InDesign CS4 vs. QuarkXPress 8.0

Mit InDesign CS4 schickt Adobe wenige Monate nach dem Erscheinen von QuarkXPress 8.0 eine neue Evolutionsstufe in das Rennen um die Krone des DTP-Publishings (DTP). MacGadget hat beide Programme miteinander verglichen und kommt zu einem interessanten Ergebnis.

Unternehmen, freie Grafiker und semiprofessionelle Anwender freut der intensive Wettbewerb zwischen dem "Newcomer" InDesign und QuarkXPress – dem "Klassiker" unter den DTP-Programmen. Sie werden zwar seit vielen Jahren kräftig zur Kasse gebeten, weil die Alleskönner in Sachen Gestaltung außer Education-Lizenzen keine Sonderangebote kennen. Für den Einsatz entlohnen die DTP-Marktführer ihre Anwender aber mit einem Füllhorn interessanter Features. Und: Der Konkurrenzkampf feuert die Innovationskraft der Entwickler zusätzlich an. Nachdem Schatten und Transparenzen das DTP in zurückliegenden Programmversionen als so genanntes Killerfeature entscheidend verändert haben, liegt ein neuer Entwicklungsschwerpunkt auf der Effizienzsteigerung. Unter dem Gesichtspunkt Evolution statt Revolution liefert Adobe mit einer überarbeiteten Version von InDesign der fast schon weltanschaulich geführten Diskussion um die effektivste DTP-Lösung neue Nahrung.

Optik & Benutzerfreundlichkeit

Grafiker, die das Upgrade von InDesign CS3 auf die Version CS4 durchführen, müssen keine unliebsamen Überraschungen fürchten. In puncto Programmoberfläche hat Adobe weitgehend auf die bewährte Erscheinungsweise vertraut und verzichtet auf umfassende Renovierungsarbeiten. Eine gewisse Zeit der Eingewöhnung sollten dagegen umsteigewillige Gestalter einplanen, die bislang ausschließlich mit QuarkXPress gearbeitet haben. Zwar treten beide DTP-Programme an, um die gleichen Aufgaben zu erledigen. Die Bedienung und die Benennung der Menüpunkte erfordert jedoch eine entsprechende Einarbeitungszeit. Wo QuarkXPress 8 (QXP 8) mit einer als farbenfroh zu bezeichnenden Palettengruppe aufwartet, gefällt InDesign CS4 (ID CS4) in einem Grau zahlreicher Schattierungen.

InDesign CS4
Die Benutzeroberfläche von InDesign CS4


Auffällig ist, dass die Werkzeugpalette von QXP 8 mit 19 verschiedenen Werkzeugen nicht weniger bietet als ID CS4. Diese sind aber in Gruppen so zusammengefasst, dass die zentrale Palette kompakt ausfällt. Feintuning an der Benutzeroberfläche macht das Arbeiten mit ID CS4 dennoch angenehm: Der aufgabenorientierte Arbeitsbereich wirkt übersichtlicher, da nur die Menübefehle und Bedienfeldanordnungen dargestellt werden, die gerade benötigt werden. Praktisch: Der Flut von Fenstern begegnet ID CS4 mit einem simplen aber effektiven Feature. Mehrere geöffnete Dokumente werden in Registerkarten (Tabs) dargestellt – so wie man das aus Safari & Co. kennt. Die Nach-oben-/Nach-unten-Taste lässt sich in ID CS4 zum Verschieben von Absatz- und Zeichenformaten, zum Suchen und Ersetzen von Formaten oder Objektstilen einsetzen. In der Praxis erweist sich die schwebende Maßpalette von QXP aber als Feature auf Augenhöhe.

