Apple-Chef Tim Cook nennt EU-Entscheidung "politischen Mist" (Update)

01. Sep 2016 12:00 Uhr - Redaktion

Apple-Chef Tim Cook hat erneut mit deutlichen Worten Kritik an der EU-Entscheidung, wonach der Mac- und iPhone-Hersteller angeblich unrechtmäßig Steuervergünstigungen in Irland erhalten haben und nun bis zu 13 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen nachzahlen soll, geübt. In einem Interview mit der Zeitung Independent unterstellte er der EU-Kommission politische Motive. Weder Apple noch Irland hätten etwas falsch gemacht.

Nach Ansicht von Cook sei Apple auch wegen anti-amerikanischer Stimmungen ins Visier genommen worden. Die Argumente der EU-Kommission seien "totaler politischer Mist". Apple habe allein im Jahr 2014 in Irland 400 Millionen US-Dollar Steuern gezahlt – plus nochmals 400 Millionen US-Dollar, die dafür in den USA fällig geworden seien. Die EU-Kommission behauptet hingegen, das Apple 2014 angeblich nur 0,005 Prozent Körperschaftssteuer in Irland entrichtet hat. "Ich weiß nicht, wo sie diese Zahl herhaben", sagte Cook dazu. Apple sei wahrscheinlich der größte Steuerzahler in dem Land.

Apple-Firmenzentrale

Die Apple-Konzernzentrale in Cupertino.
Bild: Joe Ravi (Lizenz: CC-BY-SA 3.0).



Cook vermutet hinter der EU-Entscheidung auch einen Versuch, an Steuereinnahmen zu kommen, die eigentlich dem US-Fiskus zustünden. Hintergrund: sollte Apple tatsächlich zu einer Steuernachzahlung verurteilt werden, könnten die Kalifornier diese Summe möglicherweise von der Steuerlast in den USA abziehen. "Ich bin überzeugt davon, dass es eine politisch motivierte Entscheidung war. Für sie gibt es keine rechtlichen oder faktischen Grundlagen", so Cook weiter. Apple will gegen die Entscheidung der EU-Kommission gerichtlich vorgehen, auch Irland kündigte Widerstand an.

Apple will dem Standort Irland unabhängig vom aktuellen Streit weiter die Treue halten und kündigte die Schaffung weiterer Arbeitsplätze an. Erst kürzlich erhielt das Unternehmen grünes Licht für den Bau eines Rechenzentrums an der irischen Westküste. Derzeit beschäftigt Apple in Irland rund 6000 Mitarbeiter.

Nachtrag (02. September): Inzwischen hat auch die irische Regierung angekündigt, juristisch gegen die Entscheidung der EU-Kommission vorzugehen.

Kommentare

... und dieses anzuzweifeln ist rein politisch.
Der Typ dreht jetzt völlig durch. Ich hätte nicht gedacht, das Apple die letzten Sympathien auf diesem Weg verspielen möchte. Das war es dann von wegen weltoffener Konzern.

Gruß Uli

Aber man hat schon das Gefühl, dass die Amis denken, gegenüber Europa kann man auch mal etwas hemdsärmeliger auftreten. Ganz gut, dass TTIP scheitern wird.

Der Mann ist dreist. Wirklich dreist. Der Mensch gewordene Imageschaden für Apple.

1. Glaub nicht alles was du liest.
2. Glaub nicht alles was du hörst.
3. Glaub nicht alles was du denkst.
Richte dich nachdem was du selbst erlebst/gesehen hast.

[quote=Kivian]Der Mann ist dreist. Wirklich dreist. Der Mensch gewordene Imageschaden für Apple.[/quote]

ich bin der letzte der Steueroasen und derlei Praktiken gut heißt. Und du hast sicher recht. Aber glaubt hier irgendeiner, dass Steve Jobs anders handeln würde, wenn er sich noch das (saftige irische) Gras von oben angucken dürfte?

Nicht die Bohne.

Das Problem ist systemisch.

Aber Cook sollte nicht so weit die Klappe aufreißen. Wenn man bedenkt, wie hierzulande die Steuerstruktur ist, dann sind 0,005 % Steuern schon sehr wenig.

Und dann wäre noch zu erwähnen, dass Irland am Tropf der EU hängt.

Wäre es da unverschämt zu fordern, dass man sich anstrengen müsste, den nationalen Steuertopf aus eigenem Vermögen zu füllen?

Für dich nochmal extra: woher weißt du ob die 0,005 % auch wirklich stimmen? Das behauptet die EU. Apple bestreitet das.

Nichts genaues weiß man nicht !!

Wer recht hat, weiß ich nicht. Angesichts der stärker werdenden Spannungen zwischen EU und den USA hat das aber für mich ein politisches Gschmäckle.

sind die Steuern beim Firmensitz des Mutterkonzerns fällig, das ist in Cupertino.
Nach amerikanischem Recht sind die Steuern erst fällig, wenn das Geld im Land ist, weshalb Apple das Geld im Ausland "parkt".
Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, d.h. Apple wird irgendwann die Steuern zahlen müssen; allerdings hoffen sie, dass die USA vorher den Steuersatz senken. Ja, das ist durchaus kritikwürdig.

Für selbstständige Unternehmungen von Apple Irland werden auch in Irland Steuern fällig. Die wurden auch bezahlt.
Diese aber auf die Gesamtsumme umzurechnen und dann auf 0.005% zu kommen, ist allerdings "Bullshit".
Ebenso mangels EU-Steuerrecht zu behaupten, das wären Subventionen seitens Irland, weil man dann einschreiten kann, ist m.E. an den Haaren herbeigezogen.
Die USA ihrerseits sind deshalb so angepisst, weil bei einer Besteuerung in Irland entsprechende Doppelbesteuerungsabkommen greifen und Apple dann in USA keine Steuern mehr zahlen braucht.
Ich glaube, Apple wird ganz "patriotisch" in den USA Steuern zahlen, auch wenn der Steuersatz dort höher liegt - allein aus Prinzip.