Open-Source: Kostenlose Software für den täglichen Bedarf

Kostenpflichtige Software muss nicht sein: Open-Source ist das Zauberwort. Seit Jahren schon bastelt und programmiert die umtriebige Open-Source-Community unentgeltlich an Programmen, die ihren kommerziellen Vorbildern in Nichts nachstehen. Für beinahe jeden Bereich gibt es entsprechende Software, einige Programme werden zum Beispiel in der anspruchsvollen Filmproduktion eingesetzt. Eine Bestandsaufnahme mit Hintergrundinformationen.

Erst die Software gibt dem Anwender die Möglichkeit, einen Computer produktiv zu nutzen. Da Computer aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind, erzielen Softwareunternehmen mit ihren Programmen hohe Umsätze. Alleine Microsoft als weltgrößter Anbieter von Software machte im Jahr 2010 nach einen Umsatz von umgerechnet 46,72 Milliarden Euro. Weltweit arbeiten Millionen Kunden mit Microsoft-Produkten, die meist auf neuen Rechnern vorinstalliert sind, wie etwa das Betriebssystem Windows, das im Mai 2011 einen Marktanteil von 88,69 Prozent hatte. Microsoft fährt eine so genannte Closed-Source-Strategie und hält den Quellcode der Programme, aus dem das benutzbare Produkt entsteht, unter Verschluss, um potenziellen Konkurrenten keinen Einblick in die eigene Arbeit zu ermöglichen.

Auf der anderen Seite gibt es Spezialprogramme, etwa aus dem Maschinenbau, die nur wenige hundert oder tausend Käufer finden. Die aufwändige Entwicklung bedingt einen hohen Kaufpreis von oft mehreren 10.000 Euro. Das bekannte AutoCAD zum Beispiel hat in der Anfangsphase etwa 50.000 DM, umgerechnet etwa 25.000 Euro, pro Lizenz gekostet. Da sich mit dieser Software jedoch bei der täglichen Arbeit sehr viel Geld sparen lässt, werden diese Summen gezahlt.

Um die hohen Lizenzkosten besonders für universitäre Forschungsprojekte zu reduzieren, entstand einst die Idee, im Rahmen des Projekts erstellte Programme kostenlos oder quelloffen zur Verfügung zu stellen. Kostenlose Software muss dabei nicht im Quellcode vorliegen. Für die so genannte Open-Source-Software, für die der Quellcode erhältlich ist, kann jedoch auch ein Kaufpreis vereinbart werden – meist wird die entsprechende Summe dann in Dienstleistungs- oder Wartungsverträge investiert.

Firefox

Firefox zählt zu den bekanntesten Vertretern von Open-Source-Software


Was ist Open-Source überhaupt?

Bei Open-Source-Programmen stellen die Entwickler den Quellcode der Programme kostenlos zur Verfügung. Das wichtigste Argument zur Entwicklung quelloffener Software ist sicherlich die mangelnde Verfügbarkeit kommerzieller Produkte für eine Plattform wie Linux. Mangelnde Softwareunterstützung liegt vorrangig an der weiten Verbreitung von Windows, für das sich die Entwicklung von Software auch kommerziell lohnt. Spezialanwendungen müssen daher vielfach selbst programmiert werden. Linux unterstützt die Entwickler jedoch mit vielen kostenlosen Werkzeugen und leistungsfähigen Bibliotheken.

Wissenstransfer durch freie Software

Angehende Programmierer wie Profis lernen aus den verfügbaren Quelltexten: Diese sind bei kleineren Programmen oft recht kurz – nur einige hundert bis tausend Zeilen - und gut dokumentiert. Sie lassen sich somit schnell und sorgfältig durcharbeiten. Mit neuem Wissen ausgerüstet, entwickeln Programmierer anschließend eigene Ideen oder verbessern existierende Programme: So entsteht ein kostenloser Wissenstransfer. Große Teams von Programmierern entwickeln freiwillig und ohne dafür bezahlt zu werden anspruchsvolle Open-Source-Produkte, wie das bereits genannte LibreOffice.

Geregelt wird die Nutzung des Quellcodes und damit auch der Wissenstransfer über eine Lizenz wie die GPL (General Public License), die von der Free Software Foundation betreut wird.

Die GPL schafft für quelloffene Software ähnliche Rahmenbedingungen für die Nutzung der Software, wie es sie die Bedingungen von zum Beispiel Mac OS X tun. Diese Bedingungen der GPL haben auch Deutsche Gerichte bereits bestätigt. Weiterhin beschreibt die Lizenz die Rechte, die ein Nutzer an einer eingesetzten Software erwirbt. Ausdrücklich ermöglicht wird zum Beispiel die kommerzielle Nutzung, solange ein vom Anwender geänderter Quellcode des Programms ebenfalls unter der GPL veröffentlicht wird. Genauso wichtig ist die Namensnennung des Urhebers, um jederzeit mit dem Programmierer Kontakt aufnehmen zu können. Insgesamt stellt der Softwareanbieter also durch die GPL sicher, dass Verbesserungen am Original allen Nutzern zu Gute kommen. Eventuelle Verstöße gegen die GPL werden zentral auf einer Webseite gesammelt.

