Special Report zur WWDC 2006 in San Francisco (07. August 2006)

(21:00 Uhr) Apple schließt Umstellung auf Intel-Chips ab, präsentiert Mac OS X 10.5 "Leopard". Die diesjährige Apple-Entwicklerkonferenz ist eröffnet. In einer eineinhalbstündigen Keynote (Aufzeichnung hier) präsentierten CEO Steve Jobs und weitere Topmanager des Unternehmens im Moscone Center in San Francisco die nächste Generation des Betriebssystems Mac OS X und neue, Intel-basierte Hardware für professionelle Anwender. Die Ankündigungen blieben damit innerhalb der Erwartungshaltung des Mac-Marktes. Die World Wide Developer Developer Conference 2006 findet noch bis zum 11. August statt - erwartet werden mehr als 4200 Entwickler aus der ganzen Welt. In unserem nachfolgenden Special Report finden Sie alle wichtigen Informationen zum Power Mac-Nachfolger Mac Pro, zum neuen Intel-basierten Xserve und zum neuen Betriebssystem Mac OS X 10.5 "Leopard", das im Frühjahr 2007 ausgeliefert werden soll.

Mac Pro löst Power Mac ab. Auf der WWDC 2005 überraschte Apple die IT-Branche mit der Ankündigung, künftig auf Chips aus dem Hause Intel zu setzen. Jetzt, 14 Monate später, ist dieser Prozess abgeschlossen. Mit Mac Pro - Apple verabschiedet sich nach mehr als zehn Jahren vom Neue Apple-Workstation: Mac ProBegriff "Power Mac" - und Xserve wurden die letzten zwei Baureihen auf Intel-CPUs umgestellt. Innerhalb von nur sieben Monaten - den Anfang machten im Januar MacBook Pro und iMac Core Duo - rüstete Apple alle Macs mit Intel-Prozessoren aus. Dem eigenen Zeitplan, der den Abschluss der Umstellung bis Ende 2007 vorsah, eilte das Unternehmen um Längen voraus.

Der Mac Pro basiert auf den neuen, im Juni vorgestellten Xeon 5100-Prozessoren (Codename "Woodcrest") von Intel. Es handelt sich dabei um 64 Bit-Chips mit zwei Kernen, vier MB L2-Cache und 128 Bit-Vektor-Engine. Jede Mac Pro-Konfiguration ist mit zwei Xeon 5100-CPUs ausgerüstet, somit stehen insgesamt vier Prozessorkerne zur Verfügung. Die neue Workstation gibt es mit 2x 2,0 GHz, 2x 2,66 GHz und 2x 3,0 GHz. "Der neue Mac Pro ist bei Standard-Benchmarks bis zu doppelt so schnell wie der Power Mac G5 Quad und besitzt zwei Dual-Core Intel Xeon Prozessoren mit bis zu 3,0 GHz, jeder mit 4 GB Shared L2 Cache und unabhängigem 1,33 GHz schnellen Front-side Bus. Mit 667 MHz DDR 2 Speicher und einer 256-Bit breiten Speicher-Architektur verfügt der Mac Pro über eine enorme Bandbreite", so Apple. Benchmarks finden sich hier.

Das Gehäuse entspricht in puncto Design dem Power Mac G5, intern steht jedoch wesentlich mehr Platz zur Verfügung, da der Mac Pro laut Apple in deutlich geringerem Umfang gekühlt werden muss als sein Vorgänger. So lassen sich nun bis zu vier Serial ATA-Festplatten per "Direct Attach"-Anbindung (kabelfrei) und zwei optische Laufwerke installieren. Es stehen drei PCI Express-Steckplätze in voller Länge und ein PCI Express-Steckplatz mit doppelter Breite für Hochleistungsgrafikkarten zur Verfügung. Der Mac Pro bietet an der Vorderseite einen FireWire 800-, einen FireWire 400- und zwei USB 2.0-Anschlüsse, an der Rückseite zusätzlich 1x FireWire 800, 1x FireWire 400 und 3x USB 2.0. Daneben gibt es zwei Gigabit-Ethernet-Ports, optische digitale Ein- und Ausgänge, analoge Ein- und Ausgänge und integrierte Unterstützung für AirPort Extreme und Bluetooth 2.0+EDR. Der Arbeitsspeicher (DDR2 EEC) lässt sich über acht Bänke auf bis zu 16 GB erweitern. Tastatur (inklusive USB-Verlängerungskabel), Mighty Mouse, ein DVI-auf-VGA-Adapter, Mac OS X 10.4.7 und iLife '06 werden mitgeliefert.

