Neuer Mac Mini, neues MacBook Air: T2-Chip sorgt für höhere Sicherheit und mehr Leistung

09. Nov. 2018 15:15 Uhr - Redaktion

Zu den Neuerungen des 2018er Mac mini und des 2018er MacBook Air gehört der T2-Chip, eine Eigenentwicklung von Apple. Gänzlich neu ist der T2 allerdings nicht, er ist bereits im iMac Pro und in der aktuellen MacBook-Pro-Generation zu finden. Trotzdem ist der T2 für viele Mac-Nutzer noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Dies wollen wir ändern und erläutern an dieser Stelle, welche Aufgaben der T2-Coprozessor übernimmt und warum er den Mac zu einem besseren System macht.

Beim T2 handelt es sich um einen 64-Bit-Chip basierend auf der ARM-Architektur. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Monaten weitere Baureihen (iMac, Mac Pro...) mit dem T2 ausgestattet werden und in Zukunft ganz grundsätzlich alle Macs über einen derartigen Coprozessor (T2 und Folgeversionen) verfügen werden.

Apple betont beim T2 hauptsächlich die Sicherheitsvorteile, doch der Funktionsumfang des Chips geht weit darüber hinaus. Erstens sorgt der T2 für eine höhere Systemperformance. Der T2 enthält nicht nur einen SSD-Controller, sondern auch eine dedizierte SSD-Verschlüsselung (AES). Dadurch können Daten in Echtzeit und ohne Beeinträchtigung der Leistung verschlüsselt werden. Der Intel-Hauptprozessor ist von dieser Aufgabe befreit und kann seine volle Rechenleistung für andere Aufgaben zur Verfügung stellen.

 
Mac mini
 
Der T2-Coprozessor im Mac mini.
Bild: Apple.

 

Außerdem verfügt der T2-Coprozessor über einen Hardware-Encoder für das neue, effiziente Videoformat HEVC. Dank der Hardwarebeschleunigung kann die Konvertierung von Filmen ins HEVC-Format mit sehr hoher Performance erfolgen (angepasste Software vorausgesetzt). Auch von dieser Aufgabe wird die Intel-CPU entlastet. Da SSD-Verschlüsselung und HEVC-Encoding in den T2 ausgelagert werden, sorgt dies unter dem Strich für eine höhere Gesamtperformance des Rechners.

Zweitens integriert der T2 gleich mehrere Controller in nur einem Chip. Dazu zählen neben dem SSD-Controller auch der System-Management-Controller (SMC) mitsamt Lüftersteuerung, der Bildsignalprozessor (für die FaceTime-Kamera) und der Audio-Controller (Lautsprecher, Mikrofone). Der Bildsignalprozessor des T2 sorgt bei der FaceTime-Kamera für eine höhere Bildqualität: Er verbessert Tone-Mapping und Belichtungsregelung und ermöglicht automatische Belichtung auf Basis der Gesichtserkennung sowie automatischen Weißabgleich.

Drittens hebt der T2 das Sicherheitsniveau des Macs auf ein neues Level. Beispielsweise wird im geschützten Bereich Secure-Enclave der SSD-Schlüssel abgelegt und kann nicht von Schadsoftware ausgelesen werden. Die Secure-Enclave schützt zudem den Touch-ID-Fingerabdrucksensor von MacBook Air und MacBook Pro und sorgt hardwareseitig dafür, dass das Mikrofon komplett deaktiviert ist und auch bleibt, wenn das Notebook zugeklappt ist – Hacks zum heimlichen Abhören wird dadurch ein Riegel vorgeschoben.

 
T2 Sicheres Starten
 
Der T2 sichert den Startvorgang auf Wunsch ab.
Bild: Apple.

 

Damit nicht genug: Der T2-Coprozessor sichert zudem den Startvorgang des Macs ab und stellt sicher, dass die während des Bootens geladene Software nicht manipuliert wurde. Außerdem kann auf Wunsch das Booten von externen Medien unterbunden werden. Gerade im Unternehmensumfeld sind diese Features von großer Bedeutung. Die Funktion "Sicheres Starten" lässt sich individuell konfigurieren (siehe obiges Bild).

Und last bot not least: Der T2 verfügt zusätzlich über einen Always-On-Prozessor, durch den der Sprachassistent Siri ständig in Bereitschaft ist (sofern eingeschaltet) und über den Befehl "Hey Siri" ohne Tastendruck aktiviert werden kann.

Fazit: Der T2 bereichert den Mac, indem er nicht nur für mehr Sicherheit sorgt, sondern die Systemperformance erhöht und zusätzliche Funktionen bereitstellt. Er ermöglicht es Apple, den Mac wieder stärker von der Windows-Konkurrenz abzuheben und Features zu entwickeln, die bei anderen Herstellern nicht zu finden sind. Unabhängig von der Frage, ob Apple vielleicht eines Tages ARM-basierte Hauptprozessoren in Macs einsetzen wird, unterstreichen die Kalifornier mit dem T2 den Anspruch, die Plattform fit für das nächste Jahrzehnt und darüber hinaus zu machen.

Zum Thema: Apple T2 Security Chip (PDF).

Kommentare

Ich finde den eingeschlagenen Weg gut. Es werden zusätzliche Unterscheidungsmerkmale zu Windoof-Kisten geschaffen und gleichzeitig profitiert der Nutzer durch mehr Leistung, Sicherheit und Funktionen. Ich denke, wir stehen da erst am Anfang. Wer weiß, was alles mit T3, T4 etc. möglich sein wird. Mir fällt da z. B. die Neural Engine zur Beschleunigung von Berechnungen im Bereich des Maschinellen Lernens/KI ein. KI-gestützte Features werden immer wichtiger und mit der Neural Engine könnte der Mac da einen wichtigen Vorteil erlangen.

Das Thema Sicherheit kann in der heutigen Zeit gar nicht genug betont werden. Die Gefahren werden eher zu- als abnehmen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Generell ist Apple sehr auf Sicherheit und Schutz der Privatsphäre bedacht. Wenn dieser Punkt nun beim Mac noch stärker weiterentwickelt wird, so ist das nur zu begrüßen und schafft zusätzliche Kaufargumente für die Plattform. Ein Plus an Leistung und Features nimmt man im gleichen Schwung natürlich gerne mit, da stimme ich Simon zu.

Ja, T2 ist ganz toll, danke für den Bericht (absolut ernst gemeint).

Nur gibt es bei einigen Benutzern massive Probleme damit. Die äußern sich durch Crashes/Neustart des Systems. Bei mir craschte mein MBP 13 2018 refurbished beim ersten Booten bei der Spracheinstellungsseite. Nach der Einrichtung ca. 4 Crashes pro Tag, bevorzugt bei Powernap oder beim Anschliessen oder Entfernen von USB-C Equipment. Empfohlen wird vom Apple Support ein doppelter SMC Reset. Hilft aber quasi niemandem.

Dieses Problem haben nur Rechner mit T2 Chip, also iMac Pro 2017, MBP 2018 (13/15) - auch beim neuen Mac mini 2018 soll es schon aufgetreten sein. Es sind nicht alle Rechner betroffen, sondern nur ein Teil.

Identifizierung: wenn man einen Crash hat und nach dem Neustarten der Report an Apple geschickt werden soll, kann man nachsehen: die erste Zeile sieht dann etwa so aus:

{"caused_by":"macos","macos_system_state":"running","bug_type":"210","os_version":"Bridge OS 3.2 (16P52534b)"

Bridge OS 3.2 ist ein kleines OS, das die Verbindung zwischen dem T2 und macOS verwaltet (vereinfacht gesagt). Apple versucht seit Anfang 2018 das Problem in den Griff zu bekommen. Auf Macrumors gibt es einen Thread, der schon über 100 Seiten lang ist.

Ich mutmaße, daß mein Rechner (refurbished) deshalb an Apple zurückgegeben wurde. Bei der "Generalüberholung" wurde vermutlich nicht auf den Crash-Bug geprüft.

Apple tauscht mir den Mac anstandslos um (hab ihn eh noch keine 14 Tage).

Wenn Ihr also so etwas an Eurem nagelneuen Mac feststellt: gleich zurück.

Ich habe seit 2 Monaten das neue 13" MacBook Pro (QuadCore, 16 GB RAM) in Betrieb und hatte bislang keinen einzigen derartigen Absturz.

Ein Kollege hat ein 15" MBP von 2018 und bei ihm läuft der Rechner ebenfalls sehr stabil und ohne Kernel Panic.

1) Es ist nur ein kleiner Teil der Geräte betroffen.

2) Es ist aktuell unklar, ob es ein Hardware- oder ein Softwareproblem ist und falls es ein Hardwareproblem ist, ob es softwareseitig gelöst werden kann.

3) Für das neue MBP gab es bereits ein Firmware-Update, das das Problem abgeschwächt hat.

4) Apple muss natürlich nochmal nachbessern, bis das Problem komplett behoben ist. Sei es mit einem Hardware-Rückruf oder eben (bevorzugt) mit einem softwareseitigen Fix. Bei Kernel Panics gibts keine Ausreden.

5) Das Problem ist Apple natürlich bekannt und wie hier bereits erwähnt, wird betroffene Hardware ohne Murren getauscht. Dennoch ist es momentan ein wenig Rätselhaft, warum es noch keine endgültige Lösung gibt. Vielleicht geht die Problematik etwas tiefer, wer weiß. Für betroffene Nutzer ist das natürlich ärgerlich, keine Frage. Es muss ne Lösung her, das wird doch nicht so schwer sein, entweder macOS oder Bridge OS entsprechend abzusichern?!?

... vor der Auslieferung (oder Wiederauslieferung bei refurbished Geräten) entsprechend eng sein.

An dem Problem schrauben sie seit einigen Monaten herum, und man hat den Eindruck, daß sie keine Idee haben, wie es zu fixen ist. Dass einige Käufer dann auch noch (teilweise mehrfach) wieder fehlerhafte Tauschgeräte erhalten, ist ein absolutes no go. Da läuft was ganz schief.

Die 2016/2017er MacBooks hatten das Tastaturproblem, die 2018er das BridgeGate - was soll man denn kaufen? Ich hatte dieses Jahr 4 Schadensfälle mit 4 Macs. Das ist absolut inakzeptabel.