macOS Mojave: Leitfaden für den Umstieg auf das neue Apple-Betriebssystem

24. Sep 2018 13:00 Uhr - Redaktion

Apple hat die Finalversion von macOS Mojave zum Download freigegeben. So verlockend die Installation eines neuen Betriebssystems kurz nach dessen Veröffentlichung auch sein mag, es gibt einige Dinge vor dem Umstieg zu beachten. MacGadget rät: Wer seine Macs beruflich nutzt, sollte erst zu einem späteren Zeitpunkt wechseln.

Hintergrund: Ein Betriebssystem ist eine hochkomplexe Software. Aufgrund dieser Komplexität ist es während der Entwicklungs- und Testphase nahezu unmöglich, alle Fehler aufzuspüren und zu beseitigen. Einige Fehler werden in den vielen Millionen Codezeilen schlichtweg übersehen, andere treten erst im Praxiseinsatz unter spezifischen Bedingungen in spezifischen Konfigurationen auf.

Um zumindest den gröbsten "Kinderkrankheiten" aus dem Weg zu gehen, sollte gewartet werden, bis einige Updates für das neue Betriebssystem veröffentlicht wurden. Im Fall von macOS Mojave also beispielsweise bis zum Erscheinen von Version 10.14.1 oder 10.14.2. Das erste größere Update, macOS 10.14.1, wird für Oktober erwartet. macOS 10.14.2 dürfte im Dezember folgen.

 
macOS Mojave
 
macOS Mojave: Wer seine Macs geschäftlich nutzt, sollte mit dem Umstieg warten.
Bild: Apple.

 

Ungemach droht aber auch von anderer Seite. Die Installation eines neuen Betriebssystems macht überhaupt keinen Sinn, wenn die für die tägliche Arbeit benötigten Programme, Treiber und Plug-ins noch nicht angepasst wurden. Und selbst wenn ein Hersteller bereits macOS-10.14-Kompatibilitätsupdates für seine Produkte herausgegeben hat, sind Probleme nicht auszuschließen, da auch das Zusammenspiel zwischen Mac, neuem Betriebssystem sowie Hard- und Software von Drittherstellern eine komplexe Angelegenheit ist und gravierende Fehler unter Umständen erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt werden.

Die Empfehlung von MacGadget: Anwender, die auf ihre Macs für die tägliche Arbeit angewiesen sind, sollten aus den geschilderten Gründen mit dem Umstieg auf macOS Mojave noch einige Wochen oder Monate warten, bis das Betriebssystem ausgereifter ist und die Hersteller von Hard- und Software grünes Licht für den Einsatz ihrer Produkte unter macOS 10.14 gegeben haben. Es mag bei einem frühzeitigen Wechsel durchaus alles gutgehen, doch im schlimmsten Fall wird ein produktives System komplett lahmgelegt – im beruflichen Alltag der Super-GAU. Klüger ist es, macOS Mojave erst einmal auf einer externen Festplatte oder SSD bzw. einem Zweit- oder Dritt-Mac zu Testzwecken zu installieren – mehr dazu weiter unten im Artikel.

Wer den Umstieg auf macOS Mojave wagt – egal ob schon jetzt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt – sollte einige Grundregeln beachten:

1) Vor der Installation unbedingt ein vollständiges Backup durchführen!

Dies ist die wichtigste Grundregel vor dem Umstieg auf ein neues Betriebssystem. Erst nach einer vollständigen Datensicherung sollte die Installation von macOS 10.14 durchgeführt werden. Damit sind Sie für den Ernstfall gerüstet. Wird das System beispielsweise aufgrund einer Softwareinkompatibilität oder wegen einer durch Stromausfall abgebrochenen Installation unbrauchbar, können Sie dank Backup jederzeit zum vorherigen Stand zurückkehren.

Empfehlenswert sind Backups via Time Machine (manuelles Backup vor der Installation anstoßen) oder die Erstellung einer 1:1-Kopie der gesamten Systems mit dem Festplattendienstprogramm oder Tools wie Carbon Copy Cloner oder SuperDuper. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf beide Datensicherungs-Strategien.

2) Ist Ihr Mac mit macOS Mojave kompatibel?

Für Besitzer älterer Macs gibt es schlechte Nachrichten: Apple hebt mit macOS Mojave die Systemanforderungen an. Das neue Betriebssystem läuft auf folgenden Macs:

- iMac (ab Baujahr 2012)
- MacBook (ab Baujahr 2015)
- MacBook Air (ab Baujahr 2012)
- MacBook Pro (ab Baujahr 2012)
- Mac mini (ab Baujahr 2012)
- Mac Pro (ab Baujahr 2010 mit Metal-kompatibler Grafikkarte)
- iMac Pro (ab Baujahr 2017)

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr System mit macOS Mojave kompatibel ist, rufen Sie das Fenster "Über diesen Mac" aus dem Apfel-Menü auf. Darin wird das genutzte System inklusive Angaben zur Baureihe angezeigt. Das Installationsprogramm wird aus dem Mac-App-Store geladen und benötigt mindestens OS X Mountain Lion.

 
macOS Mojave
 
macOS Mojave: Mit Patch auf offiziell nicht unterstützter Hardware installieren.
Bild: Apple.

 

Trotzdem gibt es eine gute Nachricht: Mittels eines Community-Patches lässt sich macOS Mojave auch auf solchen Macs installieren, die offiziell von Apple nicht mehr unterstützt werden. MacGadget berichtete über diesen Patch bereits mehrfach im Sommer. Wichtig: Noch ist der Patch nicht an die Finalversion von macOS Mojave angepasst worden. Sobald dies der Fall ist, werden wir das Thema wieder aufgreifen.