Apple bietet den Mac Pro nur in einer einzigen Standardkonfiguration an. Diese verfügt über zwei 2,66 GHz Xeon 5100-Prozessoren, 1024 MB RAM, 250 GB-Festplatte, 16x DVD-Brenner mit Dual Layer-Unterstützung und GeForce 7300 GT-Grafikkarte mit 256 MB Videospeicher. Der Preis beträgt 2449 Euro. Wer mehr - oder auch weniger - Leistung bzw. Ausstattung benötigt, kann sich seine persönliche Konfiguration per Built-to-Order entweder im Apple Store oder beim Händler zusammenstellen. Wer etwa nur zwei 2,0 GHz-Prozessoren und eine 160 GB-Festplatte möchte, ist bereits mit 2089 Euro dabei. 3,0 GHz-Prozessoren, schnellere Grafikkarten (Nvidia Quadro FX 4500 mit 512 MB oder Radeon X1900 XT mit 512 MB), zusätzliche Laufwerke, mehr Speicher oder Bluetooth oder WLAN gibt es gegen Aufpreis. Der Mac Pro soll laut Apple in Kürze ausgeliefert werden, der Apple Store gibt derzeit eine Wartezeit von drei bis fünf Tagen an.

Intel-basierter Xserve ab Oktober zu haben. Neben der Desktop-Workstation Mac Pro präsentierte Apple auf der WWDC auch eine verbesserte Version des Serversystems Xserve. Der neue Xserve soll dank zweier Xeon 5100-Prozessoren mit bis zu 3,0 GHz mehr als fünf Mal so schnell arbeiten wie der G5-basierte Vorgänger, verspricht Apple unter Berufung auf SPECint- und SPECfp-Benchmarks. Bis zu 32 GB Xeon-Chip in Xserve und Mac ProArbeitsspeicher (DDR2 ECC FB-DIMM) lassen sich installieren. "Die beiden PCI-Express Erweiterungssteckplätze mit 8 Lanes liefern jeweils bis zu 2 GB/Sek. an Durchsatz und unterstützen die nächste Generation an Fibre Channel-, Netzwerk- und Grafikkarten. Apple bietet hohe Speicherflexibilität, bis zu drei 3 GB/Sek. SATA- oder SAS-Laufwerke mit bis zu 2,25 TB Speicherplatz (Hot-Plug) in einem 1U-Server. Dabei nutzt das weiterentwickelte Wärme-Management des Xserve die Vorteile der Low-Power-Prozessoren von Intel und läuft bereits ab 65 W", so Apple. Der Formfaktor (1 HE) blieb gegenüber dem Xserve G5 unverändert.

Das Handling des Systems wurde mit Schnelleinbauvorrichtungen für die Rack-Montage und einem neuen "Licht Aus"-Management, mit dem sich die Hardware aus der Ferne überwachen lässt, noch einfacher gemacht. Die Server Monitor Software und der Remote Desktop Agent sind ebenso wie das Betriebssystem Mac OS X Server 10.4.7 (unbegrenzte Client-Lizenz) Teil des Lieferumfangs. Ebenso an Bord: 2x Gigabit-Ethernet, 3x FireWire 800, 2x USB 2.0, eine Radeon X1300-Grafikkarte mit 64 MB VRAM, Platz für bis zu drei Festplatten.

Der neue Xserve kommt voraussichtlich im Oktober auf den Markt. Die Grundkonfiguration mit 2x 2,0 GHz-Prozessoren, 1024 MB RAM, CD-RW-/DVD-ROM-Laufwerk und 80 GB-Serial ATA-Festplatte kostet 3199 Euro. Stärkere Ausstattungsvarianten - zur Auswahl stehen neben schnelleren Prozessoren u. a. zusätzlicher Arbeitsspeicher, Festplatten mit bis zu 750 GB Kapazität, DVD-Brenner und ein Zusatznetzteil - sind beim Händler und im Apple Store via Built-to-Order erhältlich. Apple bietet eine Reihe von Dienstleistungen und Support-Programmen für den Xserve an, darunter den AppleCare Premium Service mit Vier-Stunden-Vorort-Service und 24x7 Techniksupport. Apple bietet komplette Service Parts Kits zur Selbstinstallation an, die die Mehrzahl an Problemen abdeckt.