Für den Fall, gedrehte Inhalte bearbeiten zu müssen, steht ID CS4 der visualisierenden Menschheit mit der Funktion "Drehen der Druckbogenansicht" zur Seite. Anstatt den Kopf zu drehen, lässt sich die Druckbogenansicht entsprechend verändern. Diese Option ist besonders bei gedrehten Kalendern und Tabellen nützlich. Als extrem hilfreich beweist sich eine weitere Detailverbesserung. Auf Wunsch verleiht ID CS4 dem Cursor Intelligenz. Beim Transformieren von Objekten zeigt er die X- und Y-Position, die Breite und Höhe oder die Drehung an – ein Feature, über das das Mac OS X-Programm Bildschirmfoto schon lange verfügt und im DTP-Publishing neu ist. So können Rahmen endlich in der exakt benötigten Größe aufgezogen werden. Das spätere Austarieren der benötigten Größe entfällt somit.

Crossmediales Design & Typografie

QXP hat es vorgemacht, ID CS4 folgt zähneknirschend und räubert dosiert im eigenen Lager, um das Geschäft mit Programmen wie Flash, Acrobat, Photoshop oder Illustrator im Schwung zu halten. Um den Funktionsrückstand zu QXP 8 aufzuholen war Adobe gezwungen, bei ID CS4 auch auf den Flash-Zug aufzuspringen. In der Version CS4 lassen sich jetzt mehr interaktive Elemente darstellen. Seitenübergänge, Schaltflächen oder Hyperlinks sind jetzt nicht mehr nur das Spielfeld von QXP 8. Auch den Export ins SWF-Format beherrschen beide Kontrahenten. Im Hinblick auf die traditionell hervorragenden Typografie-Eigenschaften hat ID CS4 den Standard des Vorgängerprogramms gehalten und beherrscht die Disziplin aus dem Effeff. QXP 8 ist hier talentierter als seine Vorgänger, reicht aber trotz individuell einstellbarem Randausgleich oder erweiterten Designrastern (Grundlinienraster) nicht ganz an ID CS4 heran. In der Praxis fallen die Unterschiede aber eher marginal aus und wirken sich auf die tägliche Arbeit kaum aus.

QuarkXPress 8.0 CS4
Die Benutzeroberfläche von QuarkXPress 8.0


Eine interessante Speziallösung von ID CS4 ist der sogenannte "Text mit Bedingung": Dabei lassen sich Texten bestimmte Parameter zuweisen. Nach dem Prinzip der Ebeneneinblendung über das bekannte Augensymbol wird die Bedingung aktiviert – und der entsprechende Text ist sichtbar – andernfalls eben nicht. Verwaltet wird das Ganze über eine Palette. Das Hinzufügen von benutzerdefinierten Begriffen zum Wörterbücher stellt den betreffenden Ausdruck in ID CS4 jetzt in allen Sprachen zur Verfügung. Anwender wissen aber aus Erfahrung, dass diese Wörterbücher bei beiden Testkandidaten weitgehend unbrauchbar sind.

Workflow & Effektivität

Für Grafiker und Designer ist die Zusammenarbeit der DTP-Programme mit Applikationen wie Photoshop oder Illustrator ein wichtiger Faktor. ID CS4 holt auf diesem Gebiet verloren gegangenes Terrain von QXP 8 zurück und bindet die Programme aus dem eigenen Haus gleich gut an. Wesentliche Verbesserungen betreffen Preflight. Ein Profil überprüft sämtliche für die Ausgabe wichtige Parameter wie verknüpfte Grafiken, Bildauflösungen, Farben oder Schriften. Einmal angelegt, lässt es sich auch in andere Projekte exportieren. Die Prüfung findet automatisch im Hintergrund schon während der gestalterischen Arbeit statt. Eine Ampel in der Fußleiste signalisiert den Projektzustand auch optisch

QXP begegnet Preflight mit einem als Job-Jacket bezeichneten Feature, das sich als mächtig erweist und generalstabsmäßig an mögliche Fehlerquellen und die Einhaltung druckspezifischer Parameter herangeht. Technisch gesehen sind Job-Jackets XMl-Strukturen mit Spezifikationen und Regeln für die Erstellung von QXP-Layouts. Sie lassen sich am ehesten mit einem Ordner vergleichen, der Job-Tickets mit der Beschreibung unterschiedlicher Projekt- und Layouttypen sowie anderer Dateien enthält. Die Job Jackets gehen über das bekannte Preflighting hinaus, weil sie sicherstellen, dass Printjobs von der Erstellung bis zum Verlassen der Druckmaschine alle erforderlichen Spezifikationen einhalten.

