Apple gibt Startschuss für neuen Mac Pro: Bestellungen ab sofort möglich, Auslieferung startet in Kürze

11. Dez. 2019 00:01 Uhr - Redaktion

Das lange Warten hat ein Ende: Apple hat grünes Licht für den neuen Mac Pro gegeben. Die neue, von Profis mit Spannung erwartete Workstation kann ab sofort zu Preisen ab 6499 Euro bestellt werden. Die Auslieferung startet in der nächsten Woche. Der neue Mac Pro zielt auf den absoluten High-End-Bereich – es ist das bis dato schnellste Modell in der 35jährigen Geschichte des Rechners. MacGadget hat alle Fakten zur Markteinführung des modularen Desktops zusammengetragen.

Apple bietet den neuen Mac Pro in der Standard-Variante als Tower ab 6499 Euro (18 Kilogramm; ab sofort verfügbar) und als Rack-Ausführung zum Einbau in Server-Schränke ab 7199 Euro (17,6 Kilogramm; folgt in einigen Wochen) an. Das Tower-Gehäuse im Edelstahlrahmen kommt standardmäßig mit Standfüßen, optional gibt es Rollen, um den Rechner im Büro oder im Studio schnell hin- und herschieben zu können. Die Rack-Version im 5HE-Format wird mit Rack-Befestigungsschienen geliefert. Apple will den neuen Mac Pro in Zukunft regelmäßig aktualisieren.

Das Mac-Pro-Einstiegsmodell ist mit einem Xeon-W-Prozessor mit acht Kernen und 16 Threads (3,5 bis 4,0 GHz, 24,5 MB Cache), 32 GB DDR4-ECC-Arbeitsspeicher, einem SSD-Laufwerk mit 256 GB Speicherkapazität und der Grafikkarte Radeon Pro 580X mit acht GB GDDR5-Grafikspeicher ausgestattet. Folgende CPU-Optionen stehen zur Auswahl:

• Xeon W mit zwölf Kernen, 24 Threads, 3,3 bis 4,4 GHz, 31,25 MB Cache. Aufpreis: 1200 Euro.

• Xeon W mit 16 Kernen, 32 Threads, 3,2 bis 4,4 GHz, 38 MB Cache. Aufpreis: 2400 Euro.

• Xeon W mit 24 Kernen, 48 Threads, 2,7 bis 4,4 GHz, 57 MB Cache. Aufpreis: 7200 Euro.

• Xeon W mit 28 Kernen, 56 Threads, 2,5 bis 4,4 GHz, 66,5 MB Cache. Aufpreis: 8400 Euro.

Der Prozessor ist nicht direkt auf der Hauptplatine verlötet, sondern gesockelt (wie bereits beim 2013er Modell und den vorherigen Baureihen). Dadurch kann die CPU bei einem Defekt ausgetauscht werden, auch ein nachträgliches Upgrade durch den Anwender ist - zumindest theoretisch - möglich, beispielsweise ein Wechsel von der Achtkern- auf die 16-Kern-Variante (identischer CPU-Typ vorausgesetzt).

 

 

Der neue Mac Pro unterstützt bis zu 1,5 TB Arbeitsspeicher (DDR4 mit ECC-Fehlerkorrektur, 2,66 GHz bei der Achtkern-CPU, 2,93 GHz bei allen anderen Varianten). Apple verlangt dafür Aufpreise zwischen 360 Euro (48 GB) und 30.000 Euro (1,5 TB). Der Rechner ist mit zwölf frei zugänglichen DIMM-Slots ausgestattet, Anwender können den Arbeitsspeicher daher jederzeit selbst nachträglich aufrüsten und Speichermodule beliebiger Hersteller verwenden, sofern sie die benötigten Spezifikationen erfüllen: Registered DIMM (R-DIMM) oder Load-Reduced DIMM (LR-DIMM), 288-polig (beide Typen können nicht gleichzeitig verwendet werden). Mehr unter "Im Mac Pro (2019) Speichermodule installieren bzw. austauschen".

An Grafikkartenoptionen (als MPX-Module; Platz für zwei MPX-Module vorhanden) stehen zur Auswahl:

• Radeon Pro Vega II mit 32 GB HBM2-Grafikspeicher (ein MPX-Modul). Aufpreis: 2880 Euro.

• Zwei Radeon Pro Vega II mit jeweils 32 GB HBM2-Grafikspeicher (in zwei MPX-Modulen). Aufpreis: 6240 Euro.

• Radeon Pro Vega II Duo mit 2x 32 GB HBM2-Grafikspeicher (enthält zwei Radeon Pro Vega II in einem MPX-Modul). Aufpreis: 6240 Euro.

• Zwei Radeon Pro Vega II Duo mit jeweils 2x 32 GB HBM2-Grafikspeicher (zwei MPX-Module für insgesamt vier Grafikkarten). Aufpreis: 12.960 Euro.