Mac OS X 10.5 "Leopard" mit vielen Neuerungen. Apple treibt die Weiterentwicklung von Mac OS X weiter mit Hochdruck voran. Auf der WWDC gab das Unternehmen einen ersten Einblick in die nächste Generation des Unix-basierten Betriebssystems. "Leopard" ist das sechste große Release seit der Einführung von Mac OS X 10.0 im März 2001. Apple verspricht für Mac OS X 10.5 "Leopard" eine Vielzahl an Verbesserungen. Mac OS X 10.5 "Leopard"Doch nicht alle der neuen Features wurden heute offengelegt, andere seien noch "Top-Secret" und sollen zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden, erklärte Apple-Chef Steve Jobs. "Während Microsoft noch versucht, die Version von Mac OS X zu kopieren, die wir vor ein paar Jahren ausgeliefert haben, bauen wir mit Leopard den Vorsprung wieder aus", betonte Jobs. Die Entwickler erhalten bereits heute eine Preview-Version von Mac OS X 10.5 "Leopard". Auf den Markt kommen soll das neue Betriebssystem im Frühjahr 2007. Die Systemanforderungen nannte Apple noch nicht. Allerdings deutet Apple an, dass Mac OS X 10.5 sogar auf älteren G3-Macs lauffähig sein wird: "From G3 to Xeon, from MacBook to Xserve, there is just one Leopard" heißt es auf dieser Seite.

Die Ausstattung des Betriebssystems verbessert "Leopard" enorm. So sollen nicht nur eine verbesserte Version der Boot Camp-Software, die die Nutzung von Windows auf Intel-Macs ermöglicht, sondern auch das Backuprogramm Time Machine zum Lieferumfang gehören. "Mit seiner einzigartigen Fähigkeit, Anwender in die Zeit zurück reisen zu lassen, um gelöschte Dateien, Programme, Fotos oder andere digitale Daten wiederzufinden, bewahrt die Time Machine unersetzliche Datenbestände aus dem digitalen Leben des Anwenders. Alles auf dem Mac wird von Time Machine automatisch auf eine externe Festplatte oder Mac OS X Server gesichert. Im Falle eines Datenverlustes ist es möglich, über eine zeitbasierte Anzeige die Uhren zurückzudrehen, um die verlorenen Daten aufzuspüren und sie jederzeit wiederherzustellen. Es braucht nur einen Mausklick, um eine einzelne Datei, ein Foto oder eben alles auf einem Mac der Vergangenheit zu entreißen", so Apple. Auch die Media Center-Software Front Row und das Tool Photo Booth (verbesserte Version; inkl. Unterstützung für Webcams anderer Hersteller) zur Erstellung und Bearbeitung von Schnappschüssen sind künftig fester Bestandteil von Mac OS X.

Die Suchtechnologie Spotlight erhält ein umfassendes Upgrade. Diese soll schneller arbeiten, eine umfassendere Vorschau bieten und andere Macs durchsuchen können. Außerdem stehen künftig, wie von vielen Usern gefordert, zahlreiche Suchoptionen und -befehle zur Verfügung (inkl. Unterstützung für Boolean-Suchbefehle und Suche nach Dateiattributen). Mac OS X 10.5 "Leopard" führt virtuelle Desktops ein. Programme für bestimmte Aufgabenstellungen lassen sich in einem "Space" zusammenfassen und bei Bedarf schnell aufrufen. Die verschiedenen Spaces (Arbeitsumgebungen) können aus der Vogelperspektive erfasst und ausgewählt werden. Die Sicherheitsfunktionen wurden verbessert. So gibt es nun z. B. Anti-Phising-Mechanismen in Mail und Safari, eine verbesserte Firewall, die die Netzwerk-Ressourcen von Programmen begrenzen kann, und zusätzliche Funktionen in der Kindersicherung (mit Sperrstunden, Zeitlimits und Fernsteuerung).