3) Sind genügend Arbeitsspeicher und Speicherplatz vorhanden?

Nach Angaben von Apple benötigt macOS Mojave mindestens zwei GB Arbeitsspeicher. Erfahrungsgemäß sind jedoch zwei GB RAM zu wenig, um dauerhaft flüssiges Arbeiten mit mehreren Anwendungen zu gewährleisten. Zu empfehlen sind mindestens vier, besser acht GB Arbeitsspeicher. Falls Ihr Mac über weniger als vier GB RAM verfügt, sollten Sie über eine Aufrüstung nachdenken, sofern diese möglich ist.

Zwar hat der Installer von macOS Mojave nur einen Dateiumfang von rund sechs GB, für den Installationsvorgang wird jedoch viel mehr freier Speicherplatz benötigt (zum Beispiel für temporäre Dateien, für das Entpacken von Archiven usw.). Mindestens 20 GB sollten auf dem Startlaufwerk frei sein, damit eine Aktualisierung des Betriebssystems durchgeführt werden kann.

4) Verfügen Sie über eine ausreichend schnelle Internetverbindung?

Für den Download von macOS Mojave ist eine schnelle Internetverbindung sehr zu empfehlen. Der Downloadumfang beträgt rund sechs GB, d. h. bei einer DSL-6000-Leitung dauert es etwa zwei Stunden, bis das Betriebssystem heruntergeladen ist. Wer nicht mindestens über über eine Download-Bandbreite von sechs Mbit/Sekunde verfügt, sollte macOS 10.14 besser über eine andere, schnellere Leitung herunterladen, beispielsweise bei einem Bekannten, auf der Arbeit (sofern vom Arbeitgeber gestattet), in der Uni oder bei einem freundlichen Händler.

5) System aktualisieren oder neu aufsetzen?

Das im Mac-App-Store erhältliche Installationsprogramm von macOS Mojave aktualisiert ein bestehendes System, d. h. alle Daten, Einstellungen sowie installierte Programme, Plug-ins und Treiber bleiben erhalten. Dies ist die normale, empfohlene Vorgehensweise bei der Installation eines neuen Betriebssystems. Es ist nicht erforderlich, einen Mac für macOS 10.14 komplett neu aufzusetzen. Wenn ein System unter macOS High Sierra oder einer älteren Betriebssystemversion reibungslos funktioniert, ist die Aktualisierung auf macOS Mojave via Mac-App-Store der beste Weg.

6) Liste mit angepasster Software

Auch wer den Mac nur zu privaten Zwecken einsetzt, sollte prüfen, ob die von ihm genutzt Software schon unter macOS Mojave läuft. Einen guten Überblick gibt die Web-Seite RoaringApps. Sie liefert basierend auf Anwenderberichten Kompatibilitätsinformationen zu einer Vielzahl an Programmen. Wer allerdings auf Nummer sicher gehen will, wartet die offiziellen Stellungnahmen bzw. Updates der jeweiligen Softwarehersteller ab. MacGadget informiert im Rahmen der laufenden Berichterstattung über die Softwarekompatibilität mit macOS 10.14.

7) macOS Mojave zu Testzwecken auf externem Laufwerk installieren

Wer macOS Mojave kennenlernen, aber etwaigen Problemen im Alltagsbetrieb aus dem Weg gehen möchte, sollte das neue Betriebssystem auf einem externen Laufwerk installieren und davon booten. Am besten durch Klonen der bestehenden Installation auf ein externes Laufwerk (mittels Festplattendienstprogramm, Carbon Copy Cloner oder SuperDuper) und der Aktualisierung des Klons auf macOS 10.14. So lässt sich sehr einfach herausfinden, ob bzw. welche Probleme mit den genutzten Programmen und Peripheriegeräten auftreten. Die bestehende Installation bleibt unberührt und kann wie gewohnt für produktive Tätigkeiten eingesetzt werden. Alternative: macOS Mojave auf einem Zweit- oder Dritt-Mac, der nicht beruflich genutzt wird, zu Testzwecken installieren.

8) Bootfähigen Installations-Stick mit macOS Mojave erstellen

Für verschiedene Situationen kann es sich anbieten, einen bootfähigen Installations-Stick mit dem neuen Betriebssystem zu erstellen, beispielsweise um macOS Mojave auf mehrere Macs zu verteilen. Details dazu finden Sie in unserem Grundlagen-Artikel "Bootfähigen Installations-Stick mit macOS High Sierra/Mojave erzeugen".

Kommentare

... nur hat es bei meinem Time Machine Backup von 10.13.2, als ich es brauchte, nicht funktioniert. Zumindest das Backup vom Gesamtsystem. Wenigstens waren die Daten nicht futsch aber das Vertrauen in Time Machine ist nun schon etwas erschüttert. Freue mich auf Mojave - habe den Eindruck es ist das STABILE High Sierra. High Sierra kam mit seinen Pannen erst zum Ende der Laufzeit zur Ruhe ...

Ich werde wie üblich noch etwas warten, bis ich meine produktiv genutzten Macs auf Mojave umstelle. Entweder mit 10.14.1 oder 10.14.2 - je nachdem, wie es um die Qualität bestellt ist bzw. in welchem Umfang Probleme bekannt werden. Das Feedback der Betatester und Entwickler war ja recht positiv, insofern bin ich diesmal verhalten optimistisch, dass Mojave ein wirkliches solides Release wird - und zwar von Beginn an.