Final Cut Pro X: Virtual-Reality-Spezialist wechselt zu Apple

Macs seien für Virtual-Reality-Anwendungen zu langsam – mit dieser Aussage sorgte vor einem Jahr der Chef des Computerbrillen-Herstellers Oculus, Palmer Luckey, für Aufsehen. Die von Apple verbauten Grafikkarten würden nicht genügend Leistung für Oculus Rift bereitstellen, daher bleibe die VR-Brille weiterhin Windows-only. Zwar sind die Aussagen von Luckey inzwischen überholt (beispielsweise ist das aktuelle 15-Zoll-MacBook-Pro schnell genug für Oculus Rift), an der Firmenpolitik hat sich aber bislang nichts geändert. Indes entwickelt Apple ein gesteigertes Interesse an diesem Bereich.

Dies wird an einer Personalentscheidung deutlich: Tim Dashwood ist seit kurzem für den Mac- und iPhone-Hersteller tätig. Dashwood hat sich unter Final-Cut-Pro-X-Anwendern durch zahlreiche qualitativ hochwertige Plug-ins einen Namen gemacht, allen voran 360VR Toolbox. 360VR Toolbox ermöglicht die Erstellung von Virtual-Reality-Videos mit Apples professioneller Filmbearbeitungssoftware.

Final Cut Pro X

Screenshot von Final Cut Pro X.
Bild: Apple.



Bislang kostet 360VR Toolbox rund 1000 US-Dollar, seit dem Wechsel von Dashwood zu Apple steht die Software kostenlos zum Download bereit. Es ist davon auszugehen, dass Apple weite Teile von 360VR Toolbox oder vielleicht sogar das komplette Plug-in in Final Cut Pro X integrieren wird. Ähnlich ist das Unternehmen vor zwei Jahren mit dem Synthesizer Alchemy verfahren – der Hersteller wurde von Apple übernommen, wenige Monate später war Alchemy ein fester Bestandteil von Logic Pro X.

Gerüchten zufolge soll Apple zusammen mit dem deutschen Unternehmen Carl Zeiss an einer intelligenten Computerbrille arbeiten. Zudem ließ Apple-Chef Tim Cook mehrfach verlauten, dass er Augmented-Reality (AR) für ein interessantes Thema hält. "Ich betrachte AR als eine ähnlich große Idee wie das Smartphone", sagte Cook zu Jahresbeginn während seiner Europa-Tour. AR sei eine Kerntechnologie, die das Potenzial habe, den Menschen im täglichen Leben zu helfen.

In VR-Brillen deckt ein augennaher Bildschirm das gesamte Sichtfeld des Trägers ab. Da das Display den Kopfbewegungen des Trägers folgt, wird das Gefühl erzeugt, sich direkt in der virtuellen Welt zu bewegen. Potenzielle Nutzer interessieren sich einer Umfrage zufolge hauptsächlich für die Möglichkeit, Computer- und Videospiele in der virtuellen Realität zu erleben (41 Prozent). Ebenfalls können sich die Befragten vorstellen, mit VR-Brillen Orte zu bereisen (35 Prozent), Musikkonzerte zu erleben (23 Prozent) oder Filme (20 Prozent) und Sportereignisse (19 Prozent) zu schauen.



Augmented Reality (erweiterte Realität) bedeutet, dass im Sichtbereich Zusatzinformationen eingeblendet werden. So können etwa Informationen über Sehenswürdigkeiten für Touristen oder standortbezogene Wetterberichte angezeigt werden, Erläuterungen bei einem Museumsbesuch oder aber auch Hinweise auf Sonderangebote in nahegelegenen Geschäften.