Mac OS X 10.5 enthält eine vollständige native 64 Bit-Unterstützung, die laut Apple "Programmen die Vorteile der 64-Bit-Berechnung erschließt und dabei die Geschwindigkeit und Kompatibilität zu bestehenden 32-Bit-Mac OS X-Programmen und -Treibern gewährleistet". Apple Mail wurde um Funktionen wie Vorlagen, Notizen und die Darstellung von RSS-Feeds ergänzt. Aus E-Mails und Notizen lassen sich Aufgaben erstellen, die sich verschicken oder zu iCal hinzufügen lassen. Neu in iChat sind animierte Buddy-Icons, eine Oberfläche mit Tabs, Photo Booth-Effekte und die MöglicMac OS X 10.5 "Leopard"hkeit, das eigene Abbild in beliebige Foto- oder Video-Hintergründe einzusetzen (Bluescreen) sowie die Live-Darstellung von iPhoto-Diashows, Keynote-Präsentationen und der Einsatz von Videos. iCal 3.0 verfügt über Groupware Kalender-Fähigkeiten, eine Event Drop Box und standardbasierte CalDAV-Unterstützung. Die neue Technologie Core Animation soll die Erstellung von visuellen Effekten und Animationen vereinfachen. Die integrierten Bedienungshilfen wurden weiterentwickelt, u. a. gibt es etliche Verbesserungen bei VoiceOver, dem integrierten Screenreader. Entwickler erhalten die neue Entwicklungsumgebung Xcode 3.0 inklusive des Tools Xray zur Performance-Optimierung. DashCode ist eine neue Umgebung zur raschen Erstellung von Dashboard-Widgets.

Apple arbeitet an neuem Server-Betriebssystem. Im Frühjahr 2007 will Apple neben Mac OS X 10.5 "Leopard" auch ein verbessertes Server-Betriebssystem ausliefern. Als Neuerungen für Mac OS X Server 10.5 "Leopard" verspricht Apple u. a. einen iCal- und einen Wiki-Server, den Podcast-Producer zur automatisierten Podcast-Produktion, Open Director 4.0, Unterstützung für Ruby on Rails, einen Spotlight-Server, Performance-Verbesserungen für Dateidienste und eine neue Oberfläche für Einrichtung und Einstellungen. Die zentralen Dienste von Mac OS X Server 10.5, darunter Apache 2, MySQL 5 Postfix, Cyrus, iChat Server und QuickTime Streaming Server sind nun 64 Bit-fähig und für enorme Datenmengen ausgelegt. Eine neue FireWall-Technologie soll Angriffe aktiv aufzeichnen und proaktiv einzelne Hosts sperren können. Der iChat Server 2.0 ist für den Austausch mit GoogleTalk und anderen XMPP-basierten Instant Messaging-Systemen ausgelegt. Xgrid 2 mit GridAnywhere erlaubt das verteilte Rechnen in Umgebungen ohne zugewiesene Controller sowie Scoreboard zur Priorisierung der Aufgabenverteilung an die schnellste verfügbare CPU.

Apple verbessert Cinema Displays, senkt Preise. Neue Flachbildschirme stellte Apple auf der WWDC 2006 nicht vor, dafür gab es eine Preissenkung für die aktuelle Modellreihe. Das 30 Zoll-Cinema HD Display (2560 x 1600 Pixel) mit 20 Zoll ist ab sofort zum Preis von 2199 Euro zu haben, die 23 Zoll-Ausführung (1920 x 1200 Pixel) kostet 1099 Euro. Das Cinema Display mit 20 Zoll (1680 x 1050 Pixel) bietet Apple für 779 Euro an. Außerdem gab es kleinere Verbesserungen. Das 20 und das 23 Zoll-Cinema Display bieten nun ein Kontrastverhältnis von 700:1 (zuvor 400:1). Beide Displays sind zudem heller. Die Helligkeit des 20 Zoll-Cinema Displays beträgt jetzt 300 cd/m2 (zuvor 250 cd/m2), beim 23 Zoll-Modell sind es 400 cd/m2 (vormals 270 cd/m2).

Jobs: "19 Millionen aktive Mac OS X-User". In seiner Keynote nannte Apple-CEO Steve Jobs einige interessante Zahlen. Demnach sei die WWDC 2006 mit mehr als 4200 Teilnehmern die größte Apple-Entwicklerkonferenz, die jemals durchgeführt wurde. Auf der WWDC 2006 stehen 1000 Apple-Entwickler bereit, um die Teilnehmer zu schulen und Hilfestellung zu leisten. Bei der Apple Developer Connection sind nach Angaben von Jobs mehr als 750.000 Entwickler registriert. Die Zahl der aktiven Mac OS X-Anwender bezifferte der Mitbegründer des Unternehmens auf 19 Millionen. Der Bestand an nativer Software für Intel-Macs wird immer größer - mehr als 3000 Anwendungen wurden an Macs mit Intel-Chip angepasst. Gleiches gilt für Dashboard-Widgets: 2500 stehen kostenlos zum Download bereit. Die Resonanz auf Boot Camp sei sehr gut gewesen, man habe bislang 500.000 Downloads der Software gezählt, sagte Jobs. (sw)