RapidWeaver vs. Freeway vs. iWeb

In 20 Minuten zur eigenen Webseite – und das ohne Programmierkenntnisse. Ist das möglich? Wenn es nach den drei Testkandidaten RapidWeaver 4.2, Freeway 5.2.1 Express und iWeb 2.0.4 geht, dann sollte das Vorhaben, eine eigene Seite ins Internet zu bringen, kein Problem mehr sein. MacGadget hat die drei Programme zur Gestaltung von Webseiten getestet.

Briefpapier, Visitenkarte und? Ja und eine Website im Internet. Die benötigen nicht nur Selbstständige für einen gelungenen Unternehmensauftritt. Längst gehört die Präsenz im Web auch im privaten Bereich zum guten Ton. Ist die klassische Geschäftspapierausstattung für die meisten keine Hürde, so sieht das beim Internetauftritt oft anders aus. Die Kosten für Agenturen sind in der Regel ebenso unerschwinglich wie die Leistungen freier Designer. Abhilfe für all diejenigen, die ins Internet möchten, bieten Web-Design-Programme wie RapidWeaver 4.2, Freeway 5.2.1 Express und iWeb 2.0.4. Während das Apple-Produkt iWeb als Bestandteil der iLife-Suite daherkommt, sind die anderen beiden Programme einzeln erhältlich. Besonderheit: Wer einen neuen Mac kauft, der erhält iLife kostenlos dazu. Diejenigen, die auf das Betriebssystem Leopard updaten, schauen dagegen in die Röhre. iLife '08 gehört nicht zum Lieferumfang von Mac OS X 10.5.

iWeb
Die Benutzeroberfläche von iWeb '08 2.0.4


Erfahrungen bei der Erstellung von Internetseiten setzen die Testkandidaten nicht voraus. Besondere Programmierkenntnisse in HTML (Hypertext Markup Language; dient zur Strukturierung von Inhalten) oder CSS (Cascading Style Sheets; legt das Aussehen der Webseite fest) sind ebenso wenig erforderlich, wie das Wissen über die Technologie, um Webseiten per RSS-Feed zu abonnieren. Auch in Programmiersprachen wie JavaScript müssen Einsteiger nicht Zuhause sein. Die drei Anwendungen übernehmen alle diese Aufgaben. Gleiches gilt für Bildmotive: Hoch aufgelöste grafische Elemente werden automatisch heruntergerechnet, um lange Ladezeiten beim Aufrufen des Internetauftritts zu vermeiden.

Der grafische Aufbau der jeweiligen Seiten gestaltet sich einfach. Die Bedienung läuft dabei ähnlich ab, wie viele User das von Textverarbeitungs- oder DTP-Programmen gewöhnt sind. Zur Anwendung kommt das sogenannte WYSIWYG-Prinzip. Demnach sehen die Gestalter bei jedem Arbeitsschritt die unmittelbaren Auswirkungen auf der Arbeitsfläche. Denn: WYSIWYG bedeutet nichts anderes als "Was du siehst, ist das, was Du bekommst."

Erste Schritte & Planung

Das Geheimnis hinter der "kinderleichten Erstellung" der eigenen Webseite liegt in den Vorlagen, die alle Testkandidaten mitbringen. Unterteilt in Kategorien wie Freizeit, Spaß oder auch Reise bilden die Programme das Freizeitleben fast völlig ab und bieten entsprechende vorgefertigte Layoutmuster an. Dort können Einsteiger nach Herzenslust stöbern und werden sicher fündig. Obwohl sich Internetauftritte mit den drei Programmen auch frei gestalten lassen, dienen die Vorlagen in der Regel als Basis für die eigenen Seiten. Sie lassen sich bei allen Programmen variieren – die Möglichkeit der Individualisierung ist also gegeben – wenn auch für Anfänger nicht unbedingt ratsam. Zwar sind auch dabei tiefere Kenntnisse der schon angesprochenen Kenntnisse in HTML & Co. verzichtbar. Das Ganze macht aus einer schnellen Umsetzung aber eher ein zeitaufwendigeres Internetprojekt. Erfahrungen mit den gängigen Programmen im Bereich Desktop Publishing sind dabei sicher von Vorteil.

RapidWeaver
Die Benutzeroberfläche von RapidWeaver 4.2


Wer sich aber für eine der zahllosen Vorlagen entscheidet, kann sofort loslegen und muss sich um so wichtige Dinge wie Seitenaufbau oder Design und Navigation keine Gedanken machen. Die automatischen Funktionen der Programme helfen weiter. Im passenden Look halten die Testkandidaten dann auch die entsprechenden Unterseiten mit Themenwelten wie Blogs, Foto- oder Filmseiten bereit. Wichtig: Auch wenn RapidWeaver, Freeway Express und iWeb mit einer ganzen Armada an Hilfsprogrammen antreten, eines können sie nicht: Die Planung der eigenen Webseite sollte bereits vor dem ersten Arbeitsschritt erfolgt sein. Sonst wird es mühselig und ständige Umbauten ziehen die Arbeiten in die Länge.

Darstellung & Funktionen

In puncto Oberfläche gibt sich keiner der Kandidaten eine Schwäche. Leopard-Anwender fühlen sich sowohl in Freeway 5.2.1 Express und RapidWeaver 4.2 als auch in iWeb 2.0.4 auf Anhieb wohl. Gleiches gilt im Hinblick auf die Bedienung bei der alle auf Einstellungspaletten vertrauen, die so oder ähnlich aus anderen Applikationen bekannt sind. Auch hier bieten die Kontrahenten viel: Neben der weitestgehend intuitiven Funktionalität können sämtliche Medien bequem per Drag & Drop auf die Arbeitsfläche gezogen werden. Die Anbindung an die Bibliotheken von iPhoto und iMovie gelingt nicht nur iWeb vorzüglich. Auch RapidWeaver und Freeway Express beherrschen diese Disziplin aus dem Effeff.

iWeb und RapidWeaver überzeugen vor allem mit einer großen Vielfalt funktioneller und schicker Vorlagen. Bereits mit den Bordmitteln kann RapidWeaver eindrucksvolle Flash-Diashows erstellen. Dafür bedarf es im Vergleich zu iWeb einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Programm. Den Preis für die einfache Bedienung zahlen iWeb-Nutzer mit einigen kleinen Ungenauigkeiten. Manchmal kommt es zu kleinen Problemen mit der Präzision bei Elementen, die pixelgenau platziert wurden. Die sind zwar zu verschmerzen, aber ärgerlich ist das Ganze trotzdem.

Freeway
Die Benutzeroberfläche von Freeway 5.2.1 Express


In puncto Anspruch, Funktionalität und Möglichkeiten legt Freeway die Latte ein ganzes Stück höher. Selbstverständlich bringt auch Freeway für Einsteiger entsprechende Designvorlagen mit. Die Stärken des Programms liegen aber eindeutig in den freien Gestaltungsmöglichkeiten. Die Funktionsvielfalt bietet genügend Raum, um einzigartige Effekte auf der eigenen Seite zu implementieren. Als Freeway-Actions bezeichnete Module erweitern den Funktionsumfang deutlich. In Anlehnung an gängige Layoutprogramme können Gestalter Musterseiten anlegen und die Ansicht zoomen – ein Feature, das man sich für RapidWeaver und iWeb wünschen würde. Es garantiert zügiges Arbeiten und präzise Ergebnisse. Grafiken und Bildelemente können zudem auch manuell optimiert werden, so dass nur die relevanten Bildinformationen gespeichert werden. Photoshop und Illustrator von Adobe werden darüber hinaus per Kontextmenü eingebunden und die Optimierung der Webseiten für das iPhone ist fester Bestandteil von Freeway.

Publizieren & Speichern

Das Überprüfen der eigenen Seite ist bei iWeb "Apple-typisch": Man lässt sich nicht gerne in die Karten schauen und so wird das Ganze tief in der Library gespeichert. Und zwar so, dass man nur mit Tricks und einigen Kenntnissen zwei unterschiedliche Webauftritte separat speichern kann. Das umständliche und wenig userfreundliche Verfahren findet seine Fortsetzung beim Publizieren. Zur Kontrolle muss man den ganzen Auftritt in einem Ordner auf dem eigenen Mac veröffentlichen, um dann über das Aufrufen der Index-Datei im Browser das Ergebnis betrachten zu können. Bei komplexen Seiten ist hier Geduld gefordert. Der direkte Upload, um die Seite im Internet zu veröffentlichen, ist nur zu MobileMe möglich. Der Upload zu anderen Webhostern erfolgt über Ablage -> In einem Ordner veröffentlichen und einen anschließenden FTP-Transfer der extrahierten Dateien.

Funktionsvergleich
Funktionsvergleich


RapidWeaver und Freeway sind hier einen Schritt weiter und haben den Upload per FTP direkt ins Programm implementiert. Und der funktioniert bei RapidWeaver und Freeway sogar inkrementell. Bei Aktualisierungen muss also nicht immer der ganze Internetauftritt auf den Server geladen werden, sondern nur die tatsächlich geänderten Dateien. Ebenfalls praktisch: Beide iWeb-Kontrahenten legen für jeden Internetauftritt eigene Ordner an. Das macht spätere Aktualisierungen und die Archivierung einfach. Außerdem bieten sie eine effektive Vorschaufunktion, die eine Browseransicht beinahe in Echtzeit ermöglicht – ein nicht zu unterschätzendes Feature bei der Arbeit.

Fazit

In 20 Minuten zur eigenen Webseite – das gelingt mit jedem der drei Programme. Wunder sollte man dabei aber nicht erwarten. In dieser kurzen Zeit reicht es nur zum Allernötigsten. In Freeway 5.2.1 Express, RapidWeaver 4.2 und iWeb 2.0.4 steckt wesentlich mehr. Dennoch spricht jedes Programm seine ganz eigene Zielgruppe an. Unvorbelastete Einsteiger kommen mit iWeb auf Anhieb klar, weil die sich die Bedienung stark an die Apple-Programme Pages und Keynote anlehnt. Selbst umfangreiche Seiten lassen sich damit realisieren. Beim Funktionsumfang stößt man aber schnell an Grenzen und gelangt unweigerlich zu Programmen wie RapidWeaver und Freeway Express.

Beide gehen einen Schritt weiter als iWeb. Zwar fällt die Einarbeitungszeit länger aus, dafür besticht RapidWeaver aber durch zahllose Vorlagen auch von Drittherstellern. Freeway Express – der kleine Bruder von Freeway Pro – will seine User an das Profi-Programm heranführen. Das merkt man deutlich an den vielseitigen Möglichkeiten und den Stärken. Wer frei gestalten möchte, der kommt an Freeway Express nicht vorbei. Zudem steht die Bedienung der von Layoutprogrammen wie QuarkXPress oder InDesign nicht nach und ist als vorbildlich zu bezeichnen. Gemeinsam ist allen Testkandidaten die Einhaltung der Webstandards. Probleme treten gelegentlich bei der Darstellung im Internet Explorer auf. Das liegt aber daran, dass dieser viele allgemeine Standards ignoriert.

Links & Spezifikationen

RapidWeaver 4.2
Hersteller: Realmac Software
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.5 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch
Preis: 55 Euro
Demoversion: verfügbar (38,9 MB)

Freeway 5.2.1 Express
Hersteller: Softpress Systems
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch
Preis: 60 Euro
Demoversion: verfügbar (61,0 MB)

iWeb 2.0.4 (Teil von iLife '08)
Hersteller: Apple
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4.9 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere
Preis: 79 Euro (iLife-Komplettpaket; kostenlos bei neuen Macs dabei)
Demoversion: nicht verfügbar

Kommentare

vergleich der Web-Editoren

Hallo,

finde ich Klasse den Vergleich, aber warum fehlt Sandvox?

Beste Grüße C+

Diese Frage stelle ich mir auch

Sandvox ist ein Tool, dass mir persönlich einfacher in der Bedienung ist und vor allem die Templates schneller angepasst werden können.

Gruß Hans