Fazit

Die Zeit der Revolutionen bei der Entwicklung von DTP-Programmen ist vorerst vorbei. Derzeit wird der Kampf um das effektivste DTP-Tool auf dem Feld der Evolution ausgetragen. Ziel ist es, den Workflow so effektiv und intuitiv wie möglich zu gestalten. Exakt hier sind die Fortschritte der letzten Jahre ebenso erstaunlich wie verblüffend. ID CS4 und QXP 8 sind leistungsstarke Programme für die Erstellung im Bereich DTP. Nicht nur QuarkXPress hat mit der Version 8 deutliche Effektivitätsvorteile realisiert. InDesign CS4 zeigt, dass hier das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Dennoch: Im Hinblick auf einen verbesserten Workflow hat Adobe zwar zahlreiche Detailverbesserungen und Funktionserweiterungen in ID CS4 implementiert. In puncto Effektivität behält QXP aber dennoch einen ganz entscheidenden Praxis-Vorteil: Grundsätzlich benötigen Anwender immer ein paar Klicks weniger, um zum gewünschten Ziel zu gelangen.

Workflow-Vergleich
Effektiver Workflow: Leichte Vorteile für QXP 8 (benötigte Arbeitsschritte)


Etwas Kritik ist hinsichtlich der Geschäftspolitik von Adobe angebracht. In relativ kurzen Zeiträumen (ca. 18 Monate) erscheinen neue Versionen, was auf die potentielle Kundschaft einen gewissen Investitionsdruck ausübt. Bei Quark sind hingegen die Programmversionen langlebiger und rechtfertigen so den höheren Einstandspreis. Zudem bietet Quark Upgrades ganz gleich von welcher vorangegangenen Programmversion zum Einheitspreis an. Egal ob man von QXP 3 (aus dem Jahr 1990) oder von QXP 6 auf die Version 8 wechseln will, die Kosten sind identisch. Anders bei Adobe. Ein Upgrade auf ID CS4 wird für Besitzer von ID CS1 (aus dem Jahr 2003), CS2 oder CS3 angeboten. Wer die Versionen 1.0, 1.5 oder 2.0 nutzt, muss den vollen Preis für ID CS4 bezahlen. Allerdings ist die Vollversion von ID CS4 deutlich günstiger als QXP 8, und zwar um 500 Euro – ein gewichtiger Punkt bei der Erstausstattung von Arbeitsplätzen.

Weiterer Pluspunkt für Quark: Die Demoversion von QXP 8 lässt sich über einen Zeitraum von 60 Tagen unbeschränkt testen. Im Gegensatz dazu will ID CS4 neue Kunden in nur 30 Tagen überzeugen. Bei Adobe stellt sich außerdem die Frage, warum der Download aus dem Online-Store mehr kostet als der postalische Versand.

InDesign-Dateinamenerweiterungen
ID CS4: Aufgrund der neuen Markup-Language wurde viele Dateiendungen geändert


Links & Spezifikationen

InDesign CS4
Hersteller: Adobe
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4.11 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere Sprachen
Preis: 849 Euro (Vollversion); 249 Euro (Upgrade von InDesign CS1/CS2/CS3)
Demoversion: verfügbar (Testzeitraum: 30 Tage)

QuarkXPress 8.0
Hersteller: Quark
Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4 oder neuer
Sprachen: Deutsch, Englisch und andere Sprachen
Preis: 1349 Euro (Vollversion); 399 Euro (Upgrade von einer beliebigen Vorversion)
Demoversion: verfügbar (Testzeitraum: 60 Tage)

Alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer.