Details zu macOS Catalina: 4K-Video-Support, App-spezifische Spracheinstellungen, verbessertes Fenster-Management, Aus für Dashboard

06. Juni 2019 00:01 Uhr - Redaktion

macOS Catalina (Version 10.15) ist in mehrfacher Hinsicht ein bedeutendes Release: iTunes geht in Rente und wird durch Einzel-Programme ersetzt, neue Technologien ebnen den Weg für die schnelle Portierung von iOS-Apps auf den Mac unter Berücksichtigung nativer macOS-Features, iPads lassen sich als nützliches Werkzeug für den Mac einsetzen (Zusatzdisplay und Grafiktablett), die Sicherheit wird auf die nächste Stufe gehoben, die neue Sprachsteuerung ermöglicht körperlich eingeschränkten Menschen eine noch einfachere Nutzung des Macs und es gibt volle Optimierung für die enorme Rechenleistung des neuen Mac Pro mit bis zu 28 Kernen.

Die wichtigsten Neuerungen haben wir bereits im Artikel "Apple stellt macOS Catalina vor: Mehr Software für den Mac" beleuchtet. Daneben gibt es, wie bei jeder Systemversion, eine Vielzahl kleinerer Neuerungen und Änderungen. Wir haben die Details zu macOS Catalina nachfolgend in Stichpunkten zusammengefasst.

• Die neue Musik-App importiert den kompletten Musikbestand aus iTunes inklusive Wiedergabelisten und selbst importierter Songs aus beliebigen Quellen.

• Die Media-Sharing-Optionen von iTunes sind die Systemeinstellungen => Freigaben verlegt worden.

• Die neue Musik-App bietet Zugriff auf den iTunes-Store zum Suchen und Kaufen von Liedern und Alben (zusätzlich zur Apple-Music-Integration).

• Die Synchronisationsoptionen für iOS-Geräte sind 1:1 übernommen worden und nun über den Finder zugänglich. Auch der lokale Abgleich von Kontakten und Kalendern ist weiterhin möglich, gleiches gilt für Backups und Wiederherstellung.

• iTunes bleibt in älteren Systemversionen erhalten.

• Der Aufspaltung von iTunes hat Apple ein Support-Dokument gewidmet.

 
macOS Catalina
 
macOS Catalina: Die Synchronisation mit iOS-Geräten läuft nun über den Finder.
Bild: Apple.

 

• Wie schon vor einem Jahr von Apple angekündigt: 32-Bit-Software lässt sich nicht mehr nutzen. Der Installer von macOS Catalina warnt den Nutzer vor inkompatiblen 32-Bit-Anwendungen. Wer noch zwingend auf 32-Bit-Software angewiesen ist, kann bei macOS Mojave verbleiben, das noch bis zum Sommer 2021 mit Sicherheitsupdates versorgt wird.

• Es ist nun möglich, spezifische Spracheinstellungen für bestimmte Programme festzulegen. Beispielsweise kann das Betriebssystem auf Deutsch gestellt sein, während Programm A auf Englisch und Programm B auf Französisch läuft.

• Wird, per Sidecar-Funktion, ein iPad als Zusatzbildschirm für den Mac genutzt, so kann dort auf Wunsch die Touch-Bar-Funktionsleiste dargestellt werden. Dies kann in verschiedenen Situationen nützlich sein, um häufig genutzte Funktionen durch einen einzigen Fingertipp auszulösen, wodurch der Workflow spürbar beschleunigt werden kann.

• Sidecar wird sich offenbar nur mit neueren Macs nutzen lassen. Eine offizielle Apple-Liste der unterstützten Baureihen gibt es noch nicht. Allerdings scheint es, zumindest in der Betaversion, möglich zu sein, per Terminal-Befehl die Sidecar-Unterstützung auch auf älteren Rechnern zu aktivieren.

• Das Entsperren der Systemeinstellungen ist nun per Touch-ID-Fingerabdrucksensor möglich.

• Wiedergabe von 4K-Filmen. Während iTunes auf Full-HD-Filme beschränkt ist, unterstützt die neue TV-App die Wiedergabe von Inhalten mit 4K-Auflösung. Außerdem gibt es auf dem Mac nun Dolby-Atmos-Unterstützung. "4K, 4K HDR, 4K Dolby Vision, Dolby Atmos, and HDR10 content is available on all Mac models introduced in 2018 or later with 4K-resolution screens. Dolby Atmos is available on Mac notebooks introduced in 2018 or later", teilte Apple mit. Mit dem Programm VideoProc lassen sich mit einem iPhone aufgenommene 4K-Videos unter macOS bearbeiten.

• Änderung bei der Shell. Statt bash kommt nun zsh (Z shell) zum Einsatz, Apple erläutert dies in einem Support-Dokument.

 
macOS Catalina
 
macOS Catalina: Ein in mehrfacher Hinsicht bedeutendes Release.
Bild: Apple.

 

• VNC-Verbindungen zu macOS Catalina sind deutlich schneller als unter macOS Mojave.

• Das Dashboard gibt es nicht mehr. Eine Alternative sind die Widgets in der "Heute"-Darstellung der Mitteilungszentrale. Es gibt derartige Widgets auch von Drittanbietern (vgl. Mac-App-Store), beispielsweise für Notizen, Einheiten-Umrechner oder wissenschaftliche Rechner.

• Automator und AppleScript sind weiterhin verfügbar, die Automator-App macht einen Sprung von Version 2.9 auf 2.10.

• Screen-Recording-Software muss nun explizit vom Nutzer autorisiert werden, um unbeabsichtigte Aufzeichnungen zu verhindern.

• Einige Features des eingestellten QuickTime 7 sind in den modernen QuickTime Player integriert worden, darunter Erzeugung von Videos aus nummerierten Einzelbildern und Timecode-Unterstützung.

 
macOS Catalina
 
macOS Catalina: Fenster-Anordnung per grünem Button.
Bild: Apple.

 

• Neue Funktionen für das Fenster-Management. Wenn man den Mauszeiger über den grünen Fenster-Button bewegt und Alt drückt, wird ein Menü mit drei Optionen eingeblendet: Vollbild/Zoom, Fenster auf die linke Seite des Bildschirms bewegen und Fenster auf die rechte Seite des Bildschirms bewegen.

• In den Netzwerk-Einstellungen gibt es nun eine Auto-Hotspot-Funktion. Wenn kein bekanntes Netzwerk verfügbar ist, fragt macOS den Nutzer, ob die Verbindung zu einem persönlichen Hotspot hergestellt werden soll.

• Das Quartz-Composer-Framework wird von Apple nun als deprecated (veraltet) geführt, verbleibt aber aus Kompatibilitätsgründen vorerst in macOS. Gleiches gilt für OpenAL. Python, Ruby und Perl werden in künftigen macOS-Versionen nicht mehr mitgeliefert und müssen, sofern benötigt, manuell installiert werden.

• OpenGL und OpenCL sind weiterhin vorhanden, werden aber wie schon in macOS Mojave als deprecated geführt.

• Die Funktionalität des Bug-Reporters wurde in den Feedback-Assistant integriert.

• Zoom auf Zweitbildschirm. Die Zoomfunktion lässt sich nun explizit nur für einen bestimmten Monitor nutzen, was beispielsweise für Präsentationen nützlich ist.

• Das Layout der Systemeinstellungen wurde überarbeitet, die Apple-ID-Einstellungen sind nun ganz oben zu finden.

• Das Standard-Desktop-Hintergrundbild von macOS Catalina ist hier zu finden.

• TLS-Server-Zertifikate müssen mit SHA-2 signiert sein. Die als unsicher geltende SHA-1-Signierung wird nicht mehr unterstützt.

• Das neue schreibgeschützte Systemvolume wird sich clonen lassen, schreibt CCC-Chefentwickler Mike Bombich. Durch die Neuerung kann eventuell durchgeschlüpfte Schadsoftware keine Änderung mehr am Kernsystem vornehmen. "Apple has implemented this in a manner that will be (almost) completely transparent to the end user", so Bombich.

• Die neue Sprachsteuerung wird anfangs nur auf Englisch funktionieren, weitere Sprachen sollen schrittweise ergänzt werden.

• Inzwischen sind die Release-Notes zur Betaversion von macOS 10.15 verfügbar.

• Es gibt auch Verbesserungen für die Grafik-Engine Metal: "Metal Performance Shaders provides new options for image processing, Machine Learning, and ray tracing, including GPU generation and dynamic updates of ray tracing acceleration structures."

• Die Fotosoftware Aperture läuft nicht mehr.

macOS Catalina: Vorschau ermöglicht Signieren von Dokumenten via iOS.

Kommentare

Seit Jahren macht die App hyperdock diese Aufgabe aber so richtig richtig! Wieso sind Apple-Lösungen oft ein fader, weil limitierter Abklatsch? Wie die Screenrecording-Sache (CMD+Shift+5) - auch so halbbacken und grauenhaft in Sachen Bedienung.

Welche Mac Modelle sind aus 2018 was 4k Videos betrifft? Mac models introduced in 2018... iMacs wurden erst 2019 aktualisiert trotz 5 K Bildschirm aus 2017, somit müsste es doch erst ab 2019 heißen, zumindest was iMacs betrifft oder?

Freut mich, dass OpenGL und OpenCL noch drin sind. Es wäre einfach zu früh gewesen, das schon jetzt rauszunehmen.

Abgesehen davon freut mich die kontinuierliche Weiterentwicklung von macOS sehr. Dass lokaler Sync weiter möglich ist, sehr gut!

Wie so vieles ist es Geschmacksache. Es gibt ja einige dieser Fenster-Verwalter. Bin ich wieder davon abgekommen. Ganz nett, mir aber zu umständlich, bleibe ich beim gurten Alten, schnell, intuitiv und performant, etwas ziehen. Screenrecoding mache ich jetzt auch nicht mit dieser Tastenkombination, sondern von QuickTine aus. Gibt ja Alternativen, auch mit Bordmitteln.

Sehr lesenswert!

Es ist völlig normal, das veraltete Technologien eingestellt und entfernt werden und neue Technologien eingeführt werden. Wäre dem nicht so, wäre macOS ein verfettetes bloatware System - gottseidank nicht!

Metal rockt hart und macht z. B. Projekt Catalyst überhaupt erst auf dem Mac möglich. Es wäre nicht machbar, wenn erst von Metal auf OpenGL geportet werden müsste.

iOS Sync direkt im Finder finde ich sehr elegant gelöst. Dem Nutzer wird nichts weggenommen.

Unter Entwicklern ist gerade so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren. Die Möglichkeit, mit identischen Ressourcen künftig auch native macOS-Apps zu erzeugen, wird als hochwillkommen aufgenommen. SwiftUI ist dann nochmal ein Gamechanger, langfristig, für die Developer.

Zum Fenster-Management möchte ich einen alternativen Blickwinkel einwerfen: Angenommen, Apple würde einen sehr leistungsstarken Fenster-Manager in macOS einbauen. Mit unzähligen Features und Einstellungsoptionen. Das würde auf einen Schlag die vielen Fenster-Tools von Drittanbietern killen. Wäre das im Sinne der Plattform?

Ich sage Nein! Apple implementiert grundlegende Funktionen im System, lässt aber gleichzeitig genügend Raum für Entwickler, damit die ihre eigenen Ideen für fortgeschrittene Nutzer umsetzen können. Das ist gut für das Ecosystem. Jeder Entwickler hat so einen eigenen Ansatz, wie er sich das Fenster-Management vorstellt. Von den vielen Apps ist doch für jeden etwas dabei. Vielfalt ist gut. Es wäre fatal für das Mac-Ecosystem, wenn Apple den ganzen Fenster-Managern das Wasser abgraben würde.

Deswegen finde ich den Ansatz in Ordnung, dass Apple da sehr behutsam vorgeht und den Herstellern genügend Luft zum Atmen lässt für eigene Ideen. macOS ist die Basis, auf die Drittanbieter aufsetzen. Das sollte nie vergessen werden.