Demnächst kommt als weitere Option die Radeon Pro W5700X mit 16 GB GDDR6 Grafikspeicher dazu. Für den Betrieb der Grafikkarten hat Apple das Erweiterungssystem MPX entwickelt, das Thunderbolt bietet, bis zu 500 Watt Leistung bereitstellt und ins Kühlsystem des Mac Pro integriert ist. MPX-Module mit Grafikkarten lassen sich auch nachträglich installieren.

Die Aufpreise für größere SSD-Laufwerke lauten: ein TB für 480 Euro, zwei TB für 960 Euro, vier TB für 1680 Euro. Ein Laufwerk mit acht TB Speicherkapazität folgt in Kürze. Die standardmäßige 256-GB-SSD ist in einem Modul untergebracht, bei den größeren Laufwerken ist die Kapazität auf zwei Module verteilt. Die SSD-Module sind über Stecker mit der Hauptplatine verbunden und lassen sich austauschen. Schreib- und Lesegeschwindigkeit: Bis zu 3,4 GB pro Sekunde.

 
Mac Pro Grafiksystem
 
Das Grafiksystem des neuen Mac Pro: Power bis zum Abwinken.
Bild: Apple.

 

Die Afterburner-Beschleunigerkarte schlägt mit 2400 Euro zu Buche, sie kann auch nachträglich erworben werden. "Um eine noch bessere Videoleistung für die anspruchsvollsten Arbeitsabläufe zu erhalten, kannst du deinen Mac Pro mit Apple Afterburner ausstatten, einer PCIe Beschleunigungskarte, die das Dekodieren von ProRes und ProRes RAW Videocodecs in Final Cut Pro X, QuickTime Player X und unterstützten Apps anderer Anbieter übernimmt und damit den Prozessor entlastet. Wenn du Afterburner für deinen Mac Pro kaufst, wird die Karte im PCI Express Steckplatz 5 (x16) vorinstalliert, um eine maximale Leistung zu ermöglichen", so Apple.

Neben den vier PCIe-Slots für die MPX-Module mit Grafikkarten stehen drei PCIe-Slots (einmal x16, zweimal x8) mit voller Länge zur Verfügung sowie ein x4-PCIe-Steckplatz für die vorinstallierte I/O-Karte, die über zwei Zehn-Gigabit-Ethernet-Ports, zwei Thunderbolt-3-Schnittstellen und zwei USB-A-Anschlüsse verfügt. Es lassen sich handelsübliche PCIe-Karten beliebiger Hersteller verwenden (auch normale Grafikkarten) – Mac-Treiber vorausgesetzt. Die für die MPX-Module vorgesehenen PCIe-Slots lassen sich alternativ auch mit normalen Karten bestücken. Zwei Support-Dokumente zum Thema: "PCIe-Karten, die im Mac Pro (2019) installiert werden können" und "Install PCIe cards in your Mac Pro (2019)".

 

 

An der Oberseite des Rechners sind zwei weitere Thunderbolt-3-Schnittstellen zu finden, außerdem gibt es einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker-Audioausgang. Zur weiteren Ausstattung gehören der T2-Coprozessor zur Absicherung des Systems und Echtzeit-SSD-Verschlüsselung, WLAN nach 802.11ac, Bluetooth 5.0, Lautsprecher, ein 1400-Watt-Netzteil, Magic Keyboard und Magic Mouse 2. Die Grafikkarten haben ihrerseits Videoausgänge.

Der Mac Pro verfügt über zwei interne SATA-Schnittstellen zum Anschluss von Speicherlösungen (inklusive Befestigungsmöglichkeit). Es gibt einen internen USB-Port zum Anschluss von USB-Dongles für die Aktivierung und Autorisierung von High-End-Software. Das Servicepaket AppleCare+ kostet für den Mac Pro 349 Euro – angesichts des Kaufpreises eine absolute Pflichtinvestition. Als Betriebssystem ist macOS Catalina vorinstalliert.

Das Gehäuse basiert auf einem Space-Frame aus Edelstahl mit einem Aluminiumgehäuse, das sich abnehmen lässt, um einen 360-Grad-Zugang zum gesamten System zu erhalten. Das Gehäuse verfügt über ein Gittermuster, um den Luftstrom und den geräuscharmen Betrieb zu optimieren. Apple verspricht ein leistungsstarkes Kühlungssystem mit drei Lüftern an der Rückseite, durch das die Xeon-Prozessoren mitsamt Grafikkarten auch dauerhaft unter Volllast laufen können.

 

 

Einschätzung

Bei den Mac-Pro-Preisen ist die Zielgruppe der Workstation zu berücksichtigen: Alle Einsatzbereiche, für die es nie genug Rechenleistung geben kann. Angefangen von der professionellen Audio- und Videoproduktion in höchsten Auflösungen mit vielen Spuren und Effekten über Rendering und Animation komplexer Szenen und anspruchsvolles 2D- und 3D-Design bis hin zur Berechnung riesiger wissenschaftlicher Datenmengen, Erstellung von Virtual-Reality-Inhalten sowie Spiele- und Programmentwicklung.

Außerdem relativieren sich die Mac-Pro-Preise beim Blick auf vergleichbare Workstations (Xeon-Klasse, ECC-RAM…) anderer Hersteller (Dell, HP, Lenovo), bei denen man in höher ausgerüsteten Varianten ebenfalls schnell in den fünfstelligen Euro-Bereich kommt. Beim Thema Kosten sind aber auch Apple-eigene Entwicklungen wie der Afterburner-Hardwarebeschleuniger (wird bald auch von Drittanbieter-Software unterstützt), die MPX-Modul-Technik, der T2-Chip (native SSD-Verschlüsselung, Hardware-Encoder für HEVC, zusätzliche Sicherheit) und das intelligente Gehäusedesign mitsamt den acht PCIe-Slots und thermalem System zu berücksichtigen.

Für viele Nutzer ist der Mac Pro sicherlich überdimensioniert, jedoch ist er ein klares Statement von Apple sowohl zur Zukunft des Macs als auch zur Bedeutung der professionellen Sparte. Insgesamt gesehen ist Apple im Desktop-Bereich inzwischen sehr gut aufgestellt: Es gibt den Mac mini mit vier und sechs Prozessorkernen (Einstieg, kann aber leistungsmäßig mit älteren Mac-Pro-Systemen locker mithalten), den regulären iMac mit vier, sechs und acht Prozessorkernen (die Mittelklasse), den iMac Pro mit bis zu 18 Kernen (Oberklasse) und nun den neuen Mac Pro mit bis zu 28 Kernen (absolutes High-End).

Kommentare

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich musste beruflich als Admin in meiner Firma (Mittelständler) schon so manche Windows-Workstation dieser Kategorie konfigurieren und bestellen. Da bist du ganz fix bei weit über 10000 €, so schnell kannst du gar nicht schauen. Insofern ist der Einstiegspreispunkt beim Mac Pro meiner Meinung nach absolut nicht überzogen, wenn man das Potential betrachtet.

Der neue Mac Pro hat eine klar definierte Zielgruppe im Unternehmensumfeld (aber auch Unis), die derartige Systeme mit höchster Rechenleistung und guter Erweiterbarkeit für unterschiedliche Projekte benötigen (riesige Rechenaufgaben in möglichst kurzer Zeit erledigen) und sich auch leisten können. Das sind Betriebskosten als Leasing oder Abschreibung.

Das ist absolutes HighEnd, für Anforderungen unterhalb dieser Klasse ist der neue Mac Pro natürlich overpowered. Aber das, was der Mac Pro bietet, ist in vielerlei Hinsicht schon absolute Klasse und zum Teil auch einzigartig: Bis zu 1,5 TB RAM, Afterburner, MPX-Module, Ports als wechselbare I/O-Karte, aktuellste Xeons, das thermale Design, praktisch alles austauschbar, Rack, usw. usf. 

Aber man muss eben auch berücksichtigen, dass sich die Leistungsklassen innerhalb der letzten Jahre verschoben haben. Um das mal in Relation zu setzen: Der Mac mini (2018) mit 6 Kernen ist schneller (reine CPU-Leistung) als der alte Mac Pro (2013) mit acht Kernen, und das zu einem deutlich niedrigeren Preis. Wer das Ganze pragmatisch sieht und sich nicht an 1-2 Zusatzgeräten am/unter/hinterm Schreibtisch stört (RAID, eGPU), hat im Prinzip im aktuellen Mac mini auch ein Pro-System. Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass beim Mac mini bald eine 8-Kerne-Option dazu kommt.

Selten war Apple so stark wie aktuell im Desktop-Bereich, wenn man den iMac Pro mit berücksichtigt. Wer das nicht glaubt, blickt einfach mal 3-4 Jahre zurück und schaut sich an, wie es damals um die Mac-Sparte bestellt war (zum Teil krass vernachlässigt). Man merkt inzwischen, dass Apple die eigenen Plattformen wieder gleich gewichtet und keine Plattform mehr bevorzugt oder benachteiligt. Beim Mac gab es binnen der letzten 2 Jahre so viele neue Hardware Releases bzw. Speed Bumps wie lange nicht mehr. Zuletzt auch das wirklich tolle 16" MacBook Pro und nun eben Mac Pro mit Pro Display XDR.

Und: Catalina wird zwar aktuell gerne mal kritisiert, aber so schlecht ist es gar nicht: Ich teste es nebenher seit 10.15.1 und mit 10.15.2 gab es einen großen Sack mit Fixes, es läuft jetzt deutlich runder. Die in der Presse beschriebenen Probleme betreffen nur ganz spezifische Konfigurationen (z. B. läuft Apple Mail außerhalb von Exchange sehr gut).