggeriert den Machthabenden, dass sie eben machen können was sie wollen…

"Neuland" ist hier eine gar nicht so unzutreffende Beschreibung… Das folgende Beispiel ist bezeichnend für unsere Gesellschaft und lieber nutzt man die neuen Möglichkeiten nicht, weil es eben gefährlich sein könnte. Zitat Rektorin einer Schule: „Ich mache lieber alles per Zettel…“ Das ist die Situation in unserem aufgeklärten, hochentwickelten Industrieland Nr. 1…

vg.

[quote=Daniele]Und hoffe dass Microsoft sich auch dazu äußert und mitmacht.[/quote]Nein, wohl kaum, auf folgendes hat mich ein befreundeter ITler aufmerksam gemacht:
”... Schließlich werden wir auf personenbezogene Daten zugreifen, diese offenbaren und bewahren, einschließlich privater Inhalte (wie der Inhalt Ihrer E-Mails und andere private Mitteilungen oder Dateien in privaten Ordnern), wenn wir in gutem Glauben sind, dass dies notwendig ist, um: geltende Gesetze einzuhalten oder auf gerichtliche Verfahren zu antworten, einschließlich denen von Strafverfolgungsbehörden oder anderen staatlichen Stellen.”

Zur Zeit freue ich mich über Apple. Andernfalls wäre es so, dass deren Regierung die totale Diktatur ausruft, und Tim Cook nickt nur brav.

Gruß Uli

Ein ganz übles Vorgehen der Obama Regierung.
Wenn es den US Behörden wirklich nur um dieses Handy, um diese Daten ginge dann würde sie das Gerät an Apple geben,
die würden die Daten auslesen und an die entsprechende Regierungsstelle weiterleiten.
Nein, hier wird versucht den Bürger noch gläserner zu machen - ein Verhalten das ich eher Nordkorea zugetraut hätte.
Das Ganze ist mehr als durchsichtig!

wird nicht sowieso jegliche Eingabe sofort durch das Netz gejagt, um sämtliche Geräte miteinander zu synchronisieren?

So hiess es doch mal vollmundig auf einer Keynote, dass auf dem Handy angefanges, auf dem iPad weiterverfasstes, letztlich auf dem MacBook/iMac nahtlos fertig gestellt werden kann.

Ich denke kaum, dass die Übertragung durchs www verschlüsselt einhergeht

kann man dies nach Hause kabeln eingentlich unterbinden?
....Mal so nebenbei gefragt

.... Fälle konstruieren, bis sie es durchgesetzt haben.

Aber es stimmt schon: wenigstens hat Apple es damit sogar in die ARD geschafft. Wobei der Unterton schon irgendwie komisch war.

Natürlich geht es den US-Behörden nicht nur um dieses Gerät. Solche Auseinandersetzungen werden immer über Einzelfälle ausgefochten.

Das Argument von Apple ist, dass die Verschlüsselung grundsätzlich nicht zu überwinden sei. Also: Selbst wenn die Behörden das Gerät an Apple geben würde, würde Apple die Daten nicht herauslesen, weil Apple in dem Fall unglaubwürdig wäre, und die Datensicherheit ist ja ein Verkaufsargument. Deswegen hat die FBI geklagt.

Spannend wird es, wenn Apple die Klage letztinstanzlich verliert und dennoch tatsächlich keine Software liefert, das der FBI-Forderung entspricht. Wie dann ein Gericht entscheiden soll, ob Apple könnte, aber nicht will, oder tatsächlich nicht kann, weiß ich nicht. Das dauert sicher noch eine Weile.

Bleibt festzustellen, wir sollten uns alle mit dem Thema Datensicherheit beschäftigen und _informiert_ entscheiden, welche Daten wir wohin geben.

... aber wenn Apple nicht standhaft bleibt oder die Gesetze verbogen werden, um Apple zu verpflichten eine Backdoor einzubauen, dann werden wohl einige Umrüstkits auf den Markt kommen um wenigstens Kamera und Mikro-Aufnahmen zu unterdrücken, solange man beides nicht explizit verwenden will.

So unpolitisch, wie die Amis sind, kommt das noch durch!
Vgl.: http://www.wired.com/2016/02/apples-noble-stand-against-the-fbi-is-also…

Unglaublich. Da sorgt sich der Autor mehr um das ökonomische Wohl von Apple anstatt sich Sorgen über seine eigene zukünftige Privatsphäre zu machen. Obwohl es im Grunde nur darum geht.