Auch eine "Mischlizenz" – also die Nutzung mehrerer Lizenzen in einem Produkt - ist möglich: Apple zum Beispiel nutzt für Mac OS X eine quelloffene Komponente namens Darwin, die auf BSD basiert, während andere wichtige Teile des Betriebssystems dem Geschäftsgeheimnis (closed-source) unterliegen.

Verstoß gegen die GPL

Im Jahr 2009 gab es mindestens einen öffentlich bekannten Fall eines Verstoßes gegen die GPL: ScummVM ermöglicht als quelloffener Interpreter das Spielen der Abenteuerspiele von zum Beispiel LucasArts oder Sierra. Publisher Atari verkaufte damals ein Nintendo Wii-Spiel auf Basis von ScummVM, ohne die Herkunft der Technologie anzugeben. Auch der Quellcode des Produktes wurde nicht veröffentlicht, da dies nicht mit der Programmierlizenz von Nintendo in Einklang gebracht werden konnte. Im Endeffekt wurde die Produktion des Spiels eingestellt, und Atari spendete eine nicht genannte Summe an die Free Software Foundation.

Vor- und Nachteile quelloffener Produkte

1. Sicherheit
Ein großer Vorteil ist, dass jeder Programmierer die Software auf potentielle Sicherheitsprobleme untersuchen kann, um Verbesserungen dafür zu entwickeln. Auch Anwender, die nicht programmieren, tragen zum Programm bei, indem sie zum Beispiel Programmfehler an das Team melden. Gleiches gilt für andere Kreative, die entsprechend ihrer Disziplin zum Beispiel für ein Spiel Grafiken, Musik oder beschreibende Texte beisteuern.

Dass Programmierer direkt im Quellcode nach potenziellen Schwachstellen fahnden können, kann jedoch auch Nachteile haben: Einige Entwickler durchsuchen mit schlechten Absichten den Quellcode nach Schwachstellen, um diese anschließend auszunutzen. Die Gefahren, die davon ausgehen reichen von einfachem Datendiebstahl bis hin zum Datenverlust durch eingeschmuggelte Fehler im Programm.

Mac OS X 10.7

Apple verwendet viele Open-Source-Komponenten in Mac OS X
Bild: Apple.com


Die gute Nachricht: Hacker, die gezielt nach Fehler und Schwachstellen suchen, orientieren sich aktuell eher am Marktführer Microsoft, dessen Betriebssystem Windows durch die hohe Marktdurchsetzung ein lohnendes Ziel darstellt. Für Windows gibt es daher hunderttausende potenziell gefährliche Programme, Viren, Trojaner, Rootkits oder allgemein "Malware" (Schadsoftware) genannt und zahlreiche Programme, die sich um die Entfernung der Malware kümmern. Auch Windows selbst enthält Routinen zum Schutz vor Schädlingen. Demgegenüber existiert für das quelloffene Linux kaum Malware.

Auch für Mac OS X gibt es nur recht wenig Schadsoftware. Dies hängt in erster Linie mit dem geringen Mac-Marktanteil (5,32 Prozent im Mai 2011; laut Net Applications) zusammen, weswegen die Plattform für Hacker und Betrüger wirtschaftlich zu uninteressant ist. Allerdings steigt die Verbreitung des Macs seit Jahren an, und offenbar richten auch Hacker seit kurzem ihren Blick verstärkt auf Mac OS X, wie die Schadsoftware "MacDefender" beweist, die seit Mai in verschiedenen Varianten kursiert und Apple zu Gegenmaßnahmen veranlasste (MacGadget berichtete).

2. Kommerzieller Erfolg
Open-Source-Produkte mit entsprechender Betreuung können kommerzielle Erfolge erzielen. Bestes Beispiel sind die verschiedenen Linux-Versionen, die für den Einsatz in Servern ständig weiterentwickelt werden. Der Nutzer erhält eine ausgereifte Software, die mit kostenpflichtigen Erweiterungen weiter verbessert werden kann – so gibt es zum Beispiel kommerziellen Support für die Telefonanlage Asterisk.

Der Vorwurf "mit quelloffener Software lasse sich überhaupt kein Geld verdienen" ist deshalb nur teilweise richtig, ein Beispiel: Canonical, Sponsor der Linux-Distribution Ubuntu, hat im Jahr 2009 nach eigenen Angaben einen Umsatz von umgerechnet 22,40 Millionen Euro erwirtschaftet. Dieser Umsatz deckt in etwa die Kosten, erklärte Firmeninhaber Mike Shuttleworth - neuere Zahlen sind nicht verfügbar. Um ein Open-Source-Produkt zu finanzieren, muss also entweder ein Sponsor gefunden werden, oder das Produkt ist für alle Beteiligten so wichtig, dass Geld bei der Entwicklung keine Rolle spielt.

3. Der Kunde spart
Von den genannten Vorteilen profitieren natürlich auch die Anwender. Erstens sparen sie beim Erwerb eines Open-Source-Programms Geld. Zweitens reagiert ein kleines Team von freiwilligen Programmierern schneller auf Änderungswünsche oder Fehlermeldungen als ein großer Hersteller: Eine ausgeklügelte Versionsverwaltung des Projektes zeigt die gemeldeten Fehler an, so dass sich ein Programmierer darum kümmern kann. Mitunter ist der Fehler innerhalb weniger Stunden korrigiert. Zudem kann der Anwender selber entscheiden, ob er die neue Version installiert oder bei der älteren Version bleibt.

Nicht zuletzt sind viele Open-Source-Programme schlank und schnell, so dass sich in der Anwendung weitere Kostenvorteile ergeben: Auf diese Weise arbeitet der Anwender produktiver und spart in jeder Minute, die er nicht auf das Programm warten muss.

Open-Source als Bestandteil kommerzieller Produkte

Es gibt Beispiele, bei denen Open-Source-Produkte Bestandteile eines kommerziellen Produktes sind. Mac OS X etwa enthält einige Open-Source-Programme (Apache, PHP, CUPS, WebKit, X11...). Diese Produkte erfahren durch die Weiterentwicklung von Mac OS X Pflege, da Apple dazu verpflichtet ist, alle Änderungen an Open-Source-Projekten wieder an das Programmierteam zu übergeben. Auch Hardware wie die in Deutschland sehr beliebte FritzBox nutzt Linux als Betriebssystem.

Bekannte Beispiele für Open-Source-Software

Zu den prominentesten Beispielen quelloffener Software gehört das von Softwareingenieur Linus Torvalds (siehe das Buch "Just for Fun: Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. Die Biographie des Linux-Erfinders"; Amazon-Partnerlink) entwickelte Betriebssystem Linux. Seit der ersten Version von 1990 wurde es zu einem Betriebssystem weiterentwickelt, das sich auf diversen Computerplattformen und in hunderten Abwandlungen in Telefonen, Festplatten und Internetservern wiederfindet. Auch Google nutzt mit seiner Mobiltelefon-Plattform Android Linux-Know-How.

Ein anderes Beispiel ist die Mozilla Foundation: Deren Browser Firefox und E-Mail-Programm Thunderbird sind zwei der wichtigsten Programme zur Kommunikation im Internet. Die Mozilla Foundation ging nach dem "Browserkrieg" des letzten Jahrhunderts aus Netscape hervor und bietet bis heute Produkte in exzellenter Qualität an. Aber auch WebKit, die Grundlage für Googles Chrome und Apples Safari, stammt aus der Open-Source-Welt: Konqueror, ursprünglich die Browser-Engine des Linux-Desktops KDE, bildete einst die Basis.

Die Bürosoftware LibreOffice, hervorgegangen aus OpenOffice, ist eine leistungsstarke Alternative zu Microsoft Office. Gimp braucht sich in puncto Funktionsumfang kaum vor Photoshop zu verstecken. Scribus ist eine interessante DTP-Alternative zu InDesign und QuarkXPress. Der Web-Server Apache treibt weltweit die meisten Web-Sites an. VirtualBox ermöglicht die Nutzung gleichzeitige Nutzung von Mac OS X und Betriebssystemen wie Windows, Linux oder Solaris auf Intel-Macs. Und die 3D-Software Blender wird sogar in der Filmproduktion eingesetzt.

Weitere bekannte Beispiele für Open-Source-Software: Das Textsatzsystem TeX, der Texteditor Emacs, das Datenbanksystem PostgreSQL und der Schadsoftware-Scanner ClamXav.

20 Open-Source-Programme, die auf keinem Mac fehlen sollten:

Firefox, Web-Browser
LibreOffice, Bürosoftware
Scribus, DTP-Programm,
Gimp, Bildbearbeitung,
Blender, 3D-Software,

VLC media player, Mediaplayer für Audio und Video
Cyberduck, (S)FTP-Client
Adium, Instant-Messaging-Client,
VirtualBox, Virtualisierungssoftware
Burn, Brennsoftware

Audacity, Audio-Editor
ClamXav, Schutz vor Schadsoftware
Perian, Erweiterung für QuickTime
Growl, Notifikationssystem
TrueCrypt, Verschlüsselungssoftware
The Unarchiver, Entpacker

FreeMind, Mind-Mapping-Software
Songbird, Alternative zu iTunes
WineBottler, Windows-Software nutzen
Stellarium, Astronomiesoftware
Sweet Home 3D, Innenraumplaner

Es existieren auch einige qualitativ hochwertige Open-Source-Spiele, wie beispielsweise Battle for Wesnoth (Strategie), Freeciv (Strategie), VDrift (Rennsimulation), FlightGear (Flugsimulator), SuperTux (Jump’n’Run), Sauerbraten (Egoshooter) und Enigma (Puzzle).

Weitere empfehlenswerte kostenfreie Software für Mac OS X finden Sie in der MacGadget-Rubrik "Open-Source und Freeware".